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Vizekönig der Besessenen

Ein paar Gemeinsamkeiten hat Destinys großes Addon ja schon mit der Star Wars-Prequel-Trilogie: Beide erzählen eine Geschichte, die keiner gebraucht hätte, beide versuchen sich mehr oder weniger erfolgreich an der Politisierung ihres Universums und beide haben, alles in allem, genau einen interessanten Charakter. Hauptsächlich fiel mir aber kein besserer Witz ein. Intellektuell hat Destiny auch weiterhin überhaupt nichts zu bieten.

„Auch weiterhin“ tippt sich für mich allerdings ein wenig gewagt, habe ich ‚Year One Destiny‚, also Destiny vor dem König der Besessenen-Addon doch gar nicht erlebt. Ich habe mir im Sony’schen Weihnachtssale die Gesamtausgabe des Spiels für eine Handvoll Glimmer gegönnt, weil ich viel gutes gehört habe. Und weil Nathan Fillion eine Rolle in The Taken King einnimmt. Schließlich wird alles besser, wenn Captain Malcolm Reynolds die Sache in die Hand nimmt. Erwähnte ich schon, dass Destiny genau einen ordentlichen Charakter beinhaltet?

Eigentlich sind Shooter allgemein in etwa so interessant für mich wie jedes einzelne Spiel der großen Polyneux-Sportspieloffensive. Ich rühme mich eines gewissen Schutzmechanismus, der die Call of Battlestrikes dieser Welt in meinem Gehirn mit niedlichen Katzenbildern und japanischen Rollenspielen kaschiert. Aber hin und wieder kommt ein Exemplar mit interessantem Kniff vorbei und ich bleibe daran hängen. Borderlands? Guter Humor, RPG-System, Koop, nehm‘ ich mit. Shadow Warrior? Guter Humor, tolles Setting, Schwertkampf. Her damit. Destiny? Guter H- Nathan Fillion, Koo- im weitesten Sinne gemeinsam spielbar, (auf heftiges Grinding ausgelegtes) RPG-System.
Jetzt ist dann aber mal genug gebasht, ich hab ja Spaß. Mir ist nur das allgemein unangefochtene Lob, das Destiny für sein Gunplay erhält, etwas fremd. Wenn Destiny der derzeit gameplaystärkste Konsolenshooter auf dem Markt ist, dann heißt das, dass ich für mich folgendes feststellen muss: Es gibt eine Grenze, über der es für mich keinen Unterschied mehr macht, wie geil sich ein Shooter spielt. Ich spiele Destiny genau wie Borderlands. Ich weiche mit den gleichen Sprungmanövern aus, ich werfe meine Haftgranaten in die gleichen Türrahmen, ich haue Thralls im Nahkampf zu Boden, wie ich Psychos mit Bricks bloßen Fäusten zermatscht habe. Teilweise wende ich sogar weniger Taktik als im Coop-Shooter auf Pandora an, weil dort die Elementwaffen tatsächlich nötig waren, während es in Destiny kaum einen Unterschied macht, ob ich mit Solar- oder Ark-Waffen auf Omnigul, Oryx und Konsorten schieße. Der einzige spielerische Unterschied, den ich bemerke, ist ein größerer Fokus auf Kopfschüsse.
Das heißt nun nicht, dass ich Destiny für schlecht oder für eine Kopie von Gearbox‘ Shooter halte. Ich habe jede Menge Spaß gehabt, mich mit einem Gunslinger durch die Story zu ballern, das Maximallevel zu erreichen und ein paar Runden in der Crucible auf die Fresse zu bekommen. Aber dann war auch gut. Das gibt mir einfach nur zu denken, wie viel denn da noch kommen mag. Im Shootergenre, nicht in Destiny. Denn wenn man nicht gerade jeden Shooter kompetitiv beherrscht, sodass man feinste Neueinstellungen in der Analogstick-Konfiguration bemerkt, muss doch für jeden irgendwann diese Grenze erreicht sein. Und da die Garnitur in Form von Story, Setting, RPG-Elementen grade in letzter Zeit bei Shootern deutlich zu wünschen übrig lässt – zum Glück, muss man fast sagen, denn es erweckt den Anschein, als wären die guten Geschichtenschreiber zu mutigeren, passenderen Genres weitergezogen – wird Destiny wohl fürs erste mein letztes Schießspiel gewesen sein. Na ja, bis auf Wolfenstein: The New Order. Das muss ich immer noch nachholen.

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2 Kommentare

  1. Marcel - 20.02.2016 14:33

    Erst gerade ist mir aufgefallen, dass mich das Interface sehr an die Assasins Creed Brotherhood Zeit erinnert.

    Wolfenstein: The New Order ist ein absoluter Klassiker, kann ich nur empfehlen!

    Beste Grüße

  2. Pascal - 20.02.2016 14:45

    An Brotherhood kann ich mich – trotz viel Liebe damals – echt nicht mehr erinnern.

    Wolfenstein: The Old Blood habe ich in der ersten Hälfte sehr verflucht, aber im zweiten Teil hatte ich wahnsinnig viel Spaß damit. Nachdem nach der herrschenden Meinung The New Order noch mal besser sein soll, freue ich mich da auch sehr drauf :)

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