We Love Eledees!

„Schon wieder so ein knuddelig-buntes Kinderspiel. Typisch Nintendo! Da fehlt ja nur noch der Itaker-Klempner mit der Rotzbremse …“

Mit Eledees hat Konami ein Spiel für die Wii herausgebracht, das wieder einmal Gefahr läuft, aufgrund seines äußeren Eindrucks von vielen Käufern ignoriert zu werden, weil es, ähnlich wie Pikmin oder Chibi-Robo, vorschnell in die Schublade „typisches Nintendo-Kinderspiel“ gesteckt werden kann. Besonders jene Spieler, die altersunabhängige Spielkonzepte nicht verstehen (wollen), weil sie in ihrer pubertären Ignoranz Poser-Games wie Devil May Cry oder Metal Gear Solid ernsthaft für ihre „erwachsenen Inhalte“ loben, werden Eledees vortrefflich in ihre Pseudo-Argumentationen integrieren können. Viel Spaß dabei! Der Artikel ist für Euch an dieser Stelle zu Ende.

Aufgeschlossenere Menschen, und ich hoffe inständig, dass dies für die Mehrzahl unserer Leser gilt, sollten jedoch weiterlesen, denn sonst verpassen sie am Ende noch das nächste Katamari …!

Auf den ersten Blick hat Eledees eigentlich rein gar nichts mit dem kosmischen Schneeballspiel gemeinsam. Die Präsentation erscheint zunächst wie eine Kreuzung aus den bereits genannten Spielen Pikmin (kleine, niedliche Männeken), Chibi-Robo (buntes Erkundungsspiel mit Rätseleinlagen) und einem waschechten First-Person-Shooter. Die Story von Eledees ist in ihrer einfältigen Belanglosigkeit kaum zu überbieten und wird darüber hinaus auch noch wirklich arm erzählt, weshalb hier auch jedes Wort über deren Inhalt reine Zeitverschwendung wäre. Die Hintergrundgeschichte ist bei Eledees völlig uninteressant und nebensächlich. Das muss an Information reichen.
Und schon bringt uns dieser einzige wirkliche Kritikpunkt bezüglich Eledees direkt zu Katamari: Niemand, aber auch wirklich niemand mag die Katamari-Serie wegen ihrer narrativen Elemente. Zugegebenermaßen kann man den absurden Dialogen zwischen dem König des Kosmos und dem kleinen Prinzen durchaus etwas abgewinnen, wenn man eine bestimmte, leicht abwegige Art von Humor sein Eigen nennt, aber der Grund für die große Beliebtheit der Katamari-Spiele sind sie ganz sicher nicht. Ihren unwiderstehlichen Reiz beziehen sie vielmehr aus dem einfachen, aber genialen Gameplay. Und genau hier punktet auch Konamis erster Wii-Titel!

In 29 Levels jagt man Eledees, kleine Energiewesen, mit einer Fangstrahl-Pistole aus der Ego-Perspektive. Die Eledees fängt man, indem man sie schlicht abballert. Es gibt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Eledees, aber man kann sie grob in zwei Gruppen unterteilen: Energie- und Kraft-Eledees. Fängt man Energie-Eledees, so erhält man Energie, die die Watt-Anzeige des Spielers steigen lässt. Mit zunehmender Wattzahl kann man nach und nach allerlei elektrische Geräte in Gang setzen. Vom Badezimmerfön bis zum Riesenrad in einem Freizeitpark geht das Spektrum, wobei letzteres logischerweise eine ganze Menge Energie erfordert, wogegen Fön, Kaffeemaschine oder Kofferradio schon relativ schnell in Betrieb zu nehmen sind.
Schaltet man nun ein Gerät ein, sprudeln aus ihm neue Eledees hervor. Allerdings erhält man so nicht nur weitere Energiewichtel, sondern auch die erwähnten Kraft-Eledees. Fängt man diese, so erhöht sich die Intensität des Fangstrahls der Pistole. Dies ändert zwar nichts an der eigentlichen Schussfunktion der Waffe, erhöht aber die Sekundärfunktion der Pistole, welche darin besteht, alle möglichen Gegenstände festhalten und bewegen zu können. Je stärker der Fangstrahl, desto schwerer die Gegenstände, die man manipulieren kann. Kann man zu Beginn eines Levels jeweils nur relativ leichte Objekte wie beispielsweise Bücher oder Töpfe bewegen, so geht das in späteren Levels bis hin zu Autos oder ganzen Häusern.

Spätestens jetzt dürfte wohl klar geworden sein, was Eledees mit Katamari gemeinsam hat:
Um möglichst viele Eledees zu fangen, muss man die Umgebung mittels der Pistole manipulieren. Die Viecher verstecken sich oft in, hinter und unter Gegenständen. Allerdings kann man zunächst nur sehr leichte Dinge bewegen und muss daher zusehen, dass man den Fangstrahl immer stärker bekommt, um weitere Verstecke zugänglich zu machen.
Eledees ist allerdings kein Spiel, das einfach nur das Schneeballprinzip von Katamari kopiert und in einen gewaltfreien Family-Ego-Shooter umstrickt, sondern es nimmt die Grundidee und potenziert diese:
Das Schneeballprinzip (eigentlich passt der Begriff hier ja nicht so recht, aber ich hoffe Ihr wisst trotzdem, was ich meine…) liegt mit Energie- und Kraft-Wert gleich doppelt vor und macht das Vorgehen noch um einiges strategischer als bei den Katamari-Spielen. Außerdem gibt es zusätzlich einige Rätselaufgaben bezüglich der Inbetriebnahme mancher Geräte und Maschinen. So wird ein Toaster beispielweise nicht einfach eingeschaltet, sondern durch das Hineinstecken einer Scheibe Toast zum Ausspucken neuer Eledees gebracht.
Diverse zeitlich begrenzte PowerUps, wie z.B. der Zielsucher, das Eledees-Radar oder der Schalldämpfer, reichern das Gameplay zusätzlich an.

Apropos Schalldämpfer:
Die Aufgaben in den einzelnen Levels bestehen nicht ausschließlich daraus, innerhalb eines Zeitlimits eine bestimmte Anzahl an Eledees zu fangen, sondern werden noch durch unterschiedliche Gewinnbedingungen ergänzt. So darf man in einigen Levels z.B. nur eine bestimmte Anzahl von Gegenständen zerbrechen. Überschreitet man diese Vorgabe, so gilt der Level als gescheitert und muss neu begonnen werden. Dies gestaltet sich nicht ganz leicht, wenn man unter Zeitdruck Eledees in einem Wohnzimmer voller Vasen und Gläser jagt. Manchmal darf man auch einen gewissen Geräuschpegel nicht überschreiten, was ebenfalls recht tricky sein kann, wenn man hektisch das Sofa und andere Einrichtungsgegenstände mit dem Fangstrahl durch die Gegend wirft. Und selbst wenn der Geräuschpegel nicht zu den Siegesbedingungen gehört, kann übermäßiger Krach trotzdem zu Problemen führen, denn unter den diversen Eledees-Arten sind auch ein paar feindselige Naturen, die sich durch zu großen Lärm so sehr gestört fühlen, dass sie den Spieler direkt attackieren. Wird man zu oft von diesen Eledees getroffen, so stirbt man…
…nicht (erwähnte ich schon, dass es sich um einen gewaltfreien Familien-Shooter für eine Nintendo-Konsole handelt?). Die Treffer zerstören lediglich die Pistole, was zu einem Neustart des Levels führt.
Neben den „normal-bösen“ Eledees gibt es auch noch ein paar Boss-Gegner, bei denen es natürlich primär darauf ankommt, herauszufinden, wie man ihnen beikommt. Allerdings sind diese ein wenig zu leicht geraten, was man vom Rest des Spiels aber nicht behaupten kann. Der Schwierigkeitsgrad steigt im Story-Modus des Spiel angenehm und nachvollziehbar an.

Hat man die 29 Missionen nach ca. 10 bis 15 Stunden durchgespielt, so muss man das Spiel nicht sofort wieder ins Regal stellen oder bei Ebay liquidieren, sondern kann sich über einen relativ hohen Wiederspielwert freuen. Neben dem Multiplayer-Modus für bis zu 4 Spieler, welcher eher mau ist, gibt es noch einen Leveleditor. Ich habe mir sagen lassen, dass dieser wirklich gut sein soll, habe ihn aber selbst nicht ein einziges Mal benutzt, weil ich das bei Spielen grundsätzlich nicht mache, egal um welches Genre es sich handelt. Wer allerdings Spaß an so etwas hat, kann dann eigene Levels mit anderen Wii-Besitzern über die Internetverbindung der Konsole austauschen und spielen.
Der eigentliche Wiederspielwert liegt für mich eher in den zusätzlichen Modi, die man für alle regulären Levels freischalten kann. Neben der obligatorischen Punkte-Attacke kann man noch einen Challenge-Modus mit alternativen Aufträgen und einen Sandkasten-Modus ohne jedes Zeitlimit spielen. Zudem lassen sich in vielen Levels noch geheime Items und PowerUps ergattern, die den Sandkasten-Modus noch spaßiger gestalten.

Ein Kritikpunkt, den ich in anderen Reviews zu Eledees manchmal lesen musste, war folgender: „… nach einiger Zeit wird das Gameplay aber eintönig.“ – Das kann man so sehen. Allerdings gilt dann das gleiche auch für die Katamari-Spiele, welche dem Tester zwangsläufig auch nicht über längere Zeit gefallen dürften. Und überhaupt: Wie viele Spiele kennt Ihr eigentlich, deren Gameplay nicht über den ganzen Spielverlauf im wesentlichen gleich bleibt?!
Mir und SpielerinZwei, die übrigens auch sehr von Eledees angetan ist (Stichwort: „Weiberkompatibles Spiel“. Knick Knack.), wurde das Spiel jedenfalls bis zum Ende überhaupt nicht langweilig. Ganz im Gegenteil. Der Mehrspielermodus hingegen ist wirklich nicht der Hit, aber auch hier kann sich Eledees zusammen mit Katamari in eine Ecke stellen und schämen…

Bei Wii-Titeln muss man ja auch immer noch ein paar Extra-Worte bezüglich der Steuerung verlieren: Die Steuerung ist super! Obwohl Eledees ja eigentlich kein typischer Shooter ist, macht es seine Sache sogar besser als die meisten richtigen FPS-Games für die Wii. Gesteuert wird per Wiimote und Nunchuk im bereits bekannten „Zwei-Kasten-Prinzip“, bei welchen Pointerbewegungen an den Bildschirmrand zur Drehung des Sichtfeldes führen. Da man in Eledees weder springt, noch Granaten wirft oder verschiedene Waffen besitzt, gestaltet sich die Steuerung aufgrund ihrer Einfachheit wesentlich unkomplizierter als bei den bisher erschienenen Wii-Shootern. Alle Aktionen, ob nun das Schießen oder das Bewegen von Gegenständen, werden wahlweise mit A oder B auf der Wiimote ausgeführt. Lediglich das Ducken und das „Auf-die-Zehenspitzenstellen“ erfolgt über zusätzliche Knöpfe (C und Z am Nunchuk). Wer auch bei Eledees noch über die Shooter-Steuerung der Wii motzt, sollte sich einfach eine andere Konsole kaufen und sich dort bei FPS-Spielen weiterhin die Finger am Gamepad brechen…

Eledees ist derzeit einer der wenigen echten Hits auf der Wii und sollte an keinem Besitzer dieser Konsole vorbei gehen. Wer kein Problem mit der bräsig-belanglosen Hintergrundgeschichte sowie der bunten, gewaltfreien Präsentation hat, kann relativ risikofrei zugreifen. Und solange es keinen richtigen Katamari-Ableger für die Wii gibt, erkläre ich Eledees offiziell zum „Katamari für die Wii“!
(…nur eben ohne Katamari und König und Prinz und Japano-Pop und Zeugs…)


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