Facebox

Ein kurzer Blick auf das Datum: 26. März. Also kann es kein Aprilscherz sein. Facebook hat gerade Oculus gekauft, die kleine Firma, die vor etwa anderthalb Jahren für die erste Version ihrer VR-Brille Oculus Rift knapp 2,5 Millionen Dollar bei Kickstarter einsammelte, das 10fache ihres angestrebten Ziels. Das klingt nach einem Haufen Geld, von dem aber nicht allzu viel tatsächlich in die Entwicklung der VR-Technologie geflossen sein dürfte, denn Oculus hat hier im Wesentlichen tausende Development Kits samt VR-Brille für etwa 300 Dollar pro Stück in alle Welt verschickt. Inzwischen ist die zweite, wesentlich verbesserte Version des DevKits bei Oculus bestellbar, für 350 Dollar. Auch dieses ist ausdrücklich nicht für Endverbraucher gedacht.

Um die Weiterentwicklung der VR-Technologie zu bezahlen, holte man sich Risikokapitalgeber und Business Angels dazu. Im Juni 2013 stiegen Spark und Matrix ins Boot und brachten 18 Millionen Dollar mit, im Dezember kamen in einer zweiten Runde unter Beteiligung von Andreessen Horowitz 75 Millionen Dollar zusammen. Ja, das ist der Marc Andreessen, der Netscape mitbegründet hat, bei Skype und Twitter beteiligt ist und im Vorstand von Facebook sitzt. Tatsächlich saß er die letzten Monate in beiden Vorständen, sowohl bei Facebook als auch bei Oculus. Schließlich geben all diese Kapitalgeber ihr Kapital nicht einfach so. Sie erwarten etwas für das Risiko. Firmenanteile. Plätze im Vorstand.

„I have a boss now, I guess,“ says Oculus VR CEO Brendan Iribe. „The board.“
The Verge, Juni 2013

„We have more freedom to do what we want now that our investment partners are out of the picture.“
Palmer Luckey, 26. März 2014

Vor allem erwarten sie, dass sich ihre Investition lohnt. Und zwar so richtig. Sequoia etwa hat WhatsApp mit 58 Millionen Dollar unter die Arme gegriffen und dafür zwanzig Prozent der Firma erhalten. Dank der Übernahme durch Facebook sind die nun etwa 3,5 Milliarden Dollar wert. Der Einsatz hat sich versechzigfacht.

Im Videospielbereich läuft das genauso. Im November 2005 hat Elevation Bioware und Pandemic gekauft, sie zu einer Holding zusammengeschlossen und die Firmen massiv ausgebaut. Das Bioware-Studio in Texas wurde für die Arbeit an Star Wars: The Old Republic gegründet. Damals hieß es von Josh Resnick, einem der Gründer von Pandemic noch: „Some developers have chosen the path of selling to publishers, and that’s a viable path. We have specifically chosen not to go down that route because it was important for us to maintain our independence.“ Zwei Jahre später hat man den ganzen Laden an EA verkauft. Von Elevation hieß es nur: „We are proud to have partnered with the management teams of BioWare/Pandemic Studios and collectively created significant shareholder value during our ownership period.“

Insofern ist es nicht erstaunlich, dass Oculus verkauft wurde. Erstaunlich ist, an wen. Microsoft oder Google, Hardwarefirmen wie AMD oder Logitech, all das hätte ich verstanden. Aber Facebook?

Facebook ist bekannt dafür, vor allem Wert auf stetes Wachstum zu legen. Die Nutzerzahlen sollen steigen. Über die Benutzer und ihre Kontakte möchte man möglichst viel erfahren. Mit Facebook Connect trackt man auch über die Facebook-Webseite hinaus, welche Seiten Facebook-User im Internet ansurfen. Facebook Login ermöglicht es, sich bei Services von Dritten mit seinem Facebook-Account anzumelden. Solange man diese Services weiterhin benutzen möchte, wird man seinen Facebook-Account kaum wieder los. Kickstarter ermöglicht es glücklicherweise, den dortigen Account im Nachhinein wieder vom Facebook-Account zu trennen, ist damit aber die Ausnahme. Den Trend hin zu Smartphones verschläft Facebook fast, braucht lange, bis man halbwegs gelungene Apps auf den meistgenutzten Plattformen anbieten kann. Aus dem Hardwaregeschäft hält man sich bei Smartphones bewusst heraus. Der Versuch, Androidtelefone durch Facebook Home quasi komplett zu übernehmen, schlägt fehl. Facebook ist getrieben davon, dass Nächste Große Ding zu finden, bevor man selbst das nächste Myspace oder StudiVZ wird. Deshalb kauft man WhatsApp zu einem absurd hohen Preis. Man kauft vor allem die Nutzer und schließt gleichzeitig eine Lücke im eigenen Konzept, bei dem die Präsentation nach außen – allen seinen Freunden die Urlaubsfotos aus Island zu zeigen – bisher immer wichtiger war als die private Kommunikation untereinander. Man übernimmt Oculus. Weil VR das Nächste Große Ding sein könnte. Man kann nicht riskieren, das zu verschlafen.

Ihre Spielehistorie ist nicht besonders großartig. Facebook stellt ein Ökosystem für Apps zur Verfügung, das unter Anderem von Zynga, King und Popcap genutzt wird, und man scheut sich nicht, in dieser hauseigenen Arena auch mal die Regeln zu ändern, wenn das für das Hauptgeschäft und für das Wachstum der Userbase irgendwie besser ist. Entsprechend kauft Facebook Oculus wohl kaum für die Spiele.

„We believe Oculus will not only alter the gaming landscape but will redefine fundamental human experiences in areas like film, education, architecture, and design. Oculus is at the tip of the iceberg of its potential, and we’re incredibly excited to help them change the world.“
Marc Andreessen

„Immersive gaming will be the first, and Oculus already has big plans here that won’t be changing and we hope to accelerate. … But this is just the start. After games, we’re going to make Oculus a platform for many other experiences. Imagine enjoying a court side seat at a game, studying in a classroom of students and teachers all over the world or consulting with a doctor face-to-face — just by putting on goggles in your home.“
Mark Zuckerberg

Ich versuche, mir das vorzustellen, und ich finde nichts davon besonders toll. Das sind alles Dinge, die man besser im wirklichen Leben macht, weil keine virtuelle Realität die echte Erfahrung jemals wird ersetzen können. Besonders ängstigt mich das Beispiel mit dem Doktor. Wer es ernsthaft als Fortschritt empfindet, seinen Arzt nur virtuell zu sehen, war in seinem Leben wohl noch nie ernstlich krank.

Mit der VR-Brille fremde Welten zu erforschen und durch Skyrim oder Minecraft zu laufen, als wäre ich mittendrin – das ist es, was ich will. Bei Zuckerberg klingt es eher nach: Lasst uns schnell die Sache mit den Spielen erledigen, damit wir uns den wirklich wichtigen Dingen widmen können.

Wie geht es Second Life eigentlich so?

„Mobile is the platform of today, and now we’re also getting ready for the platforms of tomorrow. Oculus has the chance to create the most social platform ever.“
Mark Zuckerberg

Zuckerberg said Facebook intends to let Oculus continue with its roadmap of development but help out with recruiting, marketing, infrastructure and opening doors to new partnerships. He said he intends not to make a profit on hardware but instead make the product affordable and ubiquitous so Facebook can look at generating revenue from services, software, advertising, virtual goods or other areas.
Associated Press

Das ist der springende Punkt. In den offiziellen Äußerungen seitens Oculus ist immer wieder die Rede von „partnership“, aber wenn ein „Partner“ den anderen komplett aufkauft, kann von einer Partnerschaft keine Rede sein. Auch wenn man bei Facebook heute beteuert, man wolle Oculus unbehelligt weiterwerkeln lassen, ist man in keiner Weise verpflichtet, sich daran langfristig zu halten. Oculus ist nun Facebook, ob es vorerst seinen Namen behält oder nicht. Wenn man sich eine Oculus Rift kauft, kauft man Hardware von Facebook.

Es wird interessant zu sehen, ob Facebook wirklich Hardware an Endverbraucher verkaufen wird, die nicht zwingend einen Login bei Facebook voraussetzt. Ich glaube nicht daran. Wenn man Geld mit Services und Advertising verdienen will, geht es kaum ohne.

Reine Spekulation: Man könnte auch noch einen Schritt weiter gehen und Software für die Rift ausschließlich über einen eigenen Facebook App Store vertreiben. Das würde der bisherigen Offenheit von Oculus völlig entgegenstehen, aber dann könnte man möglicherweise sogar im Steam-Territorium wildern.

Klar ist jedenfalls, dass Facebook Oculus nur so lange unbehelligt lassen wird, wie deren VR-Technologie Nutzen für die Services verspricht, die Facebooks Hauptgeschäftsfeld sind. Sobald es dort zu einem Interessenkonflikt kommt, hätte Facebooks Kerngeschäft natürlich immer Vorrang. Alles andere wäre einfach dumm.

Noch nach der ersten Risikoinvestment-Runde im letzten Juni erzählte man bei Oculus, man wolle weiter eine unabhängige Firma bleiben und nicht an einen großen Fisch wie Sony verkaufen. Seit Project Morpheus wissen wir, dass Sony Oculus auch gar nicht braucht. Bis gestern fand ich Morpheus zwar nett, war mir aber sicher, eher eine PC-basierte Rift zu kaufen. Schon wegen der benötigten Hardwarepower, um die Bilder für die VR-Brille zu liefern. Heute bin ich froh, dass es Konkurrenz geben wird.


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15 Kommentare

  1. Zwerg-im-Bikini - 27.03.2014 21:37

    Ich bin sehr gespannt, was da auf uns zu kommt. Wirklich eine verrückte Meldung… Aber noch habe ich eher das Gefühl, dass das alles einfach nur versanden wird. Außer Geld fällt mir nichts ein, was Facebook zu bieten hat, was zu Oculus passt. Und wenn ich daran denke, dass sie über Jahre nicht mal anständige Bildergalerien hinbekommen haben, und wie verbugt Facebook insgesamt ist, habe ich Angst davor, wie sehr sie erst schlampen könnten, wenn es um eigene Hardware geht. Mir fällt zu wenig ein, was Facebook in den letzten Jahren an beeindruckenden Neuerungen zu bieten hatte. Es funktioniert immer noch hervorragend als soziales Netzwerk, aber es entwickelt sich nicht deutlich weiter. Deshalb klingt für mich „Facebook ist getrieben davon, dass Nächste Große Ding zu finden, bevor man selbst das nächste Myspace oder StudiVZ wird.“ sehr naheliegend.

    Aber nur mal so aus Lust am Rumspinnen: Die Sache mit dem Arztbesuch fände ich gar nicht sooo schlecht :D. Zumindest wenn ich an die Zeit denke, als ich noch ein Attest für Fehltage gebraucht habe. Wenn ich eine normale Erkältung oder einen verdorbenen Magen habe, will ich deswegen nicht über eine Stunde im Wartezimmer zwischen anderen Leuten mit Wehwehchen ausharren müssen. Solche Arztbesuche könnte man sich dann schenken, weil man sie nur für das Attest absolviert und sich hinterher schlechter fühlt, als wäre man im Bett geblieben. Aber so weit wird es sowieso nie kommen (denke ich zumindest).
    Was Sportverantsaltungen, Konzerte, usw. angeht… gibt es dafür eine Zielgruppe? Wenn ich die Atmosphäre will, gehe ich doch selber hin. Und wenn ich die perfekte Sicht und den Überblick will, möchte ich keine Hände anderer Fans vor mir herumfuchteln sehen, sondern eine ordentlich abgefilmte Version. Vielleicht irre ich mich, und es gibt wirklich die Gruppe dazwischen, die das gerne per VR erleben möchten. Aber so richtig vorstellen kann ich es mir noch nicht.

    Aber wie gesagt: Gespannt bin ich trotzdem, einfach aus Prinzip. :)

  2. Hazamel - 28.03.2014 08:03

    Ich glaube, die Panik und der Hype sind schlicht und ergreifend übertrieben.
    Bei Instagram hat sich nach der Übernahme von Facebook, zumindest für den Nutzer, nichts geändert.
    Nach allem was ich bis jetzt gelesen habe, denke ich dass facebook einfach schneller sein wollte als die anderen Großen. Bei Apple hätte man wahrscheinlich geschriehen, dass sie sich nur das Patent sichern wollen und sofort spekuliert, wie cool die Brille wird. Bei Goolge hätte man gesagt, dass sie die Konkurrenz aufkaufen wollen.
    Und ohne der Spiele-Ecke zu nahe treten zu wollen: That’s business!
    Bei den meisten Kommentaren höre ich immer wieder raus „Aber ich hab mich so auf die Oculus gefreut, aber jetzt wo sie Facebook gehört, will ich sie nicht mehr“.
    Blödsinn in meinen Augen. Oculus hat durch die Übernahme von Facebook vor allem zwei Sachen dazugewonnen: Nahezu endloses Kapital im Rücken und die gesamte Infrastruktur von Facebook. Was kann einem denn besseres passieren, wenn man ein neues Produkt verkaufen will als eine Firma, die viel Know-How im Bereich Werbung hat und dazu noch Geld abdrückt, dass man zu ihnen gehört.
    Und, auch da möchte ich niemandem zu nahe treten, ist das im IT-Bereich einfach normal Know-How einzukaufen. Microsoft hat das mit der Smartwatch am gleichen Tag auch getan.
    Warum denn fähige Mitarbeiter abwerben wenn man den ganzen Laden kaufen kann?
    Google hat Motorola natürlich auch nur gekauft, weil sie selber tolle Telefone machen wollten… oder das eben einfach ein günstiger Weg war an die zahlreichen Patente zu kommen, wie man jetzt beim Verkauf von Motorola ja gesehen hat.
    Bei vielen kleineren Firmen geschieht das wahrscheinlich tagtäglich, dass man auf einmal nicht mehr selbstständig ist, sondern IBM, Adobe oder sonstwem gehört. Nur bekommt es da eben kaum jemand mit…

  3. SpielerZwei - 28.03.2014 10:42

    Die Frage, inwiefern Oculus in Zuckerbergs Portfolio passt, finde ich gar nicht so wichtig. Warum forschen Leute bei Google nach der Verlängerung des Lebens?!?!
    Die wollen sich als Riesen-Konzerne einfach nur gerne breit aufstellen, was gar nicht mal dumm ist, sofern die Kriegskasse das ohne weiteres her gibt. Ob sich der Kauf wirklich auf Oculus und die Spielewelt auswirkt, wird man sehen. Ich persönlich glaube gar nicht mal, dass das in nächster Zeit irgendwie eine Rolle spielen wird…

  4. Chris - 28.03.2014 14:00

    @ZiB: Also praktische Anwendungsmöglichkeiten fallen mir schon ein. Wie cool wäre es, durch das eigene Haus latschen zu können, noch bevor man es baut, anstatt nur auf dem Grundriss Papierschnipsel hin und her zu schieben, die die Möbel symbolisieren? Geht über den Gaming-Bereich klar hinaus. Nur seh ich auch da nicht, wie das zu Facebook passt… bei Arztbesuchen schon gleich gar nicht. Was geht Facebook meine Krankenakte an?

    @Hazamel: Viel Richtiges dran an dem, was du sagst. Dass Oculus aufgekauft wird, war ja spätestens seit den Investmentrunden im letzten Jahr klar. Auf diese Weise kriegen die Risikoinvestoren ihr Geld wieder rein. Die arbeiten so. Völlig klar.

    Mich kotzt nur an, dass es ausgerechnet Facebook ist. Deren Geschichte hinsichtlich Datenschutz und Privatsphäre ihrer Nutzer ist erbärmlich. Facebook Connect habe ich ja schon genannt, aber auch die Änderungen an den Nutzungsbedingungen vor ein paar Jahren, die unangekündigte Einführung von Facial Recognition, die Änderungen an der Developer API, durch die 2011 kurzzeitig Adressen und Telefonnummern von außen abrufbar waren, das Sicherheitsloch, durch das im gleichen Jahr persönliche Daten von Millionen von Nutzern an Werbefirmen weitergereicht wurden… Facebook ist rücksichtslos und für mein Empfinden in den letzten Jahren einfach ein paar Mal zu oft zu verantwortungslos mit den Daten seiner Nutzer umgegangen. Immer erstmal freigeben und dann eventuell wieder blocken, falls der Protest zu groß wird.

    Fabian Scherschel hat das nach dem WhatsApp-Kauf in der c’t sehr gut zusammengefasst:

    Mangelnde Sicherheit und Datenschutz reichten bis jetzt .. nie als Argument aus, beim munteren Gruppenkuscheln [auf WhatsApp] nicht mitzumachen. Auch die über Monate nicht geschlossenen Sicherheitslücken, die es Angreifern erlaubten, Accounts von Nutzern zu übernehmen, interessierten niemanden. …

    Was also war nötig, um die erste große Abwanderungswelle bei WhatsApp auszulösen? … Auslöser war die Übernahme der Datenschutz-Dilettanten durch einen Technologieriesen, der einen noch schlechteren Ruf hat. …Die durch die Nachricht von der Hochzeit mit Zuckerbergs Datenimperium losgetretene Massenempörung sagt aber viel mehr über Facebook aus als über WhatsApp. … Facebook rettet nur, dass sich keine Alternative etablieren konnte, die datenschutzmäßig nicht wenigstens genauso bedenklich ist.

    Eine Sache noch:

    Was kann einem denn besseres passieren, wenn man ein neues Produkt verkaufen will als eine Firma, die viel Know-How im Bereich Werbung hat und dazu noch Geld abdrückt, dass man zu ihnen gehört.

    Das kann ich dir sagen: Eine Firma, die auch nur einen Hauch einer Ahnung davon hat, wie man Hardware baut und eventuell auch schon die entsprechenden Kontakte zu Auftragsfertigern hat.

    @S2: Du glaubst nicht, dass die Übernahme eine Rolle spielen wird? Oder dass VR überhaupt in nächster Zeit eine Rolle spielen wird?

  5. SpielerZwei - 28.03.2014 15:56

    Oh, VR und AR werden in Zukunft sicher eine immer wichtigere Rolle spielen. Ich meinte nur, dass ich in nächster Zeit keine große Änderung der Ausrichtung von Oculus erwarte. Primär wird es jetzt weiterhin primär um (PC- & Konsolen-)Spiele gehen. Der virtuelle Zahnarztbesuch kommt vielleicht später als Abfallprodukt. Eine Änderung dahingehend, dass Oculus jetzt nur noch in Richtung Facebook-Integration arbeiten wird, sehe ich erstmal nicht.

  6. Chris - 28.03.2014 16:52

    Ja, wahrscheinlich wird’s auch kurzfristig eher noch besser. Palmer Luckey so:

    1) We can make custom hardware, not rely on the scraps of the mobile phone industry. That is insanely expensive, think hundreds of millions of dollars. More news soon.
    2) We can afford to hire everyone we need, the best people that fit into our culture of excellence in all aspects.

    Ich kauf bloß keine Facebook-Hardware. Fertig. Und das sage ich im vollen Bewusstsein der Tatsache, dass der Euro Truck Simulator 2 per Patch gerade Oculus-Rift-Unterstützung bekommen hat. Argh!!!

  7. Chris - 28.03.2014 17:07

    CliffyB übrigens so:

    Notch, your cancelling Minecraft makes you look like a pouty kid who is taking his ball and going home. It’s a bratty and petty move and it saddens me greatly.

    Palmer Luckey hat da selbst auch noch was zu zu sagen.

    Ich find das sehr erstaunlich. Minecraft ist Notchs Spiel und was er damit macht oder auch nicht macht, absolut seine Sache. Sind wir jetzt schon so weit, dass man Indie-Entwickler beleidigt, weil sie nicht mit Facebook zusammenarbeiten wollen? Echt jetzt?

  8. SpielerZwei - 28.03.2014 18:11

    Hmm, schwierig…
    Ich finde Facebook ja auch ober-scheiße, aber ob ich deshalb auf Oculus Rift verzichten will…?
    Du hast ja auch keinen Blizzard-Boykott gestartet, nur weil Bobby Kotick ein Unsympath ist, oder? Und Coke trinkst Du bestimmt auch immer noch…

  9. Le Don - 28.03.2014 21:19

    Ich denke, bei Bleszinskis‘ Äußerungen zu Notch ist es wichtig, diese im Kontext des gesamten Blogeintrags zu lesen. Denn er spricht Internet-Memes an und befasst sich mit diesen „Vorturteilen,“ die die Gamer gegen die Investition von Facebook haben. Den Kommenrar in Richtung Notch habe ich dann auch nicht als Angriff, sondern tatsächlich als Enttäuschung darüber gelesen, dass Notch eine Kurzschluß-Reaktion haben mag.

    Ich für mein Teil sehe das ähnlich wie SpielerZwei, Hamazel und eben auch Bleszinski. Denn Facebook haben zunächst nur in das Gerät investiert, aber ich behaupte, spürbar wird sich nichts für uns ändern. Wir werden nicht plötzlich lauter Facebook-Ads und all den ganzen Network-Bullshit in den Spielen haben. Rein von der Entwicklung wüßte ich auch nicht, was die Facebook-Fritzen, die primär „nur“ an einer Webanwendung wie Facebook arbeiten, neben Personen wie Carmack sollen und denke mir, besonders dieser Bereich wird unangetastet bleiben. Die werden wahrscheinlich dort unter den Armen greifen, wo es dem Occulus-Team mangelt und dann an dem Erfolg mitverdienen.

  10. Hazamel - 28.03.2014 21:28

    @Chris:

    Klar ist es doof, dass es Facebook ist. Aber dummerweise kommen da auch zwei Dinge zusammen: Geld wie Heu und den größten Leidensdruck wenn es darum geht sich anderweitig umzuschauen. Die wissen selber wie es um ihre Plattform bestellt ist und ich rechne fast schon damit, dass sich das ganze á la Google zu einem sehr breit gefächerten Service entwickeln wird.
    Ich sehe auch nicht kommen, dass sie in ihrem Hauptgeschäft irgendwas mit der Oculus anstellen wollen.
    Notchs Vision vom virtuellen Wohnzimmer habe ich lächelnd zur Kenntnis genommen und mich mal kurz an den brachialen, anhaltenden Erfolg von Second Life erinnert. Bevor ich mich mit einer VR-Brille auf’s Sofa setze um Freunde und Bekannte zu sehen, verabrede ich mich dann doch lieber ganz Old-School auf nen Kaffee.
    Das hat der Kommentar bei heise schon ziemlich ins Schwarze getroffen: So lange da keine Haptik emuliert wird, ist es ein besserer Videochat. Und da kann ich dann auch gleich bei Skype und Co bleiben.
    Für mich bleibt es vor allem aktuell eine breitgefächerte Überreaktion der Gamerwelt. Am ehesten verstehe ich da noch die Leute, die über Kickstarter investiert haben.

  11. Chris - 29.03.2014 01:09

    @S2: Naja, mal gucken, wie das Produkt für Endverbraucher letztendlich aussehen und ob und wie Facebook da drinhängen wird. Was Blizzard-Boykott angeht: Pass auf, sonst zück ich die Reaper-of-Souls-Karte. ;)

    @Le Don:

    Ich denke, bei Bleszinskis’ Äußerungen zu Notch ist es wichtig, diese im Kontext des gesamten Blogeintrags zu lesen.

    Ohweia…! Nein, es ist wichtig, die im Kontext der Person Bleszinski zu sehen! CliffyB hat viel Geld in Oculus investiert, noch bevor überhaupt die Kickstarter-Aktion über die Bühne ging. Der verdient an der Übernahme massiv Geld und verteidigt sein Investment, um nichts anderes geht es in diesem Blogpost.

    Es kann natürlich nur ein Kurzschluss sein, wenn ein Indieentwickler nicht mit Facebook zusammenarbeiten will… Anfang der Woche hätte man das noch für selbstverständlich gehalten.

    Denn Facebook haben zunächst nur in das Gerät investiert…

    Soweit ich das mitbekommen habe, haben die nicht in das Gerät oder in Oculus als Firma investiert, die haben die komplette Firma gekauft. Und das bedeutet, die können mit der Firma machen, was sie wollen. Ob sie das auch tun, ist ne andere Frage.

    Die werden wahrscheinlich dort unter den Armen greifen, wo es dem Occulus-Team mangelt und dann an dem Erfolg mitverdienen.

    Und wie verdienen sie an dem Erfolg mit, wenn Zuckerberg explizit erklärt, sie würden nicht an der Hardware verdienen wollen? Wie dann? Google verschenkt Android, damit sie über die Plattform werben können. Sony verkauft die PlayStations praktisch zum Selbstkostenpreis, weil sie an den Spielen verdienen. Wenn Facebook nicht an der Hardware verdienen will, woran verdienen die dann? Wenn sie keine Werbung schalten und die Geräte nicht irgendwie an Facebook binden, wie verdienen sie? Der Zuckerberg ist doch nicht komplett bescheuert, der macht das doch nicht, um uns allen Gutes zu tun. Verdienen will der an „services, software, advertising, virtual goods“. Sagt er selbst.

    @Hazamel:

    Notchs Vision vom virtuellen Wohnzimmer habe ich lächelnd zur Kenntnis genommen.

    Notch hat das gesagt? Kann ich gerade nicht einordnen.

    Das hat der Kommentar bei heise schon ziemlich ins Schwarze getroffen: So lange da keine Haptik emuliert wird, ist es ein besserer Videochat.

    Den Heise-Kommentar zu Haptik und Videochat kenne ich auch nicht. Hast du zu den beiden Sachen Links?

    Am ehesten verstehe ich da noch die Leute, die über Kickstarter investiert haben.

    Okay, sie verdienen nicht an der Übernahme, im Gegensatz zu vielen anderen, die später Geld auf anderen Wegen in die Firma investiert haben. Und natürlich geben viele Leute auch deshalb Geld bei Kickstarter, um denen, die dort Projekte einstellen, ihre Unabhängigkeit zu ermöglichen. Scheiße, wenn die gar keine Unabhängigkeit wollen.

    Ganz dickes Aber: Von 2,4 Millionen entwickelst du keine solche Brille und stellst den Vertrieb für eine Consumer-Version auf die Beine. Den Kickstartern wird eine Gegenleistung für ihre Spende versprochen, und die haben sie im Falle von Oculus Rift auch erhalten. Wenn man dort 300$ für ein DevKit samt Brille bezahlt hat, ist die Sache doch gelaufen. Kann man sich dann noch aufregen und sein Geld zurückverlangen? Man kriegt bei Kickstarter halt kein Mitspracherecht, keine Firmenbeteiligung, gar nichts.

    Hoffentlich lernen Leute daraus… Man riskiert bei Kickstarter schon relativ viel. Wenn das Projekt baden geht, bekommt man überhaupt nichts. Und wenn es so richtig erfolgreich sein sollte, bekommt man trotzdem „nur“ die versprochenen Prämien und keinen Bonus dafür, dass man schon an das Projekt glaubte, als das noch keine Bank und kein Risikoinvestor tat. Die hätten beide auch weit mehr Gegenleistung verlangt.

    „I did not chip in ten grand to seed a first investment round to build value for a Facebook acquisition.“
    Notch

  12. Chris - 29.03.2014 01:34

    Es lohnt sich übrigens, dass CliffyB-Ding SEHR genau zu lesen:

    More importantly, they needed an ecosystem. IF their system is going to be (hopefully) a dedicated system instead of a (ugh) peripheral they need their version of whatever the app store would be. …Facebook can assist with this sort of thing, as well as having a multi billion user reach.

    Das ist genau das Facebook-App-Store-Ding, das ich oben an die Wand gemalt habe.

    Der Widerspruch zwischen Plattform und Peripheriegerät deckt sich absolut mit dem, was Facebook und Zuckerberg erzählen, da ist durchgängig die Rede von der „Plattform“ nach Mobile. Mit der Plattform meint der langfristig sicher nicht den PC. Der meint die VR-Brille als eigenständiges Gerät. Sicher, die ersten Versionen als Peripherie für Gamer mit leistungsstarken PCs. Danach, mal sehen…

    Erstmal die Nutzerzahlen aufzubauen und danach die Daumenschrauben anzuziehen, klingt schon ziemlich gewaltig nach Facebook.

    (Jaja, ich weiß, ich sollte mich in Kassandra umbenennen.)

  13. Le Don - 29.03.2014 15:13

    Es kann natürlich nur ein Kurzschluss sein, wenn ein Indieentwickler nicht mit Facebook zusammenarbeiten will… Anfang der Woche hätte man das noch für selbstverständlich gehalten.

    Das wollte ich nun auch nicht gesagt haben ;), zumal ich lediglich auch nur vermuten kann, warum Cliff den Notch anpackt.

    Aber inwiefern wäre es eigentlich selbstverständlich gewesen, als Spieleentwickler eine Zusammenarbeit mit Facebook abzulehnen? Da Notch bisher auch Steam gemieden hat, wird ihn die bloße Datenkrakelei abschrecken, aber im Gegensatz zu Steam (oder Origin, UPlay und so weiter) haben wir ja jetzt konkrett noch gar nichts und wissen überhaupt nicht, inwiefern es überhaupt weitergehen wird. In dem Sinne finde ich es tatsächlich schade von Notch, dass er im Vornerein nur ablehnt und scheinbar nichts unternimmt, um den Spielezweig von Oculus zu unterstützen. Denn waren sollten Facebook dann auch das Produkt weiterhin in dieser Richtung entwicklen lassen, wenn sämtliche Entwickler sofort abspringen? Klar, das soll nun nicht jegliche Bedenken aus den Weg räumen, die man durchaus gerechtfertigt gegen Facebook haben mag, aber kategorisch ablehnen halte ich da auch nicht für den richtigen Weg.

    Bisher ist es nicht so, als hätte Facebook irgendwelche Spiele-Projekte oder -Entwickler quasi kaputt gemacht – wüßte ich zumindest nichts konkrettes. Da steht Notch mit Mircosoft aber auch nicht besser da.

    Soweit ich das mitbekommen habe, haben die nicht in das Gerät oder in Oculus als Firma investiert, die haben die komplette Firma gekauft.

    Klar. Aber ich spreche von Facebook als Investor, weil ich die in der Anfangsphase auch nur in dieser Funktion sehe. Also um das nochmal konkret zu sagen: Ich sehe in Oculus kein zweites Rare. Da wäre es sonst auch interessant zu wissen, wie die Entwickler an dem Projekt gebunden sind oder wie die Entwickler dazu stehen und bereit wären, noch immer an Oculus zu arbeiten, wenn der gesamte Betriebt in den „Facebook-Modus“ schalten würde. Bisher scheint jedenfalls niemand abgehen zu wollen (oder können) und Valve-Entwickler Michael Abrash ist jetzt auch noch rüber gewechselt.

    In dem Sinne dann auch:

    Und wie verdienen sie an dem Erfolg mit, wenn Zuckerberg explizit erklärt, sie würden nicht an der Hardware verdienen wollen? Wie dann?

    Jedenfalls nicht, in dem sie den Laden kaputt machen und alles wegnehmen, wofür Oculus bisher stand. Facebook wollen mit dem Produkt noch weiter gehen und da werden sie dann verdienen wollen. Wie das aussehen wird, kann ich auch nicht sagen, aber ich halte die Urteile generell noch viel zu verfrüht. Konkrett wissen wir nämlich überhaupt noch nicht, was da auf uns zukommen wird. Der Zuckerberg fasselt da etwas von virtuellen Arztbesuchen, was für mich auch schon sehr strange klingt, aber mei, lassen wir denn mal labbern, bis die ersten handfesten Sachen kommen.

  14. Chris - 30.03.2014 13:46

    Aber inwiefern wäre es eigentlich selbstverständlich gewesen, als Spieleentwickler eine Zusammenarbeit mit Facebook abzulehnen?…Bisher ist es nicht so, als hätte Facebook irgendwelche Spiele-Projekte oder -Entwickler quasi kaputt gemacht – wüßte ich zumindest nichts konkretes.

    Okay, „selbstverständlich“ ist übertrieben. Ich bezog mich darauf, was es auf ihrer aktuellen Plattform an Spielen gibt und wie Facebook in der Vergangenheit mit dieser Plattform umgegangen ist. Nicht, dass ich Mitleid mit Zynga hätte, aber die Einführung von Facebook Credits 2011 war schon ein Schlag. Vorher hat sich Facebook um das Bezahlsystem überhaupt nicht gekümmert und plötzlich musste alles über Facebook Credits laufen, mit 30% Umsatzbeteiligung für Facebook. Inzwischen sind Facebook Credits längst wieder Geschichte.

    Das als einzelnes Beispiel. Für sich genommen alles nicht schlimm, aber Notch hat schon Recht, wenn er sagt: „they haven’t historically been a stable platform.“

    Ihr habt natürlich Recht: Erstmal abwarten und Tee trinken.

    Mein Problem ist nur, selbst wenn die Rift bei Markteinführung unheimlich attraktiv sein sollte, man will so eine Brille dann natürlich auch ein paar Jahre und in diversen Spielen einsetzen. Das Vertrauen, dass das Ökosystem darum herum dann Jahre stabil bleibt, hab ich persönlich bei Facebook nicht, weil das schlicht nicht ihre Art ist. Ihre Art ist, sobald sie die nötigen Nutzerzahlen haben, Dinge durchzusetzen, die sie vom Start weg nie hätten machen können.

    Deshalb hinken SpielerZweis Vergleiche oben auch etwas: Ich kann morgen aufhören, Coke zu trinken. Von Activision kaufe ich einzelne Blizzard-Spiele und Skylanders, aber ich persönlich kaufe und erwarte da keine dauerhafte Plattform. Vergleichen kann man die Rift nur mit Anschaffungen, bei denen man tatsächlich auch selbst in eine Plattform „investiert“. Und ich für meinen Teil reagiere da genauso. Eine Xbox One kommt mir nicht ins Haus. Wegen der Ankündigungen letztes Jahr, auch wenn vieles davon revidiert und in der Praxis gar nicht umgesetzt wurde. Ich hätte da – und auch bei der Rift – das Gefühl, mir ein trojanisches Pferd ins Haus zu holen. Ich befürchte, dass sie die Daumenschrauben anziehen, sobald ihre Plattform erstmal die nötigen Nutzerzahlen hat und sich im Markt platziert hat. Bei Facebook noch viel mehr als bei Microsoft.

    Bisher scheint jedenfalls niemand abgehen zu wollen (oder können) und Valve-Entwickler Michael Abrash ist jetzt auch noch rüber gewechselt.

    Jetzt abzugehen wär ja auch blöd. Alle, die bisher in der Firma sind, hatten Firmenbeteiligungen. Abrash ist ein guter Fang, keine Frage. Wenn er mal wieder Sachen sagt wie „We’re on the cusp of what I think is not The Next Big Platform, but rather simply The Final Platform – the platform to end all platforms“, dann wird mir aber auch anders, ehrlich gesagt…

    Okay, ich trinke dann mal meinen Tee und warte ab.

  15. Le Don - 30.03.2014 16:41

    Okay, gut, da ist es dann auch verständlicher, wenn man gewisse Bauchschmerzen bei dem Engagement von Facebook verspürt.

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