Mists of Pandaria

Herzbärchiland

Ich wollte es nicht wahrhaben, aber ja: Vorgestern abend bei Bier und Waffeln (es war noch Waffelteig vom Frühstück über) die Eröffnungsveranstaltung der BlizzCon und das anschließende World-of-Warcraft-Panel mittels Beamer in HD an die Wand zu werfen und live mitzuverfolgen, war ein Erlebnis. Besser als Fußball und fast so gut wie BarCraft, zumindest wenn das stimmt, was man über BarCraft so hört. In meiner Stadt wird es das wohl erst ab November geben. Greg Streets „Warlocks – gone!“-Scherz und die betretenen Gesichter im Publikum waren jedenfalls einmalig! Dass die nächste WoW-Erweiterung ein Asia-Themenpark mit Martial-Arts-Pandabären und Mantis-Men wird, stieß nicht auf ganz so viel Gegenliebe, weder beim Publikum in meinem Wohnzimmer noch in den entsprechenden Foren, aber wisst ihr was: Es ist das cleverste, was Blizzard tun konnte! Zumindest unter Marketinggesichtspunkten.

Anfang des kommenden Jahres wird Diablo 3 erscheinen und voraussichtlich viele Blizzard-Fans von WoW abziehen, was zu Einbrüchen in den Abonnentenzahlen führen würde, gegen die der bisherige leichte Sinkflug rückblickend ziemlich harmlos aussähe. Deshalb die Entscheidung, allen Kunden, die jetzt ein einjähriges Abo für WoW abschließen, Diablo 3 zu schenken. Diejenigen, die sowieso vorhaben, WoW noch ein weiteres Jahr zu spielen, werden zuschlagen, aber auch für diejenigen, die WoW eigentlich mit Erscheinen von Diablo 3 kündigen wollten, ist das Angebot interessant, weil man für vergleichbar viel Geld mehrere Monate WoW „geschenkt“ bekommt. Wer das einjährige Abo abschließt und danach die Collector’s Edition von Diablo 3 im Laden kauft, bekommt übrigens noch einmal vier Monate WoW oben drauf.

Für Blizzard hat das fast nur Vorteile. WoW-Spieler, die im Frühjahr gekündigt hätten, werden in WoW gehalten, bis in etwa einem Jahr die nächste Erweiterung erscheint, die dann wieder den Reiz des Neuen hat, während Diablo 3 zu diesem Zeitpunkt schon über ein halbes Jahr alt sein wird. WoW-Spieler, die sowieso bei WoW geblieben wären und sich Diablo 3 gar nicht gekauft hätten, werden das Spiel vielleicht ausprobieren und potenziell Geld im Auktionshaus umsetzen. Nicht zu vergessen, dass Diablo 3 dank dieser Aktion unvergleichliche Verkaufszahlen direkt am Erstverkaufstag wird vorweisen können.

Und warum nun die Pandas? Der Versuch, die Spieler zurückzuholen, die WoW seit Release gespielt haben und noch die Strategieserie kannten, ist mit Cataclysm gescheitert. Das liegt nicht einmal an der Qualität des AddOns, auch wenn ich Cataclysm für die schlechteste bisherige Erweiterung halte, sondern daran, dass die entsprechenden Leute viele hundert Stunden, über Jahre hinweg, im Spiel verbracht haben und einfach satt sind. Auf der anderen Seite gibt es Millionen Menschen da draußen, die nur darauf warten, ihren eigenen Kung Fu Panda zu spielen. Blizzard hat in World of Warcraft schon immer alles hineingestopft, worauf kleine Jungs so stehen. Neben Zwergen, Orcs und Elfen von Beginn an auch Piraten und Dinosaurier. Mit Burning Crusade kamen die Raumschiffe. Nun halt Pandas und die klar bei Pokémon abgekupferten Kleintier-Kämpfe. Das ist nur folgerichtig.

Blizzard ist – das muss man auch sehen – gezwungen, die Franchises Diablo und WarCraft voneinander abzusetzen, damit sie sich nicht gegenseitig kannibalisieren. Sie müssen ein AddOn bringen, das sich von Diablo radikal unterscheidet, Deathwing ist dem Höllenfürsten nämlich viel zu ähnlich. Wenn in Mists of Pandaria nächstes Jahr die Spieler friedlich unter Kirschbäumen sitzen und ihre Haustiere rundenbasiert(!) gegeneinander kämpfen lassen, ist der nötige Abstand wieder da.

Auch wenn wir das nicht wahrhaben wollen, weil wir inzwischen kaum mehr zur Zielgruppe gehören, aber einer Menge 14-Jähriger wird das neue WoW gefallen. Ich bin sicher, sie werden sich in die bisherigen Heldengruppen gut einfügen. Neben Bärforceone (Feraldruide), Hintadir (Schurke), Martinlooter (Hunter), Stoffifee (Nachtelfen-Priesterin) und Bodenfrost (Gnomen-Eismagier) wird Pandemie, die Mönchspandarin, vermutlich nicht unangenehm auffallen.


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8 Kommentare

  1. Miew - 24.10.2011 04:54

    Ich kann mir schwer vorstellen, dass man mit den Pandas auf 14 jährige oder allgemein Jugendliche abzielt. Meiner Erfahrung nach sind Leute unter 17-18 in WoW ziemlich rar, was sicherlich an den Abogebühren und allgemein am Bezahlvorgang liegt.
    Aber eine etwas andere Zielgruppe, kann schon sein.

    Apropos „Hintadir“: Ich kannte mal einen Schurken der hieß Behindu. Also „Behind you“, ja, aber jeder Zweite hat es mit dem Wort „behindert“ asoziiert und rumgeflamed. =D Behindu, haha

  2. Stern - 24.10.2011 10:44

    Also nach dem Niveau im Handels- oder Allgemeinchannel gibt es viel zu viele U17 Spieler in WoW. Und die werden sich rasend vermehren, wenn Blizz die Pokemon-Aera eröffnet.
    Zwar habe ich im Moment eher die Befürchtung, dass das Ganze viel zu kitschig und kindig wird (wieso hab ich grad nen Regenbogen mit Ponies im Kopf xD), aber ich lasse mich gern eines besseren belehren und warte einfach mal ab. Da wird bis zum Release sowieso noch ne ganze Menge herumverändert und verschlimmbessert. Also einfach ne Runde Tee trinken…

  3. Chris - 24.10.2011 12:55

    Meiner Erfahrung nach sind Leute unter 17-18 in WoW ziemlich rar, …

    Damit magst du Recht haben. Ich wüßte nicht, wie wir das überprüfen sollten. Aber angenommen, das würde stimmen und bisher würden im Vergleich eher wenige Jugendliche WoW spielen – dann läge dort eine Chance. Schließlich ist das Spiel ab 12.

    Selbst wenn sie mit dem AddOn vor allem die 17/18-Jährigen ansprechen wollten, dann wäre das immer noch eine Zielgruppe, die Vanilla WoW und höchstwahrscheinlich auch die Strategie-Urahnen nicht kennt.

    (Für die Älteren, das muss man nicht verschweigen, ist mit den Dungeon Challenges und der Rückkehr von Scholomance und Scarlet Monastery ja auch was im Paket. Scheint nur deutlich weniger wichtig zu sein.)

  4. Zzorrkk - 24.10.2011 14:44

    Die These der Zielgruppenabgrenzung zu Diablo III finde ich ziemlich plausibel. Ich spiele immer noch 1x pro Woche in einer Gilde von überwiegend deutlich über 30-jährigen. Da sind fast alle schon völlig heiss auf Diablo III und werden sich auch eher dahin orientieren als zu Star Wars oder so. Und ob sich jeder dann noch WOW leistet. Viele haben schön öfter zwischen Erweiterungen ihr Account eingefrohren und könnten jetzt wirklich abwandern.
    Für mich persönlich bietet Diablo aber weniger eine „virtuelle Heimat“ als WOW – und da gibt es einige, die sowas scheints wirklich brauchen oder wollen…

  5. Chris - 24.10.2011 15:17

    Da sind fast alle schon völlig heiss auf Diablo III und werden sich auch eher dahin orientieren als zu Star Wars oder so.

    Wird das Ein-Jahres-Abo da als sinnvolle Option wahrgenommen oder eher nicht?

    Für mich persönlich bietet Diablo aber weniger eine „virtuelle Heimat“ als WOW…

    Versteh ich auch, irgendwo. Das neue battle.net und die spieleübergreifenden Chats kompensieren das für mich aber ganz gut. Die Leute, mit denen ich auch weiterhin, über WoW hinaus, zusammen spielen möchte, habe ich schon seit einiger Zeit in der RealID-Freundesliste, selbst wenn sie in WoW in meiner Gilde sind.

  6. Zzorrkk - 24.10.2011 17:45

    Also ob die Leute da das Jahresabo annehmen, kann ich nicht wirklich sagen. Viele spielen seid Release und sind wohl so übersättigt, dass sie eh schon länger mit Abwanderung liebäugeln. Ich glaube, da werden größere „Klumpen“ von Leuten, die sich auch ausserhab von WOW kennen, nach und nach abbröckeln. Genau wie meine Stammrunde aus 5 Leuten, mit denen ich schon vor WOW gut befreundet war. WoW ist nur das Konsensspiel, in dem ich echte Freunde treffe, die mittlerweile im kompletten deutschsprachigen Raum verteilt leben – ohne die hielte mich da schon länger nichts mehr. Vielleicht sind wir damit aber auch eher eine Ausnahme.

  7. Chris - 24.10.2011 20:12

    Ich glaube nicht, dass ihr da eine Ausnahme seid. Ob das Konsensspiel jetzt WoW oder ein anderes MMOG ist, oder gleich eine komplette Plattform wie Xbox Live oder Steam – das Phänomen ist weit verbreitet, denke ich.

    Mir ging’s mit WoW genauso. Ich habe kurz nach Cataclysm aufgehört zu spielen und auch vorher zwischen den Erweiterungen schon mal längere Zeit pausiert. Was mich dann doch immer wieder zurück gezogen hat, waren viel mehr die Leute, die ich kannte, als das Spiel.

  8. Stern - 25.10.2011 10:31

    Was mich dann doch immer wieder zurück gezogen hat, waren viel mehr die Leute, die ich kannte, als das Spiel.

    Das ergeht einigen in unserer Gilde genauso. Besonders gemerkt hat man es als Rift rauskam. Da haben einige bei uns WoW auf Eis gelegt nur um ein paar Wochen später dabei zu sein, weil ihnen die Gemeinschaft der Gilde gefehlt hat.
    Interessant wird diese Entwicklung denke ich sobald StarWars The Old Republic raus kommt. Da haben sich schon jetzt etliche aus der Gilde (auch viele ehemalige) zusammengefunden zu ner analogen Gilde für SWtoR. Ich denke da werden dann einige wirklich mit WoW aufhören – weil die Freunde sind ja auch beim neuen Spiel dabei ;)
    Na mal abwarten.

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