Mass Effect 3 – Extended Cut

SpielerZwei: Kennt Ihr den? Unterhalten sich zwei Mass-Effect-3-Spieler: „Sag mal, welches Ende hattest Du?“ – „Ich hatte das grüne. Und Du?“ – „Bei mir war’s blau.“ – „Hmhm…“

Ich fand die Original-Enden von Mass Effect 3 doof. Nicht weil sie mir zu pessimistisch waren oder ich den Tod von Shepard inakzeptabel fand, sondern weil sie in erster Linie eines waren: Blau, rot und grün!

Das Problem war nicht einmal, dass man sich am Ende für eine von drei finalen Auflösungen entscheiden musste, sondern dass sich die daraus resultierenden drei Endsequenzen im wesentlichen nur durch ihre Farbe unterschieden, obwohl die eigentlich zu treffende Entscheidung drei gänzlich unterschiedliche Lösungen des Reaper-Konflikts suggerierte. Hinzu kam, dass die Endsequenzen extrem schlampig ausgearbeitet und ebenso umgesetzt worden waren: Unzählige Logiklöcher in der Auflösung, keine entsprechende Einbeziehung meiner über drei Spiele hinweg getroffenen Entscheidungen und viel zu viele offene Fragen, mit denen der Spieler am Ende alleingelassen wurde. Das war vor Allem aus handwerklicher Sicht einfach totaler Mist.

Als BioWare kurz darauf ankündigte, man werde das Ende noch einmal überarbeiten und später als DLC nachliefern, war das für mich ebensolcher Mist. Ich will Euch jetzt keine Vorträge darüber halten, wie George Lucas nachträglich Teile meiner popkulturellen Jugend ruinierte, aber ich halte einfach nicht besonders viel davon, wenn jemand sein Werk nachträglich verändert. Anyway. Jetzt habe ich sie gesehen, die vier neuen Enden des Extended-Cut-DLCs. Und jetzt schnallt Euch an (die nächste Fahrt geht rückwärts!): Ich bin begeistert!

Zunächst einmal, weil man die drei ursprünglichen Enden nicht grundlegend verändert hat. Die Wahlmöglichkeiten bleiben grundsätzlich die gleichen, nur dass sie jetzt nicht mehr nur blau, rot und grün sind, sondern ordentlich ausgearbeitet und inszeniert wurden, so dass man nun wirklich das Gefühl hat, eine rudimentäre Entscheidung für die weitere Existenz der ganzen Galaxie getroffen zu haben.

Außerdem hat man nun alle wichtigen Spielentscheidungen, die der Spieler über drei Spiele hinweg getroffen hat, mit in die Sequenzen einbezogen. Ja, ich weiß, es ist im Grunde „nur“ eine modulare Diashow à la Fallout, aber mehr habe ich eigentlich auch gar nicht gewollt. Hauptsache, es läuft nicht mehr auf drei nahezu identische Sequenzen hinaus, die nur unterschiedliche Färbungen haben und ansonsten für alle Spieler gleich sind, egal was sie die letzten 5 Jahre in der Trilogie getrieben haben. Die neuen Enden wirken nun ungleich persönlicher und dadurch auch deutlich versöhnlicher.

Mit den zusätzlichen Sequenzen vor Betreten des Transporterstrahls in London und den neuen Dialogoptionen beim Sternenkind auf der Citadel wurden nun auch die wichtigsten Plot Holes geschlossen und viele wichtige, aber zuvor offene Fragen beantwortet. Natürlich bleibt die ganze Kiste mit dem Crucible und dem „Katalysator-Kind“ weiterhin eine Deus-Ex-Machina-Lösung, die keinen Zweifel daran lässt, dass die Autoren bis zum dritten Teil keinen Plan hatten, wohin die Reise letztendlich gehen soll. Aber mit den zusätzlichen Erklärungen ist die sie nun innerhalb des SciFi-Kontexts wesentlich leichter zu schlucken als noch zuvor.

Wer beim Lesen gut aufgepasst hat, fragt sich bestimmt, was es denn nun mit dem zusätzlichen, dem vierten Ende auf sich hat. Tja, im Wesentlichen handelt es sich bei dem „Verweigerungs-Ende“ um einen ziemlich coolen Stinkefinger, den die Entwickler den Kritikern entgegenstrecken. Man hat jetzt am Ende des Gesprächs mit dem Sternenkind die Möglichkeit, sich den drei vorgegebenen Optionen komplett zu verweigern, indem man sich einfach umdreht und auf das Kind schießt. Hierdurch bekommt man ein weiteres, vorher nicht vorhandenes Ende. Allerdings verdeutlicht einem dieses überaus düstere Ende, dass keine Wahl zu treffen auch keine Lösung ist… Es ist zwar etwas schizophren, auf der einen Seite dem Druck der Fans nachzugeben und die Enden zu überarbeiten, und auf der anderen Seite trotzdem diesen Stinkefinger einzubauen, aber lustig ist es trotzdem.

Man hat es tatsächlich geschafft, nahezu alle Kritikpunkte zu beseitigen, ohne gleichzeitig die eigene künstlerische Integrität vollkommen zu untergraben. Hut ab! Bleibt am Ende nur noch eine klitzekleine Frage: Warum nicht gleich so, BioWare …?!?!

Chris: BioWare hebt das Finale mit dem Extended-Cut auf das Produktionsniveau des restlichen Spiels. Das ist schön. Es ist wahrscheinlich das Maximum dessen, was im Rahmen eines kostenlosen DLCs machbar ist, und hätte BioWare das Ende von vorneherein in dieser Qualität angeboten, hätte es den Aufschrei der Fans vermutlich nie gegeben.

Allein, es macht aus den letzten dreißig Minuten des Spiels noch immer kein gelungenes Ende. Dass man die Logiklöcher rund um die Flucht der Normandy stopfte, bringt ein neues Problem mit sich: Mitten im Ansturm auf den Transportstrahl zur Citadel, gegen die Verteidigung der Reaper, während Soldaten getroffen zu Boden sinken, Fahrzeuge durch die Luft fliegen, während es um jeden Sekundenbruchteil geht und um die Hoffnung, dass nicht alle im Ansturm sterben werden, sondern es wenigstens eine Handvoll Verbündeter auf die Citadel schafft, mitten in dieser Kamikaze-Aktion ist plötzlich genug Zeit, zwei Verwundete mit der Normandy abzuholen und sich, die übrigen Verletzten und den Zeitdruck ignorierend, wortreich voneinander zu verabschieden? What the Hell?

Die Szene mit Anderson und dem Unbekannten auf der Citadel wirkt immer noch genauso holprig und erzwungen wie früher und „Andersons Goodbye“ ist weiterhin nicht vollständig. Wer an die Indoctrination Theory glauben möchte, kann das auch mit Extended-Cut tun, weil die kleinen Lücken und Fehler, die diese Gedankenspiele erlauben, immer noch drin sind. Immer noch entscheiden die gesammelten „Kriegsaktivposten“ darüber, wie positiv das Ende des Spiels wird, also wie exakt der Tiegel arbeitet und – neu! – auch darüber, wie schwer die Massenportale beschädigt werden, obwohl zwischen diesen Dingen kaum ein Zusammenhang besteht. Immer noch negiert die blanke Existenz des Space Childs das Finale von Mass Effect 1.

Mass Effect 3 transportierte für mich mit meiner Paragon-Shepard über weite Strecken vor allem die Botschaft: „Können wir nicht einfach alle miteinander klarkommen, so grundverschieden wir auch sein mögen?“ Die Genophage wurde geheilt. Geth und Quarianer konnten plötzlich friedlich zusammenleben. Die Multikulti-Truppe auf der Normandy hielt zusammen, eines großen Zieles wegen, und versuchte, den Rest der Galaxie ebenfalls zur Zusammenarbeit zu bewegen. Alles vielleicht etwas pathetisch und naiv, aber hey, das ist die Geschichte meiner Shepard, und mir gefiel das!

Die vier verschiedenen Enden treten all das immer noch mit Füßen. Das „Destroy“-Ende erlaubt es nicht, ausschließlich die Reaper und das Space Child zu vernichten, sondern würde verlangen, auch alle anderen synthetischen Lebewesen zu opfern, allen voran die Geth und EDI. Das kommt für mich nicht in Frage. Sollte man dennoch diese Option wählen, stellt man erstaunt fest, dass die Opferung EDIs und der Geth später kaum noch eine Erwähnung wert ist. Im Wesentlichen trübt nur Shepards Beinahetod den Eindruck, dass man hier zu einem zutiefst positiven Abschluss gekommen ist. Das „Control“-Ende nimmt das Space Child aus dem Spiel und überträgt Shep die Kontrolle über die Reaper. Das ist das einzige Ende, dass es mir erlaubt, den Krieg zu beenden und sämtliche Völker der Galaxis friedlich und frei weiterleben zu lassen. Auf die Frage, ob so eine über die Maßen mächtige ShodanShep wirklich eine gute Idee ist oder ob ihr nicht doch irgendwann einmal die Sicherung durchknallen könnte, geht das Ende kaum ein. Jeder darf sich das selbst ausmalen, aber im Grunde ist auch das „Control“-Ende ein positives. Oder wählen Sie Tor 3, das „Synthesis“-Ende: Frieden gibt es dadurch, dass alle Unterschiede zwischen organischen und synthetischen Lebewesen nivelliert werden. Es kann schließlich keinen Frieden geben, solange wir alle so grundverschieden sind, also werden wir einfach alle gleich, indem wir uns zu so einer Art überlegener Herrenrasse fortentwickeln, die fortan weise über das Universum herrscht. Das ist rassistischer Scheißdreck! Das ist praktisch der „Albinisierer“ aus „Iron Sky“, aber alle finden das geil! Das ist das positivste Ende! Niemand stört sich daran, dass er sich niemals frei entscheiden konnte, ob er die Generalüberholung seines Genpools überhaupt will. (Außerdem: Hat Blizzard grün leuchtende Augen nicht patentiert?)

Meines Erachtens passt keines dieser drei Enden zu dem Spiel davor. Dass sie, genügend „Kriegsaktivposten“ vorausgesetzt, nun durch die Bank positiv besetzt sind, macht es nur noch schlimmer. Dank des neu hinzugekommenen Dialoges wissen wir nun, dass Space Child konstruiert wurde, um den Konflikt zwischen Organischen und Synthetischen zu lösen, und dass es diesen Konflikt dadurch „gelöst“ hat, dass es seine Erbauer gegen deren Willen zum ersten Reaper verschmolz. Jemand mit solchen Referenzen ist natürlich zur Zusammenarbeit mit Shepard prädestiniert! Das vierte Ende, in dem man diese Zusammenarbeit verweigert, kann man nicht nur auslösen, indem man auf das Space Child schießt, sondern auch, indem man im Wesentlichen so argumentiert wie ich eben: Ich will, dass die Lebewesen in dieser Galaxis friedlich und frei in ihre Zukunft gehen können. Ich will nicht für sie bestimmen, wie sie das zu tun haben, ich will nur, dass du, mein liebes Space Child, kein Teil dieser Zukunft bist.

Das findet der irgendwie nicht so mint und setzt den Zyklus fort. Das Ende mit der vernünftigsten Argumentation ist das einzige wirklich schlechte Ende des Spiels! Logisch ist das nicht. Auch das „Destroy“-Ende zerstört Space Child und die Reaper, ohne den angeblichen Konflikt zwischen Organischen und Synthetischen zu lösen. Diesen Konflikt, der erst in allerletzter Sekunde zum bestimmenden Thema der gesamten Trilogie erhoben wird, obwohl insbesondere Teil 2 und 3 mit all dem Trubel um Cerberus, Salarianer und Kroganer das eigentlich nicht hergeben. Das war mein Gedankengang, als ich mich zum ersten Mal durch den Dialog mit dem Sternenkind quälte: Die Göre hat keinen Plan, was in der Galaxis eigentlich abläuft, und versucht ein Problem zu lösen, das nicht existiert. Warum kann die ihre Erntemaschinen nicht einfach abschalten und gut ist? Müsste die das nicht von sich aus können, auch ganz ohne den Tiegel? Die Frage steht weiter im Raum, auch mit dem Extended-Cut.

Doreen: Die Frage “Warum nicht gleich so?” kam mir nach dem Durchspielen des Extended-Cut auch in den Sinn. Die erweiterten Enden gefallen mir, aber dennoch fühlt sich der Katalysator nach wie vor wie ein Stück zähes Fleisch an, welches beim Kauen im Mund immer mehr statt weniger wird. Und ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass die neuen Cutscenes schon immer da waren, also nicht wirklich neu sind. Wirklich neu fühlen sich lediglich die Illustrationen an. Die haben mir zwar im Großen und Ganzen auch gefallen, aber als ich Zaeed in voller Kriegsuniform auf der Sonnenliege “entspannen” sah, konnte ich mir ein lautes Auflachen nicht verkneifen. Also manchmal hackt es BioWare!

Mein letzter Wissensstand war, dass die Sprecher nicht nochmal ins Studio geladen wurden, man möge mich bitte korrigieren, sollte das nicht stimmen. So liegt dann auch die Vermutung nahe, dass die Evakuierungsszene vor dem Strahl bereits im Kasten war, sowie auch die hinzugekommenen Cutscenes in der gesamten Endsequenz. Ich verstehe es einfach nicht, warum die Ursprungsversion so ein derartiges Flickwerk werden konnte, wenn doch aber das Material für etwas stimmigeres aller Wahrscheinlichkeit nach vorhanden war.

Wie Chris auch, hätte ich mir persönlich gerne noch den langen Dialog zwischen Anderson und Shepard gewünscht, das wäre es irgendwie noch gewesen und ich hätte sicherlich eine kleine Träne vergossen. So ist es, wenn auch nur knapp, daneben gegangen. Irgendwie wirken nun alle Enden relativ optimistisch, friedlich und auch etwas schwülstig. Synthese finde ich trotz allem immernoch am unvorstellbarsten und auch gruseligsten. Alle sind stark, alle sind irgendwie gleich, alles scheint unfehlbar zu sein. Wer sich so etwas wünscht, ist Satans kleiner Helfer, aber das nur am Rande. Die Enden heben sich jetzt zwar deutlicher voneinander ab, sie haben jedoch alle eins klar gemeinsam: In jedem findet man nun sehr offensichtlich etwas Gutes im Schlechten. Alles, was man sich im Kopf vorher zurechtlegte, wird nun ausgesprochen und bebildert.

Am wichtigsten war für mich zu erfahren, wie meine Crew an Bord gelangen konnte und ob die Szene auf dem grünen Planeten Vision oder Realität war. Die Antwort darauf kenne ich nun. Ich lebe zwar nicht friedlicher mit dem Ende der wundervollen Shepard-Trilogie, ich kann aber sagen, dass zumindest die Übelkeit verschwunden ist, die bisher da war, dachte ich an die letzten 15 Minuten. Das werte ich mal als vollen Erfolg der Neufassung für mich. So werde ich mir wenigstens das Ende noch einige Male ansehen können, ohne gleich das kalte Kotzen zu bekommen.

Wer an die Indoktrinations-Theorie weiter glauben möchte, kann das gerne tun, nichts wird widerlegt. Ich habe aber bei meinem letzten Durchgang nun auch gesehen, dass die schwarzen Bäume und Sträucher aus den Träumen schon vor dem Strahl am Rand stehen. Ich lachte. Aber dieser Junge… der wird für mich niemals wirklich da sein.


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11 Kommentare

  1. Phinphin - 12.07.2012 12:58

    Der Witz war echt gut :)
    Aber zufrieden bin ich trotzdem Extended Cuts nach wie vor nur, wenn es mit der Reihe weitergeht. Weil einfach immernoch ein riesen Cliffhanger drin ist.

  2. Ben - 12.07.2012 14:40

    Ich gehörte ja zu denjenigen, die das originale Ende eigentlich OK fanden. So wirklich notwendig finde ich den DLC daher nicht, aber dass nun alles etwas „glatter“ formuliert ist ohne das Ende wirklich zu verändern, ist vermutlich keine dumme Idee.

    Ich kann Chris Kritik 100% nachvollziehen. Ich würde zwar behaupten dass die Themen Organisch/Synthetisch und Fremd/Selbstbestimmt grade im zweiten Teil stark waren. Nur für ein Blockbuster-Game mit stringenter Erzählweise ist das schlicht indiskutabel. Synthetisch vs. Organisch hätte, etwa wie in Battlestar, von Minute 1 an auf der Tagesordnung stehen müssen und nicht nur als Hintergrundrauschen mitlaufen wenn man es zum zentralen Element der Auflösung machen möchte.

    Was die Entscheidungen angeht. Thx an Chris und Jingle dass ihr das hirnrissige am Syntheseende noch mal präzise herausstellt.
    Ich sehe durchaus Konsequenz darin, dass kein Ende so wirklich „gut“ ist. Zum einen weil es nicht funktionieren kann alle zufrieden zu stellen, vor allem aber weil es die ganze Bedeutung der „Entscheidungsfreiheit“ im Spiel selbst in Frage stellt. Gebe aber zu, das ist eine ziemliche Meta-Sicht. Drei Teile lang anzudeuten, dass als Alternative zum Konflikt immer eine friedliche Koexistenz möglich ist (wieso nicht mit den Reapern, die sind ja schließlich Lebewesen?), diese aber grundsätzlich auszuschließen ist vielleicht einfach zu dreist. Andererseits, wollten wir nicht immer „edgy“ Games zwischen unserem AAA-Geballer anstatt nur rundgelutschter Wohlfühldrops?

  3. Jingleball - 12.07.2012 22:36

    Wohlfühldrops. ^_^

    Ich habe nichts gegen Happy Ends. Aber da ich selbst eher die Erfahrung gemacht habe, dass das Leben ein Arschloch ist, sind etwas negativere Enden für mich meist realistischer. Von daher sehe ich das ganz ähnlich wie du Ben. Manchmal kann aber etwas sehr Schlimmes auch sehr gut ausgehen und ich für meinen Teil tue mich dann etwas schwer damit, es tatsächlich glauben zu können, weil die Chancen eher so… naja eher so mittel bis schlecht waren. Irgendwie kann es auch echt schwer sein, das Gute anzunehmen bzw. hinzunehmen, seltsames Leben! :)

    Im Falle von ME aber, indem es halt um Krieg geht, da gehört das Schlechte aber klar dazu, alles andere wäre ja Quatsch mit Soße.

    Also dieser leichte Optimismus der da jetzt etwas dazugekommen ist, den hätte ich auch nicht zwingend gebraucht und hin und wieder sollen Spiele auch ruhig mal etwas weh tun. Aber wie du sagst, ich bin froh das es jetzt „glatter“ wirkt und ich nicht mehr alle drei Sekunden an irgendeinem Fragezeichen hängen bleibe.

  4. Chris - 13.07.2012 17:57

    Ich würde zwar behaupten dass die Themen Organisch/Synthetisch und Fremd/Selbstbestimmt grade im zweiten Teil stark waren. Nur für ein Blockbuster-Game mit stringenter Erzählweise ist das schlicht indiskutabel. Synthetisch vs. Organisch hätte, etwa wie in Battlestar, von Minute 1 an auf der Tagesordnung stehen müssen und nicht nur als Hintergrundrauschen mitlaufen wenn man es zum zentralen Element der Auflösung machen möchte.

    Vielleicht trügt mich meine Erinnerung, aber ich fand den Konflikt Organisch/Synthetisch gerade im ersten Teil am stärksten. Die Geth waren über weite Strecken die hauptsächliche Gefahr, und auch die Reaper wurden als „alte Maschinen“ vorgestellt. Die anderen Konflikte, wie z.B. Kroganer/Salarianer und Genophage, waren eher Nebenhandlung.

    Im zweiten Teil werden die „bösen“ Geth aus dem ersten Teil zu einer Splittergruppe erklärt, die mit der Mehrheit der Geth nichts zu tun hätten. Das nimmt denen viel von ihrer Ambivalenz und macht zu deutlich klar, dass sie „eigentlich“ zu den „Guten“ gehören. Aus Legion hätte man im zweiten Teil ebenfalls viel mehr machen können, und ich bin sehr froh, dass das im dritten Teil passierte.

    Dass der Konflikt zwischen Organischen und Synthetischen letztendlich wichtiger wäre als die Konflikte der Organischen untereinander, stellen zweiter und dritter Teil für mich nicht mehr so klar dar. Die Geth bleiben halt die einzigen intelligenten Maschinen im Universum und sind eigentlich nicht gefährlich. Wenn noch mehr Rassen als die Quarianer ungünstige Erfahrungen mit VIs gemacht hätten, sähe das anders aus.

    Ich sehe durchaus Konsequenz darin, dass kein Ende so wirklich „gut“ ist.

    Das gefällt mir. Ausdrücklich. Das kommt aber in den neu geschnittenen Enden fast nicht rüber. Dass ShodanShep gefährlich werden könnte, wird nicht erwähnt. Der Tod der Geth und EDIs wird im Destroy-Ende nur in einem Nebensatz angesprochen. Das Synthese-Ende ist so heiter inszeniert, dass es selbst tanzende Ewoks toppt.

  5. autor_in - 20.10.2012 18:29

    ich find das synthese-ende irgendwie am besten..einfach weil es am wenigstens wirkliche opfer macht. Wer stirbt? fast niemand.

    Entscheiden MUSS man sich udn das immer über den kopf von anderen und was bitte ist rassistischer- mehrere ARTEN, Völker auszurotten weil sie nicht vollkommen biologisch sind oder einfach pech hatten (destruction tötet geth, quarioaner und volus-die letzteren brauchen ka ihre umgebungsanzüge noch um zu überleben..es wäre also auch ein massengenozid von 3en) das control-ende ist natürlich auch kritisch weil man eben, ja kontrolliert, riesige macht hat udn wer weiß wass man mal damit macht?

    und das synthese-ende-nunja, jetzt haben halt alle arten synthetische und biologische teile das ihren phän verändert, aber wer sagt dass sie wirklich andres werden? (wie heist es so schön-krieg bleibt immer gleich)

    klar wird keiner gefragt, aber ich denke, hätte ich die wahl quaerianer volus, geth &co (gibt sicher noch mehr lebewesen die auf synthtische unterstützung zum überleben angewiesen sind)zu fragen ob sie sich komplett ausrotten lassen anstelle einfach anders zu werden und zu überleben.
    gleichmachen ist mir da doch lieber als genozid.

    aber es gibt da eh keine guten enden, aber sowas gibt es nie.

  6. SpielerZwei - 21.10.2012 21:07

    Ich finde das Synthese-Ende auch gar nicht schlecht. Ich denke, dass die meisten Leute, die es blöd finden, es als eine Art „Kommunisten-Ende“ verstehen. Gleichmacherei, das Ende des Individuums und so weiter. Aber in dem SciFi-Kontext ist es meiner Meinung nach eigentlich ganz interessant. Zumal die Synthese ja nicht automatisch bedeutet, dass die Individualität auf der Strecke bleibt.
    Im Vergleich zu den anderen beiden Optionen ist die Synthese die Wahlmöglichkeit, die die wenigsten Haken hat.

  7. Chris - 22.10.2012 03:11

    destruction tötet geth, quarioaner und volus-die letzteren brauchen ka ihre umgebungsanzüge noch um zu überleben..es wäre also auch ein massengenozid von 3en

    Umgebungsanzüge sind aber keine VIs. Quarianer und Volus sterben beim Destruction-Ende nicht.

    und was bitte ist rassistischer- mehrere ARTEN, Völker auszurotten weil sie nicht vollkommen biologisch sind oder einfach pech hatten

    Der Tod der nicht vollkommen biologischen Lebewesen wird aber durch die Funktion des Crucibles erklärt, nicht durch Ideologie. Das ist in etwa, als würdest du Hautkrebs unterstellen, rassistisch zu sein, nur weil dunkelhäutige Menschen andere Wahrscheinlichkeiten haben, an bestimmten Melanomen zu erkranken, als hellhäutige. Das ist aber schlicht eine Folge dessen, dass beide nicht gleich sind.

    Das Problem mit dem Synthese-Ende ist, dass es keine SciFi, sondern Fiction ohne Science ist. Niemand weiß, was diese Synthese bedeuten soll. Nicht im Ansatz. Ich halte dieses Ende für rassistische Gleichmacherei (Kommunismus und „Ende des Individuums“ [die keinesfalls dasselbe sind,] sind da bestenfalls Nebenkriegsschauplätze), du gehst vom Gegenteil aus und keiner von uns kann seinen Standpunkt wirklich beweisen, weil das ganze Ende so derart an den Haaren herbeigezogen ist.

  8. Lynn - 03.03.2014 11:42

    Also ich kann dem Synthese-Ende überhaupt nichts abgewinnen. Klar überleben alle, aber meiner Meinung nach wäre es ein künstliches Leben.

    Ich hab alles dafür getan das Reaper zerstört werden und Shepard trotzdem überlebt. Jetzt hoffe ich sehr das im vierten Teil von ME die Story mit ihm/ihr weitergeführt werden kann.. und er nicht nur als Legende nach und nach in Vergessenheit gerät. Weil um ganz ehrlich zu sein.. Mass Effect ist kein Mass Effect wenn Shepard nicht dabei ist. Es ist zwar „nur ein Spiel“ aber wenn man solange mit seinem eigenen Charakter spielt gewöhnt man sich an ihn und schließt ihn ins Herz.. (jaja erklärt mich für verrückt weil ich meinen Shepard mag)

    Für mich ist das beste und „friedlichste“ Ende die Zerstörung der Reaper. Außerdem glaube ich nicht das alle Massenportale zerstört worden sind. Und selbst wenn, es wird sicher eine Lösung gefunden um aus den Reaperüberresten neue zu bauen.

    Aber eines versteh ich nicht so ganz… im ersten Moment laufen meine Kollegen und ich noch auf den Strahl zu um zur Citadel zu kommen.. und später sind sie dann auf der Normandy. Klar freu ich mich das alle überlebt haben.. aber da hätte man sich irgendwas besseres ausdenken können finde ich.

    Im großen und ganzen: vor Mass Effect hat mich ein Spiel noch nie so mitgerissen und berührt. Egal wieviele Opfer es in anderen Games gab. Das fand ich echt Unglaublich. Ich freu mich auf den vierten Teil und hoffe sehr das Shepard auch wieder spielbar sein wird. Kein Shepard = Kein Mass Effect wie man es kennt und liebt.

  9. Lynn - 03.03.2014 11:43

    Ps.: Schreib- und Tippfehler dürfen nach Fund gerne behalten werden :p

  10. Hubertus - 28.04.2015 13:56

    Ich kann Lynn da gut verstehen. Ich habe jetzt erst alle drei Teile durchgerspielt, ohne vorher zu spoilern.
    Da habe ich nun als männlicher Spieler in allen drei Teilen meinen weiblichen Shepard so gut es ging vor „körperlichen“ Schaden bewahrt – habe ihr auch die Romanze mit Traynor verziehen (fand sie irgendwie süss, und witzig – ich sag nur: Zahnbürste) – war die Entscheidung aus männlicher Sicht, da ich ihr die anderen nicht zumuten wollte.
    Und ganz ehrlich, ich mochte meinen weiblich Shepard – der klassische Beschützerinstinkt.
    Da war das Ende für mich doch ganz schön happig mit die Frage: Wie lass ich meine Heldin sterben?
    Kontrolle der Reaper als KI – für immer? Will ich das? Erst bin ich gegen sie und dann soll ich sie auch noch steuern? Wo kriege ich denn neue Reaper her, wenn die mal „kaputt“ gehen? Soll ich dann irgendwelche Rassen „ernten“? Wer schütz mich vor einer Umprogrammierung, Sabotage oder Löschung? Steht mir soviel Macht zu, oder wird man dann irgendwann irre? Da hilft es mir auch nicht, das ich mich an meine Existenz erinnern kann – für meine Freunde bin ich tot. Für mich eindeutig keine gutes Ende.
    Synthese? Na toll – da wird meine DNA duch die ganze Galaxie geschleudert und verteilt und bin auch tot. Da stelle ich mir dann sogar die Frage, was man noch Essen kann? Schließlich waren sogar die Blätter von den Bäumen teilsynthetisch, was einem an der Absturzstelle der Normandy gezeigt wurde. Haltet mich für altmodisch, aber ich will nicht als halber Roboter duch die Gegend laufen. Für mich keine Lösung.
    Zerstörung? Ja, alles synthetische zerstören, weg mit den Reapern – äh, mist, mein Shepard ist ja auch halb synthetisch dank Cerberus, Tschüss Geth, tut mir Leid – EDI. Und wieder bin ich tot.
    Da habe ich mir also den A… aufgerissen um die Galaxie zu retten, meine Freunde zu beschützen, über Tod und Leben zu Entscheiden, Kriege zu beenden und habe nix davon, weil ich es nicht mehr erlebe – na toll.
    Nun hatte ich aber das Glück die Atemsequenz mitzuerleben, war also doch nicht Tod. Somit für mich das richtige Ende. Da dieser Zyklus nun endlich länger als 50000 Jahre dauern wird (ohne Reaper-Neustart), und man die Probleme/Gefahr mit der Synthetisierung erlebt hat, kann sich die Galaxie weiter entwickeln. Wie weit, ist mir dann aber egal – mein Shepard hat seine Lebensaufgabe gelöst – für den Rest sind nun endlich mal andere mal Zuständig – stimmt nicht ganz, mein Charakter und Joker suchen noch die Baupläne von EDI…
    Aber ich hatte echt ernste Probleme mit der Entscheidung, aber ich gestehe auch, das die emotionale Tiefe dieses Spieles die Mass Effect Reihe zu dem besten Spielen gemacht hat, das ich bisher gespielt habe.
    Jetzt, wo ich auch das vierte Ende kenne, bleibe ich doch lieber bei dem Zertörungs-Ende.
    Ob ich allerdings das Spiel mit einem anderen Shepard spiele, kann ich noch nocht sagen – ich erinnere mich lieber an meinen lieb gewonnenen weiblichen Shepard, wenn ich mal wieder an das Spiel denke – oder es in der kalten Jahrezeit noch mal durchspiele.
    Ich kenne aber auch einige, denen ist das Ende so übel aufgestoßen, dass sie dieses Spiel nie mehr sehen wollen – insofern kann ich den Wunsch nach einem richtigen „Märchen-Happy-End“ auch verstehen.

    … nein EDI … das ist eine Tastatur und mit der Maus klicke ich jetzt auf abschicken, das funktioniert noch nicht automatisch …

  11. Doreen - 28.04.2015 14:49

    Danke für den schönen Kommentar Hubertus. Ich muss ehrlich sagen, dass ich inszwischen glaube, das Ende verdaut zu haben. Dennoch kann ich mir denken, wenn ich ME nochmals spielen sollte – was definitiv irgendwann der Fall sein wird – werde ich wieder seelische Schmerzen leiden. Ich weiß aus Erfahrung, dass Dinge in einem sehr lebendig bleiben können, auch wenn man glaubt, dem wäre nicht mehr so. Lustig, dass du diesen Kommentar ausgerechnet heute geschrieben hast. Ich habe nämlich gerade nach ganz langer Zeit mal wieder mein nerdiges Paragon-ME-Tshirt an, was ziemlich lange ungetragen im Schrank herum lag. Das kann kein Zufall sein! ;-)

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