In der letzten Folge…

… von The Walking Dead:

„Ich könnte mir eine dritte Staffel mit einer älteren Clementine vorstellen, um einen „wirklichen“ Abschluss der Clementine-Trilogie zu liefern, weil die Serien mit der 2. Staffel zu ihrer Reihe wurde. Es gäbe zwar die Möglichkeit, andere Geschichten aus dem Walking Dead-Universum zu erzählen, aber ich denke, dies hätte man schon in der 2. Staffel anfangen sollen. Aber gut, wenn es dann doch noch so kommen sollte, dann wäre ich nicht abgeneigt, aber ich wünsche mir wirklich, dass sich The Walking Dead nicht totreitet.“

Nun, nach einer Mini Season sind wir nun in der dritten Staffel angelangt. Ich weiß nicht mehr, was ich mir damals unter einer älteren Clementine vorgestellt habe, aber da Clementine nun 14 geworden ist, mag ich zumindest in dieser Hinsicht richtiggelegen haben. Nicht ganz so richtig lag ich wiederum mit meinen Zweifeln, ob man Nebengeschichten im Walking Dead-Universum erzählen könnte, aber nach der erwähnten Michonne-Mini Season haben wir jetzt doch wieder eine weitere bekommen.

The New Frontier handelt nämlich gar nicht so sehr von Clementine, als vielmehr von dem ehemaligen Baseballspieler Javier. In einem Flashback erfahren wir, wie sein verstorbener Vater als einer der ersten Zombies wieder auferstand und Javiers Mutter anfiel, die dann von Javiers Bruder David ins Krankenhaus gebracht wurde. Wir erfahren nicht, was mit David und der Mutter weiter passierte. Mehrere Monate wartet Javier mit Davids Kindern, Marianna und Gabriel, und deren Stiefmutter Kate auf Davids Rückkehr. Doch als die Vorräte knapp werden, beschließt die Familie, sich per Minivan durch die Zombie-Apokalypse zu schlagen.

Das größte Problem von A New Frontier mag dabei sein, dass es, wie erwähnt, eigentlich eine Nebengeschichte ist. Clementine ist nicht die Hauptfigur, um die sich alles dreht, aber ihre Geschichte wird auch weitererzählt und wir erfahren, was nach Season 2 passiert ist. Es hat mir geholfen, die aktuelle Season als Side Story zu sehen und nicht als Season 3, denn so fühlt sie sich auch nicht an. Es ist die Geschichte um Javier und seine Familie. Clementine ist hier eine Nebenperson und in der nächsten Season ist hoffentlich sie wieder der Mittelpunkt der Erzählung, denn Telltales The Walking Dead ist zu ihrer Geschichte geworden.

Der Cast ist zwar komplett neu, aber durch den familiären Hintergrund konnte ich mich dennoch für die Charaktere interessieren. Es fehlt anfangs zwar an Hintergrundwissen, aber man braucht auch nicht viel, um den Zusammenhalt zwischen Onkel/Neffen & Nichte, Stiefmutter/Stiefkinder und Schwager/Schwägerin zu verstehen. The New Frontier fokussiert wesentlich stärker das Thema ‚Familie‘, als es in den vorherigen Seasons der Fall war, in denen sich fremde Menschen zu Grüppchen zusammengetan haben und der Spieler sich mehrmals entscheiden musste, wem seine Loyalität galt – siehe Season 2 mit Kenny und Jane. Hier ist es meine, bzw. Javiers Familie, die für mich oberste Priorität hat.

Wenn ich schon bei den Vergleichen zu den vorherigen Seasons bin, so muss ich sagen, dass mir The New Frontier wesentlich besser als die zweite Season gefallen hat. In Season 2 war der Dauerdruck irgendwann zu enorm. Ständig musste irgendwas Schreckliches passieren, irgendjemand sterben oder den Spieler verraten und in den wenigen ruhigen Minuten, in denen keine Zombies oder Schießereien waren, hatte man sich gefragt, wie man ein Neugeborenes im Land der Zombies aufziehen sollte, wobei es immerhin noch einige besondere Momente gab. Besondere Momente sind in der aktuellen Staffel durchaus auch vorhanden, aber nicht mehr so stark wie in den vorherigen Seasons. Dennoch passt mir das Gesamtbild wesentlich besser als bei Season 2, weil die Ruhephasen auch wirklich mal ruhig sind und es Raum zum Durchatmen gibt.

Davon ab gibt es aber das deutliche Problem, dass man nun mittlerweile alles schon kennt und es wenige wirkliche Überraschungen gibt. Mit jedem neuen Charakter beginnt das Ratespiel, in welcher Episode er oder sie wohl sterben mag und eine Stasi-Gemeinschafft mit einem durchgeknallten Oberhaupt kennt man ja auch mittlerweile. Und ja, das nervige Kotz-Kind, dem man den Tod wünscht, haben wir auch wieder. Ich wünsche mir ganz dringend einen Abschluss von Telltales Walking Dead-Reihe, denn hier sind wir wieder bei meiner Befürchtung, dass die Serie endlos totgeritten werden könnte und ein runder Abschluss besser wäre.

An den alten Kritikpunkten wird man sich auch hier wieder reiben, wenn man sich an ihnen schon in den vorherigen Seasons störte. Ja, es gibt nicht für jede getroffene Entscheidung einen völlig neuen Handlungsstrang und wie relevant es wirklich ist, dass sich sämtliche Charaktere meine Entscheidungen merken, lassen wir auch mal dahingestellt sein. Ich denke, wichtiger als die Konsequenzen sind immer noch die Entscheidungen an sich, die ich treffen muss und wie ich auf die Situationen reagiere. Dies hat auch Life is Strange mit der Zeit-Thematik gut gezeigt. Nach jeder Entscheidung kann ich die Zeit zurückdrehen, aber obwohl ich weiß, was passieren wird, werden die Entscheidungen nicht einfacher. Es geht nicht um die Frage, was der Spieler alles verändern kann, sondern wie er sich in einer gegebenen Situation entscheiden würde.

Vielleicht bin ich auch einfach nur zu sehr Zeitreise- und Science Fiction-Fan und fahre deshalb irgendwie darauf ab, wenn die Zeit doch wieder einen Weg in ihre gewollten Bahnen findet.

Insgesamt fällt mein Fazit zu The New Frontier nicht besonders anders aus als zur zweiten Season. Ich hoffe, dass Telltale ein schönes Ende zu Clementine’s Geschichte finden wird und wir nicht die nächsten zehn Jahre die immer gleichen Twists serviert bekommen. Auch wenn die Handlung um Javiers Familie eine nette Abwechslung war, kann nun langsam das richtige Ende kommen.


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2 Kommentare

  1. Jens - 06.07.2017 09:51

    Den Wunsch, die Clementine-Story zu einem Ende zu bringen, teile ich zu 100 Prozent. Wobei ich mit dem Weg, den Telltale mit ihr in der dritten Staffel eingeschlagen hat, so gar nicht zufrieden bin. Diese Badass-Clementine finde ich total unglaubwürdig und viel zu übertrieben dargestellt. Da hätte man eher alleine auf die Javier-Story vertrauen, hier Clementine eine Pause gönnen und dann mit ihr ‚richtig‘ weitermachen können.
    Aber mich fragt ja keiner von Telltale! ;-)

  2. SpielerZwei - 27.07.2017 15:47

    Ich habe A New Frontier nun auch durch und muss sagen, dass mir diese Staffel besser als die zweite gefallen hat. Ja, teilweise kommt einem Clementine hier eher wie eine Nebenfigur vor, aber trotzdem haben mir Story und Charaktere sehr gut gefallen. Kein Vergleich zur zweiten Season, die im Rückblick einfach zu viele Idioten-Figuren und -Entscheidungen enthielt.

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