SchleFaZ – The Game

Oliver Kalkofe und Peter Rütten hätten ihre helle Freude an Ace Teams The Deadly Tower Of Monsters, denn das spielerisch solide Top-Down-Action-Adventure kommt als launiger 50s-SciFi-Trash daher.

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Anlässlich der anstehenden DVD-Wiederveröffentlichung des SciFi-B-Films „The Deadly Tower Of Monsters“ nimmt der damalige Regisseur, wie sich das heute gehört, eine entsprechenden Audio-Kommentar-Spur auf. Während man das Spiel bzw. den Film spielt, hört man also quasi „live“ den Regisseur aus dem Off, der sowohl das eigentliche Geschehen, als auch die Produktionshintergründe kommentiert. Der Film selbst ist ein fürchterliches Billig-Machwerk, das so ziemlich alles abrippt, was das Horror- und SciFi-Genre von den 1930ern bis in die frühen 1980er zu bieten hat: Aliens aus anderen Dimensionen, verrückte Wissenschaftler, Fliegende Untertassen, Riesenaffen, Reptilienmenschen, atomar mutierte Ameisen, Dinos, Killerroboter und vieles mehr. Von „King Kong“ über „Planet der Affen“ bis hin zu „Barbarella“ und „Flash Gordon“ gibt es für Genre-Kenner unheimlich viel wiederzuerkennen und zu Lachen. Selbstverständlich sind die Schauspieler unterirdisch schlecht, die Dialoge total cheesy, das Drehbuch ein einziger hirnverbrannter Schwachsinn und die billigen Spezialeffekte kaum zu unterbieten.

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Zur Handlung des Films im Spiel erzähle ich hier besser nichts, denn das würde dem Ganzen zu viel nehmen, zumal TDTOM ständig mit den verschiedenen Ebenen (der Film, der im Studio kommentierende Regisseur und der Spieler des Spiels) jongliert und sie oft vermischt. Die vierte Wand wird ständig eingerissen und gegen Ende gibt es dadurch sogar den einen oder anderen überraschenden Handlungs-Twist…

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Die Liebe zum Detail bezüglich der Präsentation ist für einen Indie-Titel wirklich bemerkenswert: Wenn man beispielweise erstmals auf die Affen- oder Echsenmenschen trifft, sieht man sofort, dass es sich eigentlich um Komparsen unter schlechten Gummimasken handelt. Im Hintergrund läuft klassisches B-Movie-Gedudel aus der Hammond-Orgel und der Regisseur faselt aus dem Off irgendetwas von Budget-Begrenzungen und kann es selbst kaum fassen, was für einen Schrott er da seinerzeit zusammengekurbelt hat. Ganz großartig sind auch die etwas größeren Monster, wie z.B. der Riesenaffe, die Dinos oder die mutierten Ameisen, denn sie wurden mit Absicht so ruckelig animiert, dass sie exakt wie Stop-Motion-Monster à la Ray Harryhausen aussehen. Und bei einigen fliegenden Gegnern und Raumschiffen sieht man deutlich die Drähte an denen sie hängen.

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Die Präsentation irgendwo zwischen „Mystery Science Theater 3000“ und „SchleFaZ“ macht das Spiel wirklich zu etwas Besonderem. Trotzdem soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass das Gameplay nur leidlicher Mittel zum Zweck oder gar schlecht wäre. Das Ding macht als Top-Down-Shooter/-Brawler nämlich auch eine wirklich gute Figur: Man steuert wahlweise einen der drei Hauptprotagonisten des Films, die sich teilweise durch ihre Spezialfähigkeiten unterscheiden und jeweils eine Fern- und Nahkampfwaffe besitzen. Im Spielverlauf findet man viele weitere, teilweise sehr witzige Waffen, die dann entsprechend ausgerüstet und auch verbessert werden können, sofern man genügend Upgrade-Tokens (bronzene, silberne und goldene Zahnräder) eingesammelt hat. Besonders die goldenen Zahnräder sind gar nicht so einfach zu finden und erfordern teilweise einiges an Backtracking und aufmerksames Erkunden der nicht durchgehend linearen Spielwelt. Das grundlegende Ziel ist zwar das Erklimmen des namengebenden Towers, aber an vielen Stellen empfiehlt es sich, auch mal zurück bzw. nach unten zu schauen, um durch einen beherzten Sprung in die Tiefe vorher unzugängliche Orte zu erreichen. Da einmal erreichte Checkpoints auch gleichzeitig frei anwählbare Beam-Stationen darstellen, wird das Backtracking niemals zum ärgerlichen Zeitfresser, da man nicht immer wieder den ganzen Turm erneut hochklettern muss.

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Besagter Turm ist übrigens irrwitzig hoch und als Level-Struktur schon eine ziemlich geile Idee! Wobei es klassische Level als solche ja eigentlich gar nicht gibt und man jeder Zeit zu jedem bereits besuchten Ort bzw. jeder Etage zurückkehren kann. Und je höher man kommt, desto beeindruckender wird das Ganze, wenn man mal nach unten schaut und unter sich die ganzen bisher erklommenen Etagen sieht (auch aus technischer Sicht, nebenbei bemerkt!).

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The Deadly Tower Of Monsters ist ein Fest für jeden, der etwas mit dem bekloppten Setting anfangen kann, funktioniert aber auch grundsätzlich als Spiel sehr gut. Der einzige Wermutstropfen ist seine Spielzeit: Nach fünf bis sechs Stunden ist das irrwitzige Finale erreicht und der Wiederspielwert trotz der Möglichkeit, weitere, noch nicht erreichte Bereiche des Turms zu finden, relativ gering. Einen (Offline-)Coop-Modus für bis zu vier Spieler gibt es auch, aber den habe ich bisher nicht ausprobiert. Da ich erst beim letzten Steam Sale über diese Perle gestolpert bin und weniger als 10 Euro dafür bezahlt habe, empfinde ich das Geld als bestens angelegt. Aber selbst der reguläre Preis von ca. 15 Euro geht für sechs Stunden „SchleFaZ“-Spaß meiner Meinung nach voll in Ordnung, sofern man eben auf diese Art von Humor steht.


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2 Kommentare

  1. Policenaut - 20.09.2016 22:48

    Vielen Dank Spielerzwei für den Geheimtipp :) Hatte bereits vor einiger Zeit deinen Artikel gelesen und am Wochenende das Teil im PSN zum Angebotspreis von 7,99 ergattert. Gebe dir in allen Punkten recht, das Setting ist unverbraucht und im Vergleich zum spielerischen Massengeschmack von heute mal echt eine abwechslung. Besonders die Audiokommentare des „Regisseurs“ will ich nochmal hervorheben, man hatte wirklich permanent ein Dauergrinsen im Gesicht durch die Kombi Spielbarer Film/Spiel/vierte Wand. Kann man ineingeschränkt empfehlen dieses spielbare B-Movie. Und wer wollte nicht schon immer mal Schauspieler in Affenkostümen mit einer Antenne verprügeln?????……!

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