Neverwinter is coming

Du willst mich anmachen? Du dreckiges, durch dunkle Magie belebtes Skelett willst mich anmachen? Dann komm her und friss eine ordentliche Portion meiner Rechtschaffenheit! Da schauste dumm und dass du deine verkackten Freunde mitgebracht hast, hilft dir auch nicht. Hattest wohl gedacht, ich wäre so ’ne komische Pseudo-Ritter-Bitch, nur weil meine Rüstung so schön bling-blingt? Tja, falsch gedacht und schon liegst du neben deinen Kumpeln im Dreck. Aber keine Zeit hier noch ewig zu faseln, ich werde gebraucht. Werde ich doch andauernd.

Ich bin wieder zuhause. Oder auch wieder voll drauf. Eigentlich wollte ich mir Neverwinter nur mal kurz ansehen. Bisschen wegkommen von der PS3. Wieder zurück zu bekannten Gefilden. Aber nun bin ich plötzlich schon Level 23. Von 60. Ich hatte auch mal eines von diesen Neverwinter-Nights-Spielen. Aber das ist zu lang her und groß gespielt habe ich es wohl auch nicht. Macht aber nix, Neverwinter und Neverwinter Nights haben eh nicht viel miteinander zu tun von der Story her und die Geschehnisse liegen ein rundes Jahrhundert auseinander. Sonst geht es in Neverwinter auch um die gleichnamige Stadt und ein bisschen die Gegend drumherum und einen Überfall von Untoten, der in diversen Spielen im Fantasy-Setting als Story-Motor vorkommt und jetzt nicht das überraschend Neue ist.

Aber wenns Spaß macht. Und bisher macht es mir auch Spaß. Und kostet nichts. Also eigentlich. Theoretisch ist Neverwinter free2play, aber dass es nicht ganz so free an allen Punkten ist, dazu komme ich noch. An sich bin ich f2p bzw. Spielen ohne Abo-Gebühren mit Itemshop nicht abgeneigt. Guild Wars (2), Runes Of Magic, Allods oder auch Rift haben mir nicht weh getan. Wobei ich zugeben muss, dass es schon starke Unterschiede gibt. Was zum Teil daran liegen mag, dass z.B. Rift oder SW:ToR oder auch HdRo einmal Abo-Spiele waren und f2p als letztes Mittel zur Rettung dieser Spiele bei ständig sinkenden Spielerzahlen genutzt wurde. Bei SW:ToR hat man es versemmelt, wie ich finde. Ich spielte es eine längere Weile als Abospiel, kenne es also noch aus anderen Zeiten, aber als ich zuletzt reinsah, wurde mir noch vor Start des eigentlichen Spiels klar gemacht, dass echte Kohle von mir erwartet wurde, denn so musste man für das Spielen der meisten Rassen plötzlich zahlen. Ich glaube, zwei oder drei waren frei, der Rest nicht. Für jemanden, der 6 spielbare Rassen als Richtgröße ansieht, ist das schon happig. Der Preis für die einzelnen Rassen war mir dann egal und gespielt habe ich auch nur noch eine Viertelstunde. Wenn es schon so los geht… aber Allods war im Prinzip noch schlimmer. Da musste man für jeden Furz blechen. Sogar für Auferstehungszauber, wenn ich mich recht entsinne. Wurde aber noch in der Beta oder direkt danach entschärft. Hier ist es mir allerdings nicht so schnell ins Gesicht gebrettert worden, dass echtes Geld von mir verlangt wurde, wie bei SW:ToR. Daher hatte ich zumindest ein paar nette Stunden mit Allods.

Bei Neverwinter gibt es an Rassen Elfen, Halbelfen, Halborks, Menschen, Halblinge, Zwerge und so eine Art dämonischerer Draenei in rot, die Tieflinge. Damit kann man arbeiten und dass es die Dunkelelfen als zusätzliche Bezahl-Rasse gibt, wird einem auch nicht dick unter die Nase gerieben. Die Freiheiten, die man bei der Gestaltung des eigenen Chars hat, sind obere Mittelklasse, wobei bei mir die Skala von den ewig gleichen WoW-Chars bis hin zu den ausufernden Nasenspitzenfinetunings bei City of Villains/City of Heroes reicht.

Hübsch anzusehen ist mein Char, wobei ich das Gefühl habe, dass der Fokus des Spiels auf den Figuren liegt und die Welt drumherum eher bisschen Wischiwaschi, texturlich gesehen ist. Kann aber auch an mir bzw. den GraKa-Einstellungen liegen. Ist auch so hübsch. Und für die, die es interessiert: Cryptic-Engine.

Interessant bei einem MMORPG sind natürlich auch die spielbaren Klassen. Bei Neverwinter gibt es deren fünf: Den beschützenden Krieger, Zweihandwaffenkrieger, den Glaubenskleriker, Trickserschurke und den taktischen Magier. Hier finden sich natürlich die üblichen Verdächtigen des Genres wieder, was die Aufgabenverteilung in der Gruppe angeht. Heiler und Tank und so.

In den niedrigeren Dungeons, die erfreulich früh und oft auftauchen, kann man aber auch durchaus mit unkonventionelleren Gruppenzusammenstellungen was reißen. Später kann man manche Dungeons auch solo’n, da man sich bei einem NPC Begleitung wünschen darf. Dann zieht man nicht mit Menschen los, sondern mit herbeigezauberten NPCs.

Ich muss sagen, dass es mir erst jetzt auffällt, dass die Klassen sich ein bisschen mager lesen. Kein Stoffi-Heiler, kein Druide, kein Hexer. Der Exot, der in vielen MMORPGs das gewisse Extra ausmacht, fehlt ein bisschen. Aber eine Art Hexer soll immerhin noch bald kommen, habe ich gelesen. Mir ist das eh wurscht, ich hab mit dem Glaubenskleriker meinen Paladin-Fetisch bedienen können. Eigentlich läuft auch alles in bekannten Bahnen, durch relativ große Instanzen recht hübsch, aber auch sehr einheitlich gestaltete Gebiete ab. Das Questen wurde nicht neu erfunden, aber die Aufgaben sind so eingeflochten in die „Storyline“, dass sie mich nicht langweilen. „Storyline“ deshalb, weil man in MMORPGs ja eher nicht an der Linie geht. Also in den meisten Fällen folgt man schon einer Hauptlinie der Geschichte, aber es gibt genug abseits dessen, das man sich ansehen kann. Bei Neverwinter ist das eher nicht so. Kommt bisher sehr linear rüber, wenn ich mal bei den Linien bleiben darf. Könnte sein, dass das an einem Punkt mal nervig werden kann. Bisher habe ich immer am Genre geschätzt, dass ich auch mal was anderes machen kann. Wenn ich also einer Questreihe nicht folgen mag, dann fang ich einfach eine andere an.

Bei Neverwinter liegt so eine Nebenbeschäftigung eher in den Foundry-Quests. Das sind selbstgeklöppelte Quests. Ja, man darf eigene Quests erstellen und sie anderen Spielern zugänglich machen. Die anderen können diese Quests per Sternchen bewerten und auch ein Trinkgeld für den Questautor zahlen. Selbst erstellt habe ich noch nix, aber von anderen Spielern schon mal welche gemacht. Natürlich gibt es da sehr große Unterschiede in der Qualität, wobei fünf Sterne bei einer Quest auch nicht immer heißen, dass sie gut sind, aber eine tolle Idee ist so ein Quest-Editor allemal.

Bei der Steuerung des eigenen Chars kann man geteilter Meinung sein, ob da tolle Ideen verwertet wurden. Es steht zwar dick Dungeons & Dragons über dem Titel, aber ich habe nicht das Gefühl, dass da bloß gewürfelt wird im Hintergrund. Liegt sicher an dem dicken Fadenkreuz – bzw. dem dicken Zielpunkt – das gar trefflich suggeriert, dass man nicht nur munter seine Fertigkeitenknöpfchen abdrücken muss, wenn man mal auf den Gegner geklickt hat. Nein, hier wird eigentlich kaum geklickt, hier wird gezielt, Zauber verschossen und ausgewichen. Mein hartes Shooter-Training macht sich bezahlt! Naja, so gut zielen muss man nicht. Man bekommt die Gegner auch tot, wenn man nicht nur auf den Kopf zielt. Aber spassig ist es allemal, wenn man zielen und ausweichen muss. Bringt doch Action in die Bude. Was man alles an Fertigkeiten und Fähigkeiten skillen kann, bringt dann auch noch ein bisschen Taktik mit rein. Mit den Chars bin ich also soweit sehr zufrieden. Zumindest mit den Palad… äh… Glaubenskleriker. Hübsch animiert sind sie auch. Hab auch kurz mal einen Trickserschurken ausprobiert. Puff, wie der Nightcrawler aus den X-Men-Filmen nutzt er seine Fähigkeit zum Portieren im Kampf. In Verbindung mit der Rasse der Tieflinge kommt das optisch schon ziemlich cool.

Leider, leider sehen die Gesichter mal wieder total unterkühlt aus. Zum Glück nicht so klinisch wie die Gesichter in billigsten Asia-Grindern, aber bisschen was hätte man machen können. Wenigstens bei den Menschen. Komme mir vor, als spielte ich die Tiefkühlleichen-Version einer Paladin. Zumindest was das angeht. In WoW hat meine Paladin wenigstens noch so verklärt geguckt und ab und an mal herum geseufzt. Generell müsste man bei den Gesichtern in MMORPGs was tun. Oft gibt es jetzt noch ein grimmiges Gucken, wenn die Figur infight ist, aber das war’s auch schon. Emotes werden im Normalfall fast nur durch den Körper dargestellt. Macht da mal was, ihr Entwickler. Die Typen auf den RP-Servern freuen sich bestimmt.

Na gut, ist aber eher Kleinkram. Vor allem, da man seiner Figur ja die meiste Zeit auf den Hintern und so gut wie gar nicht ins Gesicht schaut. Spektakuläre mausgesteuerte Kamerafahrt um den eigenen Char herum ist nämlich nicht. Wegen dieser alternativen Steuerung. Zielbereitschaft wiegt höher als das Aufgeilen am Look der Spielfigur.

Aber Protzen mit dem geilen Char ist in der Stadt Neverwinter natürlich auch zentraler Kern des Ganzen, wie bei jedem anderen ordentlichen MMORPG auch. Theoretisch kann man sich alles dafür erspielen, aber richtig stylishe oder abgefahrene Sachen – Eulenbär als Reittier – bekommt man nur im Shop. Oder die Dinge, die man braucht, um eine Chance auf die richtig tollen Sachen zu haben. So gibt es Truhen, die in gefälligen Abständen droppen, die Drachen-Pets, Reiteulenbären und allerhand anderen seltenen Kram enthalten. Aber die Teile kann man nur öffnen mit Schlüsseln aus dem Itemshop. Na toll!

Drei unterschiedliche Währungen gibt es im Spiel: Zen, die man für Geld kaufen kann, also die Itemshopwährung, Astraldiamanten für das Auktionshaus und Gold. Gold droppt wie gewohnt von Viehzeugs und gibt es als Questbelohnung. Astraldiamanten bekommt man über bestimmte Quests oder wenn man betet. Beten kann man an jedem der vielen Lagerfeuer und kostet nur einen Klick. Der Cooldown beträgt eine Stunde und man kann nur eine gewisse Anzahl von Gebeten pro Tag sprechen. Es waren wohl sieben.

Zu den Preisen im Spiel ein Beispiel: Wer sich ein normales Pferd kaufen will, ist mit 5 Gold dabei, was nicht übertrieben teuer ist, im Gegensatz zu den Itemshopmounts, die bis in die 30 Euro gehen können. Klar, durch eine Meldung über den globalen Chat, der jedem quer über den Server verkündet, wer sich so ein tolles Mount gekauft hat und durch die Tatsache, dass die normalen Mounts bloß Pferde und keine Einhörner, Spinnen oder Worgen sind, wird einem der Shop schmackhaft gemacht. Bin mal gespannt, ob ich an eine Stelle komme, an der ich was aus dem Shop kaufen muss. Beim Crafting, das es natürlich auch gibt, scheint es zumindest viel im Shop zu geben, das einem das Leben erleichtert. Ich habe noch nicht viel gecraftet, aber das meiner Meinung nach beste Feature der letzten Jahre in dem Bereich gibt es, wie in SW:ToR auch hier: Meine Bediensteten! Ich muss nicht selbst dumm herumfarmen, ich kann einen NPC schicken, der das für mich macht. Und ab Level 16 kann ich mir auch einen aussuchen, der mit mir kämpft. Der kann dann auch eigentlich meine Rüstung polieren, sollte die mal schmutzig werden.


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1 Kommentar

  1. Leo - 02.12.2013 20:03

    Guild Wars 2 hat Gesichtsmimik. Das hat man leider in den strunzdummen Zwischensequenzen vergessen einzubauen, aber die Emotes machen mimisch (und gestisch) schön was her. Es ist echt ansprechend, wenn so ein Asura sich beim Lachen auf dem Boden kringelt oder ein Charr Rotz und Wasser heult.

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