What you see ain’t what you get

Se|xis|mus, der

1. Vorstellung, nach der eines der beiden Geschlechter dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts

2. etwas, was auf Sexismus beruht, sexistische Verhaltensweise

Ja, ich weiß. Schon wieder dieses leidige Thema. Und ich kann euch versichern dazu selbst schon genug gelesen, gehört und gesehen zu haben. Die Art, wie die jüngst wiederentfachte Diskussion um die Darstellung der Frau in Videospielen, ja in der gesamten Videospielindustrie, geführt wird, ist schlicht und ergreifend ermüdend. Warum gerade ich noch meinen Senf dazu geben möchte? Nun, weil der Anlass für die aktuelle Debatte kürzlich in ein neues Licht gerückt wurde. Doch von vorne.

Auslöser des diesjährigen Diskurses war ja bekanntermaßen eine angedeutete (!) Vergewaltigungsszene aus dem kommenden Tomb Raider Reboot. Genau genommen war es eine etwas unglücklich gewählte und etwas unglücklich interpretierte Äußerung des ausführenden Produzenten Ron Rosenberg zu eben jener Szene in einem kotaku Interview. Hinzu kam ein weiterer kotaku Artikel von Katie Williams, in dem sie über ihre erniedrigenden Erfahrungen auf der E3 berichtet. Patrick Klepeck von GiantBomb durfte dieses Mal den Zeigefinger erheben und den degradierenden Einsatz hübscher Frauen als schmückendes Beiwerk der E3 Messestände anprangern. Ach ja, und dieses Kickstarter-Projekt „Tropes vs. Women in Video Games“ der Feministin Anita Sarkeesian gab es auch noch. „Shitstorm“ ist wohl der geläufige Ausdruck für das, was danach im Internet losbrach. Alles und jeder (ja, auch Polyneux) hatte eine Meinung zu diesem Thema. Die Bandbreite reichte dabei von angenehm sachlich bis unglaublich borniert. Das man bei Crystal Dynamics daraufhin das Wort „Vergewaltigung“ aus seinem Vokabular strich, half leider auch nur bedingt die Wogen zu glätten.

Und pünktlich zur San Diego Comic Con kommt jetzt also Eidos Interactive um die Ecke und offenbart Rhianna Pratchett (eine Frau; Anm. d. Red.) als leitende Autorin des so hitzig diskutierten Tomb Raider Reboots. Sie zeichnet sich unter anderem für die Geschichte von „Mirror’s Edge“ verantwortlich, die nicht gerade im Verruf steht ein diskriminierendes Frauenbild zu zeichnen. BAM! In your face, Sexismus-Debatte! Damit wird genau der Punkt verdeutlicht, bei dem sich die so verbissen auf Seiten der Feministinnen kämpfenden Truppen ins eigene Knie schießen. Die Darstellung der Frau in Videospielen liegt nämlich mitnichten ausschließlich in Männerhand. Messe-Hostessen oder z.B. Frauen wie CosplayerIN Jessica Nigri zwingt auch niemand sich selbst zur Schau zu stellen. Skandal! Gut aussehende Menschen nutzen ihre vorteilhaften, körperlichen Attribute um Geld zu verdienen. Und manche erwecken sogar den Eindruck als würden sie Spaß dabei haben. In der Modebranche ist das wohl schon etwas länger gängige Praxis. Aber ich schweife ab.

Ich bin kein sexistisches Schwein, das sich an der Herabsetzung des anderen Geschlechts ergötzt. Aber genau an dieser Stelle scheint mir die Diskussion immer wieder zu entgleisen. Wie die eingangs aufgeführte, übrigens dem deutschen Duden entnommene, Definition so schön verdeutlicht, geht es nicht um die Darstellung von Titten und Ärschen. Es geht um die Reduzierung auf Titten und Ärsche. Beiträge wie die von Katie Williams oder auch die designierte Wirkung der Darstellung einer Vergewaltigung in einem Videospiel dürfen und müssen thematisiert werden, gehen aber leider zu sehr im Diskurs über sekundäre und tertiäre Geschlechtsmerkmale unter. Dass Frauen nunmal das schönere Geschlecht sind, haben längst nicht nur Männer erkannt. Und deswegen bin ich es so leid, endlose Streitgespräche über das Aussehen von Frauen in Videospielen zu führen. Und das nicht nur, weil ich ein Mann bin.


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