Filme und Spiele in Frankfurt

So liebe Kinder, herzlich willkommen auf unserem ersten Polyneux-Klassenausflug.
Wir werden in Frankfurt das Filmmuseum besuchen. Ja, ich freu‘ mich da auch drauf, aber SpielerZwei hör auf der Doreen an den Haaren zu ziehen, Don, setz‘ Dich gefälligst hin, Urs, hör auf so komische Geräusche zu machen und Jens pack‘ die PSP weg!

Der Rest von euch ist überraschend brav, drum sage ich euch auch, wo wir genau hin wollen: Zur Ausstellung „Film und Games – Ein Wechselspiel„.

Ja, total toll ist das! Aber kommt mal wieder runter. Müsst jetzt hier nicht so rumschreien!
Die Ausstellung läuft auch noch bis 31.1.2016, also falls ihr nochmal mit euren Eltern hin wollt, habt ihr noch genug Zeit. Falls sie fragen sollten: Die Ausstellung ist von der USK mit USK 6 abgenommen.

So. Dann wollen wir gleich mal rein da. Ich war das letzte Mal vor dem Umbau als kleines Mädchen im Filmmuseum. Ich hatte wohl irgendwas Gruseliges im Fernsehen gesehen und meine Mutter ging daraufhin mit mir zu diesem Museum und zuerst in den Teil der Dauerausstellung, der sich mit Special FX beschäftigt. Meine erste Begegnung mit einem Facehugger.
Aber seitdem hat sich hier ja einiges getan. Sehr hübsch und neu hier. Aha, da drüben ein Café im Erdgeschoss. Wenn wir uns verlieren, dann treffen wir uns da, ok Kinder? ….OK KINDER?
Fein! Ach und auch gleich ein Museumsshop. Mit allen bisher erschienenen Ausgaben der WASD. Toll, kann SpielerZwei nachher sein Referat zu dem Thema gleich hier halten. SpielerZwei, das habe ich gesehen! Lass das!

Gut. Schauen wir mal, was es da noch gibt. Aha, DVDs und BluRays zum Thema „Filme und Games“, einen Ausstellungskatalog, bisschen Krimskrams. Ja, da schauen wir später noch mal. Erst mal Karten kaufen. 8 Euro für Erwachsene und ermäßigt 6. Gut, dass ich ’ne BahnCard habe, dann kostet es nur 7 Euro.

So, Karten haben wir, dann lasst mal in den dritten Stock fahren. Oder laufen, wie ihr wollt.
Wir sind an einem ersten Mittwoch im Monat da, da ist immer abends „After work-Führung“. Das haben viele frankfurter Museen. Ihr könnt also die halbe Stunde bis 19 mal so durch gehen, aber um 19 Uhr treffen wir uns im zweiten Stock zum Start der Führung. Und Volker: Sei pünktlich!

Rein durch die schwere Tür geht es gleich mit einer altbekannten Geschichte los: E.T. und Atari. Eine Geschichte von einem Film, der zu einem Spiel führte, das wiederum zu einer Dokumentation führte. Ihr wisst das sicher noch; die in der Wüste verbuddelten Spiele-Cartridges von E.T. Da hatte doch auch einer eine Hausarbeit. Oder haben wir eine Arbeit drüber geschrieben? Jedenfalls können wir gleich hier ein paar von den ausgebuddelten Cartridges sehen.
War wohl nicht nur E.T.
Jedenfalls hängen hier im ersten Abschnitt der Ausstellung mehrere Screens an den Wänden in denen Spieleszenen zusammen gestellt und geloopt werden. Schade, auf die Reihenfolge hat man keinen Einfluss. Hmm, steht auch nirgendwo wie lange ein Loop ist. Bisschen unpraktisch. Aber wann ist Kunst mal praktisch? Höhö!

Aber interessant, wie bei den doppelten Screens Spiel und Film direkt nebeneinander laufen. Schaut mal gleich hier, „Indiana Jones: Raiders of the Lost Ark“. Links das Spiel, rechts der Film.
„Um im Spiel weiter zu kommen, muss man den Film kennen und entsprechend handeln.“ – Süß, wie der Typ, der unsere Führung macht, nett umschreibt, dass man bei diesem Spiel streckenweise den Film nachspielen muss. Würde ich ja jetzt eher langweilig finden. Aber er scheint begeistert und sieht es als Verquickung von Spiel und Film. Okay, so gesehen…

Kinder, wo rennt ihr hin? Ach, zocken wollt ihr. Die Fechtduelle aus Monkey Island…Tomb Raider…Welcher Teil ist denn das? Naja, aber schon gut, dass man bei einer Ausstellung über Spiele auch spielen kann.
Mit all den Schirmen auf denen diverse Spieleszenen durcheinandergewürfelt hintereinander abglaufen, komme ich mir ja eher vor wie bei einer GamesCom-PK ohne Geschwafel dazwischen. Oder einer Trailer-Playlist auf YouTube.
Schon nett zu sehen, dass es Spiele gibt, die von Filmen beeinflusst wurden und umgekehrt. Auch wenn ich jetzt nicht verstehe, was diese Link-Statue am Eingang soll. Mag ja sein, dass Zelda verfilmt wird, aber da muss man keinen lebensgroßen Link für hinstellen.

Da finde ich diesen kleinen Film über das allererste Prince of Persia viel interessanter. Wie der Typ, der das damals programmierte, die Bewegungen des Prinzen erst mal seinen Bruder durchführen ließ und ihn dabei filmte und dann die Einzelbilder der Bewegung Pixel für Pixel in sein Spiel abmalte. Aber für euch ist das wohl eher ein alter Hut, oder Kinder?
Ich würde mal sagen, dass Vieles hier ein alter Hut für viele von euch ist. Aber der Kontext macht’s, oder?

Dass sich hier ein Museum mal draruf eingelassen hat, das eigene Feld mit dem Medium der Spiele zusammenzubringen. Und ich durfte ja noch mein After work-Gläschen, das zur After work-Führung gehörte, noch mit zwei sehr netten Angestellten des Museums heben. Die waren richtig freudig aufgekratzt und wollten die Meinung der Besucher zur Ausstellung auch wissen. Interessant dabei zu erfahren, dass sie statt des Screenshots von Assassin’s Creed, das Hauptbestandteil der Plakate zur Ausstellung ist, ursprünglich Lara Croft aus dem zweiten Teil bzw. die hübschere Version aus jener Zeit (Ärzte-Video „Männer sind Schweine“) und Angelina Jolie als Lara Croft aus den Filmen haben wollten.
Sie hätten aber nur die aktuelle Lara vom letzten Spiel nehmen dürfen. Wollten sie aber nicht. Der alten Lara haben sie in der Ausstellung auch viel mehr Platz eingeräumt, immerhin war die alte auch der Grund für all den Bohei um Lara.
Ich bin ganz froh, dass es nicht Lara wurde. Auch wenn Assassin’s Creed nur ganz kurz in der Ausstellung auftaucht. Ich bin zwar Fangirl, aber hier wäre Lara ein bisschen nervig gewesen, wenn sie wieder von allen möglichen Plakaten herab gelächelt hätte. Hätte zu sehr vom Thema abgelenkt. Und gerade eine Figur, die sowieso schon immer für erfolgreiche Verquickung von Computerspielen mit Werbung, mit Film, mit…irgendwas herhalten musste. Ne, muss nicht sein, oder Kinder? Hammse hier in Frankfurt schon richtig so gemacht.

Aber gut. Jemanden, der nicht wirklich was mit Spielen zu tun hat, dem wäre die gute Lara vielleicht auch nicht so auf den Nerv gegangen. Womit wir ja schon beim Zielpublikum wären.
Ihr Kinder findet das natürlich toll. Zocken in ’nem Museum. Ich bin mir noch unschlüssig. Klar, toll dass ein Museum sich mit dem Thema beschäftigt, das sonst nichts mit Spielen zu tun hat. Aber ich verstehe auch, dass es für die Macher gar nicht so leicht war, einen Rahmen zu finden. Wie viel soll erzockt werden von der Ausstellung, wie viel geguckt und wie viel gelesen. Eigentlich haben sie, was das angeht, eine gute Mischung gefunden. Auch wenn es mir mitunter wirklich wie eine große Trailershow vorkommt.

Trailershow und bisschen Nabelschau, oder? Manchmal weiß ich jetzt auch gar nicht wo der Bezug zum Film ist. Ok, grundsätzlich sehe ich das mit der Entwicklung, die bei beiden Medien gleich lief: Hier wird beim Film anfangs bloss Therater abgefilmt, weil man nicht weiss, was man mit dem neuen Medium machen soll und dort wird anfangs auch nur rumgeblödelt und/oder Filme zum nachspielen gemacht, weil man auch bei den Spielen nicht wusste, wohin mit sich.
Klar, gibt’s immer noch, aber passt schon, dass die Indie-Games am Ende der Ausstellung stehen. So als Erreichen des Feuilletons…Ritterschlag zum Kulturgut.
Ja Kinder, da habe ich mal total geschwafelt. Aber ich muss doch was pädagogisch Wertvolles sagen, immerhin sind wir hier im Museum. Und eure Eltern hauen mir sonst noch den Lehrplan um die Ohren.
Was würden wir jemandem empfehlen, der sich die Ausstellung anschauen will? Oder wem?
Auf jeden Fall keinem, der das hier mit einer Ausstellung über Videospiele verwechselt. Ist es nicht. Das gibt nur Enttäschungen.
Aber jemandem, der schon immer mal fundiert belegen wollte, dass Spiele und Filme sooooooo viel gemeinsam haben.
Dafür dann aber auch den Ausstellungskatalog kaufen. Da sind schlaue Texte drin. Könnten wir ja dann eine Arbeit drüber schreiben. Hört auf zu grunzen, ist ja nur eine Überlegung!
Und man sollte versuchen, entweder den Typen, der die Führung macht oder andere eventuell herum lungernde Museumsmenschen in Gespräche zu verwickeln. Wenn sie das nicht von selbst mit einem versuchen. Mir haben die Gespräche „hitnerher“ mehr Spaß gemacht als die Ausstelllung. Wobei. Jetzt guckt nicht so skeptisch. Sagen wir einfach, wir geben dem Gesamtpakt eine gute Zwei und hoffen auf die nächste Zusammenarbeit. Vielleicht Architekturmuseum und Spiele?
Ja, da würden wir dann auch einen Ausflug machen.

Kinder, wir müssen los, unser Bus ist da! Zurück in die Schule!


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