Destiny-DLC Fluch des Osiris: Bitte verzeiht mir

Es gibt zwei Ereignisse in unserer Geschichte, in denen wir Menschen das Leben am meisten verabscheuten: als wir Waffen erfanden – und Destiny veröffentlichten. Ein dritter Moment wird bald folgen. Und ich habe Mitschuld.

Eigentlich wollte ich es mit Frohsinn probieren, mit einem breitem Lächeln, von der Backe bis zur Eichel und noch viel weiter. Ich kam nicht mal bis zum Mund, schließlich hämmerten lästernde Gedanke in meinem Kopf an jeden Nerv, solang, bis nur noch Lähmung blieb und mein Gesicht sich genau so beschreiben ließ wie der erste Zusatzinhalt zu Destiny 2.

Betrachte ich die Situation von Destiny 2 nüchtern, bin ich im nächsten Moment besoffen. Schlimmer noch als die ohnehin räudige Situation im eigentlichen Spiel, fuchsteufelswildert die Community derzeit durch jede Entscheidung von Entwickler Bungie. Und tatsächlich, selbst als halbwegs Außenstehender, als jemand, der gut und gerne lebt in Destiny, aber Missstände durchaus anzuprangern weiß, schüttel ich den Kopf in alle Himmelsrichtungen und diesmal sogar noch viel weiter.

Alles anders machen soll nun also Fluch des Osiris, ein Downloadcontent für 20 Euro. Kleine Erinnerung: Das Hauptspiel erschien vor fünf Monaten und kostete 60 Euro ohne sogenannten Season-Pass, dafür mit sogenannten Inhalten aus Teil 1. Vielleicht, aber nur vielleicht ändert sich jetzt alles oder nur die Hälfte oder zumindest ein bisschen oder halt das Schlimmste, wobei das dann wieder alles wäre.

Ein objektiver Blick kann helfen. Mal so luschern, was dahinter steckt. Geht das vielleicht auch ohne Kritik, ohne Häme? Zumindest dann nicht, wenn ich in der ersten Mission bereits nach zehn Minuten wieder dahin zurück muss, von wo ich gekommen bin. Auf dem Rückweg ändert sich nichts, die Feinde werden nicht größer und die Steine nicht brauner. Immerhin: neuer Planet. Bis zu dem Zeitpunkt „neu“, an dem mir die drei Jahre alten Pixelmonster vor das Visier rennen.

Eigentlich könnte ich mich nun zurücklehnen und den Artikel beenden, weil im Spiel nicht mehr viel kommt, aber dann lese ich wieder zu viel über Destiny, verschlucke mich am Kaffee beim Gedenken an jenes verloren gegangene Qualitäts-Quentchen, dass Chip.de irgendwann vielleicht hatte, jetzt aber nicht mehr, als ich sehe, dass sie für Destiny 2 die Wertung von 92,7 Prozent vergeben haben, was für sich genommen noch nicht fahrlässig wäre, stünde da nicht die 7 hinter dem Komma, was mich schier ersticken lässt unter der Gedankenlawine, zu welch obszönen Auswüchsen die Berichterstattung mittlerweile verkommen ist.

Wenn die Prozentwertungen ein Komma benötigen, ist der Dampf am kacken oder wie das heißt, weiß nicht mehr, ich habe gerade versucht, mir die Denke vom Chip-Redakteur anzueignen und dabei nicht nachgedacht. Das hat bei Destiny 2 ja bereits Tradition, denn nicht nur die erste, sondern rund die Hälfte aller Missionen in Fluch des Osiris finden dort statt, wo ein neu erdachter Gedanke, also ein Hauch von Frische – stirbt. Verreckt. Jedwede Phantastik welkt dahin wie eine Rose im Arschloch von Julian Reichelt. Heißt: 50 Prozent von Fluch des Osiris kennt man bereits.

Ein wie auch immer definierter Versuch von Anstand in einem Text über ein Spiel, das selbst keinen hat, finde ich nicht fair. Über Destiny 2 kann man nicht schreiben, ohne es zu veralbern. Zumal es das Gleiche mit den Spielern macht, zum Beispiel dann, wenn der angepriesene „Immerforst“ eine stets zufallsgenerierte Umgebung und für ein ebenso zufälliges Spielgefühl sorgen soll, dieses Prinzip aber in einer geradezu schamlosen Wiederholung so funktioniert: Mal ist die Mauer dahinten hoch, mal nicht.

Falls das nicht deutlich genug war: Die Missionen in Fluch des Osiris dauern maximal vier Stunden. In dieser Zeit durchquert ihr den Immerforst mehrfach, der auf Grund erbärmlicher Variablen mit dem Konzept „Zufall“ nichts zu tun. Sicherlich entzückt das Gebilde in seiner planetaren Wolkenansicht, es schauwertet bis das „Wow!“ droppt. Das einzige Lob für Fluch des Osiris verliert an Kraft, sobald man das Konzept von Destiny verstanden hat: Ob im Hintergrund ein zuvor zerbombtes Raumschiff hängt oder Monde unser Verständnis vom Himmel in Frage stellen, auf jedem Planeten ist der Wow-Effekt niemals mit Feinden, Missionen oder Gegenständen verbunden, sondern lediglich mit den Grafiken dahinter. Kaum ein Studio verbirgt dabei gekonnt die Fehler, die so direkt vor den Augen des Spielers stattfinden, denn ey, dahinten gibt es mal wieder ein Zierstück der Pixelkunst zu sehen.

Das funktioniert nun aber nicht mehr, wenn grundlegende Spielmechaniken nicht Ernst genommen werden. In einem ohnehin kurzen Zusatzinhalt den Zusatz dadurch entwerten, indem die Entwickler sich selbst bestehlen und das durch einen sogenannten Strike aus dem Hauptspiel krönen, der im DLC in vereinfachter Form irgendwas, aber eigentlich doch nichts zur Story zu sagen hat, ist beispiellos in der Branche. Hurra, ruft Destiny-Fan Klaus trotzdem, der eigentlich Peter heißt, das aber vergessen hat.

Nun bin ich an einem Punkt, an dem ich die säuische Qualität nicht einfach nur veräppeln kann. Ich habe zwei Monate und drei halbfertige Texte in Fluch des Osiris investiert; ich wollte diese in Absurditäten nicht mehr messbare Unverschämtheit in Worte fassen – ohne ziellose Polemik. Es hat nicht funktioniert.

Mit meiner Hilfe, mit meinen Artikeln, mit meiner Aktivität in Destiny ermöglichte ich den dritten großen Moment in der Geschichte der Menschheit, der das Leben so sehr verneint: Destiny 3 wird kommen.

Und dafür bitte ich um Entschuldigung.


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