Die ausserirdischen Besucher kommen

Sony und seine exklusiven Ego-Shooter. Nachdem Killzone 3 zu Beginn des Jahres nur durch technisch hochwertige Bilderstürme überzeugen konnte, ansonsten jedoch erschreckend blass blieb, hat nun auch die zweite große Shooter-Reihe auf der Playstation ihren dritten Teil erreicht. Ratchet and Clank-Entwickler Insomniac schickt Resistance 3 ins Gefecht und landet einige gute Treffer, taumelt aber zum Ende hin unter dem Ballast, es allen Recht machen zu wollen und stürzt schließlich kopfüber ins Ziel. Aber der Reihe nach:

Die ersten beiden Teile von Resistance habe ich nicht gespielt, mein Vorwissen beschränkte sich also auf die Tatsache, dass Aliens noch vor dem zweiten Weltkrieg eine Invasion auf die Erde durchgeführt und die Menschheit in der Mehrzahl zu kreischenden Käfer-Echsen-Monstern umgewandelt hatten. Mehr muss man für den Konsum des dritten Teils auch nicht wissen, denn die wichtigsten Grundzüge der Vorgänger werden dem Neuling in einer hübschen Comic-Animations-Zusammenfassung geschildert. Die Aliens haben gewonnen und die wenigen überlebenden Menschen verstecken sich in versprengten Flüchtlingslagern.

Dank eines langsamen Starts schafft es Resistance 3 die aussichtslose Lage der kleinen Widerstandsgruppe aufzuzeigen. Hauptfigur Joseph Capelli wird nach unruhigem Schlaf von seiner Frau geweckt. Sie hausen in einem Tunnelsystem unter der Stadt Haven und ihr Sohn liegt mit einer Erkältung zusammengerollt im Bett. Ohne Hektik und ohne große Actionszene führen die ersten Schritte vorbei an den abgemagerten Überlebenden, durch enge Gänge mit flackerndem Licht und hinein in eine Gemeinschaft, die sich an den kleinen Dingen erfreut, wie etwa einer warmen Suppe oder einem vollständigen Buch, welches man aus Mangel an Alternativen immer und immer wieder liest.

Als ein Suchtrupp der Aliens die Stadt durchkämmt, kauern wir als Spieler zunächst nur in unserem Versteck und lauschen dem Trampeln und Schnauben auf den Straßen. Ein anderer Überlebender tritt ausversehen gegen eine Flasche und alle, auch ich am Gamepad, halten gespannt den Atem an. Die aufgebaute Spannung löst sich anschließend in einer ersten Schießerei auf einer in apokalyptisches Abendrot getauchten Straßenkreuzung, während starker Wind Sand und Dreck durch die Luft wirbelt. Ich denke: „Wow! Wenn du diese Balance auch die nächsten Stunden halten kannst, dann bist du ein verdammt gutes Spiel, Resistance 3.“

Leider konnte es dies nicht.

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Dr. Fyodor Malikov, Wissenschaftler aus den Vorgängern, taucht auf und will uns als Beschützer für die lange Reise nach New York anwerben. Dort stehe ein riesiger Turm, der über ein Wurmloch mit Energie gespeist würde und die gesamte Erde langsam einfriere. Die nächste und wahrscheinlich letzte Eiszeit für die Menschheit stände kurz bevor. Trotz Gewissensbissen, weil Familie und so, macht sich Capelli also auf den Weg nach New York, um ganz alleine und mit viel Peng-Peng-Puff die Welt zu retten.

Es folgen viele Stunden Ballerei in den unterschiedlichsten Lokalitäten: mal im Wald, mal auf dem Wasser, mal in einem Zug, mal unter der Erde, dann wieder unter freiem Himmel, meistens alleine, ab und zu mit nutzlosen Helfern und schließlich im Schnee. Für das Auge bietet Resistance 3 allerlei Abwechslung und, abgesehen von den etwas unförmigen und matschigen Ingame-Gesichtern, zaubert die Grafik-Engine stimmige und wohlbeleuchtete Umgebungen auf den Schirm.

Dank umfangreichem Waffenarsenal und relativ offenem Leveldesign sind die Feuergefechte keine reinen Schießbuden à la Kriegsshooter XY, sondern ermuntern den Spieler, auch mal verschiedene Möglichkeiten zum Niederstrecken von Aliengesocks wahrzunehmen. Wer möchte, kann sich mit dem Scharfschützengewehr in einer verlassenen Ruine verschanzen und die Gegner aus der Ferne auf’s Korn nehmen oder aber mit der Schrotflinte im Anschlag von Deckung zu Deckung sprinten und sich im Nahkampf austoben. Neben diesen Standardtaktiken erlauben die ausgeklügelten Waffen aber auch neue Manöver. Ein Energiegewehr kann etwa durch Wände schießen und das eingebaute Wärmevisier zeigt dazu die passenden Ziele. Die Eiskanone ist dagegen schon fast etwas langweilig, aber in tausend Teile zerspringende Monsterfratzen sind natürlich auch nicht zu verachten. Für besondere Erheiterung sorgt jedoch ein stationärer Energieball, welcher die Gegner in sich hineinsaugt und panisch herumfliegen lässt.

Damit hätten wir dann auch die positiven Aspekte des Spiels abgehakt. Resistance 3 sieht hübsch aus, bietet abwechslungsreiche Orte und viele Möglichkeiten, Schießereien kreativ anzugehen. Ach ja, und es gibt Health-Packs. Das ist in der heutigen Zeit eine Seltenheit und tut dem Spielfluss gut, weil man zwischen Rennen und Schießen auch nochmal den Kopf heben muss, um die wichtigen Lebenserfrischer aufzuspüren. Wer sein Geld für Resistance 3 auf den Tresen des nächsten Videospielhändlers legt – Achtung, jetzt kommt Kaufberatung! –, der wird mit einigen Stunden Ego-Shooter-Spaß belohnt und dürfte der verbrachten Zeit keine Träne hinterhertrauern. Er darf nur nichts Neues erwarten.

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Resistance 3 ist ein Machwerk zusammengesetzt aus dem großen Baukasten der Actionspiel-Normen. Man braucht zum Beispiel Fahrzeugsequenzen. Die machen sich immer gut, um den Spielfluss etwas aufzulockern und man kann ein paar spektakuläre Bilder inszenieren. Resistance 3 hat eine Bootsfahrt und eine Zugfahrt im Gepäck. Dann ist immer auch ein Grusellevel gut. Wo man so ein wenig durch verregnete Dorfhütten wandert vielleicht. Man könnte das auch noch mit einem schrotflintenschwingenden Pfarrer verbinden, der die kreuchenden Monster im Namen des Herrn niederstreckt. Hmm … Moment mal … das kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Da gab es doch mal … richtig … Ravenholm in Half-Life 2. Ein Geistlicher mit Gewehr in einem düsteren Ort voller Ungeheuer und das Ganze noch als Horrorlevel arrangiert. Hier fangen die Überschneidungen zu Valves Meisterwerk aus dem Jahr 2004 an und hören beim längeren Nachdenken nicht mehr auf.

Die Ähnlichkeit zwischen Resistance 3 und Half-Life 2 liegt zunächst schon im Setting. Es gibt eine Alieninvasion, die Aliens gewinnen, die Menschen werden versklavt und können nur im Untergrund weiterkämpfen. Neben dem Ravenholm-Level gibt es auch noch einen Abstecher in ein umfunktioniertes Gefängnis, es gibt einen Kampf auf einer versperrten Brücke gegen ein fliegendes Kampfschiff, es gibt allerlei verlassene Güterbahnhöfe und sowohl für Gordon Freeman als auch Joseph Capelli das Ziel, einen großen bösen Turm zu erreichen und zu zerstören. Es gibt aber keine Brechstange in Resistance 3, dafür jedoch einen Vorschlaghammer.

Um die nach der ersten Stunde kaum mehr vorhandenen Hintergrundgeschichte noch irgendwie zu unterfüttern, wird auch bei Bioshock und Co. Inspiration gesucht und in Form von Audio-Nachrichten und Tagebucheinträgen gefunden. Leider funktioniert diese Adaption nur mäßig gut, weil der Inhalt abgedroschen und langweilig ist. Überlebende berichten von ihrem Schicksal, Militärs von ihren aussichtslosen Kämpfen und wir sind währenddessen mehr damit beschäftigt, dem nächsten Alien die Extremitäten abzutrennen als den bedrückenden Berichten zu lauschen.

Versteht mich nicht falsch, wenn schon klauen, dann von den Guten, aber der gesamten Resistance-Reihe scheint die große eigene Idee zu fehlen. Der dritte Teil ist nun weniger Militär- und mehr Old-School-Ego-Shooter, aber eine eigene Sprache und einen eigenen Weg hat es nicht gefunden. In den wenigen ruhigen Momenten zwischen dem Boom! und dem Bäng! sieht man deutlich, dass Insomniac gerne mehr erreichen wollte als nur einen guten Shooter abzuliefern. Das machte auch schon die Werbekampagne deutlich. Aber allein durch einen dreckigeren Grafikstil, atmosphärische Beleuchtung und die Botschaft, dass die Menschheit in diesem Spiel echt am Arsch ist, wird Resistance 3 nicht mehr als die Summe seiner Teile: gutes Leveldesign, nette Waffen und viele Set-Pieces. So sehr mir in den Zwischensequenzen das Bild des einsamen Familienvaters durch Nahaufnahmen von kleinen Kinderhandschuhen und einer letzten Nachricht über das rauschende Funkgerät eingetrichtert werden wollte, am Ende war es leider nur bemühtes Beiwerk zu einem soliden Spiel.

Gespielt wurde ein von Sony zur Verfügung gestelltes Testmuster. Ich habe nur die Singleplayer-Kampagne beendet. Für die Sozialen unter euch gibt es aber auch einen Co-Op- und den obligatorischen Multiplayer-Modus.


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