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Polyvieux: Duke Nukem 3D

altEnk leistet Starthilfe für Neu-Duke-ianer: Die Duke Nukem Reihe, ursprünglich als Jump’n’Run begonnen, mutierte mit dem dritten Teil Duke Nukem 3D zum Egoshooter und setzte damit einen Meilenstein dieses Genres. Zwar waren Egoshooter 1996 nicht mehr neu, nach Wolfenstein 3D hatte 1993 Doom für den Durchbruch gesorgt. Das besondere an Duke Nukem 3D war allerdings die Kombination aus einem flüssig spielbaren Shooter mit einem extrem coolen Setting, das die nötige Portion Selbstironie beinhaltete und sich sehr mutig politisch unkorrekt gab. Duke Nukem war der obercoole Actionheld, immer für einen one-liner gut, gerne sexistisch, eine grotesk übersteigerte Mischung aus Schwarzenegger, Stalone und Bruce Willis. Das war mal was ganz anderes als die finster-düstere Stimmung der Genre-Konkurrenten Doom oder Quake. Zwar gabs auch beim Duke ‘ne Menge fieser Monster und brutaler Gefechte, aber nie ohne entsprechenden comic relief durch einen coolen Spruch des Meisters, eine versteckte Anspielung oder eine Referenz auf Popkulturikonen wie Indiana Jones. Und dass alles technisch auf der Höhe der Zeit.

Spannend und neu bei Duke waren nicht zuletzt die Freiheitsgrade. Man konnte nicht nur wild um sich schießend durch die Level rennen, sondern nebenbei auch viele Dinge in der Duke-3D Welt tun, die nichts mit Level und Story zu tun hatten: die Toilette benutzen, in den Spiegel schauen (“damn, I’m looking good”), Stripperinnen Dollarscheine zustecken (die dann bereitwillig zeigten, was sie hatten), einen Duke-Nukem-Flipper spielen (“I have balls of steel”), oder, Krönung der Selbstreferenzialität, auf einem herumstehenden Computer oder einem Spielautomaten Duke Nukem spielen (oder auch nicht “I don’t have time to play with myself”).

altGrobi spielt direkt mal den Klugscheißer: Lieber Enk, ich kann mich täuschen, aber meines Erachtens ist “Duke Nukem 3D” ein paar Monate vor “Quake” erschienen. Ist aber auch egal, denn es gibt in einem Level einen Trigger, der ein Erdbeben auslöst und ein Haus einstürzen lässt, wozu der Duke nur eines seiner Wortspiele raunt: “I ain’t afraid of no quake.” Und womit? Mit Recht! Die Duke-Grafikengine bekam zwar nur so ein Pseudo-3D gebacken, mit viel Getrickse haben die Designer da aber eine funktionierende Illusion hingezaubert. Wenn man wie ich ein bißchen mit dem Leveleditor herumgespielt hat, konnte man leicht feststellen, dass es zum Beispiel gar nicht möglich war, richtig dreidimensionale Strukturen wie zum Beispiel mehrere Räume übereinander herzustellen. Das war einfach technisch nicht drin und wurde in den Profilevels nur mit Hilfe von allerhand Flickwerk umgesetzt. “Smoke and mirrors” sagt der Engländer dazu.

Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, sowas. Carmacks “Quake”-Engine war dagegen astreines, “echtes” 3D. Wie auch die Gegner echte räumliche Figuren waren und nicht bloß platte Bitmaps wie bei der Konkurrenz von 3D Realms. Und natürlich stammte der Soundtrack bei id aus der Feder von Trent Reznor. Aber dann hörts auch schon auf. Schließlich ist das hier ein Duke Nukem-Polyvieux. Und ausserdem war der Duke wesentlich cooler. Punkt. So eine schamlose Zurschaustellung von Splatter, Testosteron und Sexismus hat man im Jahr 1996 nicht alle Tage gesehen. Ich war damals noch nicht komplett volljährig, aber ich kann mich erinnern, dass ich mit einem Freund zu einer dieser furchtbaren sonntäglichen Computer- und Spielebörsen (ein Umschlagplatz für Hardware, Software und Porno-CDs, also der natürliche Lebensraum des Nerds) in die ferne Kreisstadt gefahren bin, um genau dieses Spiel zu erstehen. Ich werde wohl nie vergessen, wie uns der Verkäufer mit den Worten “ungeschnitten und mit richtig viel Blut” die riesigen Pappverpackungen in die Hand gedrückt hat. Gegen den entsprechenden Einwurf einer nicht mehr zu rekonstruierenden Menge Deutschmark, natürlich. Diese unbekannte Menge Geld für ein Computerspiel anzuhäufen, war als Schüler kein Pappenstiel, aber für uns war es damals glasklar, dieses Spiel auf jeden Fall durch Kauf in unseren Besitz bringen zu müssen.

Jetzt kommt kurz die Masche “Opa erzählt vom Krieg”, denn damals war die Zockerwelt noch in Ordnung und manche Publisher folgten der für Spieler äusserst angenehmen Gewohnheit, Probeversionen zu veröffentlichen, die diesen Namen mehr als verdient hatten. Als wir uns damals mit Geldscheinen bewaffnet auf die Reise zu diesem Markt gemacht haben, waren wir nicht aufgebrochen, um die Katze im Sack zu kaufen. Jede einzelne Mark war bewusst angespart worden und sollte in etwas investiert werden, was wir schon kannten und dessen erste Episode wir bereits bis zum Ballerspielefingerkrampf gespielt hatten. Nö, keine Raubmordkopie.

Damals war es einfach Usus, die erste Episode (also einen lose zusammenhängenden Haufen Levels, der ein Kapitel formte) als Public Domain zu veröffentlichen. Das geht zurück bis in die Vor-”Doom”-Zeit. Wir reden hier nicht von einer zeitbeschränkten Demo, in der man das Tutorial oder 20 Minuten des ersten Levels spielen kann, sondern von dem kompletten Paket. Vielleicht waren nicht alle Waffentypen enthalten, aber für lau gab es ein paar kurze Stündchen professionellen Spielspaßes. Damit vergleichbar wäre vielleicht, wenn Rockstar heute eine komplette Insel ihres GTA – Liberty City mit den ersten fünf Missionen, aber nicht allen Waffen und Fahrzeugen frei veröffentlichen würde. Aber das ist undenkbar, denn dann könnte der gemeine Spieler sich seine Meinung ja anhand des lebenden Objektes selbst bilden.

Damals war ich auch noch nicht des Zockens übersättigt, es gab technische und spielmechanische Innovationen am laufenden Band (man verzeihe dem wehmütig übertriebenden Gejammer eines alten Manns), Spiele mit Macken waren noch Spiele mit Charme und natürlich hatte der Schüler von Welt genügend Zeit, seine Gewaltspiele mehrere Male durchzuspielen. Und es lohnte sich, denn die Welt von Duke Nukem 3D steckte voller Details, Witze und Anspielungen. Und in ein halbes Dutzend “gibs” zerplatzende pig cops waren ein merkwürdig befriedigendes Erlebnis. Vor allem, wenn im Hintergrund Metal dröhnte.

Und solche bescheuerten Dinge wie die Schrumpfkanone hat die Welt nicht mehr gesehen, von dem damals noch frischen Umgebungen und Levelideen ganz zu schweigen. Hey du! Wann hattest du deine letzte Spieleschiesserei in einem Pornokino? Siehste, das meine ich! Bei dieser überbordenden Kreativität und Grenzensprengerei war es fast zwangsläufig, dass sogar unkreative Pfeifen wie ich dazu gebracht wurden, sich mit den alles andere als intuitiven Editoren auseinander zu setzen, um ihre eigenen Levels zu bauen. Egal, ob die jemals von einer dritten Person gespielt werden. Ach. Those where the times

altEnk grätscht kurz dazwischen: Hmm… Wo genau behaupte ich, dass Duke vor Quake erschienen ist?

 

altGrobi erwidert: Du behauptest es nicht direkt, aber der Satz “Das war mal was ganz anderes als die finster-düstere Stimmung der Genre-Konkurrenten Doom oder Quake” impliziert es. Allerdings war Quake schon lange angekündigt und jeder konnte sich denken, worum es ging, also ist das eigentlich nur Haarspalterei. Ich brauchte halt einen Einstieg. ;)

altSpielerDrei kann nicht mitreden (ein unverzeihlicher Lapsus für den prototypischen Obernerd schlechthin): Ich hab den Duke nie gespielt. Als ich meinen ersten eigenen PC hatte, gabs schon Quake. Und als ich noch nen fremden PC zur freien Verfügung hatte, gabs dort nur das eine verbotene Spiel mit Nazis, das andere verbotene Spiel mit Triaden und das dritte verbotene Spiel aufm Mars.

altChristian kann auch nicht mitreden (aber das wundert ja niemanden. Auch nicht, dass er natürlich trotzdem seinen Senf abgeben muss): Dass Ihr auch immer PC-Spiele nehmen müsst… Wo ich meinen ersten eigenen PC doch erst ab 2003 hatte, nach 3 Jahren Nutzung einer alten Gurke im elterlichen Haus. Mein erstes eigenes PC-Spiel war vermutlich Need for Speed: Underground oder C&C Generals (ja, die indizierte Fassung), oder so. Davor hab ich nur Age of Empires 2 und die Demo von Red Faction spielen können  (und vorher nur bei Freunden so Sachen wie Monkey Island 2, Wing Commander oder Red Baron… Laaaaaang ist’s her). Von Duke Nukem habe ich eigentlich nur Manhattan Project, oder wie das hieß, gespielt. Eines der Side-Scroll Jump’n’Runs. Lag mal der Gamestar bei, damals, als ich sie noch gelesen habe. Da Jump’n’Runs auf dem PC aber seit jeher Scheiße sind (Steuerung und so, you know?), war ich davon nicht so recht begeistert. Auch wenn’s vom Leveldesign und vor allem vom Humor her natürlich gut gemacht war.

Meine Erinnerungen daran sind auch löchriger als Schweizer Käse, in dem eine Mäusebande haust. Aber egal. Eigentlich habe ich doch schon alles gesagt: Jump’n’Runs auf dem PC funktionieren nicht, aber der Humor war cool. Fertig :-D

altSpielerDrei kann nun doch noch etwas Nerdwissen aus dem Ärmel zaubern: Hey, stimmt ja, das habe ich gespielt (sogar getestet, haha). Zwei Fakten über das herrliche Project Manhattan-Spinoff: Die Entwickler, Sunstorm Entertainment, dürfen mit dem zweifelhaften Ruf leben, mit der Veröffentlichung von Deer Hunter ein ganzes furchtbares Untergenre losgetreten zu haben, und anstatt Health gabs in Project Manhattan Ego, welches nicht nur durch handelsübliche Medkits, sondern auch das Befreien von Geiseln und dem Töten von Gegnern stieg. Diese Mechanik, in ähnlicher Form auch in den Fear Effects zu finden, begeistert durch die Verschlankung aufs Wesentliche und erlaubt überdies das Überleben in noch so medkitfreien Zonen, was der Spielbalance zugute kommt. Würde ich zu sehr abschweifen, wenn ich jetzt noch auf mein Lieblingsbeispiel der Gesundschrumpfung zu Sprechen käme, namentlich dass man in Legend of Zelda 1, anstatt dass man in Shops Pfeile kauft, einfach pro Bogenschuss einen Rubin abgezogen kriegt? Wahrscheinlich.

altSpielerZwei stößt dazu: Christian, Dein Steuerungs-Argument gegen Jump’n’Runs auf dem PC ist super. Aber neuerdings – so etwa seit 20-25 Jahren – kann man ja auch Gamepads an so einen PC anschließen… :lol: Ich habe auf dem PC diverse Jump’n’Runs mit Pad gespielt und sehr viel Spaß gehabt: Pandemonium, Earthworm Jim, Commander Keen, Rayman, und, und, und.

altChristian erwidert: Papperlapapp, alles Schnickschnack. Gamepads haben an PCs nichts verloren. Ach ja: Ich hatte übrigens immer einen SmartJoy-Adapter für mein Playstation-Pad im Haus, so dass ich das auch am PC nutzen konnte. Aber ich glaube, das hatte nicht so richtig gewollt, mit dem Duke. Vielleicht war das Spiel ja auch doch Mist und ich hatte einfach keine Lust mehr. Oder ich hatte zuviel anderes Zeug in der Warteschleife. Oder, oder, oder… Keine Ahnung. Jedenfalls ist es nicht großartig hängen geblieben.

altSpielerZwei wedelt mit der Kultschaufel: Wahrscheinlich hat wirklich jeder Spieler den jahrelangen Hype um den Duke mitbekommen, ob er nun wollte oder nicht. Duke Nukem 3D ist ein absolutes Kultspiel. Daher war die jahrelange Entwicklungs- und Verschiebungsorgie des Nachfolgers auch immer mehr als nur ein Treppenwitz in Gamerkreisen. Ja klar, wir haben alle unsere “When it’s done!”-Witze gemacht, aber zumindest diejenigen unter uns, die damals den Release von Duke 3D miterlebt haben, waren trotz all des absurden Gebarens seitens 3DRealms bis zum Schluss doch irgendwie gespannt und hatten hohe Erwartungen an Duke Nukem Forever. Alle, die das Gegenteil von sich behaupten, wollen nur einen auf Cool machen.

Die jüngeren Gamer werden sich indes so manches Mal gefragt haben, was denn überhaupt so toll ist, an diesem Duke, diesem Dolph Lundgren-Imitat aus der First-Person-Shooter-Steinzeit? – Die technische Seite war es jedenfalls nicht, wie Grobi schon ausgeführt hat. Hier hatten id software mit ihrer damals brandneuen Quake-Engine ganz klar die Nase vorn. Aber in so ziemlich allen anderen Punkten war Duke Nukem 3D das coolere Spiel: Die hirnverbrannt-witzige Story von den Aliens, die alle heißen Chicks der Erde entführen wollten, das bis heute wegweisende Leveldesign, das unglaublich kreative Waffenarsenal (inklusive Schrumpfkanone und Gefrierstrahl), die innovativen Gadgets (Jetpack, Holo-Duke, etc.) und vor allem der blonde Muskelmann mit der Sonnenbrille und den markigen Onelinern.

Duke Nukem war, wie Enk schon richtig festgestellt hat, kein Surrogat, sondern ein Extrakt des 90er Jahre Action-Film-Helden. Und das in einem Videospielgenre, das bis heute eine erschreckend kurze Liste von wirklich erinnerungswürdigen Protagonisten mit tatsächlichem Identifikationswert vorzuweisen hat! Ich meine: Sah wirklich irgendjemand den geklonten Doom Space Marine oder die Blassnase Gordon Freeman jemals als sein Alter Ego an?!

Das mit Abstand sympathischste an der Figur Duke Nukem war, dass er sowohl seine Gegner, als auch sich selbst nicht ernst nahm, was ebenfalls eine deutliche Analogie zum Action-Kino der damaligen Zeit ist. Jede noch so absurde Over-The-Top-Situation im Spiel kommentierte der Duke mit zynischen und selbstironischen Sprüchen. Hätte er für jedes seiner weltberühmten Zitate einen Dollar ins Phrasenschwein werfen müssen, er wäre selbst als Millionär niemals über die Shareware-Episode hinausgekommen… Und auch wenn das Spiel in so vielen wichtigen Bereichen Videospielmaßstäbe gesetzt hat (unvergesslich z.B. der größte Endgegner, den es bis dahin jemals in einem Game gegeben hatte), so wird er für mich vor allem immer eines bleiben: Der absolut coolste Videospielheld aller Zeiten! Hail to the king, baby!

altChristian, Miesepeter, der er ist, wagt es, die spielgeschichtliche Bedeutsamkeit des Dukes in Frage zu stellen: Beim Duke wirft sich mir ja unterm Strich vor allem eine Frage auf: Hatte er eigentlich über seinen Status als Running Gag einer ganzen Generation hinaus irgendeine spielerisch oder geschichtlich bedeutsame Position innerhalb des Mikrokosmos Games? Vielleicht ist die Frage ja unglaublicher Frevel, aber wenn ich mal versuche mich zurückzuerinnern, in welchem Zusammenhang mir der Duke wirklich im Gedächtnis hängen geblieben ist bzw. welcher Art er von sich Reden gemacht hat, dann komme ich immer bloß auf die never ending story und das Hickhack rund um eine vermeintlich jeden Augenblick bevorstehende Veröffentlichung von Duke Nukem Forever. Das aber, zugegeben, in allerhöchst unterhaltsamen Ausmaßen. Auf spielerischer Ebene frage ich mich allerdings: war da was? – Schade auch zu sehen, wie 3D Realms sich nach dem offiziellen Aus des Dukes mit immer neuen VÖ-Meldungen zu Duke Nukem Forever lächerlich macht. Ekelhaft.

altEnk ist milde erzürnt: Du hast recht, diese Frage ist unglaublicher Frevel.

 

altSpielerZwei kann’s nicht glauben: Vor allem, da Enk, Grobi und ich eigentlich schon erklärt haben, warum Duke3D ein sehr, sehr wichtiges Spiel war. :D

altChristian legt es unbedingt auf Schläge an: D… D… Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich Eure Artikel wirklich lese, oder? :D

altSpielerZwei entgegnet: Natürlich nicht. Wirke ich so naiv auf Dich? ;)

 

altPuschel versucht die Diskussion wieder in geordnete Bahnen zu lenken: Ich würde ja gerne noch etwas hinzufügen, nur mir fällt nichts Wesentliches mehr ein. Vielleicht finde ich noch die Packung, lege sie halbgeöffnet in die herausgezogene Schreibtischschublade, atme den Duft der Vergangenheit ein und meine Erinnerungen fliessen in Proust’scher Manier dann aus mir heraus… Man konnte nach oben sehen, man konnte sich im Spiegel sehen, man konnte die Umgebung zerstören (zumindest sehr genau umrissene Teile der Umgebung), die Umgebung veränderte sich (Stichwort Raketenstart), die Geheimgänge waren deutlich interessanter als auf einer bekannten Mondbasis, man fand dafür unter anderem einen “doomed space marine“, Peep Shows (inklusive der Kabinen) gab’s, simulierte Raumstationen, echte Raumstationen, Gewalt gegen wehrlose Frauen, weiße Broncos auf der Flucht… Es war kindisch und gleichzeitig etwas für Erwachsene, ob für kindische Erwachsene oder erwachsene Kinder, ich weiss es nicht. Großes Kino, man muss aber dabei gewesen sein, denn heute ist es ohne Nostalgiebonus bestenfalls lachhaft. Das Los eines Revolutionärs, dessen Leistungen von den zwanzig folgenden Revolutionen zur Fussnote degradiert wurden.

altDaniel schwelgt in träumerischer Erinnerung: Ich schließe die Augen. Als ich sie wieder öffne bin ich 9 Jahre alt. Ich stehe im Zimmer meines Bruders und schaue über seine Schulter auf den 15″ Röhrenbildschirm. Der Duke reißt gerade einem großen Alien den Kopf ab, lässt die Hose fallen und verrichtet sein Geschäft in dessen Hals. Ich blinzle und springe einige Jahre in die Zukunft. “Hast du eigentlich noch irgendwo Duke Nukem 3D rumliegen?”, frage ich meinen Bruder in seiner ersten Wohnung. “Ne, das habe ich mal jemandem ausgeliehen und nie zurückbekommen.” Schade, denke ich.

altWenn der Duke ruft, kommt sogar SpielerVier aus seiner Höhle gekrochen, um dieses Polyvieux mit seinen abschließenden Worten zu segnen: Jaaa, der Duke… Damals habe ich Erscheinungsterminen von PC-Spielen noch gar nicht entgegengefiebert. Irgendwann kam dann mal ein Kumpel vorbei, der mir von diesem neuen, unglaublich coolen Spiel erzählte, bei dem man Gegner einfrieren/schrumpfen und zertreten kann. (Es war übrigens der gleiche Kumpel, der mir Doom und Quake zukommen ließ. Vielleicht hätte mein Leben eine überraschend positivere Entwicklung erfahren, wenn ich mich schon damals von ihm ferngehalten hätte). Jedenfalls war das Teil schnell alsbald gestartet und entfaltete einen Spaß-Faktor erster Kajüte. Technisch fand ich das Teil damals richtig beeindruckend, mit seinen Spiegeleffekten und der an manchen Stellen zerstörbaren Umgebung. Den Humor fand ich damals aufgrund noch nicht völlig ausgereifter Englischkenntnisse zwar ganz nett, manche feinsinnigen Bonmots des Duke sind aber dennoch entgangen und entfalteten erst weit nach Release ihre volle Wirkung.

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17 Kommentare

  1. jello - 18.01.2010 14:06

    Wer sagt, Platformer würden auf dem PC nicht funktionieren, is’n Ketzer… oder hat einfach kein gutes gespielt [Commander Keen, anyone?].

  2. Christian - 18.01.2010 17:29

    Du holst doch jetzt kein 20 Jahre altes Spiel als Referenz dafür hervor, dass der PC eine tolle Jump’n’Run-Plattform wäre, oder?
    Das ist ja als würde ich behaupten Strike Commander wäre der beste Beweis dafür, dass das Flight-Sim-Genre nach wie vor überaus lebendig wäre.

  3. jello - 18.01.2010 19:02

    Doch, da es immer noch eines der besten ist [also die Episoden 4 bis 6 auf jeden Fall], was im Umkehrschluss allerdings nat. kein all zu gutes Licht auf aktuellere Vertreter wirft, zugegeben…

  4. Kirby - 18.01.2010 19:18

    Ach der Duke. Als es erschien war ich 11, erstmals gespielt habe ich es wohl 2 Jahre später (meine Güte, sowas darf man heute wohl eigentlich garnicht mehr sagen, oder?). Und ich fand es phantastisch.
    Aber am meisten verbinde ich mit Duke3D meine ersten “LAN-Parties”. Zu dritt im viel zu warmen Zimmer im Dachgeschoss den ganzen Tag mit Deathmatch verbracht. Und war das ein Spaß meine Freunde zu schrumpfen. Oder geschrumpft mit dem Jetpack in Sicherheit zu düsen. Oder tolle Holoduke-Fallen aufzubauen auf die nie jemand reingefallen ist. Oder ganze Levelabschnitte mit Laserminen unzugänglich zu machen.

    Kleiner Tipp, falls jemand versuchen möchte das heute noch nachzuvollziehen: Das Spiel gibt’s für wenig Geld bei gog.com. Wobei ich nicht weiß (und nicht beurteilen kann) ob es ohne diesen Nostalgiebonus noch spielenswert ist. Immerhin gibt’s Graphikmods, die das ganze durchaus ansehnlich machen. :)

  5. grobi - 18.01.2010 21:59

    Besagte Grafikmods sind zum Beispiel hier in den Kommentaren erwähnt.

    Und wenn ich schon einmal beim schamlosen Bewerben meiner Heim-Seite bin: Packshots haben die Vierfäuste auch zu bieten.

  6. Jander - 19.01.2010 13:22

    Ach ja… *schwelg*

    Neben ausgiebigen “You wanna dance?” und “Shake it, baby” Orgien erinnere ich mich noch an eine Szene, die für damalige Spiele revolutionär war: Ein begehbares Uboot. Ist heute selbstverständlich (siehe z.B. Uncharted 1), aber damals…

    Ach ja *schwelg*

    BTW: Toller Artikel!!

  7. Aulbath - 20.01.2010 00:31

    Ach ja… der Duke. Duke Nukum war das erste Spiel was ich auf Vaters erster heimischer und damals brandaktueller (386SX mit turboschnellen 33Hz… ja, HZ! und fettesten 4 MB Ram!) Hardware relativ zeitnah nach dem Mauerfall spielen durfte.

    In all seiner EGA Glorie.

    Ich persönlich verbinde mit dem Duke daher vorallem Teil 1 und speziell die Episode: “Shrapnel City”. Teil 2 war dann mal auf einer dieser Shareware Compilations für 15 DM drauf… zusammen mit Halloween Harry und Raptor. Ein absolutes Brett, visuell locker die 16 Bit Hardware und diverse Amiga-Titel in den Schatten stellend und ein alles vernichtender Soundtrack der in den Standardeinstellungen SO extrem laut war, das ich das Spiel ohne Sound spielen musste, denn damals gab’s noch keine Lautstärkeregler an den Boxen! Ja ha… so war das!

    Und wisst ihr warum ich mir wähend der Klassenfahrt nach England Duke 3D in der Kixx-Edition (so’n magenta-lila farbenes Digipak) zugelegt habe? Weil da Duke Nukum und Duke Nukem II mit drauf waren als vollständige Vollversionen.

    Ansonsten Quake > Duke Nukem 3D in allen Belangen…

    Mein Fav. auf ewig bleibt allerdings das originale Doom und da auch die erste Shareware Episode, dieses Verwässern des gameplays was mit DN3D begonnen hat, hat mir nie gefallen – und ganz ehrlich, bis auf die Titten waren die meisten “aktionen” nach dem ersten Mal doch reichlich langweilig (und wenn man es genau nimmt, eine Textzeile abspielen wenn man etwas anklickt war in der Hochzeit der Adventures nicht der alles wegflashende Überburner).

    Im Übrigen, Duke’s fernöstlichen Kollegen Lo Wang fand ich insgesamt cooler – auch wenn es dasselbe in asia war. Aber der heftige Akzent und die teilweise sehr exotischen Schauplätze nebst angeketteter Lara (she raided the last tomb) waren einfach besser.

    Quake hatte als Endboss Shub-Niggurath… und gewinnt damit den Awesome-Award.

    Erwähnte ich schon Quake?

    QUAKE!

  8. Peter - 20.01.2010 13:47

    Wir haben damals nur den Multiplayer Modus gezockt..den aber für Monate.

  9. Frank - 20.01.2010 15:47

    Duke vs. Quake?

    Die Frage hätte damals fast dazu geführt dass unser Familienstammbaum ein unrümliches Ende genommen hätte… Naja ganz so schlimm wars nicht, aber mein Bruder (damals 12) und ich (damals 14) haben uns zu der Zeit wochenlang darüber bekriegt welcher Shooter denn der bessere sei. Der Duke hat letztenendes gewonnen, da ich der ältere und stärkere war ;)

    Im Nachhinein würde ich sagen dass beide Spiele etwa gleich hoch anzusehen sind. Technisch war Quake sicherlich eine Generation weiter, vom Unterhaltungsfaktor her fand ich den Duke – trotz damals noch unzureichender Englischkenntnisse – einfach besser. Wir haben damals beim Kumpel unzählige Stunden damit verbracht die heimische BNC-Verkabelung via IPX zum Glühen zu bringen. Immer und Immer wieder das Footballstadionlevel im 3er Deathmatch…. und ich war einfach der Beste :) … dafür hab ich bei RTS so abgelost dass ich von der 9-jährigen Schwester des Kumpels in C&C1 platt gemacht worden bin, aber das ist eine andere Geschichte.

    Ich gehöre übrigens auch zu den Leuten, die fast jede News zu Forever gelesen haben, nicht als Erheiterung, sondern tatsächlich weil ich mich wie ein Kind gefreut hätte wenns denn tatsächlich mal “done” gewesen wäre.

    Gruß
    Frank

  10. tim - 21.01.2010 11:03

    “Hätte er für jedes seiner weltberühmten Zitate einen Dollar ins Phrasenschwein werfen müssen, er wäre selbst als Millionär niemals über die Shareware-Episode hinausgekommen”

    eine der besten umschreibungen, die ich in den ganzen jahren lesen durfte! respekt!!!

    war damals ca. 13-14 jahre alt und lichtjahre von meinem ersten eigenen pc entfernt. zum glück gab es meine beiden cousins, die ihre eltern nach dänemark verfrachtet hatten und dafür unzählige freunde, inklusive mich in ihr haus einquartiert hatten…so kam ich schon in dem alter in den genuß meiner ersten lanparty mit vielleicht 10 leuten :-) ein hoch auf die familie…

    hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass der artikel echt super ist :-p

    grüße aus dem off…

  11. laZee - 21.01.2010 15:38

    Das war das erste Spiel, das damals über die Telefonleitung gespielt habe. Der absolute Grundstein meiner Egoshooter-Multiplayer-Leidenschaft. Damals noch schön mit 14.4er Modem und die Connection Strings im DOS-Editor anpassen :).

    Dann 1on1 mit einem Kumpel eine Ekstase nach der anderen erlebt. Die Laserminen allein… das letzte Mal hatte ich wahrscheinlich davor beim Cowboy-und-Indianer spielen soviel Spaß gehabt. Seitdem nie wieder wirklich von Egoshootern weggekommen :).

  12. Enk - 22.01.2010 00:34

    Wer wissen will, warum Duke Nukem Forever nie erschienen ist: Wired hat vor kurzem die die Geschichte vom Aufstieg und Falls von 3DRealms nachgezeichnet: [url]http://www.wired.com/magazine/2009/12/fail_duke_nukem/all/1[/url]. Sehr lesenswert für Duke Fans.

  13. Player1 - 22.01.2010 17:39

    Hallo erstmal,
    Duke Nukem 3D wird von einer recht aktiven Community noch immer gespielt. Eine Kopie des Spiels gibt es online für wenige Euro und dank dem Source Port Eduke32 und dem Serverbrowser YANG lässt sich der Duke noch wunderbar online oder im LAN spielen. Und um ehrlich zu sein, macht es heute noch genauso viel Spass wie damals. Ich persönlich finde den Multiplayer im Duke um Längen besser als in vielen anderen Spielen. Trip Mines, Pipe Bombs, funktionierende Lifte, Jetpacks… was will man mehr? Deshalb anbei ein Link, und sorry für die schamlose Eigenwerbung, aber den hatte ich grad zur Hand: [url]http://player1-gameblog.blogspot.com/2007/02/duke-nukem-3d-lebt.html[/url]

  14. laZee - 25.01.2010 16:53

    Noch nie von Eduke32 gehört – klingt ja prächtig, das werde ich mit ein paar Leuten mal im Multiplayer austesten :D!

  15. laZee - 25.01.2010 17:46

    Gerade gefunden und passt ja auch irgendwie für Hardcore-Fans mit lockerem Geldbeutel:

    http://www.jsjprod.com/about Jon.htm

    Das ist der Typ der dem Duke seine Stimme geliehen hat und er spricht dir customized Duke-Sprüche für deinen AB oder Klingelton für 50$ das Stück :D

  16. tom - 27.01.2010 09:04

    Ja, damals als der Duke rauskam hatte mir ein Kollege seinen PC geliehen. Ich saß sehr gerne stundenlang am Duke, bis ich ihn durch hatte. Gehört für mich zu den schöneren Erinnerungen, wobei man fairerweise sagen muss, es gab auch sehr viele Fruststellen im Spiel. Vielleicht ganz gut mit Halflife vergleichbar, wobei HalfLife 1 in dem Punkt noch eine Ecke frustiger ist. Bin auch nie ganz vom Duke weggekommen, die N64-Version (die grafisch recht hübsch war), habe ich auch mehrmals durchgedaddelt. Was Duke Nukem Forever angeht, entweder sollen sie es wirklich mal in diesem Jahrhunder noch herausbringen, oder es sein lassen, inklusive dieses Hin-/ und Hergehopses mit Vaporwareankündigungen, das ist einfach unwürdig.

  17. MasteRehm - 26.04.2010 11:36

    Ups, gerade entdeckt noch im Feedreader :)
    Sehr schöner Artikel, der auch bei mir alte Erinnerungen hervorbringt.

    Der Level Editor war noch mit das geilste am Spiel. Was wir da in tagelanger Arbeit zusammengebastelt haben, abartig. Es sollte nie wieder so werden…

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