Der Rüssel aus Brüssel

„Törööö!“
„Benjamin Blümchen?“
„Nein! Halt‘ die Fresse!“ *klatsch*

So könnte eine Begegnung von Tembo mit einem unwissenden Passanten ablaufen. Tembo ist ein Elefant und er trompetet gern und laut. Doch da hören die Parallelen zu Benjamin Blümchen auch auf. Tembo ist ein „Badass Elephant“, wie uns der Untertitel des Spiels verdeutlicht. Tembo mag keine Zuckerstückchen, sondern ernährt sich rein auf Erdnussbasis. Auch umgibt er sich nicht mit kleinen, vorlauten Jungen oder rasenden Reporterinnen. Ein Menschenfreund ist er aber trotzdem und als Shell City von der Organisation PHANTOM bedroht wird, verlässt er den Dschungel und verpasst den Bösewichten eine Abreibung, die sich gewaschen hat.

Tembo the Badass Elephant ist ein Platformer in Comicgrafik, ganz ohne Schnörkel und Gedöns. Das Spielprinzip ist simpel, aber effektiv: Tembo kämpft sich durch die horizontal scrollenden Level, indem er Gegner in den Boden stampft, ihnen einen Rüsselhaken verpasst, sie mit einer Arschbombe plattwalzt oder schlicht aus dem Weg rammt. Sofern er seine Wasservorräte auffüllt, kann Tembo damit Feuer löschen, die ihn am Fortkommen hindern. Im Level versteckte Bewohner von Shell City wollen befreit und gerettet werden. Tembos Aktionsrepertoire ist recht abwechslungsreich. Neben den gennannten Aktionen, kann er noch über den Boden rutschen oder wie eine Flipperkugel durch den Level springen. Besonders letzteres erinnert an eine andere ehemals glorreiche Platformer-Serie des Publishers Sega. Im Gegensatz zu einigen der neueren Sonic-Titel sieht Tembo aber nicht nur schick aus, es spielt sich auch prima. Der Elefant setzt die Eingaben präzise um, dank der verschiedenen Interaktionsmöglichkeiten sowie des Erdnuss- und Menschen-Sammelns bleibt das Spiel motivierend. Das Punktesammeln ist hier auch nicht reiner Selbstzweck, denn nur bei entsprechender Score werden die nächsten Level freigeschaltet. Das mag Manchem nicht gefallen, ich fühlte mich durch diese Sperre eher motiviert, die alten Stages nochmals abzugrasen und dieses Mal wirklich ALLES einzusammeln.

Ganz durchgespielt habe ich „Tembo the Badass Elephant“ allerdings noch nicht, denn nach einem relativ gemütlichen Einstieg wird es schnell deutlich schwieriger. Die Dimensionen eines Super Meat Boy oder irrer Qualspiele wie Spelunky werden nicht erreicht. Doch ein Durchreiten auf einer Arschbacke, wie bei einigen jüngeren Nintendo-Titeln, ist nicht möglich. Empfehlenswert ist Tembo also vor allem für jene, die sich 2D-Platformer wünschen, die nicht wie ein Eimer Pixel-Sülze aussehen und lediglich die Tugenden ihrer Epigonen übernehmen, nicht deren Schwächen. Von dieser Sorte gibt es zurzeit nur wenige und wer die letzten Raymans langsam über hat, findet hier vielleicht ein geeignetes Substitut, um die Wartezeit bis zum nächsten großen Platformer etwas zu verkürzen. Ich jedenfalls mag Elefanten und spendiere dementsprechend Applaus und eine Tüte Erdnüsse.


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