Simply Dark

Schreibblockade. Ich glaub, ich habe eine. Vielleicht kennt man das. Man möchte über ein Spiel etwas schreiben, aber es kommt einfach kein Wort aus der Tinte, weil das Spiel halt da ist, aber irgendwo undefiniert zwischen „Na, das nenne ich jetzt aber mal ein Verbrechen gegen die Menschheit“ und „Ich glaube, ich kann weiter spielen und ohne Schlaf zur Arbeit gehen.“ Ich habe mir fest vorgenommen etwas über Dark zu schreiben, weil der Titel von den deutschen Realmforge Studios relativ unbekannt ist. Aber es ist so ein Spiel, das es einem mit seiner Durchschnittlichkeit nicht leicht macht.

Dark ist in einigen Bereichen wirklich nicht gut. Da wären zum Beispiel die Animationen, die sehr steif aussehen. Das Voice Acting fiel auch mies aus, da einige der Vampire wie Surf-Bros oder der Best Friends Club klingen, während die gegnerischen Wachen sehr stark auf Vollidiot getrimmt wurden. Man kann die NPCs nicht sonderlich ernst nehmen, was sich durchaus auch auf den Spielspaß auswirkt. Es ist eben uninteressant, wenn meine Gegner wie die üblichen Donut-Cops auf mich wirken und die Befriedigung, meine Gegner smart umschlichen zu haben, ausbleibt. Ich hätte es nicht gedacht, aber gutes Voice Acting bei den Gegnern kann schon einen dicken Unterschied ausmachen. Ich denke da an andere Schleich-Spiele, bei denen ich mich durchaus bedroht fühle, aber bei Dark fällt das aufgrund des Voice Acting leider flach. An diesen Details merkt man jedenfalls, dass dort kein Team mit einem riesigen Budget gearbeitet hat. Soweit wäre das eigentlich nicht schlimm, da man solche Details noch verzeihen könnte, wenn denn noch irgendwo ein Highlight verborgen wäre.

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Nur leider kann Dark auch keine Akzente mit seiner Handlung oder dem Gameplay setzen. Also den Sachen, mit denen ein Spiel noch einen Kultstatus erringen kann, wenn das Budget zu klein für einen fetten Triple A-Titel ist. Aber spätestens dann, wenn es wieder um eine böse Organisation geht, die mit ihrem Geld, Arbeitern und ihrer Langeweile nichts anderes zu tun weiß, als einen diffusen Plan zu entwerfen, nach dem ich benutzt werde um einen alten Vampir zu finden, diesen zu erschießen und ihn dann nach einem – natürlich: fehlgeschlagenen – Experiment als Monster-Mutant wieder zum Leben zu erwecken, hat mich das Spiel bezüglich der Handlung im letzten Drittel verloren. Die Nebencharaktere gingen mir auch an den Füssen vorbei. Da ist etwas faul im Staate Dänemark, wenn ich mich um seine entführten Vampir-Freunde sorgen soll, mir aber mit einem fröhlichen „Yay, jetzt krepiert endlich!“ auf den Lippen ein Eis aus dem Kühlschrank hole. Also im Real Life – in Dark gibt es nämlich kein Eis. Die RPG-Elemente von Dark gehen auch nicht in Richtung eines Deus Ex oder Vampire: The Masquerade – Bloodlines, in denen ich mich frei in einem City-Hub bewegen kann, Sidequest annehme oder freie Entscheidungen treffe, sondern lediglich durch das Einsammeln von Erfahrungspunkten neue Fähigkeiten erlerne. Dark ist eben nichts weiter als ein geradliniger Schleicher.

Und doch konnte ich Spaß mit Dark haben. Gut, das muss nicht viel heißen, weil ich nun mal Stealth-Spiele mag. Unter dem Aspekt bietet Dark wenigstens einige gemütlichere Schleichereien und Stealth-Puzzles. Durch die Vampir-Thematik und weil Kills mit Erfahrungspunkten belohnt werden, habe ich dabei kaum einen Gegner ausgelassen, bis alle Fähigkeiten erlernt waren. Diese Fähigkeiten fallen recht vielseitig aus und in der Hinsicht war ich schon positiv überrascht. Bei anderen Spielen hat man die üblichen Stealth-Fähigkeiten, die man recht schnell erlernt hat (Gegner durch Wände sehen, leise laufen und so weiter), während der Rest für den hippen Schleicher von heute relativ uninteressant ist. Dark bietet neben den üblichen Stealth-Fähigkeiten noch weitere Skills, die ich nach meinem Belieben benutzen kann. Zwei beieinander stehende Wachen kann ich mittels Distract ablenken, den hinteren der beiden mit Shadow Grip töten und an der verbliebender Wache mein Blut wieder auffüllen. Das sind Momente, in denen ich mit meinen Vampir-Fähigkeiten herumspielen kann und Legacy of Kain-Feeling aufkommt. Von der Steuerung her läuft das Spiel eigentlich auch recht flott und man kann recht bequem von Deckung zu Deckung schleichen oder sich mit Shadow Leap teleportieren. Gefallen findet auch die Cel Shading-Grafik. Das Setting von Dark kommt dabei recht gut rüber und es bleibt mit seiner Optik bisher angenehm einzigartig. Damit haben die Entwickler tatsächlich eine smarte Möglichkeit gefunden, um ihr Spiel vom üblichen Einheitsbrei der Spieleindustrie abzuheben.

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Etwas uneinig bin ich mir bezüglich der Levels. Denn wirklich viel ist bei mir diesbezüglich nicht hängen geblieben. Ursprünglich hatte ich ein wenig darüber geschrieben, wie den Levels die Details fehlen und alles eher nach Baukasten aussieht. Als ich nun Dark wieder etwas angespielt hatte, um ein paar Screenshots zu machen, fiel mir auf, wie sehr mir die Levels aber eigentlich doch gefallen. Es mag der Stil sein, aber irgendwie haben die Levels doch etwas. Vielleicht störte mich vorher eher diese Linearität, die Dark besitzt und sich mir als Spieler aufdrängt, während ich offene Spiele doch viel mehr favorisiere.

Auch bin mir bezüglich der fehlenden Sprungfähigkeiten uneinig. Man kann in Dark nämlich nicht springen oder überhaupt auf Objekte klettern. Eigentlich finde ich das nicht sonderlich schlimm, weil andere Spiele wie die Hitman– oder Metal Gear Solid-Reihe auch komplett ohne Sprungfunktion auskommen. Auf der anderen Seite erwarte ich mir von einem Vampir irgendwie mehr Beweglichkeit. Vor allem macht es enorm viel Spaß, wenn man als Spieler keine Grenzen hat und man sich frei im Level bewegen kann. Das ist einer der Gründe, warum Dishonored so gut geworden ist. Dort bin ich nicht durch halbmeter-große Levelobjekte oder andere Spielklischees begrenzt und kann mich (fast) komplett frei in den Levels bewegen. In Dark fehlt diese Besonderheit aber leider.

Ich möchte Dark nicht für das bestrafen, was es nicht ist und Dark ist nun mal kein Spiel, welches dem Spieler mehrere Möglichkeiten bietet und sein Ziel frei erreichen lässt, wie Dishonored, Hitman oder auch Tenchu. Es ist aber auch kein Spiel, in dem ich wie bei Deus Ex oder Vampire: The Masquerade – Bloodlines Handlungs- oder Charakterfreiheiten hätte. Dark ist eben nur ein linearer Stealth-Titel wie Metal Gear oder Splinter Cell, kann aber leider keine spannende oder tiefsinnige Handlung erzählen oder das Stealth-Genre groß erweitern. Dark ist einfach nur da.

… geil, jetzt habe ich doch noch einen geschmeidigen Text schreiben können. Das ging ja eigentlich ganz gut. Ach, fuck! Ich brauche ja noch eine Überschrift …


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1 Kommentar

  1. Ben - 01.08.2013 16:02

    Ich fand die Idee recht interessant und war neugieirg auf das Spiel – bis es dann erschienen ist.

    Wie es scheint hat man mehr von einem abgespeckten iOS-Deus-Ex als von Dark.

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