Adventskalender Tür 1: Mir fehlt er

Advent, Advent… Die besinnliche Weihnachtszeit ist doch genau die richtige Zeit, um nach dem anstrengenden Spielejahr gemütlich zu sich zu kommen und vor dem Kamin bei einer heißen Tasse Glühwein ein paar Blogbeiträge zu lesen. Damit euch dazu nicht der Lesestoff ausgeht, haben wir uns dieses Jahr etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Wir öffnen für euch jeden Tag ein Türchen in unserem Adventskalender und präsentieren euch jeweils einen unserer ganz persönlichen Lieblings-Autoren, die einen kleinen Gastbeitrag für uns und euch verfasst haben. Mal ein Rückblick auf das ausklingende Jahr, einen kleinen Text über eine bisher unentdeckte Indie-Perle, ein persönlicher Moment des Jahres oder ein Fazit zu dem ein oder anderen Skandälchen, die es dieses Jahr gab.

Zum Mitraten gibt es jeden Tag eine weitere Aufdeckung eines Video-Game-Bösewichts im Header in der wie immer fantastischen Illustration von mexer. Can you recognize them all?

Im heutigen Artikel geht es emotional gleich hoch her, denn hinter dem ersten Türchen wird jemand vermisst…

Mir fehlt er – Reflexionen zur Weihnachtszeit

Gastbeitrag von Rudolf Inderst, Ressortleiter „Digitale Spiele“ des TITEL Kultur-Magazins im Rahmen des Polyneux-Adventskalenders.

An anderer Stelle schrieb ich über den Begriff der interpassiven Unterhaltungssoftware. Damals hielt ich fest: Digitale Spiele als interpassive Unterhaltungssoftware zu verstehen, bedeutet, seine Aufmerksamkeit ein Stück weit weg vom Spiel, aber hin zum Spielen und Spieler zu führen. Es ist die Mikrovariante einer teilnehmenden Beobachtung, die man als wissenschaftliche Methode verschiedener Forschungszweige schon lange kennt. Man nimmt sich zurück, spielt das Spiel nicht selbst, ist nicht genuiner Teil des auf dem Bildschirm Stattfindenden, sondern ist partizipierend-passiv.

Klassischerweise war es stets die Weihnachtszeit, in der die Zeit und Muße blieb, die großen und vermeintlich extra-gehaltvollen Titel anzugehen. Zusammen mit meinem guten Freund Reinhard standen unter anderem so Mass Effect oder Fallout 3 an. Und genau hier liegt das Problem. Reinhard lebt nun in Guatemala – etwa so weit weg wie unser – wirklich äußerst hässlich-gelungener – Commander Shepard. Ich muss zugeben, dass dies ein Quell steter Sentimentalität ist. Zu gern hätte ich, pünktlich zum Besuch Reinhards zur Weihnachtszeit, mit ihm Mass Effect 3 angegangen. Doch bereits früh war dieses Jahr klar geworden, dass der Titel erst 2012 erscheinen würde. Doch gibt es einen würdigen Ersatz?

Nun, einen schwachen Trost könnte Lord of the Rings: Krieg im Norden darstellen, schließlich spielten Reinhard und ich voller Begeisterung die beiden Baldur’s Gate: Dark Alliance-Teile. Allerdings widerspricht dies klar dem meinerseits geliebten Interpassivitäts-Prinzip, war das Action-RPG doch ein reines Co-op-Abenteuer. Vielleicht weiß ja eine Spielerin da draußen einen würdigen Ersatz? Vielleicht soll es am Ende doch noch Skyrim werden? Doch sensible Leserinnen ahnen es schon: Hinter all dem Schrieb über Spiele steckt doch eigentlich ein passioniertes Lamentieren über die Abwesenheit des Freundes. Komm bald wieder, Shepard! Bleiben Sie nicht zu lange im mittelamerikanischen Vault 101.


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4 Kommentare

  1. Dennis - 01.12.2011 09:29

    Aw! Schön!

  2. Volker - 01.12.2011 09:46

    Schöner Beitrag :) Vielleicht auf etwas „älteres“ ausweichen? „Enslaved“ gibt’s mittlerweile für kleines Geld, ansonsten „Dark Souls“ – gemeinsam flucht sich’s noch am Schönsten.

  3. Chris - 01.12.2011 10:12

    Skyrim wurde ja leider gerade kaputtgepatched. Dass die PS3-Fassung schon vorher kaum über 30 Stunden spielbar war, weil Skyrim oberhalb einer Savegame-Größe von 6 MByte anfängt, furchtbar zu laggen – geschenkt. Aber wie man es schaffen kann, Resistenzen gegen Magie, Feuer, Eis, Gifte usw. komplett aus dem Spiel zu patchen, ohne es zu merken, ist mir ein Rätsel.

    Da hab ich nun eine selbstgeschmiedete Rüstung mit hoher Magieresistenz, hab als Nord sowieso 50% Frostresistenz, aber der dämliche Eismagier, der mir vorher nicht im Ansatz gefährlich werden konnte, pustet mich plötzlich in drei Sekunden um. Ganz toll.

  4. Hazamel - 02.12.2011 17:56

    Sehr schöner Text.
    Vielleicht, wie schon angesprochen, „was älteres“? Dragon Age vielleicht, nachdem in Skyrim jetzt die Drachen rückwärts fliegen? (Ist das eigentlich ein Zeichen dafür dass es bald regnen wird? Oder schneien?)

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