SpielerZwei: Die Resident Evil-Reihe feiert dieses Jahr ihr 30jähriges Jubiläum. Da kann man es Capcom kaum übelnehmen, dass Requiem, inzwischen der 9. Teil der Hauptlinie, eine Art Best-Of geworden ist. Als Unterhaltungsprodukt ist es absolut gelungen und Freunde des Franchise bekommen zum runden Geburtstag einen AAA-Fanservice-Galore!
Wenn ihr hier schon länger mitlest, denkt ihr jetzt vermutlich: „Wenn SpielerZwei schon so verdächtig gönnerhaft anfängt, dann hat er sicher etwas zu meckern.“ – Und ihr habt absolut Recht, liebe Freunde!


Das Writing von Grace hat mich tatsächlich ein wenig schockiert, weil Capcom seine weiblichen Figuren immer noch wie in den 90ern schreibt. Sie ist die klassische, japanische „Damsel in Distress“, die regelmäßig von Leon gerettet werden muss. Ich dachte wirklich, dass der Franchise das inzwischen hinter sich gelassen hätte, aber da haben mich RE 7 und 8 wohl getäuscht. Ja, das RE 4-Remake hatte das auch, aber da dachte ich noch, die Cheesyness sei dem Original von 2005 geschuldet. Tja. Um so facepalmiger, dass einige Kritiker in ihren Reviews besonders Grace als Figur loben…

Aber jetzt mal zum Punkt, warum ich Resident Evil: Requiem für einen höchst unterhaltsamen und toll produzierten, aber irgendwie auch total feigen Fanservice halte:
Der Aufbau des Spiels ist eigentlich mit dem von RE 8 identisch. Erst läuft man stundenlang vor Lady Dimitrescu davon und puzzelt sich vorsichtig aus der Villa heraus. Danach wird das Gameplay immer action-lastiger, um uns am Ende routiniert mit der Schrotflinte alles Wegballern zu lassen. Das Pacing ist in Requiem in etwa das gleiche, nur dass es durch die Trennung von Action und Gruseln, respektive Leon und Grace, zu genau null Charakterentwicklung führt, damit die Figuren als Capcom-Tropes von Gestern die alten Fans entzücken können. Hier gibt es keinen Ethan Winters, der sich während der Geschichte entwickelt, sondern Grace und Leon, die am Ende genau so sind, wie sie am Anfang eingeführt wurden. Das Pacing von Village wird 1-zu-1 dadurch kopiert, dass Grace die Hauptfigur in der ersten Hälfte des Spiels ist und man Leon nur immer mal ganz kurz für ein paar Minuten spielt. In der zweiten Hälfte ist es dann genau umgekehrt. Das ist ein durchaus legitimer Kniff, um die Wiederholung von RE 8 zu kaschieren, aber macht RE 8 in meinen Augen dann doch zum deutlich besseren Spiel.

Und so endet Resident Evil: Requiem auf einer wirklich sehr hohen Note, ohne dass diese dem Rest des Spiels wirklich gerecht wird, aber vielleicht die Erklärung für die vielen unkritischen Jubel-Reviews sein könnte… Nach dem Durchspielen denkt man erstmal „Whoa! Das war echt cool!“, und das stimmt ja auch. Aber eben nicht so cool wie die Teile 8, 7 und 4. Ja, sogar das oft geschmähte Resident Evil 5 war als das, was es war, deutlich mutiger und konsequenter als Requiem.
Aber dennoch, wie schon mehrfach betont, ist Resident Evil: Requiem ein tolles AAA-Spiel und wirklich eure Aufmerksamkeit wert. Also beende ich meine Meckerei auf hohem Niveau und wünsche Resident Evil trotzdem einen schönen 30. Geburtstag! Küsschen!
Urs: 30 Jahre Resident Evil?! Ach du liebe Scheiße! Nachdem sich Capcoms altehrwürdige Horror-Serie bis zum legendären vierten Teil zu immer neuen Höhen aufgeschwungen hatte, ging es mit ihr qualitativ deutlich bergab. Die Rettung, die mit der Neuausrichtung im siebenten Teil erfolgte, ist nun auch schon fast ein Jahrzehnt her. Mit Requiem folgte nun die Kulmination aus allem, was seitdem spielmechanisch in der Reihe passiert ist. Genau wie du, SpielerZwei, war ich ein großer Fan von RE Village. Die Mischung aus typischem Resident Evil-Schwachsinn und klassischen Universal-Monster-Tropen ging für mich wunderbar auf. Aber im Gegensatz zu dir, habe ich auch die Remakes ab Teil zwei sehr ausgiebig gespielt und mochte sie noch ein bisschen mehr, als die Hauptteile. Ich denke, dass ich nicht zuletzt deshalb einen etwas anderen Blick auf Requiem habe, als du.






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