Kindheitserinnerungen

Als das erste Lego Star Wars heraus kam, ist mir dies durchaus nicht entgangen. Es hat mich nur nicht im Geringsten interessiert. Ich hielt es seinerzeit für eines dieser typischen Franchise-Cross-Platform-Spiele, wie sie zu jedem beliebigen Kinder-Film massenweise erscheinen. Meist von minderer Qualität, schielen diese Spiele in erster Linie auf den eher unbedarften Spielekäufer, der sich von bekannten Namen und einer bunten Spieleverpackung locken lässt. Insbesondere Kinder sind die Hauptzielgruppe. Besonders der „Lego-Aspekt“ erschien mir persönlich nicht sonderlich interessant, obwohl ich, wie wohl die meisten Menschen meines Alters, als Kind ein ganz großer Fan dieser Plastikklötzchen war. Transformers-Action-Figuren, Harry-Potter-Plastikbesen, Handys und Gameboys waren ja schließlich noch nicht erfunden. Hinzu kam eine gesunde, über die Jahre immer weiter gewachsene Grundabneigung gegen den Prototypen aller Merchandising-Abzockerei: Star Wars.

Diese Einschätzung sollte sich aber als völlig falsch erweisen, als ich mir vor einigen Wochen, durch Gameplay-Trailer für den Nachfolger neugierig geworden, dann doch Lego Star Wars kaufte. Das Teil machte mir richtig viel Spaß! Sehr kurzweilig, sehr witzig und teilweise sogar ein wenig respektlos dem Lucas-Franchise gegenüber. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, zu behaupten, dass es sich um ein wirklich wichtiges Spiel handelt. Ein sehr cooles Action-Adventure mit Jump´n´Run-Anleihen für Zwischendurch, aber irgendwie fehlte auch etwas. Ich kam zwar nicht sofort drauf, was es war, aber irgendetwas wichtiges fehlte dem Spiel.
Am Lego-Stil lag es nicht. Diesen fand ich sogar herausragend und immens wichtig für den Charme des Spiels. Star Wars gab es zu meiner Zeit bei Lego zwar noch nicht, aber die damals brandneue Linie „Lego Raumfahrt“ war tatsächlich mein Favorit, in den ich einige Zeit große Teile meines Taschen- und Rasenmähgeldes pumpte.
Der Star Wars-Hintergrund störte mich überraschenderweise eigentlich auch nicht, weil das Spiel diesen auf eine sehr unbeschwerte und sympathische Art regelrecht parodierte. Und die einsteigerfreundliche Zugänglichkeit des Spiels, welche in vielen Titeln ja gleichbedeutend mit Unterforderung, manchmal sogar konkreter Beleidigung des erfahrenen Spielers einher geht, störte auch nicht weiter, weil LSW auch ohne mörderisch frustrierende Herausforderungen funktioniert. Trotzdem fehlte etwas…
„Egal.“, dachte ich mir. „Auf jeden Fall hat es Spaß gemacht und somit wird der zweite Teil auch gekauft, wenn er kommt!“

Und da ist er nun. Mit Lego Star Wars II: The Original Trilogy bekommt der Käufer im Wesentlichen eine etwas aufpolierte und umfangreichere Version des Vorgängers. Prinzipiell ist das Gameplay gleich geblieben, wenn auch durch die zahlreicheren Vehikel-Missionen mehr Abwechslung in das Spiel gebracht wird. Die Grafik des Spiels wurde dezent aufgebohrt, so dass man sich zwar sofort wieder an den ersten Teil erinnert fühlt, aber dennoch, zumindest in der von mir gespielten PC-Version, deutlich die Verbesserungen wahrnimmt. Leider ist die Kamera immer noch nicht vom Spieler steuerbar, was nach wie vor manchmal zu etwas ungünstigen Perspektiven führt. Allerdings ist die automatische Kameraführung aus meiner Sicht kein wirkliches Ärgernis, da sie einen beim Spiel nie richtig behindert. Auch einige Charakterfähigkeiten wurden modifiziert, so dass jetzt auch mit Nicht-Jedi-Charakteren einiges an Geheimnissen in den Levels entdeckt werden kann. Und Geheimnisse bzw. Extras gibt es im zweiten LSW wirklich ohne Ende. Die freischaltbaren Spielinhalte wurden gegenüber dem Vorgänger erheblich aufgestockt, so dass der Wiederspielwert noch höher ist.
„Hoher Wiederspielwert aufgrund von freischaltbaren Extras“ aus dem Munde von SpielerZwei? Ja, ich weiß, dass ich mich normalerweise über freischaltbare Figuren, Kostüme und dergleichen als Spielzeitverlängerung eher abfällig äußere. An dieser Grundeinstellung hat sich auch nichts geändert, denn ich bin nach wie vor nicht bereit, ein Spiel nur deshalb erneut durchzuspielen, um als Belohnung ein lächerliches Sailor-Moon-Kostüm oder eine unnütze Bonuswaffe zu ergattern. Da spiele ich doch lieber ein anderes Spiel, um etwas Neues zu erleben, sofern „neu“ das richtige Wort ist, wenn man die derzeitige Ideenarmut in der Branche bedenkt. Und es ist mir ehrlich gesagt ein völliges Rätsel, wie derlei nutzlose Gimmicks Menschen motivieren können, weitere Stunden in ein bereits durchgespieltes Spiel zu investieren.

Im Falle von LSW2 funktioniert das mit den Extras aber wunderbar, weil man nicht das ganze Spiel erneut spielen muss, sondern die einzelnen Level, von denen kaum einer länger als 30 Minuten ist, im freien Spiel separat nach Geheimnissen durchforsten kann. Außerdem bekommt man im Spiel tonnenweise Extras, die oft auch noch sehr witzig und hilfreich für das Entdecken weiterer Geheimnisse sind. Da spielt sogar SpielerZwei den einen oder anderen Level erneut! Außerdem verleitet auch der wunderbar unkomplizierte Coop-Modus, der im Nachfolger natürlich auch wieder enthalten ist, zusätzlich zu diversen Extra-Runden.

Das wirklich merkwürdige an LSW2 ist allerdings, dass ich es, im Gegensatz zum wirklich spaßigen und sträflicherweise von mir zunächst ignorierten Vorgänger, für ein wichtiges Spiel halte (was immer das auch heißen mag…). Immerhin ist es doch nur eine leicht verbesserte und umfangreichere Variante des ersten Teils. Ein typisches EA-Spiel, nur nicht von EA. Warum mag ich es also lieber als den ersten Teil?
Aber bevor hier noch jemand wirklich anfängt, darüber nachzudenken und sich womöglich ein paar Synapsen verrenkt: Der geneigte Leser ahnt schon, dass ich diese Frage wie üblich sofort selbst beantworten werde…:

Es liegt an den Filmstoffen, die den beiden Spielen zugrunde liegen! Die neue Trilogie (Episode 1-3) hat mich schon als Film relativ kalt gelassen. Und wenn im ersten LSW Film-Figuren als Lego-Männchen parodiert werden, die ich schon auf der Leinwand nicht wirklich mochte, dann ist das zwar nett, aber nicht der Brüller. Nerv Nerv Binks und Schleimie-Anakin nerven mich auch als Lego-Figuren noch an. Wenn aber die Helden meiner Kindheit, allen voran Han Solo und Chewie, als knuddelige Lego-Versionen sich selbst verarschen, dann liege ich teilweise unterm Tisch vor Lachen! Wenn Lego-Chewbacca den Stormtroopern im Nahkampf die Arme mit einem „Plopp!“ herausreißt oder Lego-Han seinen aufgemalten Mund zum schurkischen Antihelden-Grinsen verzieht nachdem Lego-Leia ihn geküsst hat, dann bleibt bei mir kein Auge trocken…

In einem Artikel erst langwierig eine Frage aufzuwerfen, um sie dann relativ banal und kurz zu beantworten, ist echt arm. Ich weiß das. Aber es ändert nichts daran, dass der Spaß, den ich mit den beiden Lego Star Wars Spielen hatte, sich weniger aufgrund der eigentlichen Spieldetails unterscheidet, sondern vielmehr mit den unterschiedlichen Sympathien, die ich den zugrundeliegenden Filmen entgegen bringe, steht und fällt. Und die Original-Trilogie ist für mich einfach die bessere. So, jetzt ist es endlich heraus!
Zugegeben, dieser schockierenden Enthüllung meiner Star Wars-Präferenzen wird einiges an Brisanz dadurch genommen, dass Millionen von Fanboys meine Ansicht teilen, aber immerhin habe ich dem einen oder anderen Zufallsbesucher dieser Seite hiermit eine Steilvorlage für qualifizierte Kommentare dieses Artikels gegeben. Kommentare der Marke „Du stinkst!“ oder „SpielerZwei hat keine Ahnung!“ oder schlicht „Blödarsch!“ sollten so leicht von der Hand gehen…

Ich behaupte also, dass der einzige wesentliche Unterschied zwischen beiden LSW-Spielen die Film-Trilogien sind, die ihnen jeweils zu Grunde liegen. Das eine ist sehr nett und durchaus den Kauf wert, wenn auch kein Instant-Klassiker. Das andere ist ein 1A-Zeitreisetripp in meine Kindheit. Und dies sogar in doppelter Hinsicht:
In meiner Kindheit waren Legos eines meiner absoluten Lieblingsspielzeuge! Legos sind nicht nur pädagogisch wertvoll, weil sie die Fantasie doch um einiges mehr fördern als Harry-Potter-Hüte oder Bob-Der-Baumeister-Fertigmahlzeiten, sondern auch kultig, weil sie schon diverse Generationen beschäftigt haben und somit etwas Zeitloses besitzen. Und der Charme, der von den niedlich animierten Lego-Figuren in LSW ausgeht, ist nicht zu unterschätzen. Besonders wenn eine gehörige Portion Frechheit gegenüber dem Star Wars-Franchise hinzu kommt, weil die Lego-Charaktere so wirken, als würden sie dem unglaublich überschätzten Mel Brooks einmal zeigen wollen, wie man Star Wars wirklich parodiert. Also in echt lustig und nicht grenz-debil infantil, so dass ein eigentlich lahmer Gag wie „Durchkämmt die Wüste!“ noch das Highlight von Spaceballs war…
Außerdem fand ich Star Wars als Kind bzw. Jugendlicher auch noch großartig. Das hat sich inzwischen durch digitale Überarbeitung, schlechte Prequels und gnadenlosen Ausverkauf geändert, aber damals war die Welt noch in Ordnung und George Lucas ein Mann, den ich respektieren konnte… Hach, damals…
Leser meines Alters, die einen ähnlichen Background haben, sollten sich also eigentlich beide LSW-Spiele vom Entwickler Traveller’s Tales Ltd. kaufen, aber zumindest das zweite ist absolute Pflicht!

Dies ist natürlich, wie immer, eine sehr subjektive Sichtweise der Dinge. Soll ja auch so sein. Mich würde daher wirklich mal interessieren, wie andere Leute das sehen. Gibt es tatsächlich Leute da draußen, die die neue Trilogie mögen? Gibt es Leute, die Lego Star Wars I besser finden als das neue Spiel? Und wenn ja, warum? Erbliche Geisteskrankheiten und völligen Realitätsverlust lasse ich als Begründung übrigens nicht gelten…


Tags: , , , , ,  

Hinterlasse einen Kommentar