Von Schwindlern, dem Fußballgott in Spendierhosen und wahren Masterminds

Doreen meinte ja, sie müsste bis zum Juli 2017 warten, um mit Dark Souls 3 anzufangen. Einerseits schüttelte ich (liebevoll) abschätzig den Kopf, weil es respektlos sondergleichen ist, eine solche Perle derart lange zu missachten (und stattdessen gefühlte hundert Jahre Lebenszeit in Mass Effect: Andromeda zu versenken). Andererseits beneide ich Doreen darum, dass sie nun ihre erste Erfahrung damit machen darf. Kein Durchgang bei Dark Souls ist besser als der jeweils erste. Vor ein paar Monaten habe ich meinen Dark Soul 3-Spielstand gelöscht und nochmal ganz von vorne angefangen und es ist und war wunderbar, sich erneut auf diese Reise zu begeben – nur es war kein richtiges erstes Mal. Aber es musste sein. Denn neben dem Football Manager 17 von Sports Interactive, wovon dieser Beitrag eigentlich handelt, hat mich nur Dark Souls 3 im letzten Jahr wirklich berührt – den ganzen Rest an (AAA-)Spielen handelte ich ansonsten ziemlich unbeteiligt ab. Wie Dishonored 2 beispielsweise oder Horizon: Zero Dawn. Von Mass Effect: Andromeda ganz zu schweigen.

Warum ich das alles erzähle? Seit Monaten ringe ich darum, den richtigen Ton für meinen Text zum Football Manager 17 zu treffen. Durch Doreen´s entlarvenden Tweet vom letzten Wochenende und meinem quasi-selbstverliebten Antwort-Service-Tweet mit Verweis auf meinen eigenen Leitfaden für Dark Souls 3-Amateure, bin ich auf den Trichter gekommen, wie ich den Football Manager von einer anderen, neuen Seite betrachten und darüber nutzwertig berichten kann. Nämlich aus der Perspektive des zahlenden Schwindlers, der ich leider beim Football Manager bin. Ich habe das verdrängt, zugegebener Maßen, aber es ist so. Wer einmal pfuscht, vor allem wenn es legal ist, nimmt es als solches beim tausendsten Mal gar nicht mehr wahr. Ich gehöre zu den Experten, die tatsächlich in eine Art „offiziellen DLC“ echtes Geld investieren, um dann an den wichtigsten Grundbedingungen des Spiels herumfummeln zu dürfen. Bei mir ist es der Kontostand meines Vereins (Borussia Dortmund) sowie das Transfer- und Gehaltsbudget. Und bei der Größe des Stadions schummelte ich, wie auch am Wert des Renommees des Vereins. Und ganz am Anfang hievte ich noch bei einigen meiner Spieler, dessen Fähigkeiten ich im Originalzustand als zu niedrig bemessen empfand, die Talente auf absolutes Weltklasseniveau, so wie es sich beinahe gehört. Also eigentlich manipulierte ich nahezu allem herum, was wichtig ist für meinen Club. Trotzdem schaden diese klitzekleinen chirurgischen Eingriffe in die DNA des Spiels nicht der Freude am Spiel, denn der Football Manager bleibt trotzdem sehr herausfordernd. Und daher möchte ich in diesem Text ein paar Hilfestellungen geben, wie man richtig gut den Football Manager bescheißt, ohne sich den Spaß unnötig zu verderben.

Warum das alles eigentlich? Diese Emotionen…es ist doch nur ein Fußballspiel auf dem PC, könnte man meinen. Was natürlich kompletter Unsinn ist. Seit Jahren verehre ich diese Reihe und wer auf die globalen Steam Charts schaut, bemerkt, dass ich nicht der Einzige bin. In Europa und Asien ist der Football Manager, neben Fifa, der sich Jahr auf Jahr wie geschnittenes Brot verkaufende Evergreen – nur hierzulande juckt das niemanden und das ärgert mich. Wirklich. Da werde ich emotional und das ist nicht immer hilfreich – vor allem weil ich eigentlich einen positiven Text schreiben möchte, mit dem ich unauffällig Ungläubige missioniere und auf die Seite der Guten ziehe. Zurück zum meinem Ärger. Diese Ignoranz im Land des WELTMEISTERS gegenüber dem komplexesten und perfektesten Fußballspiel aller Zeiten geht mir also gehörig auf den Zeiger und das aus mehreren Gründen: Zum einen, weil deutsche Entwickler das Mekka in der Entwicklung von Fußballmanagern waren und nahezu kampflos einfach alle Bemühungen einstellten, dieses Genre in die moderne Zeit zu übertragen (Danke, EA Sports, die hier die verdammten Drecks-Totengräber waren und immer noch auf den Lizenzen hocken, ohne damit was anfangen zu wollen). In Anstoss 3 & Co. war damals richtig Musik, sie waren extrem unterhaltsam und sogar kommerziell erfolgreich. Und dann war einfach Feierabend und es wurden nicht nur keine Manager mehr entwickelt, sondern auch keine mehr gespielt. Verstehe das, wer will. So schwer ist es heutzutage nun auch wieder nicht, das Spiel zu importieren. Und dass der Football Manager nicht in deutscher Sprache spielbar ist, sollte eigentlich auch kein allzu großes Hemmnis sein, denn englisch versteht doch jeder, eigentlich. Man muss es nur wollen.

Und beim Football Manager 17 geht – wie beim „echten“ Fußball – sehr viel über den Willen. Und Geduld. Bevor das erste Ligaspiel angepfiffen wird, kämpft sich der Manager von Welt durch die Vorbereitung und gefühlte dreißig Taktikscreens (inkl. Unterseiten). Dieses akribische Testen macht natürlich Sinn, denn wer eine Spielidee hat, der muss nach den großen Rädern dann noch gewaltig an den kleinen Stellschrauben drehen und das dabei nicht direkt augenblicklich alles funktioniert, liegt auf der Hand. Ich möchte jetzt nicht zu lange darauf auf der Komplexität des Football Managers 17 herumreiten, aber schon kurz erwähnen, dass es neben der Wahl einer Formation (bzw. drei für die Haupttaktiken) unzählige Grundstrategien gibt, die mit verschiedenen taktischen Marschrichtungen das Grundgerüst bilden, welches mit den einzelnen Spielertaktiken abschließend im besten Fall perfektioniert wird. Beispiel: Ein 4-2-3-1 kann durchaus offensiver ausgerichtet sein als ein 4-3-3, denn es hängt maßgeblich davon ab, welche Rollen man den jeweiligen Spielern gibt. Spielt beim 4-3-3 neben den Außenverteidigern auch das Mittelfeld eher defensiv und die Außenstürmer mit der Funktion als reine Zulieferer für den Sturmtank, geht nach vorne einfach weniger als beim 4-2-3-1 mit offensiven Flügeln, einem Attacking Midfielder und dem Stürmer vorne drin.

Dass man sich darüber hinaus noch ganz grundlegend überlegen sollte, seine Strategie in Auswärtsspielen anders auszurichten als in Heimspielen, belegt noch eindeutiger, was ich oben erwähnte: Wer beim Football Manager 17 bestehen möchte, benötigt Willen und Geduld. Und Leidensfähigkeit, weil die KI ungemein clever ist und dem Manager gerne (vor allem in der zweiten Halbzeit, zumindest ist das mein Eindruck) gerne den Mittelfinger zeigt und sich sehr ansprechend auf die jeweilige Gegnertaktik einstellt. Das sind in den 90 Minuten selbst Flexibilität und Geistesgegenwart gefragt und hochgestochen gesagt auch ein Matchplan. Wenn man sich das alles wirklich zumuten mag – und das lohnt sich, definitiv – ist es halt die Frage, ob dabei dann alles mit rechten Dingen zugehen muss.

Und damit sind wir beim Editor, den man für ein paar Euro freischalten kann, was ich direkt tat. Fangen wir mit dem Kontostand an: Wenig Geld zu haben bringt nichts, zu viel Kohle macht den Transfermarkt zu einfach. Zumindest möchte ich halbwegs ernsthaft als Dortmunder Manager mit den großen britischen und spanischen Vereinen in den Ring steigen und nicht schon in der ersten Runde abgelehnt werden. Da sind wir – passend zu den heutigen verrückten Zeiten – mal ganz fix bei über 60 Mio. Euro und dass Dortmund die nicht in der Portokasse hat, dürfte klar sein. Ich gab mir 200 Mio. Euro, verkaufte noch ein paar Spieler und konnte dann mit rund 230 Mio. € loslegen. Theoretisch.

Denn da ist noch das Transferbudget. Eigentlich der größte Hemmschuh, denn alles Kapital bringt nix, wenn der Vereinspräsident seine Schatulle partout nicht öffnen mag bzw. viel zu schnell schließt. Wie gut, dass man im Editor dem Präsidenten quasi eine Persönlichkeit geben darf und das mein „Chef“ ein Big Spender ist, dürfte selbstverständlich sein. Mit Verweis auf die sportlich äußerst erfolgreichen 90er Jahre in Dortmund, setze ich das Transferbudget zu Beginn auf 220 Mio. Euro und schere mich einen Dreck um die Gehälter.

Nun wird es aber trotzdem knifflig und an diesem Punkt bringe ich das Thema Fairness ins Spiel. So sehr ich meinen Verein aufpimpe, so wenig kaufe ich der direkten inländischen Konkurrenz unter unfairen Bedingungen die besten Spieler weg. Das gilt nicht, das macht keinen Spaß. Von den ollen Bayern habe ich lediglich den Coman eingekauft und das auch nur, weil er unzufrieden bei den Münchenern war und – verständlicher Weise – unbedingt weg wollte. James Rodriguez hatte ich noch als Spieler von Madrid geholt, der zählt nicht. Nun ist es aber leider so, dass trotz gefakter Vereinsreputation andere Clubs, wie beispielsweise Barcelona, für Spieler meiner Wahl aus anderen Vereinen und schlimmer Weise auch für eigene Leistungsträger die attraktivere Variante sind. Das bedeutet, dass trotz der lieben Kohle kein auserkorener Liebling zu meinem Verein wechselt und ich dafür dann schauen muss, wen ich für meine Stars für teuer Geld als Ersatz aus deren Verträgen herauskaufe.

Und ehe man sich versieht, sind die 220 Mio. Euro weg und der Kader mit Mühe und Not auf dem vorherigen Niveau gehalten. Das geht die Manipulation knallhart als Notwehr durch. Daher muss es ein Ziel sein, ganz fix auf europäischer Bühne zu glänzen, um den großen Clubs aus England und Spanien Paroli geben zu können. Sich wild ein europäisches Star-Team zusammen zu kaufen, hilft per se übrigens auch nicht unbedingt weiter, denn die europäischen Regularien erfordern den Einsatz von einheimischen (jungen) Spielern. Daher kauft man am besten die deutschen (Jung-)Stars ein und dazu eine Handvoll internationaler Granaten.

Das Schöne daran: Ist die Strategie aus dem Platz Mist, hilft die ganze Pfuscherei nicht weiter. Passt man während des Spiels nicht auf, kann eine Partie – vor allem auswärts – gegen eine deutliche schlechtere Truppe fix nach hinten losgehen, weil die KI einem ganz fein eine lange Nase zeigt. So oder so gewinnt am Ende nur der gewiefte Taktikfuchs und es ist erleichternd, dass all die erschlichene Kohle genau das nicht verhindern kann. Mit all der Manipulation – und einem verdrängten schlechten Gewissen, natürlich – spart man unter dem Strich auf seinem Weg zum Olymp ein wenig an Lebenszeit, was völlig ok ist, denn auch so verschlingt der Football Manager genug davon. Diese Zeit lohnt sich aber.


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2 Kommentare

  1. Poly - 27.07.2017 14:34

    Bei jedem deiner FM-Artikel bekomme ich Lust darauf, mich auch endlich mal wieder auf die virtuelle Trainerbank zu setzen, obwohl ich deine Schummelei nicht gutheißen kann. Der Big Spender hätte für unserer Dortmunder doch fast das Ende bedeutet ;) Damals bei Anstoß 2 & 3 fand ich es auch sowieso am besten, wenn ich aus irgendwelchen fiktiven Talenten echte Stars formen konnte, aber ich schätze, mit den alten Schinken kann man einen modernen FM ohnehin nicht mehr vergleichen.

    PS: Ich glaube, die Manager sind immer unbeliebter geworden, weil sich die meisten Fussball-Gamer schon mit den simplen Pseudo-Manager-Features von PES und FIFA zufriedengeben.

  2. Jens - 09.08.2017 19:18

    …zu deiner Theorie: Das wäre aber eine unschöne Geschichte, weil international die Bereitschaft ja da ist sich in den FM reinzukämpfen… Nur bei uns nicht. :-(

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