Aber hey, zehn Euro!

Zur Gamescom 2012 oder 2013, ich weiß es nicht mehr ganz genau (vielleicht waren’s sogar beide) hatte Reef Entertainment im Business-Bereich einen gigantischen Stand aufgebaut. Nicht so groß wie die der wirklich „Großen“, aber für einen absoluten No-Name größer als nötig. Rambo stand da drauf und ich wollte immer mal reinschauen und mir das geben, fand aber nie Zeit. Keiner hatte davor was von diesem Spiel gehört und das alles konnte eigentlich nur zwei Dinge bedeuten: Entweder, es würde gigantisch gut oder gigantisch schlecht. Die Geschichte hat uns gelehrt, dass es letzteres wurde und trotzdem konnte ich es für schmale zehn Euro nicht liegen lassen. Schließlich kann ja auch etwas grausam mieses einen gewissen Unterhaltungswert haben – und Rambo ist wirklich, wirklich mies.

Das auch direkt auf allen Ebenen: Die Technik ist grausam, die Figuren sehen miserabel aus, das Gameplay ist – dafür, dass das ein Railshooter sein will – verglichen mit Genre-Größen wie House of the Dead ein Witz. Zu allem Übel ist der Schwierigkeitsgrad so dermaßen hoch, dass selbst auf leichtester Einstellung alles zu einer Qual wird – schließlich kann man kaum solide auf die Gegner zielen, die Steuerung ist für die Tonne und bisweilen feuern die Waffen auch einfach drauflos, ohne dass man das will. Oder treffen einfach nicht, obwohl man richtig gezielt und gefeuert hat. Es ist zu allem Übel also auch noch verbuggt, das zwar nicht auf unspielbarem Niveau, aber doch so, dass es ärgert. Oh, und der Soundtrack ist scheiße. Kein Vergleich zu den Filmen, völlig kraftlos und außerdem nur aus einer Handvoll Stücken bestehend. Das ist also hinten und vorne nix – und es war die zehn Euro dennoch wert.

Warum? Zunächst aus nostalgischen Gründen: man spielt chronologisch die drei ersten Filme durch, levelt den Charakter nach oben, erhält dafür Boni, kann so genannte „Trautman“-Herausforderungen freispielen und damit neue Waffen abgreifen und bekommt außerdem am Level-Ende eine Wertung bestehend aus maximal drei von drei Sternen. Wenn man das Level-Ende denn überhaupt mal sieht, denn bereits auf mittlerem Schwierigkeitsgrad gibt’s pro Abschnitt nur fünf Neustarts – die man mangels gescheiter Technik öfter in Anspruch nehmen muss, als einem lieb ist. Blöderweise motiviert das dennoch mehr, als einem lieb ist, man ist ja Komplettist und will die Sachen schon freigespielt haben.

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Will man es dagegen nur durchziehen, ist das binnen vier Stunden erledigt. Mehr ist da nicht. Kein Multiplayer, keine weiteren Extras. Reef Entertainment sprach mal von einem DLC – das war im Juli des vergangenen Jahres. Seither ist der Publisher, der auf Twitter weniger Follower als ein durchschnittlicher Küchenweisheiten-Raushau-Account hat, verdächtig still. Verkauft haben kann sich dieses Spiel wirklich nicht und besucht man die Webseite, liest man dort noch was von einem Terminator-Titel, der hoffentlich entweder schon gefloppt ist oder nicht rauskommen wird (andererseits: schlechter als das letzte Game um den Maschinenmann kann’s auch kaum werden).

Rambo ist so schlecht, dass man eigentlich nur vermuten kann, das sei absichtlich geschehen. Niemand in irgendeiner Qualitätssicherung dieser Welt, der zwei funktionierende Augen und Ohren hat, kann das als „ok“ durchgewunken haben. Also hat man es auf eine fette Kampagne im Rahmen der GC ankommen lassen, wollte vermutlich einen Hype generieren, der nie wirklich aufkam und lieferte dann am Ende was ab, das völlig zurecht in Vergessenheit geraten wird.

Aber hey, es hat zehn Euro gekostet. Das geht also alles auf einer gewissen Ebene ok, denn zum Preis von weniger als einem Kinoticket wurden die Mitspielerin und ich vier Stunden lang gut aufgeregt. Man kann’s schließlich lokal im Koop spielen, immerhin daran haben die Macher gedacht. Wenn man sich also einige Dosen Bier zulegt, hat das einen Unterhaltungswert. Ja, es ist schlecht, aber immerhin konsequent schlecht. Das muss man auch irgendwo honorieren, dass irgendwer den Mut hatte, sowas rauszubringen. Ich werde es nie wieder anfassen, aber für einige Stunden war’s für das, was es gekostet hat, ok. Wer dafür allerdings 40 oder mehr Euro hingelegt hat, kann das nicht mal mit Hardcore-Fandasein rechtfertigen.


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5 Kommentare

  1. Missingno. - 24.06.2015 14:34

    bisweilen feuern die Waffen auch einfach drauflos, ohne dass man das will. Oder treffen einfach nicht, obwohl man richtig gezielt und gefeuert hat.

    G36-Simulator? :D

  2. Urs - 25.06.2015 20:38

    Ich will den verdammten Vorbesteller-Bobblehead!

  3. Kashmir - 26.06.2015 19:32

    AHHHHHHRRRG! Beverly Hills Cop für die PS2…snief….next up: Miami Vice

  4. Benni - 14.08.2015 17:04

    Ich habe mich köstlich über den letzten Absatz amüsiert. Ich glaube besser als so kann man es gar nicht beschreiben :D

    LG

  5. bluntman3000 - 17.08.2015 11:52

    Ich besitze den Bobblehead UND VERDAMMT NOCHMAL ER WAR JEDEN EINZELNEN DER ZWEITAUSENDNEUNHUNDERTNEUNZIG CENT WERT!!

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