alt

Puppentheater

Schon wieder ein Spiel von Double Fine? Nur drei Monate nach Costume Quest landet das zweite Spiel als reiner Downloadtitel auf der Festplatte. Was die Veröffentlichungsgeschwindigkeit angeht, kann man von diesem neuen Distributionsweg also nur begeistert sein. Keine jahrelangen Entwicklungsphasen mit allerlei Kapriolen zwischen Publisher und Entwickler mehr, sondern alle paar Monate kleine feine Spiele, deren Ideenreichtum nicht unter tonnenschweren Produktionskosten zu leiden hat.

Nach dem rundenbasierenden RPG in Costume Quest, haben wir es bei Stacking mit einem waschechten Rätselspiel zu tun. Durch geschicktes Kombinieren von Matroschkas, diese lustigen russischen Puppen zum ineinander stapeln, müssen pro Level 4-5 verschiedene Aufgaben gelöst werden … meine Güte ist es schwierig und langweilig, ein Puzzlegame zu beschreiben. Also schnell die Eckdaten in Kurzform: es wird immer eine Puppe gesteuert, man kann immer in die nächstgrößere Puppe hineinspringen und deren Fähigkeit nutzen, jede Aufgabe lässt sich auf mehrere Arten lösen, das Szenario ist eine Phantasiewelt zu Zeiten der Industrialisierung. Mit den Grundinformationen aus dem Weg, können wir uns jetzt mit den wichtigen Aspekten beschäftigen: was funktioniert in Stacking und was ist einfach nur öde und doof.

Fangen wir mit etwas Positivem an. Der Grafikstil ist hübsch. Die einzelnen Puppen sind liebevoll gestaltet und strotzen, ebenso wie die Umgebungen, vor kleinen charakteristischen Details. Nur die Größe der Level empfand ich als unvorteilhaft. Um den Puppenaspekt zu unterstützen sind alle Räume riesig und die Wege teilweise unnötig lang. Die Püppchen stehen in riesigen Hallen, auf riesigen teilweise leeren Flächen und harren der Dinge, die da kommen. Speziell im letzten Level fallen die langen Laufwege störend auf, weil mehrere Ebenen nur durch sich ständig wiederholende Rampen zu erreichen sind. Gepaart mit Rätseln, für deren Lösung man mehrmals die Ebenen wechseln muss, kommt so schnell Langeweile auf.

alt

Überhaupt zeichnet sich Stacking durch eine gewisse Behäbigkeit aus. Ich erwarte von einem Puzzlegame keine Non-Stop-Action, aber leider wird das eigentliche Spiel, ganz besonders zu Beginn, immer wieder von zähen Stummfilmvideos unterbrochen. Kurze Handlungsszenen werden von bildschirmfüllenden Texttafeln ergänzt und sind leider weder besonders lustig, noch besonders spannend, noch irgendwie besonders. Das hängt natürlich auch mit der eigentlichen Story zusammen, die mehr Mittel zum Zweck ist. Kinder werden zu Kinderarbeit gezwungen und von einem Kind gerettet, indem es die Kontrolle über die doofen Erwachsenen erlangt und sie manipuliert.

Nachdem ich die Hauptstory beendet hatte, nahm ich mir die Zeit und wollte alle Rätsel auf alle zur Verfügung stehenden Arten lösen. Stacking ermutigt einen dazu und hier liegt auch ein großer Teil der Spielzeit verborgen. Wer einfach nur jedes Rätsel ein Mal löst und durch die Story marschiert, der ist in wenigen Stunden fertig. Lässt man sich aber auf die verschiedenen Aufgaben und die vielen unterschiedlichen Puppen ein, so kann man noch einige lustige Momente erleben. Als ich mich von der Handlung losgelöst frei bewegen konnte, sah ich Stacking plötzlich in vollkommen anderem Licht. Flüssig wechselte ich von Szene zu Szene, probierte diese und jene Lösungsidee aus und erfreute mich einfach an der putzigen Welt. Lange nach der Story hatte ich den meisten Spaß. Dazu trug auch die gute Hilfe im Spiel bei. Zu jeder Lösungsmöglichkeit lassen sich drei Tipps aufrufen, die einen erst leicht in die richtige Richtung schubsen und bei völligem Unverständnis sogar die Antwort verraten. So gehört wildes Rumexperimentieren ohne klare Idee der Vergangenheit an. Wer erinnert sich nicht an klassische Adventures, bei denen man wahllos jedes Item aus dem Inventar mit Gegenständen in der Welt kombinierte, in der Hoffnung vielleicht so die häufig extrem abstruse Antwort zu finden. Ein solches Hint-System hätte ich gerne in jedem Spiel. Es ist nicht aufdringlich, aber wenn man wirklich mal feststeckt, kann es zu erhellenden Denkanstößen führen, ohne gleich die gesamte Lösung zu verraten. Die Layton-Spiele haben so etwas ja auch implementiert.

Wie schon bei Costume Quest ist das Gesamtpaket super knuffig und ich konnte mich angenehm durch das Spiel schmunzeln, aber so richtig überzeugt bin ich am Ende nicht. Vielleicht ist es die Belanglosigkeit der Geschichte, die sich in der Kürze der Spielzeit auch nur auf grobe Eckpunkte einlassen kann. Mir fehlte jede Beziehung zu den Geschehnissen und die Rätsel selbst waren nicht knifflig und befriedigend genug, um allein zu überzeugen.

alt

Das nächste Double Fine Game wird Sesame Street: Once Upon a Monster für Kinect. Ich werde es nicht spielen, aber hoffentlich verkaufen sie davon viele Megabyte, um sich danach wieder einem größeren Projekt widmen zu können. Es wird wohl noch ein Download-Only Titel folgen, aber danach hoffe ich auf Psychonauts 2. Moment mal … warum nicht ein Psychonauts 2 im Episodenstil als Downloads? Jede Episode spielt in einem anderen Kopf und bietet ein komplett anderes Gameplay. Da eröffnen sich doch unendliche Möglichkeiten. Tim Schafer, hörst du mich? Hörst du mich?! THQ mag euch doch jetzt. Vielleicht … also … ja?

Danke an Mexer für die Grafiken.


Tags: , , , , , , , ,  

7 Kommentare

  1. Jonas - 01.03.2011 18:52

    Hört sich doch recht spannend an; habe, wenn mich nicht alles täuscht, auch in der GEE einen Beitrag gefunden…, irre ich?
    Nun denn, jedenfalls gefällt mir die Grundidee, wenn ich bisher auch noch nicht die Zeit hatte, es auszuprobieren, wobei ich dennoch gestehen muss, dass mir solche Lösungssysteme, die nun wirklich – ohne es in dieser Version kennengelernt zu haben – nicht gefallen. Hinweise, die das Resignieren vereiteln, sind sicherlich zu begrüßen; Spiele, die mir aber gänzlich die Möglichkeit nehmen, zu verzweifeln, finde ich nervig. Einfach, weil ich – bemerke ich in meinem Spielverhalten – viel häufiger eine Lösung einsehe, bevor ich überhaupt, unüblich, nicht ganz simple Manöver probiere….

    grüße

  2. SenorKaffee - 01.03.2011 23:40

    Ich konnte mir bisher unter Stacking nichts vorstellen, motiviert durch deinen Artikel habe ich mir dann mal ein paar Videos angeschaut. Sieht wirklich lecker aus das Spiel, sehr originell.

    Kommt das Spiel vielleicht demnächst nochmal in einer Packung heraus, oder bleibt es download-only?

  3. Daniel - 02.03.2011 11:36

    @Jonas: In der neusten GEE ist eine kurze Vorschau drin, jep.
    Das Tipp-System wird einem ja nicht ins Gesicht geschlagen. Du musst schon selber ins Menü wechseln, die Aufgabe auswählen und nach jedem Tipp gibt es einen kurzen Timer, bevor du den nächsten Hinweis aufrufen kannst. Ist ein schöner Mittelweg.

    @SenorKaffee: Glaube kaum, dass es davon bald eine Version auf Datenträgern gibt. Vielleicht sammeln sie irgendwann alle Double Fine Downloadtitel in einer Sammleredition, aber das halte ich auch für unwahrscheinlich.

  4. SpielerZwei - 02.03.2011 17:22

    Ich dachte zunächst, dass mir Stacking bestimmt gefallen würde, aber nach der Demo war ich mir sicher, dass ich es doch nicht kaufen werde. Das Art-Design ist wirklich großartig! Aber irgendwie gefällt mir der Aufbau des Spiels nicht. Das grundsätzliche Gameplay ist ja eigentlich ganz nett („Paradroid mit Matrjoschka“), aber dass die Story ratzfatz durchgespielt ist und danach nur noch das optionale Lösen von Nebenrätseln bleibt, hat mich dann doch zu sehr abgeschreckt. Außerdem wollte der Humor, immerhin ist es von Double Fine (!), bei mir nicht richtig zünden.

  5. Manu - 02.03.2011 17:28

    Der Humor ist leider sehr prüde, „lachen“ muss man bei dem Spiel eh nicht. Man muss aber auch fairerweise dazu sagen, dass das Spiel auch nicht lustig sein will, es will einfach nur schön und putzig sein, dabei etwas clever wirken und durch seinen Charme beeindrucken. Und das macht es meiner Meinung nach auch ganz gut. Dass die Story schnell durchgespielt ist finde ich bei einen XBLA/PSN-Titel nicht dramatisch, das Spiel fühlt sich auch gut an, wenn man NICHT alle Lösungswege findet. DASS man aber mehrere Möglichkeiten finden kann, ist reizvoll und eher ein Bonus, als ein Hindernis. Für Sammelfreaks ist das Spiel eh ein Traum.

  6. David - 02.03.2011 18:30

    Das Problem bei Stacking: ich kann das nicht länger als ne halbe Stunde spielen,die wackelnde Kamera erzeugt bei mir extreme Übelkeit. Aber hey, ich bin jetzt auch durch. 100% hab ich nicht weil am Ende im Zug eine Lösung einfach nicht angenommen wird, obwohl sie korrekt ist aber bugfreie XBLA-Games sind ja eh eher Seltenheit.

  7. Daniel - 03.03.2011 11:24

    Und hier haben wir schon den nächsten Titel von Double Fine: Trenched. Geht wieder in eine komplett andere Richtung. Mechs, Aliens, wahrscheinlich wenig Story und Multiplayer-Kämpfe.

Hinterlasse einen Kommentar