Polizeigewalt und Horrorhasen: Ein Besuch in der Vainglory-Galerie

Kot! Vorsicht, da liegt Hundekot! Riesiger Haufen, ich weiß, meine Dogge ist noch nicht ganz so gut erzogen. Die Rasse ist zwar so exquisit wie mein Goldzahn, lässt sich aber ganzganz schwer erziehen. Ja doch, klar, kommen Sie rein, natürlich. Machen Sie einfach einen großen Schritt, einfach drüber einmal, sollte gehen, oder?, wenn nicht, dann hintenrum, da können auch Rollstuhlfahrer rein. Sind Rollstuhlfahrer dabei? Nee? Gut, dann können wir ja schneller anfangen.

Also, willkommen in der inoffiziellen Vainglory-Galerie! Ja herrlich, Sie alle hier willkommen heißen zu dürfen, richtig schön wird das heute, das verspreche ich Ihnen. Ich zeige Ihnen heute die berühmt-berüchtigten Kunstwerke des MOBA-Spiels Vainglory, das für Android und Apple-Geräte erhältlich ist.

Also, beginnen wir mit der Führung, wir haben schließlich exzellente, ich sage es Ihnen deutlich: exzellenteste Bilder vom grandiosen Vainglory. Kurz zur Erklärung für die, ja doch, Dummen: Vainglory ist ein sogenanntes MOBA von dem Studio Super Mega Evilcorp. MOBA, das heißt, dass mehrere Spieler in zwei Teams gegeneinander antreten und dabei aus verschiedenen Helden wählen, die im Kampfgeschehen verschiedene Rollen haben, zum Beispiel ein Unterstützer oder ein Schadensausteiler. In dieser Ausstellung will ich Sie zum Zeuge machen atemberaubender Kunst, die sich in den Rüstungen und Skins der Spielfiguren entlädt.

Hier im ersten Raum sehen Sie die Heldin Rona. Eine starke Berserkerin, die in den Kampf stürmt mit allem, was sie hat, das sieht man ihr auch an, so komplett in Berserker-Rüstung hier, die ein bisschen, wie man sieht, an Mad Max angelehnt ist.

In erster Linie sehen wir hier eine Abkehr von Natur und eine Hingabe zum Metallischen, eher noch zum Anderssein mit Leder, Nieten und Spitzen. Eine Kriegerin, die nicht einfach nur bekriegen, sondern auch, ja doch, herausstechen will in der Masse der Kämpfenden. Toll, wirklich, tolltolltoll.

Gehen wir zum nächsten Skin von Rona, der ebenfalls von epochaler Wucht zeugt. Wie heißt es so schön, meine Damen und Herren: „Mit einer Explosion starten und dann langsam steigern“, daran halte ich mich und natürlich auch die Vainglory-Meister. Hier Nummer 2:

Was für eine Wucht! Was für Details! Wirklich, der Polizei-Stern zum Beispiel an der Mütze, die wirklich gelungene Schutzweste, und wie die Handschellen da an den Beinen herunterbaumeln, das ist schon vortrefflichst und ein hervorragender Kommentar zur Polizeikultur in Amerika. Ich würde sogar sagen, dass die Entwickler hier das Autoritäre ins Absurde führen und es ästhetisieren, wie soll ich sagen?, es aufhübschen, damit, nun, damit der Spruch „fuck the police“ in die andere, schnackselnde Richtung führt. Herrlich!

Bei dem folgenden Skin stehen die Spitzen im Vordergrund genau so wie die Totenköpfe. Schauen Sie genau hin, sonst verpassen sie noch eine Kleinigkeit, die in Wirklichkeit gar nicht so klein ist, wissen Sie?

Eine mögliche Interpretation erlaubt hier natürlich die Sichtweise, dass die Schädel von Babys stammen. Die sind ja recht klein, ein bisschen zu klein für einen Erwachsenen-Kopf. Aber ich sehe das nicht so, überhaupt nicht. Ich würde eher sagen, dass die Künstler hier eine Kriegerin beschreiben, die gegen die Dummen kämpft, eben die, die nicht so viel Platz im Schädel haben.

Wie bitte? Ob ich nicht etwas übersehe? Nein, gewiss nicht. Hm? Fehlende Kleidung? Wo? Auf den Bildern? Also entschuldigen Sie bitte, das ist ja unerhört! Diese Rüstungen sind erstellt von belesenen Künstlern dieser Welt, und sie maulen ob zu knapper Kleidung? Banause, jawoll! Das sind sie, ein Banause! Ein Kunstfeind! Ein, ja entschuldigen Sie bitte, das muss jetzt raus – ein Arschloch sind Sie, und zwar ganz gehörig!

Lassen Sie mich nun weitermachen, herrje. Ohne Zwischenrufe bitte, in Ordnung? Wer etwas sagen oder fragen möchte, der meldet sich. Wir haben doch Manieren, oder? Also, Krönchen richten und weiter im Text. Hier kommt erneut Rona:

Im Gegensatz zu den Mad-Max-Bezügen herrscht hier natürlich eine Zusammenkunft von Mensch und Natur, von Mensch und Tier ja eher, wie Sie sehen. Eine Frau im Hasenkostüm mit Hasenäxten und Horrorhasen, das muss man auch zunächst kurz schlucken und überlegen, so viele Verweise auf einmal. Der Name „Killer Bunny“ nimmt auch ganz subtil Kontakt auf mit Gewaltorgien gegen Tieren, hm, ich glaube sogar, das könnte ein heimlicher Verweis auf Tierversuche sein, ja doch schon ein bisschen. Durchaus. Ja, ja, dochdoch.

Kommen wir zur nächsten Heldin: Vayra! Ganz neu dazugekommen, jetzt, wo neben dem 3-gegen-3-Modus auch ein 5-gegen-5-Modus dabei ist.

Varya beherrscht den Donner. Und sie wirft Blitze. Man achte auf ihre Augen und das Halsband, das so hell leuchtet wie ein, ja äh, ein Blitz halt. Toll! Auch beeindruckend die Fingerstellung am Blitz, die viel zu sagen hat über das heutige Konsumverhalten, das wir Menschen bei Strom an den Tag legen:

Eine andere, mächtige Heldin im Spiel ist Celeste, eine Magierin, die ich persönlich gerne spiele, sofern mir denn mal die Zeit dazu bleibt.

Hier zeigen die Künstler im direkten Sinne des Wortes etwas Abgehobenes: Celeste schwebt über den Wolken, und sie tanzt und tollt mit Seifenblasen über den kleinen Menschen dieser Welt. Ein Kommentar zur Abkehr vom Göttlichen! So einfach kann das sein und doch so bildgewaltig.

Ganz besonders toll finde ich die Bogenschützin Kestrel, die hier ein, nunja, einen Spinnenanzug trägt und sogar eine Spinne als Waffe nutzt, sehen Sie hier:

Wow! Oder? Ich meine: wow! Vollkommen bekloppt wird man da, wenn Sie mir diese flegelhafte Sprache durchgehen lassen. Diese Details der Waffe allein schon! Eine Spinne als Bogen, so verrückt, so toll. Auch als Bild des Einklangs von Mensch und Tier. Erneut! Nicht zu vergessen, dass wir alle irgendwie gefangen sind in den Netzen der Gesellschaft, Arbeit, Politik, sie sind überall. Man kann sich aus diesen Zwängen kaum befreien.

Ganz anders hingegen sieht Kestrel hier aus, richtig edel sieht sie sogar aus, elegant, fast anmutig:

Die Bildsprache spricht für sich. Eine so fein gezeichnete Rüstung habe ich schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen. Einfach toll! Genau so wie die „Summer Party Kestrel“, die jetzt kommt. Der Name verspricht sogar noch zu wenig, wie ich finde.

Eine Erinnerung seitens der Künstler, finden Sie nicht? Woran Sie erinnern wollen? Achherrje! Sie wissen schon, dass Sie hier in einer Galerie sind? Haben Sie eigentlich studiert oder nur Abitur? Entschuldigen Sie bitte, aber Sie kommen mir so vor, als hätten Sie nur die Fachhochschulreife. Sowas wollen wir hier eigentlich nicht, wissen Sie, aber heute, ich mache heute mal eine Ausnahme, verstehen Sie?

Zurück zum Bild: Hier will man uns erinnern an die Spaßkultur, die wir mehr und mehr verdrängen. Alles zieht eine grimmige Fratze, sehen Sie sich doch mal die Kanzlerin an, da fängt das Elend ja schon an, und ich habe noch nicht mal von ihrer Politik gesprochen. Man traut sich angesichts der vielen politischen Korrektheiten heutzutage doch nichts mehr! Das ist offensichtlich, sehen Sie, das sagt mir ständig jeder in meinem Umfeld. Natürlich ist Badespaß etwas, ich möchte nicht unhöflich sein, aber es ist nun doch ein wenig primitiv, aber es geht ja um die Metapher, die einschlägt wie eine Bombe.

Ein ähnliches Thema schneidet auch die nächste Heldin an: Koshka und die Rave-Kultur, somit sind wir erneut bei dem Thema Spaß, im weitesten Sinne zumindest. Nehmen Sie sich eine Minute, halten kurz inne und beachten die Details:

Spaß ist in der Rave-Szene natürlich immer an Drogen geknüpft, wie jeder von Ihnen weiß. So unterwandern die Künstler hier subtil den Drang nach Spaß mit dem Drang nach Drogen, natürlich auch nach dem schnellen Rausch. Koshka sieht auf dem ersten Blick glücklich aus, aber sie ist es nicht, wissen Sie? Sie sehnt sich nach Freude, und sie bekommt Freude nur noch durch Drogen. Es ist eine Schande, diese Kultur der Jugend, ich verstehe das ja nicht.

Kommen wir zum vorerst letzten Ausstellungsstück. Das ging ganz schön schnell, nicht wahr? Ich war manchmal auch regelrecht in Plauderlaune, oder? Am Schluss bekommen Sie alle noch eine informative Broschüre rund um die Galerie und meine Person, damit Sie mich bloß nicht vergessen. Also, hier nun Heldin Skye:

In Uniform, vielleicht von einer offiziellen Armee, möglich ist auch ein privater Sicherheitsdienst, der sich einen Flugzeugträger leisten kann, zumindest deute ich das so. Sie salutiert, somit untersteht sie Befehlen, also den Befehlen der Vorgesetzten. Sie gibt sich den Männern hin mit Blut und Fleisch und ihrem Roboter. Ich habe hier noch eine kleine Vergrößerung aufgehängt, damit Sie den Detailreichtum in voller Pracht erblicken können, speziell hier bei dem Schal und den Lippen und wie sie aufeinander aufbauen in Farbe und Pinselstrich.

Es ist erstaunlich, wie das Rot hier die Akzente nicht nur setzt, sondern damit gleich eine Geschichte erzählt. Ich könnte jetzt noch stundenlang, wissen Sie, stun-den-lang darüber plappern, aber nun ja, wir haben nicht ewig Zeit. Da vorne am Ausgang können Sie noch ein Souvenir kaufen, einige Motive in Postkartenformat, toll Idee, oder? Große Idee!

Bevor ich Sie nun entlasse, möchte ich Ihnen, wie versprochen, diesen kleinen Flyer mitgeben, so als Andenken, als Nachlese auch für das hier Gesehene. Also, ich wünsche Ihnen noch einen exquisiten Tag, empfehlen Sie mich weiter, ein Hoch auf Vainglory, tschüss!

Ach, und noch was: vergessen Sie nicht, GamerGate auf Twitter zu folgen. Da verkünde ich nächste Woche den Termin für mein neues Seminar, das ich per Livestream gebe. Das Thema wird sein: „Gegen die linksgrüne Agenda in Videospielen: Warum wir für Busen und Scheiden kämpfen müssen!“


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