LEGO Dingenskirchen

In einem geheimen Raum im Keller des Zwei-Anwesens. SpielerZwei und seine Frau, SpielerinZwei, arbeiten sich im Coop durch das Videospiel LEGO Harry Potter: Die Jahre 1-4. Sie mag Harry Potter und hat alle Bücher gelesen. Er hasst Harry Potter von ganzem Herzen und hat lediglich unter Zwang die Filme gesehen. Hierbei konnte folgendes Gespräch mitgeschnitten werden, welches wir weltexklusiv in Auszügen präsentieren:

Er: Da vorne muss man mit dem Besen rüberfliegen.

Sie: Dann nimm doch Harry.

Er: Daniel Radcliffe, das untalentierteste aller Zauberblagen? Warum? Ich kann doch genau so gut die nervige Strebertante nehmen.

Sie: Hermine? Na wenn Du meinst…

Er: Was soll das denn? Die fällt ja immer vom Besen.

Sie: Ja, eben. Hermine kann das nicht so gut.

Er: Aber warum? Muss man das wissen? Ich hab die Bücher nie gelesen.

Sie: Aber die Filme gesehen.

Er: Notgedrungen und nur unter Androhung von körperlicher Gewalt. Ich kann mich kaum an Details erinnern, weil ich mit Augenrollen beschäftigt war…  Anyway. Wenigstens konnte die Hermine-Darstellerin ein wenig schauspielern. Wobei das ja alles relativ ist, denn neben Daniel Radcliffe sieht ja wirklich jeder andere Darsteller gut aus. Was haben die sich nur dabei gedacht, die Titelrolle mit so einer Pfeife zu besetzen? Und ausgerechnet der spielt auch noch Theater in London…

Sie: Spielen wir jetzt weiter oder was?

Er: Was ich ja ziemlich klasse finde ist, dass sich jetzt im Multiplayer der Bildschirm dynamisch teilt. Bei den älteren LEGO-Spielen musste man ja immer auf seinen schnarchigen Mitspieler warten oder ihn ständig zu sich rufen.

Sie: Wer ist hier schnarchig?

Er: Ach, schon gut…

Sie: Da drüben ist so eine Kette zum Ziehen!

Er: Ja, da musst Du zu einem Muskelprotz-Charakter wechseln. Nimm doch den Dicken mit dem Rauschebart.

Sie:  Hagrid.

Er: Heißt der nicht Fitz…?

Er: So so, der hat also Angst vor Spinnen. Kam das auch in den Filmen vor?

Sie: Ron? Ja, glaube schon.

Er: Indiana Ron. Da-dadadaaa Da-dadaaa! Hehe. Das ist aber praktisch: So kann man Ron wenigstens von den anderen Fiesleys unterscheiden. Wie viele gibt es von denen eigentlich?

Sie: Viele.

Er: Die Weasleys sind halt die klassische irische Arbeiterfamilie. Da fällt mir sofort der Monty Python-Sketch mit der katholischen Familie ein…

Sie: Ja, kenne ich. „Die wunderbare Welt der Schwerkraft“. Jetzt mach endlich hin, du Labertasche.

Er: Sag mal, in welchem Film konnte sich die Strebertante denn in eine Katze verwandeln? Das hab ich ja gar nicht mitbekommen.

Sie: Hermines Haustier ist ein Kniesel, keine richtige Katze.

Er: Ich meine nicht die Katze, die sie dabei hat, sondern den Hermine-Katzen-Mutanten, den man auch spielen kann.

Sie: Keine Ahnung.

Er: Frauen, die sich in Katzen verwandeln können, finde ich ja absolut sexy!

Sie: …?

Sie: Die Geister-Charaktere sind ja mal ziemlich nutzlos. Außer Leute erschrecken können die ja gar nichts.

Er: Aber dafür gibt es immerhin ein eigenes Achievement!

Sie: Dafür, dass die nichts können?

Er: Nein, für’s Leute erschrecken. Unser Sohnemann ärgert sich aber auch immer: Er will jedes Mal unbedingt einen Geist dabei haben und meckert dann anschließend rum, dass der nichts kann. Die sind im Spiel wirklich noch nutzloser als die Muckel.

Sie: Die heißen „Muggel“, Du Muggel.

Er: Der Hub ist bei LEGO Harry Potter wirklich super gemacht. Viel besser als bei den Vorgängerspielen.

Sie: Der was?

Er: Der Hub ist quasi der Hauptlevel, von dem die anderen Level alle erreichbar sind. Wie findest Du denn die Umsetzung der Schule für nervige Zaubergören? Ist die einigermaßen authentisch?

Sie: Hogwarts ist wirklich schön gemacht. Man entdeckt schon ziemlich viele Details aus den Büchern wieder. Ist für die echten Fans bestimmt toll.

Er: Ein paar Dinge sind ja auch bei mir aus den Filmen hängen geblieben: Die lebendigen Bilder, die ich mir aus Gründen der Privatsphäre nie zuhause aufhängen würde, das völlig hirnverbrannte Treppenhaus, welches vermutlich nur entworfen wurde, um den Hausmeister zu ärgern, das Quidditch-Feld, das man gar nicht braucht, weil man ja fliegt…

Apropos Quidditch: Das einzig coole, was ich mit diesem absurden Besen-Rugby-Spiel verbinde, dessen Regeln wahrscheinlich selbst für ganz harte Potter-Fans keinen Sinn ergeben, ist, dass es eine Schnatz-Referenz im 5. Band der „Dark Tower“-Reihe gibt. Bei Stephen King werden die Dinger allerdings dazu benutzt, Leute zu schnetzeln.

Sie: Ja, echt total cool. Das hast Du mir auch erst 20 mal erzählt…

Sie: Wenn man erst mal die Multiplikatoren freigespielt hat, verliert das Geldsammeln ja deutlich an Reiz.

Er: Stimmt. Spiele mit eingebauten Cheats sind immer so eine Sache. Kommt meistens als Krücke für die Casual-Spieler rüber. Aber dass man sich später beispielweise die noch fehlenden goldenen Steine und Wappenteile anzeigen lassen kann, finde ich eigentlich ganz sinnvoll. Ohne die Marker hätte ich in einigen Levels, vor Allem aber in der Schule selber, wahrscheinlich schon lange aufgegeben.

Sie: Ja, aber wenn man nicht mehr richtig suchen muss, wird daraus ein Abarbeiten. Macht die Sache nicht gerade spannender.

Er: Ey! Du hast mich schon wieder im Eifer des Gefechtes gekillt! Pass doch mal ein bisschen auf.

Sie: Stell Dich mal nicht so an. Wenn Dein Männchen kaputt geht, geht es doch sofort wieder weiter. Die Konsequenzen für’s Sterben sind doch gleich null. Und das verlorene Geld spielt inzwischen auch keine Rolle mehr.

Er: Es geht um’s Prinzip. Ich lasse mich einfach ungern von meinem Coop-Partner umbringen.

Sie: Och, sieh es doch als eine fantastische Gelegenheit, unsere Beziehungsprobleme unblutig auszutragen.

Er: Aha! Du machst das also mit Absicht! Und was heißt hier eigentlich „unblutig“? Wenn wir das Spiel nicht hätten, müsste ich damit rechnen, morgens mit einem Messer in der Brust aufzuwachen? Hier tun sich ja Abgründe auf…

Sie: Quatsch nicht, spiel weiter.

Sie: Ich komm nicht durch die Tür. Die wollen mich einfach nicht reinlassen.

Er: Da ist ja auch ein Wappen über der Tür. Du musst einen Charakter aus dem entsprechenden Haus nehmen. Schwarz-gelb, hm, welcher Verein ist denn das?

Sie: Woher soll ich das wissen? Borussia Dortmund?

Er: Du hast doch die Bücher gelesen!

Sie: Aber nicht auswendiggelernt.

Er: Wozu spiele ich dann eigentlich mit Dir? Ich dachte, Du wärst die Expertin hier…

Egal. Ich glaube, wenn man den Dumblegay nimmt, kommt man in alle Häuser rein, weil er ja der Direktor ist.

Sie: „Dumblegay“?

Er: Ja, laut Rowling ist Dumbledore schwul.

Sie: Ach? Muss mir entgangen sein. Und welchen Zweck erfüllt diese Information?

Er: Für die Story wohl keinen, aber das kommt bei den Gutmenschen garantiert gut an. Politisch korrekt und so. So verkauft man noch ein paar Millionen Bücher mehr.

Sie: Wenn Du meinst…  Ah! Jetzt komme ich wirklich durch die Tür!

Sie: Was ist denn mit dem Felsen da, der so rot funkelt? Da kann man doch bestimmt auch was machen.

Er: Dafür brauchen wir einen bösen Charakter. Zum Beispiel die kleine blonde Haargel-Arschgeige, die in den Filmen von dem einzigen Schauspieler gespielt wird, der fast noch untalentierter als Radcliffe ist.

Sie: Du meinst Draco Malfoy. Den haben wir aber nicht ausgewählt. Professor Snape geht doch bestimmt auch. Moment… Ja, geht.

Er: Snape zählt zu den Bösen?! Dabei ist der für mich der einzige wirklich coole Lehrer an der Schule. Verkehrte Welt…

Sie: Naja, der ist eigentlich auch nicht wirklich böse, aber das erfährt man erst am Ende so richtig.

Er: Ahhh! Du hast mich gerade gespoilert. Jetzt brauch ich mir die letzten beiden Filme ja auch nicht mehr anschauen.

Sei: Das hättest Du wohl gerne….

Sie: Irgendwie sind die Zwischensequenzen ja schon manchmal etwas infantil. Man hat das Gefühl, dass sich in erster Linie die 12jährigen totlachen sollen.

Er: Und? Der ganze Franchise ist doch infantil. Ich begreife ja bis heute nicht, warum wir so viele Erwachsene kennen, die auf Harry Potter stehen. Du magst die Reihe ja auch.

Sie: Also man muss schon sagen, dass die Bücher, ebenso wie die Filme, von Teil zu Teil erwachsener werden.

Er: Stimmt. Den ersten Film von Chris „Allein zu Haus“ Columbus fand ich wirklich unerträglich. Der hat mir regelrecht körperlich Schmerzen bereitet. Die folgenden Filme wurden in Relation dazu tatsächlich immer schaubarer. Aber es bleibt trotzdem eine Kindergeschichte voller Klischees, die aus anderen Büchern abgeschrieben wurden. Wann ist denn das letzte Mal einer unserer Freunde zu Dir gekommen und hat ganz begeistert ein Kinderbuch empfohlen? Diese Potter-Begeisterung bei vielen Erwachsenen ist schon irgendwie merkwürdig…

Er: YAY! Es ist vollbracht! 1000 Gamerscore geschafft! Das ist das aller erste Mal überhaupt, dass ich bei einem Vollpreisspiel auf der 360 alle Achievements bekommen habe!

Sie: Ganz toll, aber ich dachte, Du findest diese Achievement-Jagd grundsätzlich blöd?

Er: Ich habe sie ja auch nicht richtig gejagt. Das hat sich eher so ergeben, weil es einfach reizvoll war, die entsprechenden Dinge zu erledigen.

Sie: Aber Du hast doch schon darauf hin gespielt, oder? Wenn ich daran denke, wie lange wir nach dem letzten zu rettenden Schüler gesucht haben…

Er: Ein wenig. Mit dem Level-Editor hätte ich mich z.B. wohl gar nicht beschäftigt, wenn es dafür nichts gegeben hätte. Aber im Großen und Ganzen war der Antrieb einfach, das Spiel zu komplettieren, nicht die Achievements. Ich denke einfach, dass die LEGO-Spiele irgendwie dafür gemacht sind. Du weißt ja noch, wie sehr ich mich über die Thermoskannen und Dosenpyramiden in Alan Wake aufgeregt habe, weil sie die Atmosphäre des Spiels zerstören, sobald man nach ihnen sucht. Sowas geht gar nicht. Aber bei LEGO Dingenskirchen passen die Achievements irgendwie wie Arsch auf Eimer zur Spielmechanik, sind fast schon integrativer Bestandteil.

Sie: Ja, dann mal Herzlichen Glückwunsch, Du Achievement-Hure!

Er: Was?

Sie: Ach nichts…

Er: Was ich ja ziemlich faszinierend finde: Obwohl mich der Potter-Franchise eigentlich total annervt und ich wahrscheinlich nur einen Bruchteil der Gags und Anspielungen mitbekommen habe, hat mich dieses Spiel von allen LEGO-Dingenskirchen-Spielen tatsächlich am meisten gefesselt.

Sie: Ich find’s auch toll, aber ich bin ja auch kein Potter-Hasser. Mir gefällt das ganze Drumherum ziemlich gut.

Er: Es ist vor Allem spielerisch definitiv das bisher beste Spiel der Reihe. Man hat durch die Zaubersprüche wesentlich mehr Möglichkeiten in Bezug auf die Aufgaben und Rätsel als in den Vorgängern. Und dann noch der clevere und lebendige Hub, der die Übergänge zwischen den eigentlichen Levels genial fließend gestaltet.

Sie: Ich finde Lego Harry Potter, unabhängig von der Vorlage, schon allein deshalb besser als die anderen LEGO-Spiele, weil man hier nicht nur kaputt macht und abknallt, sondern auch mal seinen Kopf benutzt. Sehr schönes Spiel. Hat Spaß gemacht!

(Danke an Mexer für den Header! Und nein, SpielerZwei hat (noch) keine Glatze…)


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3 Kommentare

  1. HomiSite - 29.01.2011 14:24

    Dachte erst „Mäh, Lego-Spiele UND noch laanger Text“, war aber gut und lustig zu lesen (erinnerte mich teils an kopfschuettel.de). Mal sehen ob ich irgendwann Lego Indy Jones auf NDS weiterspiele, das ist aber verbuggt.

  2. Ben - 29.01.2011 15:46

    Schöne Idee, mir aber bisschen zu krampfhaft in der Ausführung.

    Davon abgesehen verstehe ich als jemand der im 3. Buch aufgehört und keinen Film gesehen hat, grade mal so die Hälfte, scheint schon arg Fanservice zu sein, oder?

  3. Chris - 30.01.2011 14:45

    Entspricht dem Spiel. Bei Lego Star Wars wars jedenfalls so, dass man damit kaum was hätte anfangen können, wenn man die Filme nicht kennt.

    Mir gefällt ja SpielerZweis Mass-Effect-T-Shirt!

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