And then along comes Mary

Dies ist ein besonderes Spiel. Das kann ich jetzt schon sagen, noch bevor ich es zu Ende gespielt habe. Ja, diesen Artikel habe ich im Kopf schon zurechtgesponnen, als ich gerade mal eine Stunde gespielt hatte. Das mag nicht viel für ein Review sein, aber dies hier ist auch kein Review.

Das Jahr ist 2000. Hm, Moment, ich glaube, ich greife zu weit vor. Gehen wir noch etwas weiter zurück. Also in die Neunziger.

Die Neunziger fanden für mich hauptsächlich am Ende der Neunziger statt. Naja, zumindest ist das der Zeitbereich, mit dem ich mich rückblickend am ehesten als Nineties Kid identifiziere. Die WCW konnte mit ihrer nWo-Storyline die WWF in den Montags-Einschaltquoten schlagen, bis die WWF ihre Attitude-Ära einläutete. Bret Hart ist nach seinem letzten Kampf gegen Shawn Michaels zur WCW gewechselt und während ein legendäres Match zwischen dem Hitman und Hollywood Hogan angeteast wurde (es sollte nie kommen), steckte Michaels in einer Fehde mit Stone Cold Steve Austin, der den endgültigen Durchbruch schaffte. Das Wolfpac wurde gegründet und Newcomer Bill Goldberg erlebte einen kometenhaften Aufstieg. Der Panini-Verlag sicherte sich die Rechte an Marvel Comics und der Condor Verlag hatte das Sortiment an Marvel-Taschenbüchern und ihrer Spiderman-Reihe mit 259 Ausgaben (unter den eingedeutschten Titel „Die Spinne“) eingestellt, während der Dino Verlag munter die DC-Palette nach Deutschland brachte. Musikalisch lief da nicht viel bei mir. Das sollte später kommen. Aber vereinzelt gab es doch noch einige Sachen, die mir gefallen haben. Vorwiegend fällt mir da die Bloodhound Gang mit Along Comes Mary und The Ballads Of Chasey Lain ein. The Bad Touch habe ich damals gehasst.
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Aber ich habe natürlich nicht nur Comics gelesen und Wrestling geguckt. Weil ich mit einem Nintendo und einem Super Nintendo (NES und SNES hat zumindest in meinen Freundeskreis keiner gesagt) groß – nein, sagen wir eher ein bisschen größer – geworden bin, musste es dann später das N64 werden. Ich war schon immer so etwas wie ein Gewohnheitsmensch. Deswegen neige ich heutzutage eher zu den Sony- als zu den Microsoft-Konsolen. Und meine Bettwäsche und Zahnbürste wechsle ich auch nur alle 6 Monate. Ach, keine Angst, ich übertreibe etwas. Gott, ich hoffe, dass ich nur übertreibe.

Ungefähr zur selben Zeit also, als Shawn Michaels von Mike Tyson eins auf die Nase bekam, die X-Men sich in der Zeit der Apokalypse befanden und bei Spiderman die Klon-Kämpfe anstanden, habe ich am N64 gezockt und ich erinnere mich an… fast nichts. Natürlich gab es auf dem N64 einige gute Spiele. Die Wrestling-Spiele von THQ und AKI waren damals grandios und sind möglicherweise bis heute noch das beste aus dem Genre. Durch Turok 1 habe ich die Egoshooter kennen und lieben gelernt, welche für viele Jahre mein Lieblings-Genre werden sollten. Der Nebel fiel mir damals nicht sonderlich auf. Ich fand nur komisch, dass es neben all den Roboter-Gegnern eine Truppe gab, die speziell als Cyborgs bezeichnet wurden, denn von den Spiel-Schnitten wusste ich nichts. Die Schlüssel-Suche konnte auch manchmal nerven. Dafür begeisterten mich die Dschungel-Welten, die damals so groß wirkten, und der Nachfolger war noch eine gewaltige Ecke abwechslungsreicher. Über Turok – Rage Wars muss man nicht groß reden. Ein Arena-Shooter im Stile des PC, bei dem Multiplayer wegen LAN gut funktionierte, wurde nun auf der Konsole mit Splitscreen gespielt. War manchmal mit Freunden ganz nett. Shadow Man war ein spontaner Kauf und auch ein sehr schöner Titel, der seltsamerweise auf dem N64 seine stärkste Fassung zu haben schien. Grandios waren auch die Shadow Man-Comics zu der Zeit, in denen Mike LeRoi als Radio-Talkmaster eine Antwort auf jede Telefon-Frage hatte – egal ob Kochrezept, Tipps für angehende Serienmörder, Teufelsbeschwörung oder Computerprobleme. Lylat Wars war auch eher so ein spontaner Kauf, hat mir aber wie kaum ein anderer Titel sehr viel Spaß gemacht. Nette Spiele waren auch Armorines und Body Harvest, die man mal spielen konnte. Natürlich hatte ich auch Super Mario 64 und Ocarina of Time, aber zu denen kann ich euch nicht viel sagen, was man nicht schon gehört hätte. Natürlich sind es sehr gute Spiele und haben mit Sicherheit ihren Einfluss auf die Spielwelt gehabt, aber gerade bei dem ersten 3D-Abenteuer von Mario fehlt mir ein persönlicher Bezug. Ansonsten kam ich tatsächlich in die ungewöhnliche Situation, dass ich Geld für Spiele hatte, aber keine gescheiten Spiele für mich zur Auswahl standen. So kam ich dann zu F Zero-X oder irgendeinem FIFA-Ableger – wenn es denn FIFA war, keine Ahnung. Ich will nicht unbedingt sagen, dass beides schlechte Spiele seien, aber sie gehen beide stark gegen meine gewöhnlichen Spielgewohnheiten. Eben guckte ich durch meine N64-Sammlung und tatsächlich habe ich kaum ein Spiel vergessen. Nur das gurkige Clayfighter und Castlevania, welches ich nicht so schlimm fand, aber tatsächlich völlig vergessen habe. Also rückblickend muss ich sagen, das N64 war für mich insgesamt nicht der Hit, weil es eine schwache Spiele-Bibliothek hatte. Daran konnte auch Perfekt Dark nichts ändern, welches auch erst nach den Neunzigern kommen sollte. Also das N64 war die Konsole, die mich von Nintendo zu Sony getrieben hat.

Machen wir kurz einen Sprung ins Heute. In den letzten Jahren habe ich Conker’s Bad Fur Day, Turok 3 und Goldeneye per Emulator nachgeholt. Bei Goldeneye konnte ich als Perfect Dark-Fan die Faszination nicht so recht nachvollziehen, aber gut, den Titel habe ich auch erst viele Jahre später nachgeholt und ohne den Multiplayer gespielt zu haben. Turok 3 reicht wiederum nicht an die tollen Vorgänger ran. Es gab zwar nicht mehr die mitunter nervige Schlüssel-Suche in den Levels, aber dafür waren die Levels uninteressanter und außerdem gab es grob pro Level auch nur die selben Gegnertypen mit unterschiedlichen Skins. Der Humor von Conker konnte mich wiederum nicht so recht packen und diese ungeschriebene Jump ’n Run-Regel, alle Aufgaben mindestens drei mal machen zu müssen, hat mich genervt. Das N64 hat also für mich leider kein Spiel mehr, das mich noch reizen würde.

Ich weiß dann nicht mehr, welcher Sommer es genau war. Es müsste ’98 gewesen sein. Ein Kumpel hatte die Hälfte der Sommerferien in Amerika verbracht – dieses sagenhafte Land, dem ich mich zu der Zeit seltsamerweise sehr verbunden fühlte – und hatte mir seine gemoddete PlayStation mit all seinen gebrannten Spielen ausgeliehen. Die meisten dieser CD’s funktionierten nicht, wie ein Ableger dieser ominösen Tomb Raider-Reihe um Lara Croft, von der man so viel gehört hatte. Die Spiele, die funktionierten, haben mich aber völlig umgehauen. Da war eine japanische Fassung von Tekken 3, welches ich nur in schwarz/weiß spielen konnte, und Bloody Roar 2. Letzteres ging nicht gerade als ein Meilenstein in die Geschichte der Prügelspiele ein, hatte mir aber wie Tekken 3 viel Spaß gemacht, weil es sich sehr dynamisch gespielte. Gute Prügler gab es ja auf dem N64 kaum. Im Gegensatz zu Prügelspielen bin ich zwar ein absoluter Renn-Muffel, aber Driver war ebenso ein phantastisches Spiel, welches mir wegen seiner Undercover-Story und der Arcade-Steuerung sehr gut gefallen hatte. Und überhaupt konnte man in einer mehr oder weniger belebten Stadt in 3D fahren, was in der GTA-Reihe erst Jahre später auf der PS2 möglich sein sollte. Dann war da Final Fantasy 7, gegen das das N64 nichts Vergleichbares bieten konnte.
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Danach, und weil ein anderer Kumpel sich auch eine PSX zugelegt hatte, war klar, dass es nun diese Konsole werden musste. Bis heute will ich noch einige Titel wie Front Mission 3 oder Chrono Trigger nachholen, nachdem ich vor einiger Zeit noch die Megaman X-Spiele auf der PSX gespielt habe. Überhaupt gibt es noch ein ganzes Genre um JRPG-Spiele, die ich noch nachholen könnte im Gegensatz zum N64. Damals, ’99, habe ich mir zur Konsole dieses Metal Gear Solid gekauft, welches eben erwähnter Kumpel auch als Starttitel gekauft hatte und welches deshalb, so vermutete ich, nicht sonderlich schlecht sein dürfte. Meine Güte, wie hatte mich das Spiel weggeblasen. Weniger vom Stealth-Gameplay, sondern eher dem Gefühl, einen richtigen Agenten-Thriller zu zocken, wogegen das N64 auch nichts bieten konnte. Ich schwärmte dann, gehyped durch diverse Magazine, von Final Fantasy 8, welches für mich das richtige Spiel zur richtigen Zeit war. Heute mag eine Figur wie Squall als Emo verschrien sein, aber damals konnte ich durch den westlicheren Grafik-Stil und die Charaktere, die größtenteils selber noch Schüler waren, einen persönlichen Bezug herstellen. Sony hatte Nintendo langsam für mich verdrängt, womit Nintendo mit dem erwähnten Spiele-Line Up auch selber schuld war. Natürlich war die PSX nicht die „erwachsenere“ Konsole, aber sie war etwas Anderes. Da waren sie nun, diese CD’s, die man als Datenträger eher vom PC kannte, welcher eine ganz andere Welt war. Und die PSX konnte Audio-CD’s abspielen. Nicht, dass ich dies jemals genutzt hätte, weil ich eine Anlage besaß, aber eine Konsole, auf der man nicht nur spielen konnte? Verrückt. Als wäre dies eine andere Zeit und so sollte es auch werden.

Es kam die Jahrtausendwende und die 90er waren ziemlich schnell für mich vorbei. Mein Vater ist in der ersten Jahreshälfte verstorben und weil ich keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter hatte, bin ich mit meiner Schwester und ihrem damaligen Verlobten (ihrem heutigen Ehemann) in eine neue Wohnung gezogen. Mein Comic-Konsum ist runter gegangen und irgendwann hatte ich nur noch die Witchblade-Serie gesammelt, die vom Infinite Verlag neu aufgesetzt wurde. Wrestling habe ich nicht mehr regelmäßig im TV verfolgt, sondern nur noch sporadisch einige Großveranstaltungen angeguckt. Beide Hobbies habe ich nicht komplett aufgegeben. Wahrscheinlich hätte es sich aber ohnehin so entwickelt, wobei es diesen krassen Sprung nicht gegeben hätte. Der deutsche Comic-Markt wurde so sehr mit US Comics überschwemmt, dass viele Leser das Interesse verloren hatten und der Dino Verlag irgendwann dicht machte. Die WCW hat sich majestätisch gegen die Wand gefahren, bis sie irgendwann von der WWF schlichtweg aufgekauft wurde. Meine Zockerlust habe ich hingegen kaum verloren, aber wie ich schon schrieb, wurde nun Sony zu meinem Konsolenhersteller der Wahl und es folgten neben Spielen wie Soul Reaver, Tenchu, Driver 2 und Vagrant Story die PS2. 2002 kam mein Realschulabschluss und ein Schulwechsel, um mein Abi zu machen. 2003 erneuter Umzug, weil meine Schwester schwanger wurde und wir eine größere Wohnung brauchten. Ach, times, they are a changing.

Da ist nun irgendwo dieses Majoras Mask dazwischen und irgendwie hatte die Zelda-Reihe einen gewissen Platz in meiner Spielesammlung eingenommen. A Link to the Past hatte ich damals zu Weihnachten bekommen – hatte ich es mir gewünscht? Hatten meine Eltern ein glückliches Händchen bei der Geschenke-Wahl? Ich weiß es nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie ich zu Zelda kam und was ich vor diesem Weihnachten über Zelda wusste. Aber da war es nun und es war ein schönes Abenteuer, wie es auch später Ocarina of Time wurde, welches ich an einem anderen Weihnachten bekommen sollte. Dann kam die Jahrtausendwende mit den erwähnten Ereignissen und Majoras Mask wurde das erste Zelda und auch das letzte Highlight für das N64, welches ich nicht mehr mitgemacht habe. Ich habe es von einem Kumpel ausgeliehen und nicht mal den ersten Dungeon gelöst. Es ist ein Sargnagel zu einem Lebensabschnitt geworden.

Und nun ist da dieses 3DS-Remake und ich merke, dass Majoras Mask ein besonderes Spiel ist. In letzter Zeit gab es einige Remakes zu alten Spielen, wie Grim Fandango oder Resident Evil. Ersteres kannte ich als Konsolenkind damals nicht, während ich euch zu zweiterem einige kleinere Anekdoten erzählen könnte. Und zu den anderen Zelda-Spielen vor Majoras Mask könnte ich euch einige Anekdoten erzählen. Aber gerade das ist der Punkt. Ich könnte euch nur von bestimmten Momenten erzählen. Dieses Majoras Mask bringt mich wiederum dazu, mich an einen ganzen Lebensabschnitt mit dessen Ende zu erinnern. Eine Zeit, die ihre seltsamen Eigenheiten hatte und die man vermutlich als peinlich einstufen könnte, an die ich mich aber gerne erinnere. Und gut, es sollten noch viele peinlichere Momente geben. Diesen Sargnagel möchte ich nicht entfernen, denn dafür ist zu viel Gras darüber gewachsen. Davon ab, könnte ich dies schlichtweg auch nicht. Aber ich denke, es kann nicht verkehrt sein, das alte Grab dieser Zeit nochmal zu besuchen und ich möchte mir außerdem endlich mal diesen Sargnagel genauer ansehen. Das habe ich bisher versäumt.

Majoras Mask scheint außerdem gar kein so schlechtes Spiel zu sein.


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4 Kommentare

  1. mayaku - 06.03.2015 11:18

    Mit Wrestling und Zelda kann ich zwar gar nichts anfangen, möchte Dir aber zurufen: YEAH WITCHBLADE! Hab ich nämlich auch gesammelt!

  2. Bernd - 07.03.2015 12:20

    Hoppla, ein Nostalgie-Zug ist erneut an mir vorbeigezuckelt. Und während ich noch überlege, ob ich meine Hand für einen müden Gruß heben soll, wird mir in einem Moment seltener Klarheit bewusst, dass ich irgendwann nicht mehr zugehört habe, als Opa wieder mal vom Krieg erzählt hat.

  3. Le Don - 09.03.2015 23:49

    @maya: Ja, die Zeichnungen von Michael Turner waren einfach genial. Leider ist er nicht so lange geblieben und sein Nachfolger (Randy Green?) war eigentlich auch nicht mehr so gut. Aber da hat sich die Serie überhaupt ziemlich verfranst.

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