Als Sony 2020 der PS5 eine Tech-Demo namens Astro’s Playroom beipackte, um den DualSense-Controller gebührend in Szene zu setzen, waren sich alle schnell einig: „Wow! Macht daraus auf jeden Fall ein vollwertiges Astro Bot-Spiel!“ – Tja, und da isses nun, ganz unprätentiös als Astro Bot betitelt.
Und so schlicht wie der Titel ist auch seine Story: Astro fliegt mit seinem Raumschiff, das eigentlich eine PS5 ist, durch das All und macht mit seiner Crew aus Bots den ganzen Tag Party. Doch dann kommt ein Alien namens Space Bully Nebulax vorbei, macht die PS5 kaputt und entführt auch noch die ganze Bot-Bande. Und so muss Astro seine Crew und die fehlenden Teile des Mutterschiffs auf den umliegenden Planeten wieder einsammeln.
Es sind ja nicht nur die etwa 80 quietsch-bunten, clever gebauten Level, von denen keiner dem anderen gleicht, und die vielen Gadgets, die Astros Fähigkeiten ständig verändern, sondern auch die schiere technische Brillanz, die man hier geboten bekommt. Astro Bot ist das derzeit vielleicht hübscheste PS5-Spiel überhaupt! Und spielerisch flutscht es nur so, denn trotz der vielen Abwechslung, ist eigentlich immer sofort klar, was wie funktioniert und man hat nie das Gefühl, das Spiel wäre irgendwie überfrachtet. Als Kirsche oben drauf gibt es dann noch den ganzen knuffigen Sammelkram aus 30 Jahren Playstation-Geschichte. Perfekt!
Als ich 280 der 300 Heinis hatte, wollte mein siebzehnjähriger Sohn mal in Astro Bot reinschnuppern und ich schlug vor, dass er mir ja beim Komplettieren helfen könne. Also spielten wir abwechselnd die Planeten, auf denen noch Heinis und/oder Puzzlestücke fehlten. Das war auch echt witzig und, wie erwartet, easy-peasy. Nun stand der Bot-Zähler auf 285 und alle Puzzles waren komplett. Es waren nur noch die verdammten Void Challenges übrig. Durch eine hatte ich mich schon durchgequält (und das schreibe ich nicht nur einfach so, die sind im Vergleich zum Rest des Spiels echt arschschwer!), blieben noch 15. Diese Challenges sind eigentlich nur jeweils 1-3 Minuten lang, wenn man sie schafft. Es gibt hier keine Savepoints, aber dafür 1001 Möglichkeit zu sterben und wieder direkt am Start zu landen. Kennt ihr Super Meat Boy? So in etwa…
Am nächsten Abend war mein Kumpel Jörg zu Besuch. Unser regelmäßiger Gin Tonic Abend. Aber dieses Mal hatte ich einen teuflischen Plan: „Hey Jörg, mir fehlen nur noch 12 Bots, dann habe ich Platin bei Astro Bot. Hast du Lust?“ – „Klar! Ich hab’s zwar auch schon zuhause liegen und angefangen, aber da gibt’s ja keine richtige Spoiler-Gefahr.“
Die erste halbe Stunde habe ich noch mitgemacht, danach hatte ich keinen Bock mehr und beschränkte mich aufs Trinken und schaute Jörg dabei zu, wie er langsam dem Wahnsinn verfiel. Er war in diesem Super Meat Boy-artigen Loop der unendlichen Tode komplett gefangen, unterfüttert mit was-weiß-ich-wie-vielen Gläsern Gin Tonic. Er konnte einfach nicht mehr aufhören. Irgendwann, ich glaube es war so gegen halb zwei, nahm ich ihm den Controller weg. Wir tranken noch einen und gingen dann pennen.
Und so ging „meine“ Platin Trophäe bei Astro Bot in der Banalität des Frühstückmachens fast unter. Insgesamt hatte Jörg gute drei Stunden in diese Challenge geballert, die theoretisch eigentlich nur drei Minuten dauert, und als er sie dann endlich schaffte, war das irgendwie nicht der große Moment, auf den wir am Vorabend hin gefiebert haben, sondern passierte einfach so. Tja.
2 Kommentare
Wenn man, trotz ständigen Versagens, den Controller nicht genervt in die Ecke pfeffert, muss das aber ein gutes Spiel sein.
Definitiv!