PlayStation 4: Bleibt alles anders

„PS4?“, fragt der Postmann, schon halb die Treppe hinunter. „Ja, woher…?“ „Mein halber Wagen ist voll mit Paketen in dieser Größe.“ Zumindest hat er es mir nicht von der Nasenspitze abgelesen, denke ich und stelle das Paket bis zum Abend im Wohnzimmer ab.

Auffällig klein, wie im Vorfeld so oft beschrieben, kommt mir die PS4 nach dem Auspacken nicht vor. Die Box hat immerhin etwa die Standfläche der PS3 Slim, gibt sich im Regal aber unauffälliger. Sie ist der Ninja unter den Heimkonsolen. Der DualShock 4 liegt hervorragend in der Hand und ist eine große Verbesserung im Vergleich zum DualShock 3…. und so weiter. Das kann man inzwischen überall im Internet nachlesen. Die Allgemeinplätze spare ich mir besser und komme direkt zu den paar Punkten, die mir abseits des Üblichen erwähnenswert scheinen.

1 TB > 500 GB

Ein großer Haken an PS4 und Xbox One ist, dass beide zum Start lediglich mit 500 Gigabyte Festplattenspeicher ausgestattet sind. Das klingt erst mal viel, aber auf beiden Konsolen müssen Spiele vollständig von der BluRay auf Festplatte installiert werden. Das können schnell mehrere Dutzend Gigabyte pro Spiel werden, und auch die jeweiligen Betriebssysteme genehmigen sich viel Platz. Wer bereits Erfahrungen mit dem Spieleangebot auf PlayStation Plus hat, wird wissen, wie schnell Festplattenplatz aufgebraucht sein kann.

Zum Glück ist die Festplatte bei der PS4 leicht austauschbar. Ich habe sie direkt vor dem ersten Start gegen eine 1-Terabyte-Hybridplatte ausgetauscht, um mir spätere Datenjongliererei zu ersparen. Hybridplatten oder SSHDs haben zusätzlich zur Festplatte eine wenige Gigabyte große SSD als Pufferspeicher, auf der die am häufigsten abgerufenen Daten zwischengelagert werden. Vor allem betrifft das das Betriebssystem, was unter anderem die Zeit halbiert, die die PS4 zum Booten braucht. Eine SSD in praktikabler Größe wäre dagegen immer noch fast so teuer wie die Konsole an sich.

Wer mit der PS4 sowieso noch etwas warten will, wartet vielleicht auf zukünftige Modelle, die von Haus aus sicherlich größere Festplatten an Bord haben werden.

5 GHz > 2,4 GHz

Wer in Großstädten wohnt, weiß, dass der alte 2,4GHz-Frequenzbereich für WLANs dort häufig überfüllt ist. Allein bei mir im Haus schlagen sich zwölf drahtlose Netzwerke um die Bandbreite und behindern einander. Sinnvoll kann deshalb ein Umzug ins 5GHz-Frequenzband sein, was die meisten Router, Laptops und Smartphones der letzten Jahre problemlos unterstützen. Dort ist man dann meist der Einzige.

Allein: Die PS4 unterstützt das nicht! Mir völlig unverständlich. Bei mir hängt sie deshalb, wie ihre Vorgängerin, am LAN-Kabel.

Dynamic menu > XMB?

Die PS4 unterstützt auch einiges andere nicht. Sony hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass die neue PlayStation eine reine Spielemaschine ist, aber in meinem Freundeskreis war der eine oder andere schon überrascht, dass das natürlich bedeutet, dass die PS4 Dinge nicht mehr beherrscht, die auf der PS3 selbstverständlich waren. Musik oder Videos per DLNA vom Computer streamen? Gestrichen. MP3s oder Videos direkt auf die PlayStation kopieren und von dort abspielen? Fotos angucken? Geht alles nicht mehr. Unterstützung für 3D-BluRays oder Audio-CDs? Weg.

Einiges davon mag später wiederkommen, aber so ist im Moment die Situation. Die Benutzeroberfläche der PS4 ist ein Traum. Flott und übersichtlich. Das liegt aber auch daran, dass es viele Funktionen eben einfach nicht mehr gibt.

Die Liste an installierten Spielen und Anwendungen lässt sich im Moment übrigens nur von links nach rechts durchscrollen und nicht sortieren. Was zuletzt aufgerufen wurde, wandert ganz nach links. Im Moment ist das noch kein Problem, weil noch nicht viel in dieser Liste steht, aber nächstes Jahr hätte ich schon gerne Möglichkeiten, selbst zu sortieren und auszublenden. Sonst ist es mit der Übersichtlichkeit bald vorbei.

HDMI CEC ist keine Science Fiction

Was mich bei einigen, vor allem englischen, Reviews der Xbox One überraschte, war die Begeisterung darüber, dass die One beim Start auch gleich Fernseher und AV-Receiver einschaltet. In Verbindung mit der Spracheingabe wirke das wie Science Fiction.

Zur Spracheingabe kann ich nichts sagen, aber bei mir schaltete schon die PS3 nach einem Tastendruck auf den Controller sowohl den Fernseher als auch den AV-Receiver ein. Die PS4 tut das selbstverständlich auch. Natürlich lässt sich mit der Fernbedienung des Fernsehers die Lautstärke des Receivers regeln und natürlich lassen sich so auch die Menüs von PS3 und PS4 sowie deren jeweilige Funktionen beim Abspielen von BluRay-Filmen steuern. Alles mit nur einer Fernbedienung.

Das ist kein Hexenwerk, sondern HDMI Consumer Electronics Control, eine Schnittstelle zum Austausch von Steuerfunktionen zwischen mehreren über HDMI verbundenen Geräten. Leider ist sie, wie so vieles am HDMI-Standard, optional und wird von verschiedenen Herstellern unterschiedlich vollständig und unter unterschiedlichen Markennamen umgesetzt. Bei Panasonic heißt das Viera Link, bei Samsung AnyNet+, bei der PS3 „Steuerung für HDMI“ und bei der PS4 „HDMI-Geräteverbindung“. Gemeint ist immer das Gleiche, und ärgerlicherweise ist es standardmäßig bei den meisten Geräten wie auch den PlayStations nicht mal eingeschaltet und muss vom Benutzer selbst aktiviert werden.

Aber wenn es funktioniert, ist es ganz wunderbar. Von absurden Geschichten wie der One, die beim Einschalten per Infrarot-Blaster den schon laufenden Fernseher ausschaltet, bleibt man verschont. Infrarot-Blaster! Wie steinzeitlich!

Games, games, games!

Spiele gibt es natürlich auch, aber den ultimativen Kaufgrund sehe ich noch nicht. Ich schaute auf Sonys Unterstützung für die PS3 in den letzten Jahren und kaufte ein Versprechen, klar.

Ein kurzer Blick über den Tellerrand: Anfang des Jahres erwarb ich einen neuen Desktop-PC als Ersatz für meinen sechs Jahre alten Core 2 Duo. Auf das Ding freute ich mich ähnlich wie jetzt auf die PlayStation 4. Wahnsinnige Geschwindigkeit! Wenn Windows 7 in 14 Sekunden bootet, hat man keine Zeit mehr, um Kaffee zu machen. Diablo 3 ruckelte plötzlich nicht mehr, andere Spiele sahen etwas hübscher aus. Alles lief schneller – und blieb ansonsten doch gleich. Dem großen Sprung bei der Hardware folgte nicht sofort ein großer Sprung bei der Software.

Ähnlich ist es mit der PlayStation 4. Ich habe Skyrim auf der PS3 überlebt, weil ich diese großartige Welt auf dem großen Bildschirm genießen wollte. Von der Couch aus, auf dem Fernseher. Immer mit dem nagenden Gefühl, dass das nebenan auf dem PC alles auch deutlich schöner aussehen könnte. Die PS4 sorgt dafür, dass dieses Gefühl verschwindet. Openworld-Spiele traten schon in den letzten Jahren ihren Siegeszug an, aber erst jetzt kann ich in der Konsolenfassung von Assassin’s Creed auf einen Kirchturm steigen und über eine Stadt hinwegblicken, ohne in der Ferne die einzelnen Polygone zählen zu können. Dafür muss ich mich nicht im Media Markt über den Haufen rennen lassen, aber für den Kauf an sich reichte mir das aus. Mehr habe ich zum Launch nicht erwartet.


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13 Kommentare

  1. Zwerg-im-Bikini - 02.12.2013 13:20

    Danke für den tapferen Einsatz an der Front :D.
    Ich liebäugle zwar auch mit der PS4, aber werde sie mir erst holen, wenn es genug interessante Exklusivtitel für mich gibt. Vielleicht ist sie bis dahin ja auch schon etwas günstiger.

    Mir ist auch unverständlich, weshalb die Mediaserver-Features der PS3 wegrationalisiert wurden. Für mich ist das ein ziemlicher Verlust, weil sie mir bisher einen extra Kasten im Wohnzimmer erspart hat. Auch dass man die Inhalte immer noch nicht frei sortieren kann, wirkt etwas antiquiert. Das konnte doch schon die Wii?

  2. Doreen - 02.12.2013 14:46

    Ein bisschen warte ich ja auch noch, vor allem die anfänglichen Kinderkrankheiten schrecken mich ja immer ein wenig ab. Die Hauptsache ist aber, dass ich momentan wirklich nicht richtig weiß, was ich mit dem Teil eigentlich soll. Ich habe noch so viel Krams hier liegen und das aktuelle Line up reizt mich noch zu wenig. Nächstes Jahr gibts bestimmt schon schöne Bundle oder so, mal gucken.

    Was ich aber schon krass finde ist, dass sie erstmal von grundauf soviel wegrationalisiert haben. Klar, kann man das alles wieder nachreichen, aber halt so Sachen wie MP3 und 3D, urgs, finde ich etwas komisch. Aber ok, Musik habe ich mit der Ps3 auch kaum gehört. Na mal gucken.

    Habe sie mir vorhin im Laden mal aus der Nähe angesehen. Schön finde ich sie ja schon von der Optik her, aber aus der Nähe ist sie doch größer als ich dachte.

  3. Chris - 03.12.2013 00:38

    Ganz ehrlich? Ich finde meine PS3 Slim hübscher als die PS4. Das kantige Design ist an sich ganz toll, harmoniert aber nicht besonders gut mit meiner restlichen Heimkino-Ausstattung.

    Was ich ganz vergessen hab:

    1080p > 900p
    Assassin’s Creed 4 hatte ursprünglich 900p auf der PS4 und wurde mit dem ersten Patch auf eine Auflösung von 1080p hochgerüstet. Wie erwartet wird das Bild dadurch deutlich klarer und schärfer. Logisch, auf dem PC würde auch niemand auf den Gedanken kommen, den Bildschirm anders als mit der exakten Anzahl an Pixeln, die er darstellen kann, anzusteuern. Notfalls dreht man halt die Details runter. Ich hoffe mal stark, dass 1080p auf PS4 und XB1 Standard werden.

    Touchpad
    Lange hab ich mich gefragt, was das Touchpad auf dem DS4 wohl soll. Wohl zu Unrecht. AC4 benutzt es für die Kartendarstellung. Man kann auf der Map mit den gleichen Multitouch-Gesten herumzoomen und -wischen, die man vom Smartphone kennt. Fühlt sich von Anfang an großartig an und will ich nie mehr anders haben.

  4. SpielerZwei - 06.12.2013 07:27

    Sofort nach dem Kauf die HDD zu tauschen, ist typisch PC-Gamer, Chris. :-)
    An sich eine gute Idee (noch mehr wegen der Geschwindigkeitssteigerung, als nur des Platzes wegen), aber Dir ist schon klar, dass damit sofort die Garantie erloschen ist? Bei einer Day-One-Konsole sehr mutig… ^^

  5. Chris - 06.12.2013 09:34

    Nein, wie schon bei der PS3 bleibt die Garantie davon unberührt. Sonst würde Sony auch kaum selbst Anleitungen veröffentlichen, wie man die Platte tauscht: https://support.us.playstation.com/app/answers/detail/a_id/5107

  6. SpielerZwei - 06.12.2013 15:30

    Echt? Interessant, denn bei der Xbone ist das nicht so…

  7. Missingno. - 06.12.2013 17:49

    Ist bei der Xbox One der Plattentausch offiziell vorgesehen? Ich glaube nicht. Prinzipiell wahrscheinlich möglich (wie bei der Xbox 360), aber eben nicht so offen wie bei Sony.

  8. Doreen - 06.12.2013 18:21

    Hatte mir auch bei der PS3 damals eine größere Platte einbauen lassen, bzw. es mir zeigen lassen, war ganz leicht. Die Garantie ist nicht erloschen und man war auch frei, sich die „Marke“ zu wählen. War bei der Xbox eh nicht irgendwas mit einer neuen Platte direkt von Microsoft? Und auch nur extern? Weiß das ehrlich gesagt nicht mehr so genau.

  9. Missingno. - 06.12.2013 18:33

    Bei der Xbox 360 gab es eigentlich nur die Aufsteck-Festplatten von Microsoft, die total überteuert waren. Man konnte aber auch einige andere kompatible „normale“ Festplatten verwenden, musste aber (zumindest anfangs) eine spezielle Firmware aufspielen. War also (Microsoft-typisch) eine Riesenfrickelei. ;-)

  10. Doreen - 06.12.2013 18:37

    Ah ja ok, danke für die Info. Wusste ich doch, dass das irgendwie ’ne janz desaströse Angelegenheit war. ;D

  11. Chris - 07.12.2013 11:26

    Kein Wunder, dass bei der Xbox One die Garantie verfliegt. Man muss die halbe Kiste aufbrechen, um da ranzukommen: http://www.ifixit.com/Teardown/Xbox+One+Teardown/19718

  12. Haris - 12.12.2013 23:52

    Die Hersteller verfolgen da einfach unterschiedliche Ansätze. Sony erlaubt euch, die Platte auszutauschen, dafür sind externe HDDs Tabu. Auf der X1 darfst du keine Platte tauschen, dafür sollen externe Festplatten voll unterstützt werden. Kann beide Ansätze verstehen, fände es aber gut, wenn mich einfach beide Hersteller wählen lassen würden, wie ich nun meinen Speicher erweitere.

    Ansonsten nett geschrieben, vermisse aber Eindrücke zu dem, was bei einer Konsole wirklich zählt: den Spielen. Hast du was vom Launchlineup gespielt, gerade von den Exklusivtiteln? Killzone und Knack werden ja internetweit ziemlich verrissen…

  13. Chris - 13.12.2013 02:22

    Da kann ich auch nicht viel anderes erzählen als alle anderen. Resogun finde ich großartig. Assassin’s Creed 4 läuft flüssiger und mit viel besserer Weitsicht als auf der PS3. Da vermisse ich zum ersten Mal nicht mehr den PC, wenn ich auf dem Kirchturm stehe.

    Egoshooter sind einfach nicht mein Ding, weshalb ich Killzone nach anderthalb Stunden Anspielzeit meinem Nachbarn zurückgegeben habe. Grafisch eindrucksvoll, aber ich fand die Steuerung nicht sehr eingängig und die Story strunzdämlich. Den Vorgänger hab ich mit einem Kumpel gemeinsam im Splitscreen durchgespielt (wie auch die komplette GoW-Reihe), aber den Splitscreen-Modus gibt es nicht mehr. Was soll ich sagen, der einzige Modus, in dem ich mit Egoshootern auf der Konsole jemals Spaß hatte, ist zugunsten von Online-Multiplayer in der Next Gen wohl kein Thema mehr…

    Knack finde ich nicht so schlecht, wie es gerne gemacht wird. Klar, die Speicherpunkte sind dämlich weit auseinander und das Kampfsystem ist nicht gerade von Tiefgang geprägt, wenngleich viele Gegner onehitten und ich deshalb schon recht regelmäßig ins Gras beiße… Spaß hab ich erstaunlicherweise trotzdem, auch wenn ich nicht genau erklären kann, wo der herkommt. Trotzdem ist das sicher kein Titel, an den man sich in 1-2 Jahren noch erinnern wird.

    Wie im Text erwähnt: Momentan verpasst man nicht viel, wenn man keine PS4 hat. Da spielt die Musik noch eher auf der PS3. (Und auf dem 3DS. OMG. Mit dem könnte ich mich momentan Vollzeit beschäftigen, ich bräuchte nichts anderes mehr. Animal Crossing, Zelda, Bravely Default…)

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