Mein bester Freund, die Kackwurst

Hahaha! Hahahahaha! HAHAHAHAHAHAHAHAHAHARRRGH!! Ich könnte ewig so weiter machen. Lachen ist ja etwas sehr gesundes, sagt man. Und das ist doch schön, denn indem wir Gods Remastered spielen, tun wir uns mittelbar eben doch etwas Gutes, auch wenn wir uns das im ersten Moment kaum vorstellen können. Und im zweiten eigentlich auch nicht.

Gods war auf dem Amiga schon Scheiße. Das will vielleicht nicht jeder wahrhaben und vielleicht regt sich da hinten irgendwo leise Widerstand und vielleicht pfeffere ich meinen schweren Schlüsselbund jetzt da in die letzte Reihe, damit endlich Ruhe ist. Die Wahrheit lässt sich nicht verleugnen: Gods war und ist ein Scheißspiel. Seiner Zeit immerhin optisch ansprechend, hat es spielerisch nie etwas gerissen. Als Lendenschurz tragender Muskelbollo latschen wir durch die immer gleich aussehenden Level der Antike und ärgern uns, dass das Springen so träge ist und dass der Kampf einfach nur nervt. Und viel mehr gibt es auch nicht, wenn man von einigen blöden Schaltern, die blöde Türen öffnen oder blöde Hindernisse explodieren lassen, absieht.

Jetzt wird die Frage laut, warum ich den Mist überhaupt spiele, obwohl ich doch schon weiß, dass das nichts ist. Und da mein Schlüsselbund bereits hinten in der Ecke liegt, weise ich darauf hin, dass mir zum Werfen nur noch Stühle zur Verfügung stehen. Wer weiß schon, was uns zu gewissen Dingen treibt? Morbide Neugier vielleicht? Oder der Gedanke, dass es nach Fallout 76 kaum schlimmer kommen kann? Es ist ja eine feine Sache, die eigenen Positionen zu überprüfen und Altes aufs Neue zu betrachten. Insofern war das schon ein interessantes Erlebnis, das alte, pixelige Gods mal wieder ein bisschen zu spielen. Und tatsächlich habe ich mir in meinen ca. zwei Stunden Spielzeit fast ausschließlich die fade Klötzchengrafik angeschaut und nur für wenige Minuten zur neuen Optik gewechselt, obwohl es sich ja explizit um ein Remaster handelt. Warum ich das tat? Nun, da werdet ihr staunen.

Besonders lächerlich ist die Wiederveröffentlichung eines alten Scheißspiels an sich nicht. Das passiert ständig und ist irgendwie schon okay, dadurch wir der Krempel ja schließlich auch archiviert. Regelrecht lachrampfinduzierend ist im vorliegenden Fall das Selbstbewusstsein der Entwickler, die auf ihre Wurstversion eines Pissspiels frech das Etikett „Remastered“ geklebt haben. Das ist insofern erheiternd, als dass sie es geschafft haben, den alten Nicht-Klassiker noch hässlicher zu machen. Man könnte behaupten, dass das an sich schon eine Leistung ist, man könnte es aber auch lassen. Der Protagonistenmuskelhonko sieht jetzt aus wie eine nachgemachte He-Man-Figur vom Flohmarkt, wirkt nur noch etwas steifer. Die Gegner sehen aus wie mehrere nachgemachte He-Man-Figuren vom Flohmarkt, die man zusammen auf die Herdplatte gelegt hat. Die Hintergründe sind immer noch öde, dafür aber doof bunt. Ich muss meine Aussage von weiter oben revidieren: Zu behaupten, dass das Remaster hässlich aussieht ist in etwa so stark untertrieben als behauptete man, dass der Untergang der Titanic für einen Teil der Passagiere etwas unangenehm war. Neue Musik gibt es übrigens auch. Ratet, wie sie mir gefällt.

Remasters funktionieren selten, aber selbst im Vergleich zur Masse an lauwarmen Neuauflagen ist Gods Remastered eine Frechheit. Selten hat etwas, von dem ich ohnehin nur Schlechtes erwartet habe, geschafft mich derart zu enttäuschen. Diese Unglaublichkeit, aus einem okay aussehenden Scheißspiel ein scheiße aussehendes Scheißspiel zu machen, könnte fast als Kunststück durchgehen, am Ende ist es aber einfach nur ein Ärgernis. Der Volksmund weiß, dass man Scheiße nicht polieren kann, aber Gods Remastered ist nicht mal ein Exkrementpoliturversuch. Es gleicht eher einer Kackwurst, auf die jemand noch eine ordentliche Ladung Dünnschiss geprotzt hat. Und während wir uns noch wundern, was der Volksmund nicht alles in sich aufzunehmen bereit ist, beende ich diesen Text völlig abrupt. Von Nachfragen bitte ich abzusehen, sonst werfe ich das Pult.


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12 Kommentare

  1. Timberfox13 - 10.12.2018 11:43

    Huch?

    In der Vorweihnachtszeit zu viele lustig bunte Kekse gefuttert?
    Oder warum musst du dich so derartig über das (zugegebermaßen fürchterliche und absolut unnötige) „Remaster“ eines Spiels auskotzen dass du eh nicht magst?

    Manchmal hat das ja was Befreiendes, das verstehe ich schon, aber Gods (Original) als die dickste Wurst nach Mr. Hanky darzustellen finde ich persönlich schon etwas verwegen.

    Daß Herkules (der Protagonist) kein blümchenpflückender, eloquenter Frauenversteher ist, geschenkt.
    Aber das Spiel an sich war jetzt nicht gerade der dahingerotzte haudrauf-Plattformer als den du es darstellst.
    Player-Inventar, eine Vielzahl an Waffensetups, Itemrätsel und sehr variationsreich vorgehende Gegner sind jetzt nicht gerade Punkte die man mit reinen Geschmacksaspekten abwerten müsste/könnte/sollte.
    Mukke war auch gut, aber das is ja wirklich Geschmackssache.

    Sollte dieser Beitrag dazu dienen, den sich anstauenden Weihnachtshass mal mit was anderem als mit Fallout 76 zu kanalisieren (ich verweise hiermit auf die letzten 2 Comics von Nerfnow.com) dann hoffe ich, dass das gelungen ist und du dich wieder angenehmeren Dingen widmen kannst.

    Als Gods-rant alleine kann und will ich das so aber nicht stehenlassen.

    In stiller Erwartung des fliegenden Pultes,
    Dein Timberfox13

  2. Joe Hermes - 10.12.2018 11:50

    Huch, Gods?

    Aber ein Blick auf die Bildchen lassen dann doch Erinnerungen hochkommen. Nicht am Amiga sondern damals am 286er (muss wohl ein toller Port gewesen sein), haben wir Kinder (Kids gabs ja im letzten Jahrtausend nicht) das Teil gespielt.

    Aber schon vor der Jahrtausendwende war es nicht unbedingt unser Liebling. Denn das waren eher die Games, die man zu zweit auf einer Tastatur spielen konnte – Axe, Bubble Bobble und Double Dragon.

    Aber Gods war dann wohl auf einer dieser schlanken schwarzen Glibberfloppies dabei gewesen, denn das Artwork kenn ich noch. Eher schreckt mich gerade die Webseite des Remasters, die ein Erscheinen auf PS4, XBOXONE und Android ankündigt. Ein breites Feld zu pflügen, haben die sich vorgenommen.

    Wobei dieser Bericht nicht unbedingt zu einem Kauf verführt. Muss mal gesagt werden. Und ohne Frage wird auch das Pult dort stehen bleiben, wo es gerade gut verankert zu sein scheint: in vorderster Reihe des stillen Örtchens, denn wenn es läuft, dann läufts.

  3. Urs - 10.12.2018 12:53

    @Timberfox: Es gibt sie also, die Gods-Fans! :D Und ja, es stecken natürlich mehr Mechaniken drin, als ich im Text angegeben habe. Aber mir ging es eher darum etwas Lustiges zu schreiben, als einen Test abzuliefern. Das merkt man auch, denke ich.

    Aber ich fand Gods früher tatsächlich höchstens okay, weil es eben ziemlich gut aussah. Heute kann ich damit überhaupt nichts mehr anfangen, im Gegensatz zu spielen wie (billiges Beispiel, ich weiß) Super Mario World. Das ist so ein bisschen das Altered-Beast-Phänomen. Wenn du es Jahre später wieder spielst, merkst du, dass es einfach an Substanz fehlt. Gibt selbstverständlich schlechtere Spiele aus der Zeit, aber auch sooo viele bessere.

    Und was das Remaster angeht, na ja, ihr habt Augen.

  4. SpielerZwei - 10.12.2018 17:42

    Ich bin eigentlich ein großer Freund nahezu aller Bitmap Brothers Titel, aber GODS war vom Gameplay her schon damals großer Käse. Nur die Grafik und der Sound waren seinerzeit (!) klasse. Ich habe nie verstanden, wie die verehrten Macher von Xenon (1&2), Speedball (1&2), Cadaver, Magic Pockets, The Chaos Engine (1&2) und Z (1&2) dazwischen so ein lahmes 08/15-Ding wie GODS machen konnten…

  5. Urs - 10.12.2018 19:46

    Chaos Engine! <3

  6. Timberfox13 - 10.12.2018 20:00

    Cadaver <3

    Hach, schwelg…

  7. Christian - 10.12.2018 20:58

    Magic Pockets! *träum*

  8. Missingno. - 11.12.2018 12:52

    Z ist von der Spielmechanik her in meinen Augen aber auch eher meh. Da haben es eher noch die FMV herausgerissen: „Ziegenzeit!“ – „Ziege ist an.“ – Bordcomputer: „Das habe ich gehört.“

  9. SpielerZwei - 11.12.2018 14:16

    Natürlich war bei Z die Präsentation ein echtes Highlight! Aber auch vom Gameplay her war es eigentlich ganz cool. Erinnere dich: 1996 gab es zwar zu Hauf C&C-Epigonen, aber Z variierte die Standardmechanik dadurch, dass man die Produktionsstätten der Einheiten nicht bauen konnte, sondern erobern musste. Hat zu der Zeit im RTS-Genre niemand sonst gemacht.

  10. Greulich Mannsmann - 14.12.2018 14:13

    „die Produktionsstätten der Einheiten nicht bauen konnte, sondern erobern musste“

    Ich kann mich täuschen, aber war das nicht bei Total Annihilation auch schon so ?

  11. SpielerZwei - 14.12.2018 15:22

    @Greulich: Ich glaube nicht, aber… boah, ist das lange her. Weiß es nicht mehr sicher.

  12. Missingno. - 14.12.2018 15:27

    Selbst wenn, kam es ein ganzes Jahr später.
    Z: 2. September 1996
    Total Annihilation: 25. Oktober 1997

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