Urlaubszeit ist Handheld-Zeit!

Viele von Euch denken vermutlich, dass sich SpielerZwei im Sommer schwarzgewandet in seinem Spiele-Dungeon vor der Sonne verkriecht und draußen höchstens mal wie ein Ninja von Schatten zu Schatten springt, wenn es gar nicht anders geht. Aber weit gefehlt! Auch bei Sonne verlasse ich manchmal das Haus. Mindestens einmal im Jahr geht es sogar in die Türkei, um die Schwiegermutter zu besuchen (und dort bei 35 bis 40°C von Schatten zu Schatten zu springen und die immer gleiche Frage zu beantworten, warum ich denn bei dem Wetter ausgerechnet schwarz tragen würde). Das schnuckelige Akbük hat den Vorteil, dass dort keine anderen deutschen Urlauber anzutreffen sind. Dort machen in erster Linie Türken Urlaub. Aber leider auch einige Briten, die in der Regel auch nicht angenehmer als deutsche Urlauber sind.

Mein Highlight war dieses Jahr eine Bootstour entlang der Ägäis-Bucht, an der das Örtchen liegt. Kann ich absolut empfehlen! Gut, man sollte schon mit den sieben Stunden Türk-Pop-Dauerbeschallung in Disko-Lautstärke klarkommen. Aber dafür entschädigen einen die 59jährigen Britinnen mit einer 1A-Bauchtanzvorstellung, die primär davon lebt, dass sie viel Bauch und noch mehr Po haben, die sie wackeln lassen können. Man sollte allerdings keine Tendenz zur Seekrankheit haben, weil das Boot, trotz seiner stattlichen Größe, dadurch stark ins Schwanken gerät. Aber immer wenn ich dachte, gleich kentern wir und enden als Sommerlochschlagzeile in der nächsten BILD, beruhigte sich das Schaukeln wieder, weil die Damen gelegentlich Pause machten, um die Mannschaft nach allen Regeln der Kunst anzuflirten. Das Treiben schlug mich derart in seinen Bann, dass ich die ganzen sieben Stunden nicht einmal den eigens mitgeführten 3DS aus dem Rucksack nahm…

Da ich zuhause fast nie dazu komme, mit dem 3DS zu spielen, ist für mich Urlaubszeit immer auch Handheld-Zeit. Dafür hole ich mir dann eigens ein paar „Urlaubs-Titel“. Dieses Jahr waren das Tomodachi Life und Kirby Tripel Deluxe.

Akbük-Tomodachi-Header

Zu ersterem hätte ich auch eine schöne Überleitung von den bauchtanzenden Britinnen auf dem Ausflugsboot gehabt, aber Ihr wisst ja, wie vorsichtig man heutzutage sein muss, wenn man nicht sofort einen Shitstorm in den Kommentaren auslösen will. Anyway, im Grunde hat ZiB ja kürzlich schon alles Wissenswerte zu Tomodachi Life geschrieben. Ich wusste also genau, was ich zu erwarten hatte, und genau das habe ich auch bekommen: Die skurrile Mischung aus Animal Crossing, The Sims und Tamagotchi ist für ein paar Stunden wirklich witzig, verliert aber aufgrund der geringen Interaktionsmöglichkeiten auch relativ schnell wieder seinen Reiz. Viel mehr als Essen, Kleidung, Möbel und dergleichen zu kaufen und diesen Krempel dann den Mii-Einwohnern zu geben, um zu sehen, was sie damit anstellen, ist nicht drin. Das erinnert mehr an ein japanisches Big Brother als an ein richtiges Spiel.

Interessant war jedoch, dass mein 7jähriger Sohn total auf Tomodachi Life abgefahren ist, als ich das Interesse schon lange wieder verloren hatte. Vermutlich weil es sich so gut mit seinen aktuellen Interessen deckt: Vom eigenen Taschengeld unnütze Sachen einkaufen, sich über die gleichen Gags auch beim zehnten Mal noch komplett totzulachen und, tja, so langsam wird auch dieses „Mädchen-Junge-Ding“ immer interessanter. Daher hat es ihm besonders Spaß gemacht, die Beziehungen der Miis zu beobachten. Dass die Miis von Papa und Mama nur auf eine Liebeswahrscheinlichkeit von knapp 30% kommen, hat er uns beispielsweise den ganzen Urlaub lang immer wieder unter die Nase gerieben. Ebenso wie die Tatsache, dass das Mii meiner Frau lieber eine Beziehung mit dem Mii eines Kumpels von mir einging, als sich mit meinem Avatar abzugeben (, was ich übrigens bei nächster Gelegenheit auch dessen Freundin erzählen muss. Mal sehen, wie lustig sie das findet…).

Auf jeden Fall habe ich das Potenzial von Tomodachi Life für einen Erstklässler unterschätzt, der gar nicht weiß was ein Tamagotchi ist und auch noch nie The Sims oder Animal Crossing gespielt hat. Ich warne allerdings davor, hieraus eine allgemeine Empfehlung abzuleiten, denn ich bezweifle, dass „normale“ Kinder in dem Alter viel mit dem speziellen Humor des „Spiels“ anfangen können. Unser Kurzer ist selbstverständlich nicht normal, weil er sein ganzes bisheriges Leben mit jemandem wie mir verbracht hat…

Akbük-Kirby-Header

Da Tomodachi Life wie erwartet nur als Pausenfüller taugte (es war quasi mein Ersatz für das unhöfliche Smartphone-Herumgespiele der anderen Erwachsenen), war ich froh, noch ein richtiges Spiel für den Urlaub gekauft zu haben. Und was für eines! Kirby Triple Deluxe ist im Kern zwar „nur“ ein ultra-klassisches 2D-Jump’n’Run, besticht aber durch so unglaublich viele Ideen und einen immensen Abwechslungsreichtum, dass ich es trotz des ordentlichen Umfangs ziemlich schnell durchgespielt hatte. Das ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass die Kirby-Spiele nie wirklich Nintendo-Hart sind. Es ist zwar nicht so kinderleicht wie Kirby’s Epic Yarn und wer wirklich komplett alle Sterne im Spiel finden will, hat sich aufgrund des cleveren Level-Designs mit all seinen Secrets auch einiges vorgenommen, aber im Grunde kann man es als halbwegs geübter Spieler recht geschmeidig wegspielen. Und genau das hat mir neben dem hohen Grad an Design-Polishing besonders gut gefallen, da ich die klassischen Mario-2D-J’n’Rs, mit ihrer gnadenlosen Forderung nach absoluter Steuerungspräzision und Level-Kenntnis, noch nie so richtig mochte. Kirby Triple Deluxe ist ein sehr kompetentes, sehr schönes und extrem poliertes Feel-Good-Spiel, an dem es rein gar nichts zu bekritteln gibt.

Gerade kommt mir noch der Gedanke, was Kirby wohl für eine Spezialfähigkeit absorbieren würde, wenn er die bauchtanzenden Britinnen auf unserem Ausflugsboot eingesaugt hätte? Immerhin besitzt Kirby in etwa die gleiche Figur wie besagte Damen, nur dass er statt sonnengegerbter Lederhandtaschenhaut einen schweinchenrosa Teint hat. Das naheliegendste wäre natürlich ein nicht-konterbarer „Bauchtanz des Todes“-Move. Aber vielleicht würde er die Gegner auch gar nicht mit einem beherzten Hüftschwung aus dem Bildschirm pfeffern, sondern sie einfach mit einem kernigen „HOPPA!!!“ davonbrüllen? Dieses gnadenlose „HOPPA!!!“, das ich vorher immer für einen griechischen Sirtaki-Ausruf hielt und welches mir auch noch Tage nach der Bootstour immer noch in den Ohren schallte…


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2 Kommentare

  1. Boogie - 29.07.2014 15:19

    Cooler Artikel.
    Hat mir Spaß gemacht ihn zu lesen.

  2. Pingback: Polyreuxblick 2014 | Polyneux

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