Der Nitro unter den Kartracern

Ich bin heute um so Vieles klüger geworden.
Wusstet ihr, dass Jak X quasi ein Nachfolger von Crash Team Racing ist? Nein? Müsst ihr eigentlich auch nicht, euer Lieblings-Kartracer ist ja vermutlich auch nicht Jak X. Meiner aber schon. Da ich das originale CTR auf der PlayStation 1 aber nicht kannte und allgemein immer mehr Team Jak als Team Crash war, war für mich Jak X immer das alleinstehende Maß aller Dinge. Es hat einfach ein paar Eigenheiten, lässt ein paar Taktiken zu, die sich in keinem anderen Kartracer finden lassen. Nicht in Mario Kart, nicht in Diddy Kong Racing, nicht in Sonic & SEGA Allstars. IN KEINEM.
Außer halt im Remake von Crash Team Racing, Nitro-Fueled.
Hier rase ich teilweise über Streckenabschnitte, die ich in Jak X schon tausendfach durchdriftet habe und entsprechend blind bewältigen kann. Hier finde ich eine sehr ähnliche Upgrade-Mechanik für die Waffen, die ich aufsammle. Und die ebenfalls die Gleichen oder sehr, sehr ähnlich sind, von der zielsuchenden Dreier-Rakete bis zum blauen Blitz, der den ersten Platz grillt.
Crash Team Racing: Nitro-Fueled ist ein Remake von Crash Team Racing und eine Fortsetzung von Jak X, das wiederum eine Fortsetzung von Crash Team Racing ist. Raucht euch schon der Kopf?
Mich sollte das eigentlich nicht so sehr wundern, schließlich sind beides Naughty Dog-Franchises, die sich in mehr als nur dieser Hinsicht ähneln. Auch die Jak & Daxter-Hauptreihe ist nichts anderes als die kontinuierliche Verbesserung und Veränderung von dem, was Naughty Dog mit Crash Bandicoot begonnen hatte.

Damit gefällt mir das Spiel direkt noch mehr. Und das hätte es eigentlich gar nicht gebraucht. Denn CTR ist ein toller Kartracer, vielleicht der beste, den ich in den letzten zehn Jahren gespielt habe. Aber er ist bockschwer, selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad, und lässt so viele taktische Entscheidungen zu, dass es eine Weile braucht, um ihn ganz zu durchdringen. Aufgrund des Schwierigkeitsgrades sind all diese Möglichkeiten sehr oft auch nötig, um sich die erforderlichen Millisekunden Vorsprung zu verschaffen. Fehler verzeiht das Spiel nur schwerlich; Rubberbanding gibt es weder für die Gegner noch für einen selbst, wenn ich also weit abgeschlagen hinter dem Feld zurückliege, dann kann ich das entsprechende Rennen mit Sicherheit vergessen. Noch hat mich das jedoch nicht frustriert zurückgelassen. Wenn etwas schief geht, dann bin ich die meiste Zeit selbst schuld: Upgrades und Waffen sind bei Weitem kein so unberechenbarer Zufallsfaktor wie in den meisten Konkurrenzprodukten. Jede Waffe hat einen taktischen Konter. Herumliegende TNT-Kisten und Reagenzgläser, effektive Minen, lassen sich mit Bomben oder Raketen aus dem Weg räumen. Raketen und Bomben von hinten wiederum lassen sich mit einem Schild oder einer rechtzeitig geworfenen TNT-Kiste ablenken. Selbst der allseits gehasste Pole Position-Penetrator, in diesem Fall ein blauer Blitz, kann mit einem dedizierten Schutzschild ausgehebelt werden. All das kenne und liebe ich aus Jak X. All das liebe ich hier. Und wenn ich dann auf dem letzten Platz lande, weil ich nicht richtig geboostet habe, dann versuche ich es eben noch mal.

Dass das Spiel so unverschämt gut aussieht, hilft. Der Comic-Stil von Crash Team Racing schreit so sehr seine Wurzeln als 3D-Jump and Run heraus, dass mir das Fehlen eines richtig guten, zeitgemäßen Genrevertreters in der Brust wehtut. Mehrfach fühle ich mich an Yooka-Laylee und seine wunderhübschen (wenn auch letztendlich seelenlosen) Hubwelten erinnert. Ziehen die cartoonigen Crash-Charaktere ihre Samstagmorgengrimassen auf dem Treppchen, will ich eigentlich nur noch mit Coco oder Tiny Tiger durch eine offene Welt hüpfen. Vielleicht wird es doch mal Zeit für mich, Spyro: Reignited eine Chance zu geben.
Crash Team Racing ist vermutlich nicht das, was sich die meisten Leute von einem Kartracer wünschen. Pick up and Play ist es nicht gerade. Aber mir gefällt es besser, wenn der Hass auf meine Freunde daher rührt, dass sie besser gefahren sind als ich, und nicht daher, dass sie einen roten Panzer hatten, wo ich mit einem Pilz Vorlieb nehmen musste. Die vielen komplett neu gemachten Strecken, die Charaktere mit unterschiedlichen Fahreigenschaften, die Kostüme und die schiere Menge an Spielmodi werden mich garantiert noch lange bei der Stange halten. Wenn auch vielleicht nicht ganz so lange wie damals Jak X.


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1 Kommentar

  1. Missingno. - 11.07.2019 09:24

    Dass das Spiel so unverschämt gut aussieht, hilft.

    Bei den Screenshotsdachte ich eher „wieso ein Spiel aus der PS2-Ära herauskramen?“. (Gut, grafisch hätte ich das noch auf GameCube-/Wii-Niveau gesehen, aber ist halt ein Sony-/PlayStation-Titel.)

    Selbst der allseits gehasste Pole Position-Penetrator, in diesem Fall ein blauer Blitz, kann mit einem dedizierten Schutzschild ausgehebelt werden.

    Bekommt man dieses dedizierte Schutzschild denn auch? Das Äquivalent ist bei MK8 die Super-Hupe und die muss man halt erst einmal haben.

    dass sie einen roten Panzer hatten, wo ich mit einem Pilz Vorlieb nehmen musste.

    Wenn man gut ist und das Timing drauf hat, kann man mit einem Pilz dem blauen Panzer entkommen. Theoretisch besteht je nach Strecke die Möglichkeit auch einen roten Panzer auszumanövrieren. Weitere Konter sind Bananenschalen, grüne und rote Panzer und sogar Bob-ombs, wenn man sie rechtzeitig abwirft. Ändert natürlich nichts daran, dass das grundsätzliche Zufallschaos bei Mario Kart inzwischen so gewollt ist und ich daher sofort glaube, dass andere Kart-Racer sich taktischer spielen.

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