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Handlanger in Arkham City

Es war so verdammt kalt auf dem Hochhausdach. Die Schicht lief jetzt schon seit drei Stunden und bisher hatte er nichts Interessanteres beobachtet als die glitzernden Schneeflocken. Ununterbrochen rieselten sie vom wolkigen Nachthimmel hinab und setzten sich auf die Kleidung, nur um dort zu schmelzen und einen feuchten Fleck zu hinterlassen. Jimmy war auch ein feuchter Fleck. Für die Gesellschaft von Gotham City war er nur ein unliebsamer Kaffeespritzer auf der Morgenzeitung. Zusammen mit hunderten anderer Gangster saß er eingesperrt in Arkham City und kämpfte um sein Überleben.

Arkham City war kein gewöhnliches Gefängnis, wie etwa Blackgate. Hier gab es keine Einzelzellen, kein Frühstück und keinen geregelten Hofgang. Die Insassen waren auf sich allein gestellt. Also musste man schnell Verbündete finden, um in dieser verkommenen Umgebung zurecht zu kommen. Jimmy war nur ein ganz normaler Taschendieb gewesen. An den Wochenenden, wenn sich die bessere Gesellschaft von Gotham durch die Einkaufsmeilen schob, mischte er sich unter die Menge und klaute den fetten Schweinen die Brieftaschen aus der Hose. Vor einem Juweliergeschäft stand ein typisches Opfer. Schwarzer schicker Anzug, Kurzhaarfrisur, breite Schultern und einen Haufe Kohle in der Tasche. So einer war eigentlich immer einfach Beute für Jimmy gewesen, aber diesmal lief alles schief. Gerade als er die Brieftasche in den Händen hatte, schnellte der verdammte Anzugträger herum, packte ihm mit einer Hand am Arm und verpasste ihm gleichzeitig mit der anderen Hand einen direkten Schlag auf die Stirn. Erst im Gerichtssaal wurde Jimmy mitgeteilt, wen er bestohlen hatte. Außer dem Rücken und der Faust hatte er von dem Kerl nicht viel gesehen. Es war Bruce Wayne, der Multimillionär und Playboy von Gotham. Natürlich bekam Jimmy die ganze Macht der Justiz zu spüren und landete direkt in Arkham City.

Wer neu war, musste sich entscheiden. Es gab verschiedene Gruppen, die sich die Gefängnis-Stadt untereinander aufgeteilt hatten. Bewegte man sich alleine in den dunklen Straßenschluchten, war man ein einfaches Ziel. Vor allen Dingen, wenn man nur ein etwas schmächtiger Dieb wie Jimmy war. Die meisten Insassen waren grobschlächtige, muskelbepackte Monster und zögerten nicht lange, einen für ein simples Brot den Schädel einzuschlagen. Von den Wärtern konnte man keine Hilfe erwarten. Sie standen nur auf den hohen Mauern und blickten durch dichten Stacheldraht auf die armen Schweine hinab.

Zuerst sprach Jimmy ein Untertan von dem dicken Cobblepot. Der Pinguin bräuchte gute Leute, die im Museum Wache hielten. Jimmy wollte es sich überlegen und kurz darauf tauchte ein zweiter Anwerber auf. Diesmal vom Joker. Bei ihnen rund um das Stahlwerk wären noch einige Plätze frei. Dort sei es auch nicht so kalt und außerdem auch immer sehr lustig. Ein wenig Wärme sei sicher nicht verkehrt, meinte Jimmy, aber irgendwie waren ihm die Clowns nicht geheuer. Zum Glück erschien als Dritter noch ein Kerl aus der Truppe von Two-Face. In der Stadthalle sei es gut geheizt, Essen hätten sie auch genug und die Wachschichten seien auch nicht so lang. Jimmy schlug ein.

Jetzt stand er auf einem verdammten Hausdach zwischen Stadthalle und Kirche und fror sich den Arsch ab, während die meisten seiner Kollegen mit Two-Face im Warmen feierten. Angeblich hatten sie Catwoman bei dem Versuch gefangen genommen, den Safe in Two-Faces Arbeitszimmer zu knacken. Was eine dumme Schlampe. Lief immer in ihrem hautengen Kostüm herum, hielt sich für besonders schlau und wollte jetzt auch noch hier in Arkham City die Leute beklauen. Das widerte Jimmy echt an. Ihm lief der Rotz aus der Nase und er schnäuzte sich mit einem zugehaltenen Nasenloch das jeweils andere frei.

Sein Kumpel Brat arbeitete für den Riddler. Er rannte den ganzen Tag durch die Gegend und verteilte überall grüne Figuren in Form eines Fragezeichens. Dafür bekam er am Abend immer einen Topf Suppe und eine lange Tirade über Batman zu hören. Während er dasaß und die dünne Plörre in sich reinlöffelte, schimpfte der bescheuerte Riddler über die Fledermaus und seine Unfähigkeit, all seine Rätsel zu lösen und all die tollen Fragezeichen zu finden. Echt ein totaler Spinner. Vor zwei Nächten hatte Jimmy Brat sogar dabei beobachtet, wie er sich an einer Hauswand abseilte und mit einer Spraydose mehrere Fragezeichen an die Backsteinwand sprühte. Ne, da stand Jimmy doch lieber nur Wache.

Meistens passierte nicht viel in Arkham City und der Wachgang verlief ohne Ereignisse. Wer sollte hier auch schon vorbei kommen? Eigentlich dienten die Posten nur dem Zweck, mögliche Überfälle der anderen Banden frühzeitig zu erkennen, aber seit Jimmy eingewiesen wurde, war es dazu noch nie gekommen. Die Machtverhältnisse waren ausgeglichen und keiner wollte den ersten Schritt machen.

Müde schüttelte Jimmy seine Arme und Beine. Er stand zusammen mit einem Kerl namens Jefferson auf dem Dach. Beide waren mit automatischen Gewehren ausgerüstet und liefen jeweils auf einer Seite des Hausdaches auf und ab. Auf der Hälfte des Weges konnten sie sich gegenseitig sehen und nickten sich kurz zu. Die Straße war ruhig. Jimmy ging zur Hauskante und blickte sich etwas um, als er einen Schrei hörte. Er fuhr herum und hob das Gewehr. Er hörte ein Surren, dann noch ein Stöhnen, dann Stille. „Jefferson, alles klar?“, rief er in die Nacht. Keine Antwort. Vorsichtig lief er über das verschneite Dach auf die andere Hausseite. Was war das? Hinter einem Wasserturm kam Jefferson zum Vorschein. Er hing regungslos kopfüber an einem Seil, welches an einem Gargoyle an der nächsten Hausfassade festgemacht war. Jimmy bekam Panik. Sein Herz raste. Waren die Gerüchte doch wahr? Einige der anderen Jungs hatten davon berichtet, dass Batman in Arkham City aufgetaucht sei. Die verdammte Fledermaus. Er lief zu Jefferson hinüber und schrie: „Zeig dich, du feiger Angsthase! Komm raus aus den Schatten.“ Kaum war er bei seinem ausgeschalteten Partner angelangt, hörte er das Knirschen von Schnee hinter sich. Zwei große schwarze Hände umgriffen sein Gesicht, hielten ihm Mund und Nase zu und drückten ihn zu Boden. Jimmy wehrte sich nur kurz und dann war alles schwarz.


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9 Kommentare

  1. Frank - 23.11.2011 19:50

    An sich recht kurzweilig geschrieben, allerdings verstehe ich grad den Sinn hinter dem Text nicht. Für eine verkappte Review ist zu wenig Info und eigene Meinung drin und eine pure Aufzählung der Möglichkeiten ist sinnfrei wenn doch die meisten Leser ohnehin wissen worum es im Spiel geht. :o

    Bitte höflichst um Aufklärung :D

  2. Daniel - 24.11.2011 22:57

    Das Verbrauchermagazin polyneux ist immer für seine Leser da.

    Batman: Arkham City – Kurztest:

    + das Kampfsystem ist toll
    + die Grafik ist toll
    + das Spiel trifft die richtige Mischung aus Kloppen, Schleichen und Knobeln
    + Catwoman trägt enge Lederkleidung

    – die offene Welt verwässert leider etwas die Hauptstory
    – eigentlich spielt man das gleiche Spiel wie vor 2 Jahren

    Fazit: Wenn du dich wie Batman fühlen willst und gerne Nachts mit einem schwarzem Umhang um deine Schultern durch die Wohnung rennst, dann bist du bei Arkham City genau richtig. Kaufen!

  3. Tom - 25.11.2011 00:48

    Klasse Geschichte, mal aus der Sicht eines der armen Looser, die ich schon zu hunderten aufgehängt, bewußtlos gewürgt oder per Faust und Fuß regelrecht zermatscht habe. War mir nur zu schnell zu Ende, deine Geschichte, aber so schnell geht es halt auch mit den Ganoven zu Ende.

    Für mich das Spiel des Jahres. So, jetzt muß ich mir den Umhang wieder anschnallen und ne Runde durch die City zischen; oder auch mal Catwoman besuchen.

    Gruß
    Tom

  4. Missingno. - 25.11.2011 18:51

    @Daniel
    Wie? Was? Wo?
    Wie viel Prozent von fünf Sternen auf einer Skala von 1 bis 10 bekommen jetzt einen Daumen hoch???

    :trollface:
    *duck & renn*

  5. David - 26.11.2011 16:47

    Jimmy hat’s aber auch echt nicht besser verdient, wenn er als schmächtiger Kerl Leute, bei denen er direkt die breiten Schultern bemerkt, für typische Opfer hält.

    Ich hab das Game nicht wirklich gespielt, wieso haben Gefängnis-Insassen automatische Gewehre?

  6. Frank - 26.11.2011 17:26

    @ Daniel

    Danke für dein Kurz-Review, das meinte ich allerdings nicht :)

    Ich wollte nur wissen wozu der Text wenn er in Hinsicht des Spiels für Neulinge, aber auch für Kenner, nichts „nutzt“.

    Hört sich jetzt böser an als es gemeint ist, aber wie gesagt, ich verstehe den Hintergedanken einfach nicht ;D

  7. Daniel - 26.11.2011 19:36

    @David

    Jimmy hat’s aber auch echt nicht besser verdient, wenn er als schmächtiger Kerl Leute, bei denen er direkt die breiten Schultern bemerkt, für typische Opfer hält.

    Kleinganoven sind ja auch nicht die hellsten Köpfe.

    Ich hab das Game nicht wirklich gespielt, wieso haben Gefängnis-Insassen automatische Gewehre?

    Das ist eines der vielen Rätsel von Arkham City. Sie haben auf jeden Fall welche. Ich frage mich auch, wie das mit der Lebensmittelversorgung funktioniert. Schmeißen die Wärter Fresspakete per Hubschrauber ab?

    @Frank

    Ich wollte nur wissen wozu der Text wenn er in Hinsicht des Spiels für Neulinge, aber auch für Kenner, nichts „nutzt„.

    Manchmal soll ein kleiner Text einfach nur unterhalten. Vielleicht entdeckt der ein oder andere Spieler von Batman: Arkham City sogar Elemente wieder und schmunzelt dabei. Das wäre mir dann schon Nutzen genug.

  8. Hazamel - 03.12.2011 20:50

    Das mit dem Essen kann ich erklären:

    Wenn man im Spiel hin und wieder mal auf dem Dach hockt, hört man Lautsprecherdurchsagen, dass an bestimmten Punkten in Arkham City Essensrationen abgeworfen werden.

  9. TheOriginalDog - 16.01.2012 01:44

    Und die Waffen wurden doch vom Gefängnisdirektor Strange mit Absicht reingeschmuggelt.

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