Spielkind

Gestern sind SpielerinZwei und ich stolze Eltern eines Spielkindes geworden! Und es ist ein echter Prachtkerl! Gut, das denken vermutlich die meisten Eltern von ihren Kindern, aber bei uns stimmt es wirklich…

Zeit für mich, ein paar Gedanken bezüglich der näheren Zukunft zu formulieren und eventuell Erfahrungsberichte von Lesern in ähnlicher Situation einzuholen. Es soll hier aber nicht um das Kinderkriegen im Allgemeinen gehen. Diesbezüglich kenne ich genug „normale“ Leute (soll heißen: keine Zocker), die seit Monaten ihre Erfahrungen zum Elternwerden mit mir teilen. Aber damit hier niemand etwas Falsches denkt, möchte ich prophylaktisch noch Folgendes vorausschicken:
Natürlich beschäftigen mich derzeit viel wichtigere Dinge, als die Frage, ob ich als Vater noch zum Daddeln kommen werde, aber ich möchte das Thema im Rahmen dieser Seite logischerweise auf den Kontext der Videospiele beschränken. Bevor also jemand voreilig „Rabenvater“ schreit und mit dem Finger auf mich zeigt, sollte er erst mal tief durchatmen und die dadurch entstehende kleine Pause zum Nachdenken verwenden… Ok?

Vieles wird sich verändern. Natürlich wird besonders der Faktor „Freizeit“ einer einschneidenden Veränderung unterworfen sein. Meine Freizeit verwende ich nicht ausschließlich auf das Zocken, aber das dürfte sich wohl ohnehin jeder Stammleser denken können, der sich schon mal gefragt hat, warum ich hier nicht jede Woche drei neue Artikel heraus haue. Das Problem ist ja nicht das Schreiben der eigentlichen Artikel, sondern das zwingend vorangehende Durchspielen der entsprechenden Artikelinhalte.
Seit ich berufstätig bin, haben sich schon einige Spielegenres für immer von meiner Festplatte verabschieden müssen, die einfach zu große Zeitfresser darstellen. Ich will und kann meine Zeit einfach nicht mehr mit Aufbau- und Managementspielen verplempern. Als Schüler und Student habe ich sehr gerne Zeugs wie z.B. Civilization gespielt. Auch habe ich Egoshooter fast täglich online gespielt und war Mitglied in einem Clan.
Für all das habe ich schon länger einfach keine Zeit mehr. Außerdem spiele ich lieber mehrere gute Titel pro Jahr, als meine gesamte Freizeit ausschließlich so etwas wie WoW, EVE Online oder Second Life zu opfern. Sorry, aber das sind in meinen Augen, sofern wir von erwachsenen Spielern sprechen, typische Hartz IV-Empfänger-Spiele. Das Spiele-Pendant zum Unterschichten-TV.
Natürlich hängt die Beschneidung der Freizeit auch wesentlich davon ab, in wie weit ich mich als Vater in die Betreuung des Kindes einbringe. Ich bin zwar nicht gerade der Typ Mann, der sich selbst mit einem Baby-Tragegurt vor dem Bauch im Dritte-Welt-Laden herumlungern sieht, aber was meine Partizipation an der Kinderbetreuung und -erziehung angeht, habe ich die allerbesten Vorsätze!
Trotzdem gehe ich bis auf weiteres nicht auf den Vorschlag von SpielerDrei ein, ihm doch meine Wii für die nächsten 18 Monate zu leihen, weil ich seiner Meinung nach ohnehin keine Zeit zum Spielen haben werde. Netter Versuch, SpielerDrei!

Ob sich die Geburt unseres Sohnes nun unmittelbar auf meinen Spieledurchsatz auswirkt, weiß ich nicht, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass ich mein, neben der Musik, ältestes Hobby von heute auf morgen völlig über Bord werfe. Und auch diese Website wird auf jeden Fall bis auf weiteres fortgeführt und mit neuen Artikel versorgt werden. Wie die Output-Intervalle ausfallen werden, weiß der Teufel, aber meine geschätzten MitSpieler werde ich wohl kaum unterbieten können…
Dennoch haben die Schwangerschaft und der Umzug im Frühjahr dieses Jahres schon dazu geführt, dass ich in den vergangenen Monaten deutlich weniger gezockt und geschrieben habe. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt. Vielleicht mache ich ja aus der Not eine Tugend und schreibe einfach öfter über etwas andere Dinge aus dem Spielerumfeld. Immerhin hat ja auch der Umzug einen Artikel abgeworfen…

Die Veränderung des persönlichen Fokus´ ist übrigens auch ein gutes Stichwort:
Ich freue mich ja schon wie blöd auf die Zeit, wenn unser Spielkind ein paar Jahre älter ist und ich mit ihm zusammen daddeln kann! Ok, das wird ein Weilchen dauern und zunächst sind analoge Spielzeuge wie Rasseln, Bauklötze, Autos, Lego usw. sicherlich zu bevorzugen. Aber trotzdem kann ich es kaum erwarten, das Spielkind in den Kontext dieser Seite mit einzubeziehen. Auf Kotaku waren in den letzten Wochen beispielsweise einige Videos zu sehen, in denen einer der Autoren seinen kleinen Sohn die Controller für Wii, PS3 und 360 oder auch die Kindergitarre für Guitar Hero hat testen lassen. Fand ich extrem spannend! Und niedlich!
Allerdings kann das natürlich auch ganz anders laufen, denn oft ist es ja so, dass die Kinder sich irgendwann von den Eltern abgrenzen wollen. Vielleicht will mein Sohn ja gar nichts mit Videospielen zu tun haben, weil ich ihm damit ständig auf die Nerven gehe…
Das Abgrenzungsbedürfnis von Kindern sollte man nicht unterschätzen, denn es treibt manchmal seltsame Blüten, die man sich so nicht hätte vorstellen können. So sind z.B. die Kinder meines Onkels in Berlin im Vergleich zu ihren Eltern richtig spießig drauf, obwohl oder gerade weil man die Eltern eher als „Alt-Hippies“ bezeichnen kann…
Andere Dinge machen mir hingegen wieder Mut. So erzählte die 9jährige Tochter von Freunden ihrer Mutter kürzlich nach einem Spieleabend bei uns, dass sie den Kleinen jetzt schon tierisch beneide, weil bei uns überall Spielkram herumsteht. Tja, gegen unsere Wohnung sieht das Kinderparadies bei IKEA wirklich arm aus.

Aber auch meine persönliche Betrachtungsweise von Spielen hat sich in den letzten Monaten schon leicht verändert. Ich mache mir immer öfter Gedanken über die Kindertauglichkeit von Spielen. Ich habe im Kopf schon Listen von Spielen erstellt, die man Kindern aus pädagogischer Sicht mit gutem Gewissen in die Hände geben kann: Animal Crossing, Chibi-Robo, Elebits, usw. (Komisch, das sind ja alles Nintendo-Titel…!)
Auch die Frage nach dem kindgerechten Handling von Spielen kommt immer öfter auf. Ab wann kann ein Kind das Spiel XY überhaupt beherrschen bzw. verstehen? Auch hier ist klar: Die ersten Jahre wird das unter Garantie nichts mit dem gemeinsamen Zocken. Irgendwie schade.
Altersfreigaben finde ich übrigens schon wesentlich länger sinnvoll als ich mich mit dem Gedanken trage, Vater zu werden. Es gibt gute Gründe für Alterseinstufungen und deren Einhaltung. Und im Gegensatz zu vielen anderen Eltern, die ihrem hyperaktiven 12jährigen Rotzbengel 18er-Spiele kaufen, nur damit er endlich Ruhe gibt, und die sich dann andernorts verlogen über die Brutalität von „Killerspielen“ echauffieren, nur um die eigene Erziehung nicht hinterfragen zu müssen, werde ich wirklich darauf achten, was mein Sohn spielt. Weil ich es kann.
Und weil wir keine bildungsferne Familie sind, wird er auch andere Arten von Unterhaltung kennen lernen. Bücher zum Beispiel. Oder gar körperliche Bewegung. Unglaublich retro, das Ganze, aber mit Sicherheit wichtig!

Ich hoffe bei diesem Artikel ganz stark auf Feedback in Form von Kommentaren von Lesern, die diese Erfahrung schon gemacht haben. Jeder bewältigt die Situation natürlich auf andere Weise. Das ist mir spätestens bewusst, seit ich die gegensätzlichsten Ratschläge und Erfahrungsberichte zum allgemeinen Thema „Kinderkriegen“ bekommen habe. Wirklich jeder erzählt etwas anderes. Interessant sind die Schilderungen dennoch. Da es in unserem Freundeskreis aber keine Hardcore-Gamer gibt, die bereits Eltern geworden sind, bin ich in diesem Aspekt vollkommen auf Euch angewiesen.

Der bisherige Verlauf des Ganzen stimmt mich jedoch sehr zuversichtlich. Zumindest die Schwangerschaft war eigentlich eine sehr positive Erfahrung. Klar, man hat mehr Stress, weil man sich schon seit Monaten um Dinge kümmern muss, an die man vorher nicht einen Gedanken verschwendet hat: Kinderzimmereinrichtung (gar nicht so leicht, wenn man selber eher nicht auf Bunt und Knallig steht), Kinderwagenkauf (fast so schlimm wie ein Auto zu kaufen!), Geburtsvorbereitungskurs (war wirklich nett, weil die Leute, die solche Kurse am nötigsten hätten, natürlich gar nicht erst dort auflaufen. Eigentlich traurig, aber für mich persönlich begrüßenswert…), Planung der Kinderbetreuung (SpielerinZwei möchte relativ schnell wieder arbeiten gehen), Rechtliches klären (wir sind schließlich nicht verheiratet) und noch etwa tausend andere Dinge. Dinge über die man als Kinderloser entweder gar nicht nachdenkt oder nur dann, wenn man sich mal wieder einreden will, um wie viel glücklicher man doch ohne Kinder ist.
Ansonsten gab es aber schon während der Schwangerschaft viele lustige Momente, die auch etwas mit Gaming zu tun hatten. Leider darf ich die dokumentierenden Schnappschüsse dazu nicht ins Internet stellen, weil SpielerinZwei sonst bestimmt mächtig sauer wäre. Allein die vielen Bilder, die ich beim Guitar Hero-Spielen von ihr gemacht habe, sind Gold wert, weil es einfach göttlich aussieht, wenn ihr der Gitarren-Controller vor dem dicken Bauch herumbaumelt…
Und wenn man nicht zu empfindlich ist, kann man durchaus auch der angespannteren hormonellen Situation während der Schwangerschaft viel Humoriges abgewinnen. Ich habe mich beispielsweise vor Lachen bepisst, wenn die schwangere Frau neben mir auf dem Sofa mit hasserfülltem Gesicht wie wild auf meinen Oberschenkel einschlug, nur weil ich sie auf der „DK Bergland“-Strecke in Mario Kart DD von der Hängebrücke gekickt habe. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: Mit Sprüchen wie „Schatz, wenn wir dich jetzt noch mit Honig einschmieren, gibst du einen prima Katamari ab!“ beweist man wenig Fingerspitzengefühl und hat (zu recht) den Rest des Abends verschissen! Glaubt mir. Ich weiß darüber bestens Bescheid…

So, das soll erst mal an angewandter Lebenshilfe meinerseits reichen. Nun möchte ich Eure Erfahrungen zu dem Thema hören. Es kann doch nicht sein, dass nur kinderlose Menschen daddeln, oder?!

P.S.: Falls sich jemand wundert, warum ich direkt nach der Geburt meines Sohnes nichts besseres zu tun habe als wirre Artikel über Kinder und Videospiele ins Internet zu stellen, so kann ich ihn oder sie damit beruhigen, dass ich diesen Artikel natürlich schon vorher geschrieben habe!


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