Daydream Believer

Nathan Drake stapfte vor kurzem durch die Wüste und sagte, er würde Sand hassen. Und vorhin startete ich Journey und dachte an seine Worte. Ich schmunzelte und dann verschwand ich…

Hier soll ich wohl etwas suchen, von dem ich nicht weiß, dass es da ist. Ich habe keine Ahnung um was es geht und ich stolpere unsicher voran, durch die Dünen, den Sandsturm und entfernt höre ich liebliche Streicher. Plötzlich sehe ich etwas in der Ferne, ist es eine Fata Morgana? Ist dieser Ort echt? Ich renne auf ein leuchtendes Etwas zu und beginne zu fliegen. Ich werde vom Wind und Licht getragen, so lang, wie sie es zulassen.

Ich entdecke geheime Wände mit Zeichnungen, sie erzählen eine Geschichte, nur verstehe ich sie nicht. Das Geheimnis soll Geheimnis bleiben, also schwebe ich weiter und das Band wird länger. Ich kann es genau erkennen, nur verstehe ich den Sinn noch nicht – doch schon kurz darauf begreife ich: Ich kann länger und höher springen, ich kann länger und weiter fliegen, ich muss nur die leuchtenden Glyphen finden. Der Sand wirkt weich und fein, ich lande gern auf ihm. Ich bin unsterblich, selbst wenn ich falle. Ich wünschte, die Realität wäre so, ich glaube, das hier ist ein Traum. Ja, ich träume wohl, aber ich bin nicht ich. Vielleicht bin ich ein Geist.

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Plötzlich sehe ich mich, aber dort ist kein Spiegel. Es sieht aus wie ich, doch ich bin es nicht – jemand anderes ist auch hier. Wir setzen uns und reden nur über leise Töne, doch ich verstehe die Sprache nicht. Die Ruhe tut mir gut, aber ich genieße auch die Anwesenheit des Anderen. Es ist eine Begegnung von der ich nicht weiß, wie lang sie andauern wird. Was führt uns zusammen und was wird uns trennen? Der Tod wird es nicht sein.

Wir laufen zusammen über Sand und Teppich, dicht beieinander geben wir uns Licht. Gemeinsam sind wir wohl stärker glaube ich, ich möchte es versuchen. Wir schweben mit der Musik, sie passt wunderbar zu uns – ich freue mich über den Augenblick. Was für eine wunderbare Erfahrung wir gerade teilen, die Stille zwischen uns bringt uns näher zusammen als jedes gesprochene Wort. Oh Journey, ich liebe dich.

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Wie zwei spielende Kinder rutschen wir den Hang hinab und rufen uns leise Töne zu. Es ist schnell und das Cello tönt langsam, der Traum wird lebhafter. Das Wasser glitzert in der Sonne und wir sind umringt von Ruinen und Gestein. Das Ziel rückt näher, aber ich weiß nicht, was uns dort erwartet. Werde ich zurückkehren in mein Leben? Ich will es nicht, denn dort werde ich gestoppt. Hier jedoch kann ich wandern, im Schönen und Unbekannten.

Sag du mir Gott, bin ich im Paradies? Wenn ja, dann möchte ich darum kämpfen, denn ich glaube, wir haben es längst verloren.

Es wird kälter, die Sonne ist längst eingeschlafen. Wir laufen gegen den Sturm und ich falle. Ein lautloser Riss und mein zweites Ich ist plötzlich verschwunden. Es gab keinen Abschied und nun bin ich allein. Der Schmerz brennt, denn ich mag keinen Verlust. Ich sehe einen Drachen und ich grabe mich ein. Die kleine Höhle ist nicht warm genug, ich muss weiter. Leiser Wind zerrt an meiner Leine und ich kenne den Weg nicht. So quäle ich mich weiter vorwärts, doch Angst habe ich keine. Ich denke, gleich wird etwas geschehen – dann wird alles Weiß.

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Jetzt schwebe ich wieder und ich tanze mit den Stoffen durch die Luft. Hier soll alles enden und nun verstehe ich. Die Geschichte handelt von Einsam- und Zweisamkeit und sie pfeift das Lied der kurzen, aber intensiven Freundschaften. Die klassische Musik spielt die Noten der Stille zwischen uns, kraft- und klangvoll. Journey zeigt, wie das Leben sein könnte, aber nie sein wird. Traumhaft.


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5 Kommentare

  1. Chris - 03.04.2012 11:11

    Ich hatte vor ein paar Tagen zum ersten Mal einen Durchlauf, bei dem ich fast die ganze Zeit mit der gleichen Person unterwegs war. Und Himmel, hab ich gehofft, den nicht zu verlieren!

    Jenova Chen hat es vor kurzem bei Eurogamer erklärt. Und wie!

    http://www.eurogamer.net/articles/2012-04-02-jenova-chen-journeyman

    „Augustine wrote: ‚People will venture out to the height of the mountain to seek for wonder. They will stand and stare at the width of the ocean to be filled with wonder. But they will pass one another in the street and feel nothing. Yet every individual is a miracle. How strange that nobody sees the wonder in one another.'“

    „There’s this assumption in video games that if you run into a random player online, it’s going to be a bad experience,“ he continues. „You think that they will be an asshole, right? But listen: none of us was born to be an asshole,“ he says. „I believe that very often it’s not really the player that’s an asshole. It’s the game designer that made them an asshole.“

    Und das ist der Punkt, oder?

  2. Manu - 03.04.2012 11:19

    Halo doesn’t teabag people, players do!

  3. Jingleball - 03.04.2012 12:49

    @chris: Da kann durchaus etwas wahres dran sein. Ich denke schon das eine andere Art von Kommunikation die Menschen näher bringen kann, vielleicht ist es wirklich von Vorteil, wenn wir nicht alles verstehen können. Ich finde ja, die Welt ist eh viel zu laut und jeder muss zu allem etwas zu sagen haben, obwohl es nichts zu sagen gibt. Alle müssen überall mitreden können und diese Leute merken gar nicht, wie uninteressant sie dadurch eigentlich werden und niemand ihnen mehr zuhören will. Journey packt das Phänomen voll an den Eiern. ^^

    Vor einigen Tagen habe ich es auch geschafft, mit jemanden das gesamte Spiel zu bestreiten, es war wunderschön. Am Ende dachte ich auch: Mensch, wenn ich den jetzt aus den Augen verliere flipp ich aus. :) Aber ist alles gut gegangen. Wir warteten aufeinander und gaben uns Zeichen wo es lang gehen soll. Hach!

  4. Chris - 03.04.2012 19:56

    @Manu: Aber sie schreiben auch Dinge wie diese hier.

  5. Pingback: ABZÛ | Polyneux

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