Im Schnelldurchlauf

So. Mal wieder den Schrank ausgemistet, in dem so viele, teilweise noch nagelneu eingeschweißte, Spiele einsam vor sich hin kompostierten, dass einem schon beim Gedanken daran, das alles mal irgendwann durchzuspielen, ganz schwindelig wird.

Daher bitte nicht wundern, wenn einige der hier aufgeführten Titel bereits leicht verwest erscheinen oder es bereits tatsächlich sind…

Rogue Trooper
An diesem Spiel lassen sich ganz hervorragend die Einflüsse von einigen vorherigen Rebellion-Titeln aufzeigen: Man nehme ein leicht abgedrehtes Sci-Fi-Szenario (Judge Dredd: Dredd vs. Death), würze es mit einer guten Portion Weltkriegsatmosphäre (Iron Storm: World War Zero) und füge zum Schluss noch die Schleich- und Scharfschützeneinlagen von Sniper Elite hinzu.
Fertig ist Rogue Trooper.
Okay, ganz so leicht sollte ich es mir vielleicht dann doch nicht machen, denn Rogue Trooper war ein Spiel nach meinem Geschmack: Ein leicht verrückter und nebenbei noch schlumpfblauer GI (Genetic Infantry) mischt die bösen Norts auf der Nu Earth auf und quatscht nebenbei mit seinen toten Kameraden, die als Biochips in seiner Ausrüstung weiterleben und ihn mit allerhand Spezialfähigkeiten und Kommentaren unterstützen… Zugreifen!

Made Man
Stellt Euch vor, jemand wäre vor etlichen Jahren klammheimlich bei Illusion Softworks eingebrochen und hätte die Alpha-Versionen von Mafia und Vietcong geklaut, zu einem Spiel zusammengewurschtelt und erst im Jahre 2006 veröffentlicht, ohne jedoch dabei die Grafik zu verbessern.
So jedenfalls gestaltet sich der ernüchternde Ersteindruck. Hält man jedoch die ersten paar Levels durch und spielt nur ein bis zwei Levels am Stück, dann mausert sich Made Man zu einem angenehmen Pausenfüller für zwischendurch.
Die Musik plätschert meist recht unauffällig daher, gefällt aber immer wieder durch Rock-Klassiker der Vietnam-Ära. Die englischen Sprecher sind durchgängig gut; leider ist die Sprachausgabe stellenweise viel zu leise abgemischt.
Die Story ist wirklich ganz brauchbar, aber warum in Himmels Willen wird sie nur in pixeligen Zwischensequenzen präsentiert, bei denen die Entwickler offenbar dachten, dass sie allein durch die Tatsache, dass jedes zweite Wort entweder „Shit“, „Fuck“ oder „Motherfucker“ ist, automatisch cool wirken?
Selbst elementare Features wie das an Gears of War erinnernde Deckungssystem wirken unfertig, weil Joey (die Hauptperson) beim Angriff aus der Deckung heraus gerne mal gegen selbige feuert und dabei wild hin und her zuckt.
Mit mehr Entwicklungszeit hätte hier so Einiges draus werden können – schade.

Advent Rising
Kurz gesagt: Story hui, Gameplay (auf Dauer) pfui. Ohne Übertreibung verfügt Advent Rising über eine der besten Sci-Fi-Stories, die es je auf meinen Bildschirm geschafft haben. Da ich kein Freund von Spoilern bin, nur soviel: Eine mächtige Rasse von Außerirdischen, die Aurelianer, besucht eines Tages die Menschheit, um sie vor einem weiteren Volk zu warnen – den Suchern. Die sind nämlich ganz furchtbar böse und wollen die Menschen inklusive der Erde am liebsten gleich komplett vernichten.
Kurze Zeit später stehen die Sucher dann auch tatsächlich auf der Matte und sorgen für ein abgefahrenes Effekt-Feuerwerk. Ob den Suchern ihr Vorhaben gelingt, wieso ausgerechnet die Menschheit dran glauben muss, was der Pilot Gideon, in dessen Rolle der Spieler schlüpft, mit dem Zeug zu tun hat und warum sich die Aurelianer überhaupt darum scheren – all das verrate ich Euch nicht. Muahahaha! Und Ihr werdet mir dafür noch dankbar sein…
Ach ja: Wer auf eine Mischung aus Halo-Mucke und Carmina Burana steht, für den führt definitiv kein Weg am Soundtrack von Tommy Tallarico vorbei!

Megaman X8
Ein Megaman, wie er im Buche steht: Viele witzige Levels mit noch viel mehr witzigeren Gegnern, ebenso fordernden wie dämlich betitelten Endbossen und einem Schwierigkeitsgrad, der sich aber sowas von gewaschen hat.
Ich weiß, das war schon bei den früheren Teilen so, aber heutzutage fällt ein Spiel mit einem anspruchsvollem Schwierigkeitsgrad – böse Zungen würden vielleicht stellenweise von einem geradezu unfairen sprechen – halt auf.
Aber immerhin alles in 3D und sogar noch auf dem PC. Juhuu!

GUN
Ja, Wahnsinn, so war bestimmt der Wilde Westen: Ein Mann reitet auf seinem Pferd mit unsichtbaren Zügeln gen markiertem Punkt auf der Minimap und bewundert derweil die eindrucksvoll-verwaschene Landschaft mit erstaunlich eckigen Steinformationen, die die Urkraft des Bitmap-Wassers über Jahrhunderte hinweggeschmirgelt hat. Hin und wieder friert sein beeindruckender Ritt für einige Sekunden ein, weil das überaus bescheuerte Caching-System alle zehn Meter irgendwelche Weiß-der-Geier-Was-Für-Daten nachlädt, und das trotz genügend RAM unter der Haube und der Tatsache, dass der Autor dieser Zeilen in diesem Areal in den letzten fünf Minuten schon dreimal hin- und her geritten ist.
Urplötzlich tauchen Gegner vor ihm auf, fast könnte man meinen, sie erschienen aus dem Nichts, doch er schaltet bequem per Knopfdruck in den Zeitlupen-Modus und verpasst jedem Klon-Störenfried einen sauberen Kopfschuss. Fertig. Mission erledigt.
Zurück in einer der beiden einzigen Städte im Wilden Westen wird er sogleich von klischeehaften Charakteren empfangen, die ihn auf eine weitere identische Mission schicken…
Äh, nein. Dann doch lieber Call of Juarez oder wieder mal Outlaws und Dead Man’s Hand aus der Mottenkiste kramen.

Resident Evil 4
Eigentlich ist die PC-Version von RE4 wie Oblivion: Wenn man sich erst mal knapp 1,7 GB an Mods heruntergeladen und installiert hat, dann ist es tatsächlich ganz spaßig.
Zum Spiel selbst muss ich wohl nicht allzu viel sagen, schließlich dürftet Ihr das alle wohl schon längst kennen, oder?
Falls dem nicht so sein sollte, so lohnt der Kauf allein deshalb, um mit Ashley einen der wohl nervigsten NPCs und mit RE4 eine der miesesten out-of-the-box Konsolenumsetzungen aller Zeiten kennenzulernen. Und das ist doch schon mal was.

Mir bleibt dann auch nur noch übrig, Euch einen guten Rutsch zu wünschen und sich auf 2008 zumindest in Sachen Game-Blogs zu freuen, auch wenn SpielerZwei sein Schweigegelübde bereits hier und auch an anderer Stelle ein wenig zu freizügig ausgelegt hat…


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