Diablo 3

The Ecstasy of Gold

Damn you, Blizzard! Nun habt ihr es doch noch geschafft. Es hat zwar etwas über ein Jahr gedauert, aber letztlich hat mich Diablo 3 dann doch gekriegt. Verdammt. Dabei hatte ich großmäulig im Juni 2012 verkündet, dass ich die Finger davon lassen würde – wie man beim besten Spieleblog nördlich des Neckars (südlich gibt es keins) nachlesen kann, nicht zu Unrecht. Einerseits wegen der seinerzeit hochkochenden Debatte um Echtgeld-Auktionshaus, Onlinezwang und zu World of Warcraft-artig geratener Grafik. Andererseits, weil ich wusste, dass das Spielprinzip nach Teil eins und zwei erneut süchtig machen würde. Nun ist es passiert. Die Xbox 360-Fassung liegt seit Tagen im Laufwerk der Konsole und hat gar dafür gesorgt, dass das zauberhafte Rayman Legends, das ich eigentlich als nächstes besprechen und uneingeschränkt zum Kauf empfehlen wollte, erst einmal ad acta liegt. Toll gemacht, Blizzard, echt toll!

Dabei fing es so harmlos an: Der Plan war, kurz mal eine Runde zu spielen, schauen, wie das nun wurde, was ich letztes Jahr verpasst habe, ob ich überhaupt was verpasst habe. Ha! Als ob das einfach so ginge, „eine Runde zu spielen“. Die Runde waren erst einmal drei Stunden, dann noch mal drei, mittlerweile sicher zehn. Wie Blizzard das geschafft hat? Nun, letztlich haben sie nichts oder nur wenig anders gemacht als in D„, das mich große Teile der Schule über beschäftigt hat. Und darüber hinaus. Und darüber hinaus. Ich glaube, ich besitze das Spiel mittlerweile mindestens zwei oder drei Mal, so oft habe ich das Exemplar bei Umzügen verlegt oder verloren oder aus Versehen weggeworfen. Aber die Jagd nach neuen Items, möglichst blau oder grün oder golden in der Farbe, hat mich immer wieder zurückgetrieben. Plus das endlose Aufleveln des Barbaren, der irgendwann einmal ein stolzer, mächtiger Level 99 Krieger werden sollte. Also noch ein Baal-Run, dann noch einer, dann Kurast ausräumen, den Hohen Rat wegputzen, man kennt das ja alles. Battle.net macht’s möglich, Cheaterverseuchung zum Trotz. Ach, eine Runde Kuh-Level noch, dann ist aber Schlafenszeit. Oh, schon vier Uhr morgens? Na gut, dann kann ich ja eh wach bleiben.

Das funktioniert immer noch. Zunächst, weil das Drop-System auf der Konsole überarbeitet wurde und es weniger, dafür wertigeren Loot gibt. Dann natürlich, weil es weiterhin verschiedene Skill-Trees gibt, die nach und nach freigeschaltet werden. Level 10 erreicht? Prima, neue Defensiv-Fertigkeit. Level 12? Noch besser, machen wir den Angriff, der auf der Y-Taste liegt, noch ein wenig besser. Blizzard hat das ganz sauber hinbekommen: Y, X, B und A sind mit Attacken belegt, die nach und nach besser werden, RT ebenso. Mit dem linken Stick bewegen, mit dem rechten ausweichen. Da sag mal einer, das könne man nur auf PC überzeugend steuern. Hat man das System erst einmal verinnerlicht, ist die Lust auf Maus und Tastatur definitiv vergangen. Einfach, weil sich Diablo 3 hier viel arcade-lastiger spielt, letztlich auch einfacher wurde und zugänglicher ist. Bester Beweis: Boni für „Massaker“, also das besonders schnelle erledigen möglichst vieler Gegner.

Diablo 3Abseits davon nervt die Konsolen-Portierung allerdings zu Beginn mit einer Menüführung, die klar nicht so richtig auf die Bedürfnisse der Knöpfchen drückenden Zockermehrheit angepasst wurde. Das Navigieren durch Ausrüstungsmenüs für Rüstung, Waffe, Handschuhe, Amulett und Co. ist hakelig, die Schrift mitunter viel zu klein geraten, das An- und Ablegen von Gegenständen schon beinahe Buttonmashing. Daran gilt es sich zunächst zu gewöhnen. Wenn’s mal läuft, ist das alles aber auch vergessen und der mehr oder weniger einzige Kritikpunkt des Spiels damit Geschichte.

Was nun? Looten natürlich. Losziehen, Stück für Stück die Karte nach Gegnern durchsuchen, hoffen, dass ein goldener, einzigartiger darunter ist, hoffen, dass es fette Gegenstände regnet, hoffen, dass der Barbar am Ende der heutigen Runde zig Mal mehr Power hat als noch zu Beginn. Hoffnung, darauf baut das hier alles auf. Nur deshalb wird jeder der nicht gerade klein geratenen Dungeons minutiös genau abgegrast, jede noch so kleine Ecke der Außenwelt durchforstet, noch immer jede Vase zerdeppert, jeder Sarg zerschlagen. Schön: Blizzard hat die Sounds eins zu eins übernommen. Inklusive depperter Ansagen des Barbaren, etwa a la „Diese Wälder beherbergen finsteres Übel“ beim Betreten eines neuen Abschnitts. Diablo 2, du siehst aber schön aus mittlerweile!

Ehrlich: Der Look ist gar nicht so schlimm. Ich hatte mir das nach den ersten Screenshots übler ausgemalt. Ja, man sieht, dass mittlerweile ein MMOG namens World of Warcraft auf dem Markt ist und scheinbar Spuren in nahezu jeder Blizzard-Produktion hinterlassen muss, aber wirft man Rockstar Games vor, seit GTA IV das nahezu gleiche Kampfsystem in Max Payne 3, Red Dead Redemption und L.A. Noire recyclet zu haben? Wir wollen mal nicht kleinlich sein.

Diablo 3

Schließlich ist da vorne schon der nächste Dungeon. Und dann noch einer. Und überhaupt ist der Schwierigkeitsgrad nicht wirklich hoch. Hat man erst mal einen Begleiter dabei, wird die Sache sogar noch ein wenig einfacher. Apropos: Das lässt sich auch noch mit virtuellen Freunden spielen. Teamplay! Loot-Diebstahl! Hass! Alles klar, nun überzeugt das endgültig. Alles wie in Diablo 2 hier? Fast alles, ja. Die Änderungen sind zwar vorhanden und das auch spürbar, aber das große Ganze hat sich nicht merklich vom Fleck bewegt. Dass man selbst Tristram, Deckard Cain und Konsorten übernommen hat, zeigt, dass Blizzard sich inhaltlich nicht wirklich weiterentwickeln wollte. Wozu auch, auf die Story achtet hier vermutlich kaum wer. So toll ist die ohnehin nicht und insofern ist es nur konsequent, da auch gar nicht groß was zu basteln, das ohnehin nur Beiwerk ist. Es gilt schließlich, Items zu suchen. Items! Mächtige Items! Unique Items! Set-Gegenstände! Hach, es gibt so viel zu finden.

Und dann ist die Runde rum und der Barbar auch nicht gerade besser ausgerüstet als zu Beginn. Schön, das Schwert ist einer Axt gewichen, die gelbfarbenen Stiefel können auch was und zwei Level mehr sind auch gepackt, aber mehr oder gar Bedeutendes hat sich nicht getan. Gebt’s zu Blizzard, das ist Absicht. Damit wollt ihr mich bei der Stange halten, dazu bringen, in der Hoffnung, es möge das nächste mal mehr rausspringen, weiter zu zocken. Nur um dann festzustellen, dass nichts mächtiges drin war und dann, wenn ich kurz vor dem frustrierten „Ach scheiße, das ist doch alles billig und im Prinzip nichts anderes als Farmville“-Hinschmeißen bin, einen dicken, einzigartigen Gegenstand vor meine Füße zu werfen. Und euch damit die nächsten 20 Spielstunden zu sichern.

Habt ihr gut gemacht. Ich bin voll reingefallen drauf. Danke, Blizzard. Verdammt.


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13 Kommentare

  1. Hazamel - 09.09.2013 14:40

    Jaja, schon verstanden ;) Es ist Diablo.

    Ich seh aus dem Artikel jetzt aber, außer dem angeblich besseren Loot-Drop nicht, warum die Konsolen-Version jetzt besser ist als die PC-Version.

    Da steht sogar dass die Menüführung auf der Konsole doof und unleserlich ist.
    Was ist denn nun besser? Wie läuft das mit dem Loot-sammeln? Drüberlaufen und ständig ein volles Inventar mit drölfzig sinnlosen Drecksdolchen voll haben? Knöpfles drücken?
    Und kann man zu viert auf dem Sofa Multiplayern? Kann dann jeder alleine weiterleven?

    Fragen über Fragen…

    Sagt jetzt bloß nicht, dass der Twitter-Text ein billiger Werbeblender war :P

  2. vb - 09.09.2013 14:48

    Hi Hazamel,

    Blender nicht, aber das hier hat ja nicht den Anspruch, eine Waschmaschinenbesprechung zu sein, wo wir mit Slogans à la „EXTRALANGER TEXT! 10 SEITEN!“ werben, um dann eine langweilige Faktenaufzählung abzuliefern, die Spielemagazine (zum Mitmachen) deutlich besser hinbekommen.. das ist ja alles eher meinungsgetrieben und meine Meinung stützt sich eben nicht nur auf Fakten aus dem Spiel, sondern das große Gesamte ;)

    „Besser“ (falls denn der Vergleich sein muss..) ist, dass du „Diablo 3“ offline spielen kannst, im lokalen Koop, genauso wie online mit XBL-/PSN-Freunden. Loot sammelst du nicht automatisch, sondern manuell. Ach so: Es gibt kein Auktionshaus. Auch gut. Und du findest weniger, dafür besseren Loot. Und ob Freunde mit ihrem Char kommen können und man dann zusammen loszieht, jeder auflevelt und dann alleine weitermachen kann, kann ich (mangels Freunden) nicht sagen, würde aber mal vermuten, dass das geht – zumindest auf der Xbox 360 kannst du deinen Gamertag ja via Cloud speichern, woanders laden, dort Offline-Koop zocken und dann wieder nach Haus.

    So ist das :)
    Cheers,
    V.

  3. Chris - 09.09.2013 16:11

    Das Fehlen von Onlinezwang und Auktionshaus würde ich definitiv als Vorteil bezeichnen. Der Loot-Vorteil ist eher temporärer Natur, denn ähnliche Verbesserungen sind für die PC-Version auch schon angekündigt.

    D3 hab ich auf der Konsole nicht, weil ich schon die PC-Version besitze, kann von anderen ARPG-Konsolen-Umsetzungen wie Torchlight her aber mutmaßen, dass die Art der Steuerung durchaus nochmal ein anderen Spielgefühl vermittelt, oder? Ich fands bei TL erstaunlicherweise sogar angenehmer, die Spielfigur mit dem Analogstick direkt zu steuern, als ihr mit der Maus indirekt zu sagen, wo sie hinrennen soll.

  4. Hazamel - 09.09.2013 17:53

    Dankeschön!

    Das mit dem lokalen Koop ist auf jeden Fall reizvoll. Hat mich vor allem interessiert, weil das ja DIE Nummer ist, mit der Blizzard im Fernsehen Werbung macht.

    Und ich kann mir gut vorstellen, dass es sich, wie Chris schon bei TL sagte, mit dem Gamepad zumindest beim laufen besser steuern lässt.
    Echtgeld-AH ist bei mir eh hinfällig, da ich auf dem PC auch nicht die Freude hatte. Da hat mich D3 doch glatt im US-Realm eingeloggt und mir dann mal schön ne lange Nase gedreht als ich das Echtgeld-AH besuchen wollte. Bock einen zweiten Char dann in Europa zu leveln hatte ich dann nicht mehr.

  5. Holgair - 10.09.2013 17:39

    Hui. mein Thema ;-)

    Ich habe sowohl als auch gespielt. Meine Erfahrungen: Konsole ist unglaublich viel einfacher, ob das nur an den besseren Drops liegt – keine Ahnung. Wenn man allerdings ohne groß zu farmen den Inferno Diablo im ersten Versuch auf „Master 1“ (entspricht MP5) angeht, weil man drunter alles im 4ten Akt mit einem Schlag aus dem Weg räumt, dann ist das schon seltsam. Kam mir so vor, als wenn jede neue Schwierigkeit einfacher werden würde, weil die Kampfstärke der Gegner nicht an die Drops angepasst wird. Mein 360 Barb hat z.B. nach einem Bruchteil der Spielzeit bereits mehr DPS als mein PC Barb.

    Gut finde ich wie schon genannt den Wegfall von AH und Onlinezwang, nicht so gut sind die noch recht häufig auftretenden Abstürze. Ein weiteres neues Feature sind die nicht angekündigten, sogenannten Ninja-Patches, die die erfolgreichsten Builds auf dem PC zumindest erschweren:

    1) Cooldown auf den Barb Skill „Sprint“, was in Verbindung mit den deutlich geringeren Gegnerdichten den Dauer-Berserker so gut wie unmöglich macht.

    2) Archon kann nicht mehr durch den Spieler abgebrochen werden, um die DPS-Buffs nachzucasten. Der Dauer-Archon wird damit uninteressanter.

    3) Die infamous „Critical Mass Sorc“ ist aufgrund der geringeren Monsterdichte auch nur noch eingeschränkt spielbar („Fields of Misery“ wurden diesbezüglich derbe generft, jetzt sind die „Keep Depths Level 2“ wieder der Place to be).

    Zudem wurden das Crafting-System komplett überarbeitet. Man braucht andere Mengen von Zutaten, aber da habe ich mich noch nicht eingehender mit auseinandergesetzt.

    Insgesamt bin ich innerlich zerrissen: einerseits hätte ich mir mehr Herausforderung gewünscht und bin ob des Schwierigkeitsgrades enttäuscht, andererseits ist es einfach geil, auf dem großen Fernseher über Anlage gemütlich auf der Couch abhängend mit Mitspieler neben sich Diablo3 zu geniessen. Denn eins ist klar: trotz aller Minuspunkte ist es das bisher beste ARPG auf Konsole. Mit Abstand.

  6. Chris - 11.09.2013 11:51

    Uh oh. Ich hör immer nur „deutlich geringere Monsterdichte“. Geht das, mal abgesehen vom Schwierigkeitsgrad, nicht auch generell zu Lasten der Atmosphäre, wenn die Dämonenhorden in reduzierter Besetzungsstärke auftreten? Oder kriegt man das durch den veränderten Kamerawinkel gar nicht so mit?

  7. vb - 11.09.2013 14:11

    Mir fehlt ja der Vergleich zur PC-Fassung, aber ich finde nicht, dass da Monstermangel herrscht.. Ich bin gut ausgelastet mit abschlachten, metzeln, vernichten oder meucheln!

  8. Holgair - 11.09.2013 14:32

    Die Monsterdichte ist so wie auf dem PC vor dem entsprechenden Patch, aber viele der aktuellen MP10 PC Builds sind auf diese hohe Monsterdichte ausgelegt. Schätze, dass Blizz das auf der Konsole deswegen wieder zurückgenommen hat. Auf dem PC hat man derzeit zum Beispiel alleine in den „Fields of Misery“ 600-800 Gegner. Aktuell dürften es auf der Konsole keine 200 sein.

    Wie dem auch sei, macht nichts. Dann muss man sich halt andere Builds ausdenken, die auf der Konsole optimal funktionieren.

  9. Volker - 11.09.2013 15:06

    subjektiv empfunden ist das builden gar nicht so wild wie z.b. bei „dark souls“, wo ja schon kleine feinheiten im charakter über wohl und weh entscheiden konnten. ich hab den barbar, der mittlerweile auf level 36 ist, mal mit, mal ohne raserei und probier derzeit durch, was gut mit was geht. aber im großen und ganzen bleibt’s ein überschaubar leichtes game – dafür, dass ich mittlerweile auf „alptraum“ spiele, ist das echt ein durchmarsch.

  10. Holgair - 11.09.2013 15:29

    Hast recht, hatte ja auch schon den nicht vorhandenen Schwierigkeitsgrad angesprochen. Bei den Builds gehts auch nicht um „schaffen“, sondern um Effizienz im Farming auf MP10.

  11. Pingback: Diablo 3 : random:notes

  12. Chris - 17.09.2013 21:39

    BÄM! Ab März ist das Auktionshaus auch auf dem PC weg!

  13. Pingback: Polyreuxblick 2013 | Polyneux

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