Project Eternity

Project Eternity

Warum hat Tim Schafer so wahnsinnig viel Geld bei Kickstarter sammeln können? Weil er so bekannt ist? Double Fine und er haben zu Recht treue Fans, aber deren Anzahl ist überschaubar. Spätestens seit Wasteland 2 stand für mich deshalb die Frage im Raum, was eigentlich passieren würde, wenn eines schönen Tages wirklich berühmte Leute ein Projekt bei Kickstarter anmelden würden. In spätestens einem Monat kennen wir die Antwort. Obsidian Entertainment hat Project Eternity mit dem durchaus gewagten Ziel von 1,1 Millionen Dollar gestartet und gute Chancen, diese Summe bereits am zweiten Tag zu erreichen.

Bessere Voraussetzungen für maximale Kickstarter-Erträge als die Jungs und Mädels von Obsidian kann man kaum mitbringen. Wie man an den Verkaufszahlen von Dragon Age Origins und der großen Anzahl an Beleidigten nach dem Release von Dragon Age 2 sehen kann, ist der Bedarf an klassischen, taktischen Rollenspielen wie Baldur’s Gate nach wie vor groß. Bei Obsidian arbeiten viele ehemalige Black-Isle-Leute, die an der Baldur’s-Gate-Reihe, an Icewind Dale und vor allem Planetscape: Torment mitgearbeitet haben. Gleichzeitig ist Obsidian als Firma nicht unbedingt vom Glück verfolgt – siehe das eingestellte Alien-RPG und den eher mittelmäßigen Erfolg von Alpha Protocol und Dungeon Siege III – und kann deshalb vollkommen glaubwürdig ein solches Projekt kickstarten. Im Gegensatz zu Bioware, die dafür zu groß und zu sehr EA geworden sind und die vor allem mit der Kehrtwende weg vom taktischen Rollenspiel in Dragon Age 2 absolut klar gemacht haben, dass Spiele in dieser Tradition von ihnen nicht länger zu erwarten sind. Wer sollte ein solches Projekt also heute noch angehen, wenn nicht Obsidian?

Natürlich gilt auch hier, dass man die Risiken nicht unterschätzen sollte. Obsidian will nicht nur ein Rollenspiel auf Basis einer bestehenden Franchise entwickeln, sie wollen eine komplett neue Welt, ein komplett neu entwickeltes Spielsystem. Dafür scheinen anderthalb Jahre Zeitaufwand recht knapp kalkuliert, insbesondere bei einer Firma mit einem gewissen track record an unvollständigen und verbuggten Spielen. Wie gut Project Eternity letztendlich wird, kann niemand sagen. Wenn man sich beteiligt, dann weil man Obsidian diese Reise ermöglichen möchte, weil man selbst daran teilhaben möchte und vielleicht, weil man Planescape: Torment, eines der besten Spiele auf diesem Planeten, erst Jahre nach Erscheinen bei GOG gekauft und deshalb eine schwer zu tilgende Schuld den alten Black Isle Studios gegenüber hat.

Anderswo werden jetzt sicher dicke Krokodilstränen vergossen, weil das viele schöne Geld nicht in ungefähr einhundertsiebenunzwanzig Indie-Projekte geflossen ist, sondern wieder an die alten Männer. Ich dagegen werde mich die nächsten Tage nur vor Freude hüpfend fortbewegen und dabei immer wieder rufen: “Dass ich das noch erleben darf!!”

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7 Kommentare

  1. RobTa - 16.09.2012 12:14

    Ich bin ebenfalls in froher Erwartung und werde -sobald PayPal als Zahlungsmöglichkeit zugelassen wurde- auch gerne meinen Teil beisteuern.
    Ich liebe diese alten ISO-RPGs. Und das diese Zuneigung nicht nur verklärten Kindheitserinnerungen entspringt beweist der Umstand, daß ich erst 2008 angefangen habe mich für eben jene oldschool RPGs zu interessieren.
    Ich vermute die Dinger sind zeitlos wie 2D Point’n’Click Adventure.

  2. Chris - 16.09.2012 13:37

    Manche von ihnen ganz sicher. Und wie der Zufall so will, gibt’s die Infinity-Engine-Spiele bei GoG.com diese Woche günstiger.

    Project Eternity steht inzwischen bei 1,2 Millionen. Wie zu erwarten war, verlangsamt sich das Wachstum jetzt deutlich. Bei Kicktraq kann man den zeitlichen Verlauf von Kickstarter-Projekten beobachten.

    Ich muss allerdings auch sagen, ich find die erste Ladung an Stretch Goals relativ langweilig präsentiert. Hätte man nicht zumindest sowas schreiben können wie “für 2 Millionen kriegt ihr eine Wüstengegend”? Irgendwas, was die Fantasie ein wenig beflügelt?

  3. Anandandram - 18.09.2012 09:30

    Ich bin ja eigentlich auch sehr begeistert von dem Projekt. Aber gar nicht begeistert (um es mal etwas untertrieben auszudrücken) bin ich von der zwanghaften Steamgebundenheit des geplanten Spiels. Für sowas gebe ich leider kein Geld. Jedenfalls nicht diese geforderten 20 Euro. Steam-Spiele sind normalerweise höchstens 8 Euro wert. Und wenn man noch nichtmal weiß, was dabei rumkommt… Aber egal… Alle Welt ist begeistert, bitte schön. Macht ihr mal. Selbst Leute, die DRM und Steam eigentlich eher blöd finde, rasten total aus und können kaum an sich halten, weil Obsidian hier was in der Art von Baldurs Gate machen will. Manchmal verstehe ich Welten und Menschen so gar nicht. Na ja.

  4. Chris - 18.09.2012 11:38

    Steam-Spiele sind normalerweise höchstens 8 Euro wert.

    Mhh? Woran machst du das fest? Der Spielekatalog bei Steam ist breit gefächert, da ist von Triple-A-Titeln zum Vollpreis über Indie-Spiele im 10-Euro-Rahmen bis hin zu Free-to-play-Titeln doch wirklich alles dabei.

    Ich persönlich find Steam und sein DRM jetzt nicht schlimm, kann aber verstehen, wenn jemand darum konsequent einen Bogen machen will. Obsidian denkt zumindest darüber nach, auch eine DRM-freie Version anzubieten, aber bisher gibt es dazu noch keine genaueren Informationen. Kommt hoffentlich im Laufe der Kickstarter-Kampagne noch.

  5. Anandandram - 18.09.2012 18:29

    Den normalen Wert von 8 Euro für ein Steamspiel mache ich daran fest, dass ich nicht installieren kann wann und wo ich will. Dass ich (auch mit Offline-Modus) nicht unbedingt spielen kann wann und wo ich will. Nach Murphy wird ein Steamspiel sicher auf keinen Fall funktionieren, wenn das Internet weg ist. Und selbst wenn ich Internet habe, dann hat Steam keins, oder die Server spinnen, oder mein Account ist gesperrt oder, oder, oder…
    Und wenn Steam mal wieder irgendwelche AGBs ändert, oder sonstwie der Meinung sein könnte, dass Spiel X jetzt so nicht mehr angeboten werden kann oder darf oder soll…
    Nö. Das ist mir alles zu unsicher.
    Steam hat Vorteile, aber auch ganz blöde Nachteile.
    Mit DRM kann ich leben, aber es darf eben nicht mal annähernd so viel kosten, wie sich die Hersteller so vorstellen.
    Die können mir gerne für ein DRM-freies Spiel 70 oder 80 Euro abknöpfen. Wenn mir das Spiel dann quasi gehört und ich machen kann, was ich will, prima, bin ich dabei. Aber mehr als 10 Euro wird man von mir für DRM niemals bekommen.

  6. Chris - 20.09.2012 12:07

    .. uuuund es ist DRM-frei zu haben!

  7. Farudan - 22.09.2012 18:50

    Na dann wird es Zeit für Anandandram seine 70 bis 80 Euro loszuwerden. Und wer will darf gerne noch Mitglied des Obsidian Orders of Eternity werden. :)

    Linux ist mittlerweile übrigens ebenfalls garantiert, auch wenn das bislang genannte stretch goal bislang nicht erreicht wurde. Sie sind sich bereits sicher, dass sie auch ohne diese zusätzliche Finanzierung eine Linuxversion hinbekommen.

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