Polytalk: 400 Days

Für sehr viele Spieler war Telltales Interpretation der The Walking Dead-Comics letztes Jahr eines der absoluten Highlights, obwohl es nach rein spielerischen und technischen Kriterien eher keinen Blumentopf gewinnen konnte. Die eigentliche Stärke des Spiels lag ganz klar in der Geschichte und ihren Figuren. Nun wurde mit 400 Days eine Art Appetithäppchen veröffentlicht, das die Wartezeit auf die kommende zweite Season verkürzen soll.

Wir haben uns gemeinsam darüber unterhalten, wie gut dieses Zwischenspiel im Gesamtkontext funktioniert, was es mit der ersten Season zu tun hat und welche Ausblicke es auf die zweite Season bietet…

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alt Doreen: Die meisten bei Polyneux hatten ja ihre ganz eigenen Geschichten (Emotionen) mit TWD. Jeder hatte es gespielt, aber so wirklich darüber ausgelassen hatte sich in unseren Reihen eigentlich niemand. Über TWD zu schreiben ist für mich nach wie vor eher schwierig, da ich glaube, so richtig fetzig ist das eigentlich nur, wenn man auch ohne Ende spoilert. Alles andere fällt bei mir dann eher in die Kategorie “viel geredet, aber nichts gesagt”. Über technische Unzulänglichkeiten kann man sicherlich ewig lamentieren, aber damit wird man TWD eben auch nicht wirklich gerecht, denn alles in allem war die erste Season schon ein herrliches Dramenspektakel. An einigen Ecken vielleicht sogar schon fast zu dramatisch und ein bisschen zu manipulativ, aber hey, das meiste hat schon auf seine eigene Art und Weise sehr gut funktioniert.

Im Vorfeld hatte ich angenommen, 400 Days sei schon der Staffelauftakt zur zweiten Season, aber Pustekuchen. Es sollte eher eine Art Vorbereitung werden auf das, was da eventuell im weiteren Verlauf auf uns zukommen mag. So richtig schlau hat es mich nicht gemacht, da ich eigentlich keine Freundin von halben Sachen bin. Ist es nun ein Staffelauftakt oder nicht? Verbindungsstücke haben es ja meistens immer etwas schwer und nachdem ich ich 400 Days gespielt habe, bestätigte sich mein Empfinden diesbezüglich auch. Ich verstehe irgendwie gar nicht, warum 400 Days eigentlich kein Staffelauftakt sein soll, wenn wir doch die Charaktere angeblich weiterverfolgen werden. Ich glaube, das ganze Gerede darum bringt mich nur durcheinander. Aber mal abgesehen davon, was es nun eigentlich sein soll: Mehr als ein “ganz nett” blieb als Eindruck bei mir nicht haften, aber so ähnlich erging es mir nach Episode 1 in der ersten Staffel auch. Die Begeisterung war eher ein wachsender Prozess. Ich würde es fast “lieben lernen durchs Spielen” nennen. Wie war es denn beim Euch?

alt Zwerg-im-Bikini: So wie sie 400 Days veröffentlicht haben, als Bonus Content zwischen den Staffeln, hat das denke ich sehr gut gepasst, denn für den echten Staffelauftakt hätte es mir sowohl an Charakter- als auch Storyentwicklung gemangelt. Auch die Entscheidungen beschränken sich im Grunde auf eine finale pro Geschichte. Durch die Aufsplittung in die fünf Einzelschicksale der neuen Charaktere ist diese Vereinfachung nicht weiter verwunderlich, denn in der kurzen Zeit kann man nun mal nicht viel aufbauen. Aber trotzdem war ich zufrieden und habe das Durchspielen von 400 Days genossen, gerade weil meine Erwartungen nicht so hoch waren wie an eine „richtige“ Episode. Als solche hätte mich 400 Days wegen seiner festen Struktur enttäuscht, aber als eine Art interaktive Kurzgeschichtensammlung, die einen zwischen den Staffeln bei Laune hält, funktioniert es gut. Man darf noch einmal in die selbe Welt eintauchen, die bedrohliche Atmosphäre spüren. Inwieweit die neu eingeführten Charaktere in Zukunft eine Rolle spielen werden, werden wir noch sehen, aber sie waren gut geschrieben und ich fand auch schon die kleinen Anspielungen auf die 1. Staffel fein.

Ohne zu spoilern, welcher Part hat euch denn am besten gefallen, und welchen fandet ihr eher schwach? Die Entscheidungen waren ja teilweise nicht ohne, trotz des kurzen Aufbaus. Schade war nur, dass ich bei Wyatt die Wahlmöglichkeit komplett übersehen habe, wodurch die Episode einen anderen Verlauf nahm, als ich gewollt hätte… etwas so frustrierendes sollte eigentlich nicht so leicht passieren, gerade weil es die einzige richtige Entscheidung in dieser Geschichte war. Die Figurenkonstellation um Vince hat mich am meisten Grübeln lassen, etwas in der Art hätte ich mir auch gut im Hauptspiel vorstellen können. Shels Geschichte war mein zweiter Favorit, weil sie etwas umfangreicher als die anderen wirkte.

SpielerZwei SpielerZwei: Ich bin etwas enttäuscht von 400 Days. Nicht weil ich knapp 5 Ocken für 1,5 Stunden Spielzeit bezahlt habe, sondern weil diese 1,5 Stunden nicht annähernd die Qualität von Season 1 erreichen. Das Hauptproblem ist die Aufteilung in 5 noch kleinere Geschichten mit immer anderen Figuren, denn in so kurzer Zeit kann man keinen der Charaktere nur annähernd entwickeln, geschweige denn dafür sorgen, dass der Spieler mit ihnen warm wird. Und genau da lag ja die große Stärke der ersten Staffel von The Walking Dead. Klar, Telltale zeigt hier erneut, dass sie das clevere Geschichtenerzählen beherrschen: Die 5 kleinen Stories haben zunächst nur gemeinsam, dass sie alle um den Truck Stop kreisen. Zwar gibt es schon vorher zeitlich versetzte Kreuzungen, wenn man genau aufpasst, aber erst am Ende führen die verschiedenen Stränge so richtig zusammen. Das passiert dann aber leider auf eine recht plumpe Weise.

Einen Zusammenhang mit der ersten Season, außer dem eigentlichen Szenario, gibt es nicht. Nur kleine Verweise, die aber vermutlich keine wirkliche Brücke schlagen sollen, sondern dem Spieler eher nur zeigen, dass 400 Days in der gleichen Welt spielt. Seine Einordnung in den Serien-Kontext bekommt 400 Days erst ganz am Ende, wenn klar wird, dass man hier die Charaktere für Season 2 gewählt hat. Im Grunde ist 400 Days also nur das, was bei einem RPG der anfänglichen Characktergenerierung entspricht. Und das finde ich viele Wochen vor dem Start der 2. Staffel ziemlich dämlich. Man sollte 400 Days eigentlich erst direkt zu Beginn der 2. Staffel spielen, denn dann stehen diese ersten Begegnungen mit den Figuren nicht so dumm im luftleeren Raum rum und kranken auch nicht an dem größten Problem, das ich mit diesem Pausen-Clown zwischen den Staffeln hatte: Mir waren die Figuren alle relativ egal. Und dementsprechend egal waren auch meine Entscheidungen. Wenn ich keinen der Charaktere richtig kennen lernen kann, spielt es auch keine große Rolle, wen ich sterben und wen ich überleben lasse.

Wie von Doreen schon angesprochen, hatte auch ich durch das weitgehende Wegfallen der Empathie für die Figuren das gleiche Gefühl wie seinerzeit nach der ersten Episode von Staffel 1: Ich fand’s nicht so dolle. Ganz einfach weil einem die ganzen spielerischen Makel von TWD wieder ins Gesicht springen, sobald man nicht mehr richtig emotional involviert ist. 400 Days zeigt einfach ganz deutlich, was man am Ende der ersten Staffel fast vergessen hatte: Telltales TWD lebt einzig und allein von der Geschichte und den tollen Charakteren. Sind diese Zutaten nicht vorhanden, ist der übrigbleibende Rest eigentlich eher meh…

Um ZiBs Frage mal zu beantworten: Mir hat die Geschichte im Gefangenentransport noch am besten gefallen, wobei ich nicht einmal genau sagen kann, warum. Cool war aber auch die Nummer im Maisfeld, weil das Pacing klasse war. Und am blödesten fand ich den Teil mit der größeren Gruppe von Überlebenden im Truck Stop, weil einfach zu viele Figuren in zu kurzer Zeit präsentiert wurden, so dass sie für mich alle nur unwichtige Statisten blieben.

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alt Doreen: Hm ja, mir gehts da sehr ähnlich wie SpielerZwei. Zum einen kann ich mich nicht wirklich damit anfreunden, dass 400 Days als Brückenstück fungieren soll und zum anderen, dass es als das für mich noch nicht mal wirklich gut funktioniert hat. In Staffel 1 fand ich es nach einer gewissen Zeit einfach schön, ein fester Teil vom Gesamten zu sein. Ich konnte mich mit Lee nach und nach immer mehr identifizieren und mit ihm in das Geschehen reinwachsen, das war in dem losgelösten 400 Days kaum möglich. Sicherlich wird das Telltale in der zweiten Season auch wieder mehr in den Fokus stellen, aber genau das macht 400 Days schon fast überflüssig – oder sagen wir verfrüht – für mich. Wahrscheinlich hätte ich es besser gefunden, wenn man alles ruhen lässt und dann mit einem schönen Kracher die zweite Staffel beginnt, vielleicht auch in einem ähnlichen Stil wie unser Verbindungstückchen. Mir fehlte hier ganz klar die Identifikation mit den Figuren, das waren viel zu viele in kleinen Fetzen, da hatte ich bei fast allen spannenden Situation nur ein Schulterzucken übrig.

Was ich aber ganz schön fand war der Perspektivenwechsel in dem Abschnitt mit Wyatt. Den habe ich 2 Mal gespielt, ein Mal mit Sieg beim Schnick, Schnack, Schnuck und ein Mal ohne Sieg. Die Episode verläuft dann doch nochmal etwas anders, vor allem spielerisch. Fand ich nebenher mal ganz nett festzustellen, dass einige Gegebenheiten nicht nur vorgegaukelte Wendungen haben. Das Ergebnis war zwar dennoch das gleiche, aber zumindest spielte sich die Episode etwas anders.

ZiB, ich fand die Episode mit Bonnie am besten. Da haben mir die Dialoge sehr gefallen, auch den Spannungsaufbau fand ich toll und wie er dann am Zenit aufgelöst wurde. Bonnie als Type fand ich auch ganz toll, so eine verlorene Seele in der verlorenen Welt. Auf jeden Fall sympathischer als Vince, der hat mir irgendwie überhaupt nichts gegeben. Der Abschnitt mit Shel war okay, vor allem was die Moral angeht, aber Bonnie hat schlussendlich das Rennen einfach gemacht.

alt Sven: 400 Days gefiel mir vor allem aufgrund seiner Form. Telltale Games verfolgen ihr Serienkonzept konsequent weiter und bringen statt einer vollwertigen Folge im Grunde nichts anderes als eine Webisode raus. Eine wunderbare Möglichkeit, um Fans bei der Stange zu halten, im Grunde aber auch verzichtbar. Die zweite Staffel wird man mit ziemlicher Sicherheit auch kapieren, ohne 400 Days gespielt zu haben. Und das bringt mich zu meinem eigentlichen Problem mit dem Zusatzkapitel:

Ich fühlte mich die ganze Zeit wie eine Labormaus, die in unterschiedliche Versuchsanordnungen geworfen wurde, deren große Gemeinsamkeit darin bestand, dass ich mich am Ende doch bitte für meine Entscheidungen schämen sollte. Dabei mag ich die Idee dahinter. Fünf kurze, einzeln anwählbare Geschichten, die am Ende ein großes Ganzes ergeben. Je nachdem in welcher Reihenfolge man die Kapitel angeht, dröselt man das Storyknäuel von unterschiedlichen Seiten auf. Ich startete zum Beispiel mit Bonnie und hatte dann in Shels Kapitel einen schönen Aha-Moment, als die im Maisfeld verloren gegangene Taschenlampe zur Sprache kam.

Was dem DLC aber im Gegensatz zur ersten Staffel komplett abgeht sind Verschnaufpausen. Hier wird kein Zug repariert oder ein Grab geschaufelt, nein, da folgt gleich das nächste moralische Dilemma. Jede der Folgen läuft auf einen finalen Konflikt hinaus, dessen Wucht aber mit jeder weiteren Geschichte abnimmt. Anders kann ich mir nicht erklären, weshalb ich das Bonnie-Kapitel am besten fand und mir die Geschichte von Vince so unglaublich egal war. Die an sich interessante Struktur von 400 Days passt für mich leider überhaupt nicht zu der in Staffel 1 etablierten Erzählweise. Keine Ahnung, ob The Walking Dead ohne Clem und Lee funktionieren kann, in so einer kondensierten Form aber ganz sicher nicht.

alt Volker: Ich bin irgendwie seltsam unbewegt von „400 Days“. Ich fand zwar das Format toll (auch wenn kritische Stimmen anmerken könnten, dass das noch ein weiterer Schritt in Richtung Casual sei, da die ohnehin nur einen Abend kurzen Episoden nun auf 15-Minuten-Häppchen komprimiert wurden und man das damit zwischen drei Bahnhaltestellen zocken kann), konnte mich aber einfach in keinen davon richtig hineinversetzen. Wie auch, in 15 Minuten! Also hab ich gemacht, was ich immer gemacht hab, nämlich so entschieden, wie ich es selbst auch entscheiden würde und nicht so, wie ich denke, dass es für ein Vorankommen im Spiel die günstigste Entscheidung wäre. Das ist in meinen Augen immer noch die große Leistung der „TWD“-Games gegenüber bisherigen Rollenspielen.

Das von Sven beschriebene Dilemma funktioniert zwar weiterhin gut, aber seien wir mal ehrlich: Die Gefahr der Abnutzung ist schon da. Mittlerweile kennt man Situationen wie die in „400 Days“ ja wirklich, man erwartet sie geradezu. [SPOILER ON] Mir war durchaus klar, dass es beim Erstürmen der Tanke zu einer Entscheidung a la „Töten oder nicht?“ kommt, auch die Wahl im Gefängnisbus, wem man nun das Bein „anschießt“, ebenso die Situation mit der Diebin, wo Shel entscheiden muss, was denn nun zu tun sei. [SPOILER OFF] Dieses „Es gibt kein Richtiges im Falschen“, das hat „TWD“ schon gut in Gamesform präsentiert, nur irgendwann treten eben Abnutzungseffekte auf und ich habe die Befürchtung, dass – so man in Season 2 nichts anders macht als in Season 1 – spätestens mit der dritten Staffel die ersten Unkenrufe laut werden. Denn was wär’s dann auch anderes als ein „Call of Duty“ mit Emotionen?

Trotzdem freu ich mich. Weil’s in einer „vollwertigen“ Season statt einem kleinen Zwischenspiel wie „400 Days“ wieder die Möglichkeit geben wird, sich mit wenigen Charakteren tiefergehend auseinanderzusetzen, ihre Entwicklung nicht nur zu verfolgen, sondern auch mitzugestalten und dabei ständig das Gefühl zu haben, man müsse eine Familie zusammenhalten, die nicht zusammengehalten werden will, was allerdings Wurscht ist, da es nun verdammt nochmal Apokalypse ist und es nur gemeinsam geht. Dieser permanente Stress, dass jede Entscheidung die Falsche sein könnte, dass jede noch so kleine Angelegenheit sich irgendwann rächt und dafür sorgt, dass einer die Gemeinschaft verlässt, das hat „TWD“ für mich ausgemacht. Und ist mir in „400 Days“ einfach völlig abgegangen.

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alt Doreen: Ich spinne jetzt mal ein bisschen: Meint ihr, Clementine wird auch in dem Camp sein? Ich würde es irgendwie nice finden.

 

alt SpielerZwei: Am Ende der ersten Season bin ich noch davon ausgegangen, dass wir Clementine wiedertreffen werden und der Spieler eine Art Lee-Ersatz spielen wird. Jetzt bin ich mir da aber nicht mehr so sicher…
Einen reinen Cameo-Auftritt von Clementine in Season 2 fände ich persönlich irgendwie doof.

alt Volker: Ich hätte nichts dagegen, aber das bringt aber eine Reihe von Problemen mit sich: Sie ist ja (wenn Telltale nicht mit einem dämlichen „10 Jahre später“-Zeitsprung startet) nicht älter geworden, also weiterhin ein Kind, wenn auch vermutlich ein mittlerweile eigenständigeres. Dennoch würde ich nicht vermuten, dass man ihr eine Entwicklung aufdrückt, wie sie Ellie im letzten Drittel von „The Last of Us“ durchmacht. Das würde einfach nicht passen. Und ein wehrloses Mädchen spielen ist irgendwie wenig attraktiv – sie als Heldin zu gestalten dagegen latent unglaubwürdig. Blödes Dilemma. Genauso wie nochmal die Beschützer-Nummer durchziehen nicht wirklich attraktiv wäre. Das kennt man ja nun. Am smartesten wäre vermutlich echt ein Cameo: Sie mit einer neuen Gemeinschaft sehen, sehen, dass es ihr dort gut geht, dass sie „sicher“ ist (soweit das möglich ist), das würde mir schon reichen, um besser zu schlafen :).

alt Zwerg-im-Bikini: Das wäre auch das Problem, das ich sehe. Clem wieder die ganze Zeit beschützen zu müssen, würde womöglich zu sehr an die bisherigen Folgen erinnern. Und sie als Hauptcharakter… ich weiß nicht… wobei… vielleicht würde Telltale es ja doch auf interessante Weise hin bekommen? Man muss schließlich nicht immer einen starken Helden spielen, und da die Entscheidungen und Dialoge hier sowieso eine größere Rolle spielen als die Action, könnte es vielleicht mit einem kleinen Mädchen funktionieren. Ja, doch. Je mehr ich darüber nachdenke, desto spannender stelle ich es mir vor, sich in einer Welt voller Erwachsener behaupten zu müssen, die einen erst einmal nicht ernst nehmen. Inzwischen wäre sie ja außerdem schon um die 10 Jahre alt, das ginge.
Gerade könnte ich mich wohl mit so ziemlich jedem Szenario anfreunden. Wobei ich es schon fast ein wenig schade fände, wenn Clem einfach im selben Camp wäre, man sie im Hintergrund sieht, aber nicht mit ihr interagieren kann. Ich bin doch inzwischen so sehr daran gewöhnt, dass sie zu beschützen meine wichtigste Aufgabe ist, wenn sie da ist.

alt Sven: Mittlerweile könnte ich auch damit leben, wenn Clementine überhaupt nicht in der zweiten Staffel auftaucht. Warum nicht einfach einen harten Schnitt zwischen Staffel 1 und 2 setzen und die Kleine einfach als großartiges Videospiel-Kind im Gedächtnis behalten? Die Daddy-Nummer wird, wie von euch schon festgestellt, nicht nochmal so aufgehen. Ich habe ein wenig die Befürchtung, dass sich The Walking Dead in so eine Zombieversion einer Coming of Age Geschichte entwickelt, wenn sich die Schreiber zu sehr an Clementine klammern. Bräuchte ich persönlich nicht.

Mal weitergesponnen: Habt ihr schon eine Idee wer der Hauptprotagonist in Staffel 2 sein könnte? Anfangs war ich ja ernsthaft der Meinung, man würde alle der neuen Charaktere in der neuen Staffel spielen können. Jetzt bin ich mir aber ziemlich sicher, dass der Zweck des Zusatzkapitels allein darin bestand, die Nebencharaktere zu etablieren, um den Spieler nicht wieder (Stichwort Mark aus Episode 2) ins kalte Wasser zu werfen. Damit wird die Auswahl also schon ziemlich klein. Nate vielleicht? Wäre zumindest mal interessant so ein komplett durchgedrehtes Arschloch zu spielen! Zur Not könnte ich mich auch mit Kenny anfreunden, der natürlich nicht tot ist / sein darf!

alt SpielerZwei: Mein Tipp? Einen ganz anderen, neuen Charakter. Die Figuren aus 400 Days werden höchstwahrscheinlich nur die „Anderen“ sein.

 

alt Zwerg-im-Bikini: Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass wir die Person bereits kennen (…außer es ist tatsächlich Clementine ;)). Mir wäre jemand am liebsten, der noch nicht „vorbelastet“ ist… mit Nate zum Beispiel könnte ich mich überhaupt nicht identifizieren, hilfe! Ich habe immer so gespielt, wie ich mich selber entschieden hätte, und da würde es sehr stören, wenn mir jemand mit so extremen Charaktereigenschaften aufs Auge gedrückt wird, den ich selber nicht leiden kann. Das lenkt einen dann ja unweigerlich in eine gewisse Richtung und mindert das persönliche Spielerlebnis, wenn man andere Moralvorstellungen hat. Bei den Nebencharakteren können sie sich schon genug austoben.

alt Doreen: Ich würde gerne wissen, was aus Clementine geworden ist und wer die Leute waren, die man am Ende von Season 1 gesehen hat. Ich bräuchte keine Details, nur einfach einen kurzen Hinweis oder so, das würde mich – wie auch Volker – etwas ruhiger schlafen lassen. Normalerweise kann ich auch mit einem kompletten Reset leben, aber in dem Fall würde ich es gerne wissen.

Dadurch, dass das Ende von 400 Days sehr individuell ausfallen kann, glaube ich kaum, das man den neuen Hauptcharakter in diesen Reihen finden wird. Ich habe ehrlich gesagt keine konkrete Vorstellung wer es sein könnte, ich hoffe aber, dass es jemand komplett neues sein wird. Und ich bin froh, dass bei mir Bonnie mit ins Camp kommen wird, der Rest interessiert mich erstmal nicht so wahnsinnig. Ich freue mich zwar schon sehr auf die zweite Staffel, aber Volker sprach ja auch schon die Gefahr der Abnutzung an. Dabei geht es ja noch nicht einmal um die spielerischen Wiederholungen. Selbst in den besten Serien ist es ja immer schwer gewesen, ein gewisses Niveau stabil zu halten und für genügend WTF-Momente zu sorgen. Z.B. hatte The Last of Us das Problem nicht, da es erzählerisch ganze andere Schwerpunkte gelegt hat und keine „Serie“ in dem Sinne war. TWD ist dramaturgisch ja fast permanent auf Hochtouren gefahren – dieses Level zu halten stelle ich mir ehrlich gesagt sehr schwer vor.

Ich möchte da nicht jetzt schon große Zweifel anbringen, aber ein vorsichtiges „Abwarten und Tee trinken“ brabbele ich immer vor mich hin.

alt Zwerg-im-Bikini: Zum Abschluss noch ein kleines Update zu Season 2 von der Comic-Con: Clementine will return in The Walking Dead season 2.
Clementine wird also definitiv dabei sein, allerdings kann man daraus natürlich noch nicht schließen, wie groß ihre Rolle ausfallen wird und welchen Charakter der Spieler übernehmen wird. Mich persönlich freut es außerdem, dass auch Kenny noch einmal ein Thema sein wird. Sorgen, dass mich die kommenden Folgen enttäuschen werden, mache ich mir keine.


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3 Kommentare

  1. jello - 04.08.2013 01:47

    Clementine kann in Season Two nicht nicht auftauchen; ebenso Christa und Omid. Geht nicht. Die drei werden, hoffentlich, zusammen unterwegs sein. (Ich bin der festen Überzeugung die Silhouetten am Horizont nach den Credits sind Christa und Omid.) Dieses Setup würde auch die Aufarbeitung von Kenny’s Schicksal erleichtern.

    Jedenfalls, 400 Days:
    Ich war ehrlich etwas geschockt als das erste Kapitel [Bonnie’s] nach nicht mal ’ner viertel Stunde schon vorbei war. Das Ganze ist wirklich etwas zu reichlich kurz. Insgesamt war’s nach ungefähr der Hälfte der Zeit, die ich für eine normale Episode gebraucht habe, schon vorbei.
    Davon ab gefiel mir die Struktur aber sehr – und sei’s nur, weil ich ’ne absolute Schwäche für asynchrone Erzählung habe. (Memento, Pulp Fiction, anyone? ;o))

    Dass man die Charaktere in ihren kurzen Kapiteln jetzt nicht so gut kennt und kennenlernt, kann man gut finden, muss man aber nicht. Ich glaub‘, man soll einfach noch keine zu große Bindung mit ihnen aufbauen; das ist Aufgaben der zweiten Staffel. Wie einige von euch vermute ich ebenfalls, dass hier die neuen Nebencharaktere vorgestellt werden, was mir ehrlich gesagt schon reicht. Damit wird der Effekt, der in Shel’s Kapitel auftritt – zu viele Charakter werden in zu kurzer Zeit vorgestellt -, für den Beginn der nächsten Staffel abgefangen. Man kennt sie dann bereits immerhin etwas.
    (Oder natürlich, es kommt alles gaaaaanz anders…)

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