Sieben auf einen Streich

Wer sagt, dass große Blockbuster mit millionenschweren Budgets und Hunderten von fleißigen Helferlein, die hinter den Kulissen an Fäden gezogen und diese zusammengeklöppelt haben, immer auch mit großen Reviews belohnt werden sollten? Oftmals steht die abgelieferte Qualität eines vorgeblichen Triple-A-Titels nicht einmal annähernd in einem gesunden Verhältnis zum drumherum stattfindenden Marketing-Brimborium. Statt tatsächlich anständiges Gameplay zu bieten, wird lieber die Hype-Sau über den Marktplatz getrieben, dermaßen bedruckt mit lauter bunten Versprechungen und markigen Werbesprüchen, dass selbst die Milka-Kuh vor Neid ganz blass-blau anläuft. Das Ergebnis in Form des fertigen Produktes enttäuscht indes leider viel zu oft, was große Magazine trotzdem nicht davon abhält, die geballte Langeweile auf 6-8 Seiten groß auszurollen und abzufeiern.

Dass in diesem Zirkus die wahren Perlen schonmal häufiger untergehen – geschenkt. Manchmal bedarf es auch gar keiner großen Worte mehr, um ein zweifelsohne gutes bis überragendes Spiel zu genießen oder abzuhandeln. Im Idealfall sprechen solche Titel sowieso besser für sich. Ich hatte in den letzten Wochen genügend Zeit, mich sowohl mit einigen der besonders gehypten Blockbuster der letzten Wochen und Monate zu beschäftigen, als auch mit einigen Titeln, die zwar namentlich ebenfalls prominent sind, im Schatten der Veröffentlichungen von Fallout 3, Prince of Persia etc. aber vielleicht ein wenig untergegangen sind. Mal schauen, was von all dem wirklich was taugt, wo das große Jubelfest gerechtfertigt war und wo eher nicht –  ohne großes Brimboriium und ohne 6seitige Tests, die am Ende doch nichtssagend sind.

Ach verdammt, für diese schlecht herbeikonstruierte Einleitung hasse ich mich jetzt schon. Was tut man nicht alles, nur um nicht direkt und ohne Vorwort in eine Reihe von Reviews einsteigen zu müssen… tja, was solls. Schwamm drüber. Ihr glaubt doch wohl nicht, dass ich mir nochmal die Mühe mache, das alles zu verwerfen und was neues in die Tasten zu hauen. Außerdem: Für einen ordentlichen Industrie- und Mainstream-Bash gibt es keinen falschen Zeitpunkt. Harrrr.(< –dieses “Harrrr” habe ich mir in letzter Zeit wohl ein bißchen zu sehr angewöhnt. Hilfe! Gibt es eigentlich Selbsthilfegruppen gegen Wörter, die man ständig sagt und lieber loswerden würde? Oder wäre das zu absurd? Egal, zurück zum Thema…).

Pure(r) Fahrspaß.

 

Motorstorm, Motorstorm, ich höre immer nur Motorstorm. Während die ganze Welt geifernd wie ein räudiger Köter in Richtung Sony schielt, in der Hoffnung, vom zweiten Teil des schwer enttäuschenden PS3-Starttitel endlich die erhoffte Spielspaß-Grafikwucht-Erlösung zu erfahren, zeigt Disney Interactive mal eben so nebenbei allen, wo der wahre Offroad-Hammer hängt.

Pure ist überdrehter, lauter, action- und temporeicher Offroad-Wahnsinn vom Allergemeinsten, verpackt in bloomige High-End-Grafik, bei der selbst Motorstorm ganz schön schlucken muss. Die Strecken strotzen vor eindrucksvollem Detailreichtum und glänzen durch sehr ausgewogenes Design, mit einer Menge an Alternativ-Routen bzw. Abkürzungen, die immer wieder aufs Neue zur Erkundung einladen. Irgendwo ist ganz sicher  immer noch eine Sekunde mehr rauszuholen. Der Fuhrpark beschränkt sich zwar ausschließlich auf ATVs, durch die Möglichkeit, sich für jede Streckenart (Sprint, Rennen, Trickpiste) sein individuelles Quad zusammenzusetzen, ist aber für genügend fahrerische Abwechslung gesorgt. Allzu viel Tiefgang sollte man vom Editor allerdings nicht erwarten.

Herzstück von Pure ist das geradezu aberwitzige Tricksystem, das einem mit ein wenig Übung die abstrusesten Trick-Kombinationen aus dem Rippen leiert. Je weiter und höher die Sprünge, desto mehr Gelegenheit erhält man, einzelne Tricks zu phänomenalen Kombos aneinander zu reihen, während gestandene Manöver nach und nach eine Boostleiste aufladen und somit immer abgedrehtere Tricks erlauben. Das Gefühl, bei besonders hohen Sprüngen praktisch aus den Wolken auf die Erde zuzurasen, während der eigene Fahrer gerade wilde Akrobatikeinlagen neben seinem Fahrzeug einlegt, lässt uns schwindeln.

Einziges Manko ist der Sound, den ich nach einer knappen Stunde, bis auf die Fahrgeräusche, mit Vergnügen zurückgeschraubt habe. Die Fahrerkommentare beginnen in Rekordzeit zu nerven, während der Soundtrack für sich genommen zwar sehr schön das aktuelle Spektrum an hippen und angesagten Indie-Bands abzubilden vermag, jedoch indes nicht so recht zum Geschehen am Monitor passen mag. Wolfmother und Co. schön und gut, aber die Songauswahl hätte etwas mehr Überlegung erfordert. Da hat EA mit seinen Need for Speed-Derivaten schon vor langem vorgemacht, wie ein guter Rennspielsoundtrack auszusehen hat.

You give me fever.

 

Wer FarCry 2 ernsthaft als gutes Spiel zu bezeichnen wagt, gehört umgehend mit der Verbannung in den innersten Kreis der Hölle bestraft. Aber umgehend!!!

Tut mir leid das so sagen zu müssen, aber ich kann mit Open World-Spielen nicht so recht viel anfangen. GTA IV hat mir im letzten Jahr zwar ein wenig die Hoffnung wiedergegeben, dass aus dieser Art von Spielen doch nochmal was werden könnte, aber solange es den Designern nicht ordentlich gelingt, eine Welt nicht nur mit Leben, sondern auch mit sinnvollen Beschäftigungen abseits der Hauptstory zu füllen, bin ich nicht gewillt, ein gutes Haar an dieser Art von Spielen zu lassen. Bei GTA IV lasse ich deshalb Gnade walten, weil es über eine unglaublich dichte Story verfügt, die ich auch ohne Sperenzchen nebenher an einem Stück mit allergrößten Freuden durchspielen kann.

FarCry 2 hingegen verfügt schlicht und ergreifend weder über eine fesselnde, durchgängige Story (ich wage sogar zu bezweifeln, dass es überhaupt über sowas wie eine Story verfügt), noch über gutes Missionsdesign. FarCry 2 ist stattdessen ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, was dabei herauskommt, wenn Programmierer vor lauter Onanieren angesichts der von ihnen geschaffenen Grafikpracht das eigentliche Spieldesign vernachlässigen.

So irrt man ziellos durch die schwarzafrikanische Walachei, wird als einzige Nebenbeschäftigung mit dem Sammeln von Diamantenkoffer abgespeist und schlägt sich während “Missionen” mit Gegnern herum, mit denen man sich sowieso schon die ganze Zeit Feuergefechte liefert. Sorry, aber es macht praktisch keinen Unterschied, ob ich einfach so loslaufe und ein Truppennest aushebe, oder das auf Geheiß einer der beiden Fraktionen erledige. Zu allem Überfluss nervt das Waffensystem mit seinen Ladehemmungen und die Malaria-Anfälle entpuppen sich als schlecht aufgestülpter Versuch, die Spielzeit noch ein wenig mehr sinnlos in die Länge zu ziehen. Nein danke.

Taktische Zerstückelung.

 

Mir ist immer noch absolut schleierhaft, weshalb Dead Space ein USK 18-Siegel erhalten hat, der zweite Teil der Abenteuer des Marcus Fenix hingegen aus dem Stand indiziert wurde. Dead Space muss in Sachen Gewalt gegen menschenähnliche Figuren in keinster Weise hinter dem Epic-Shooter zurückstecken, hätte also rein vernunftmäßig vom gleichen Schicksal ereilt werden müssen. Aber das Thema hatten wir ja schon zweimal (klick, klick).

Davon einmal abgesehen ist Dead Space aber tatsächlich ein famoses Spiel, bei dem man wirklich froh ist, dass Electronic Arts einem seiner Studios endlich einmal die Chance gegeben hat, etwas Neues abseits der 0815-Serienflut zu schaffen, für die der Konzernriese so verschrien ist.

Ja, das Spiel besteht im Grunde nur aus Versatzstücken von Altbekanntem und spielt sich, als hätte man Leon S. Kennedy aus einem spanischen Zombiedorf direkt auf die Event Horizon gebeamt. Doch was solls? Wenn das Ergebnis so rundum gut gelungen ausfällt wie Dead Space, nehme ich das gerne in Kauf. Besonders beeindruckt hat mich die wahnsinnig packende, unvergleichliche Soundatmosphäre, die alleine schon mehr Horror hervorruft als die Androhung, ein komplettes Tokio Hotel-Konzert miterleben zu müssen.

Schade ist nur, dass die eigentlichen Schockeffekte weitestgehend vom regelmäßigen Auftreten diverser Gegnerscharen leben, was oftmals allzu vorhersehbar und wenig furchteinflößend daherkommt. Weniger wäre hier mehr gewesen. Trotzdem ein unbedingtes Muss für alle volljährigen Gamer. Besonders angenehm ist, dass EA angesichts des überraschenden Erfolges nicht direkt den nächsten Teil manufakturieren lässt, sondern sich die Entwickler von EA Redwood Shores zunächst an Dantes Inferno austoben dürfen.

Fatso Forgetso.

 

Darf ich Peter Molyneuxs letztes Machwerk Fable 2 überspringen und direkt zum nächsten Spiel übergehen? Nein? Dann mache ich es kurz: Molyneux und Rollenspiel – das mag nicht so recht zusammengehen. Hätte er sich doch nach Populous lieber zur Ruhe gesetzt.

Das ist ja alles irgendwie schön und gut, was uns da grafisch geboten wird. Zauberhaft anzusehen und wahrlich herzerwärmend. Das war es dann aber leider auch schon. Das Questsystem nervt, das Storytelling ist unter aller Sau, konfus und unzusammenhängend erzählt, obwohl die Story an sich potentiell sehr viel hergeben könnte. Die Interaktionsmöglichkeiten über Gesten, Tanz- und Furzeinlagen sind dämlich und insgesamt hätte Molyneuxs Team sich einfach mal eine dicke Scheibe von Rollenspiel-Perlen wie Final Fantasy abschneiden können, um zu lernen, wie man epische Geschichte mit konsistenter Spielwelt verbindet. Darüber hinaus ist es ja schön und gut, wenn die Umwelt auf das eigene Verhalten reagiert. Wenn der Bevölkerung aber die globalen Auswirkungen der Hauptstory am Arsch vorbeigehen und sie sich einzig um die Mietpreiserhöhungen Sorgen macht, geht einfach eine gewaltige Portion Atmosphäre flöten.

Dass ich mit einem unsympathischen, schweigenden Fettsack durch die Gegend rennen muss, weil ich ihn mal ein Schnitzel zuviel habe essen lassen, er aber trotz jahrelangen Fastens nicht wieder abnehmen will, macht es mir auch nicht einfacher, Fable 2 zu lieben. Harrr. Da greife ich doch lieber nochmal zum Witcher.

Im Dunkeln ist nicht so gut munkeln.

 

Silent Hill und vor allem Silent Hill 2 mögen auf der Playstation zu den intensivsten Spielerfahrungen überhaupt gezählt haben, die Umsetzung der Reihe für das iPhone ist vor allem eines: Langweilige Scheiße. Da hilft es auch nichts, dem Rat zu Beginn des Spiels zu folgen, doch am Besten die Kopfhörer einzustöpseln um das Grauen authentisch erleben zu können, wenn das eigentliche Grauen, nämlich das vor dem Spiel als solchem, so überhaupt nicht gewollt ist.

Durch ein karges Labyrinth zu wandern, in dem detailarme, schlecht animierte Gegner unmotiviert dahinschlurfen, ist zwar grauenvoll, aber nicht gruselig.

Zumindest muss man Silent Hill: The Escape aber attestieren, dass es die Möglichkeiten der Touch- und Bewegungssteuerung exzellent einsetzt, indem es zur Fortbewegung ein gut funktionierendes, virtuelles Steuerkreuz auf das Display zaubert, während das Zielen mit der Waffe ausgezeichnet durch Kippen und Neigen des iPhones funktioniert. Mehr als zehn Minuten Freude erhält man für die Investition von 4,99 Euro leider nicht.

Hail to the Chief.

 

Es stimmt: Halo 3 ist ein tolles Spiel. Auch wenn man mit Ego-Shootern an der Konsole als Einsteiger nicht so wirklich gut zurechtkommen mag. Es stimmt auch, dass Halo 3 dem versierten Spieler in den mittleren Schwierigkeitsgraden wenig abzuverlangen vermag. Und selbst ungeübten Zockern wird die Gesamtspielzeit relativ dürftig vorkommen. Macht aber nichts, denn in der vorhandenen Zeit wird man gut unterhalten. Überragend geht aber anders. Diese Meinung könnte aber auch allein daraus resultieren, dass mir der storytechnische Anschluss an den ersten Teil fehlt, von dessen Handlung mir mittlerweile ebenfalls fast alles entfallen ist.

Naja, ich hatte meinen Spaß und war glücklich, dass es zur Abwechslung nicht die immer gleichen Gänge zu sehen gab. Ein bißchen Backtracking weniger wäre stellenweise nett gewesen, hätte die Spielzeit aber wohl nochmals drastisch verkürzt. Bei Gelegenheit probiere ich noch mal den Multiplayer-Part aus. Davor habe ich alerdings ein wenig Angst, weil da bestimmt nur totale Cracks und Vollnerds rumrennen. Auheiera.

Ich liebte eine klebrige Kugel…

 

…doch beim Anblick von I love Katamari für das iPhone erkaltet diese Liebe irgendwie. Fünf magere Levels im “Story”-Modus (Story? Welche Story? Im letzten PS2-Auftritt hatte der King of all Cosmos wenigstens noch den Sternenhimmel verbaselt), eine technisch mangelhafte Umsetzung, die sich mit dem ersten Patch zwar gebessert hat, aber dennoch längst noch nicht das Gelbe vom Ei darstellt und die ärgerliche Tatsache, dass man praktisch alle Gegenstände einsammeln muss, um die geforderten Ziele zu erreichen, machen es einem einfach viel zu schwer, I love Katamari wirklich zu lieben. Für Fans.


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5 Kommentare

  1. Mr.Tom - 01.02.2009 00:20

    Hach, PURE, was für ein Spass. Allerdings spiele ich das immer mit meinem Sohn zusammen, denn ein Mensch hat ja gar nicht so viele Finger und die passende Koordination, um die ganzen wahnwitzigen Tricks alle in den Schlamm zu klatschen. Und leider relativ schnell durchgespielt, aber lieber kurz und heftig als lang und weilig.

    Achso, zu Dead Space, ein tolles Spiel, aber die Steuerun ist ja auch furchtbar verkorkst. Da merkt men mit jeden Mausschwenk die Konsolenherkunft, das geht auf dem PC normalerweise besser. Dauernd eiert das Fadenkreuz wie in Honig eingelegt der eignetlichen Mausbewegung hinterher. Man braucht eine ganze Zeit, um sich in Dead Space einzuschiessen, dann allerdings trifft man in anderen Shootern mit normaler Steuerung nix mehr ;D

  2. Christian - 01.02.2009 14:18

    Bei Dead Space ist die Steuerung auf der Konsole zwar zunächst auch etwas gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber sehr gut und ohne dabei hakelig zu werden. Schade, dass man das nicht auf den PC retten konnte.

  3. SpielerZwei - 01.02.2009 15:08

    Der Maus-Lag der PC-Version lässt sich ganz einfach beheben, indem man V-Sync deaktiviert. Und der andere häufige Kritikpunkt, das eingeschränkte Sichtfeld, ist in auch nur in 4:3-Auflösungen vorhanden. In 16:10 sieht man die Umgebung wunderbar.
    Ist zwar beides nicht optimal und sicherlich der Konsolenkonvertierung zu verdanken, aber beide Probleme sind immerhin einfach zu lösen.

  4. Kalrs - 01.02.2009 16:44

    Pure sah und hörte sich wirklich sehr verlockend an. Aber für mich wegen der laaangen Ladezeiten beim Spielstart, zwischen den einzelnen Strecken usw. absolut nicht empfehlenswert und Spielspaßkiller Nummer 1.
    Gerade bei einem Arcade Racer will ich schnell mal ein Ründchen fahren und nicht ewig lange darauf warten müssen hinters Steuer gelassen zu werden.

  5. siro - 02.02.2009 10:42

    Pure gabs ja zwischendurch für 13 Euro bei play.com, aber da ich bei dem Spiel hat mir die Demo so überhaupt nicht gefallen – dabei bin ich großer Spaßrennspielfreund. Für den selben Preis gibt es auf eben selbiger Seite übrigens das 360 Katamari. Da kann man ruhig mal zuschlagen. :)

    Halo steht auch noch im Regal. Leider hat der 360 Coop-Kumpel sich das zwar auch vor Weihnachten zugelegt, aber sein Bruder (500km weg), hat sich direkt unter den Nagel gerissen. Im Singleplayer wird mich das sicher nicht so fesseln, also ist weiterhin warten angesagt.

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