Polyvieux: Diablo

SpielerZwei meint:

Würde man eine Umfrage starten, würden wohl die meisten Junkies Blizzards Diablo spontan als Klassiker bezeichnen. Was aber die meisten Leute gerne vergessen: Das Spiel war 1997 nicht ganz unumstritten und fand bei Presse und Spielern gleichermaßen eher geteiltes Echo.
Da das Genre der Computer-Rollenspiele Mitte der 90er stark schwächelte, reagierten viele Rollenspiel-Fans eher ablehnend auf Diablo, weil es ihnen viel zu actionorientiert war. Kaum Gewicht auf die Story legend und extrem zugänglich für genrefremde Spieler, wurde Diablo von vielen Kritikern als „RPG light“ oder „Pseudo-Rollenspiel“ bezeichnet. Es entbrannten endlose Schlachten in unzähligen Internetforen, in denen sich die „echten“ Rollenspieler und die Diablo-Fans verbal die Schädel einschlugen.
Dass durch Diablo stark mitgeprägte Sub-Genre der „Hack’n’Slay“-Spiele (der Begriff existierte in der Rollenspielwelt zwar schon viel früher, war aber bis dahin nie in dieser reduzierten Form zu finden gewesen) passte vielen traditionellen Rollenspielern schon alleine deshalb nicht, weil sie damals ohnehin Angst um ihr gesamtes Spielgenre hatten. Diablo war für sie der vermeintliche Todesstoß…

Ich persönlich, Gelegenheitsrollenspieler, der ich nun mal bin, fand Diablo damals richtig geil! Vor allem, weil das Spiel eine, für damalige Verhältnisse, großartige Präsentation vorzuweisen hatte, die zwar wenig Story zu erzählen hatte, aber trotzdem eine unglaublich dichte Atmosphäre erzeugte. So lange, wie es dauerte, fesselte mich das Spiel ungemein. Danach war es für mich dann aber auch erledigt. Gleiches gilt übrigens auch für Diablo II (2000), welches zwar Vieles noch besser machte als der Vorgänger und zudem deutlich umfangreicher war, mich aber auch nur zum zweimaligen Durchspielen verführen konnte: Einmal im Singleplayer und ein weiteres Mal zusammen mit einigen Freunden im LAN.
Im BattleNet? Immer und immer wieder? Ununterbrochen? Gar bis heute? Ist mir völlig unverständlich! Natürlich ist da dieser „Sammel-Sucht-Effekt“ beim Spielen und der Rausch des „Charakter-Levelns“, aber ein und dasselbe Spiel tausend Mal durchspielen, um ein paar lächerliche „Unique Items“ oder ganze Sets davon zusammen zu suchen? Hochleveln bis zum Limit? Am Ende sogar virtuellen Ramsch für echtes Geld bei Ebay ersteigern? Ohne mich, Ihr armseligen Nerds!

Enk meint:

Die Faszination von Diablo und dem von ihm begründeten Spielegenre war mir von Beginn an suspekt. Es muss in den späten 90ern gewesen sein, als SpielerZwei mir „das nächste große Ding“ im Bereich der PC-Spiele zeigen wollte. Vielversprechend, dachte ich, schließlich hatte er mit ähnlich dramatischen Worten schon Meilensteine des Spielegenres wie „Command & Conquer“ oder – viel früher – Aztec Challenge vorgestellt. Doch was sich dann am riesigen 15-Zoll-Bildschirm in SpielerZweis Studentenherberge abspielte, war, vorsichtig formuliert, reichlich unspannend.

Eigentlich hätte mir die Spielidee ja spontan zusagen müssen – ein Rollenspiel ohne die klassischen Rollenspielelemente, dafür mit mehr Action (ich meine mich auch erinnern zu können, dass SpielerZwei Diablo genau so anpries – „hey, das ist was für dich – ein Rollenspiel für Leute, die Rollenspiele hassen“), aber dieser sales pitch tröstete nur bedingt über das müde Gameplay hinweg. Klar, man musste nicht ständig Kämpfe auswürfeln, sondern konnte einfach wild rumklicken, aber das war es dann irgendwie auch schon.

Was da beschönigend als genrebildendes „Hack and Slay“-Spielprinzip angepriesen wurde, sah mir eher nach „Klick dich tot“ aus. Die isometrische Grafik war damals sicher ganz ok, hat aber nicht wirklich vom Hocker gerissen, und das planlose Monster-Totklicken in langweiligen Labyrinth-Höhlen, zusammen mit „Finde Item X“ oder „Suche Zauberspruch Y“ sah vom Levelaufbau ähnlich abwechslungsreich aus wie Pac-Man.

Daniel wirft ein:

Viele wissen vielleicht nicht, dass Diablo auch auf der Playstation erschienen ist.

SpielerZwei (unterbricht):

Möglicherweise hat Diablo den westlichen (Action-)RPGs den Weg auf den Konsolen geebnet. Bis dahin gab es ja fast nur Japano-Rollenspiele für Konsolen. Nach Diablo kamen dann recht viele Spiele dieser Art heraus. Das ändert aber trotzdem nichts daran, dass Hack’n’Slay irgendwie nicht als volles Rollenspiel durch geht…

Daniel meint:

Dort hatte ich meinen ersten Kontakt mit dem düsteren Rollenspiel und war von eben dieser Düsternis mehr fasziniert, als vom eigentlichen Spiel. Selbiges gilt auch für den zweiten Teil und die unumgängliche Erweiterung “Lord of Destruction”. Die Welt und die gesamte Atmosphäre ist wunderbar dreckig und finster.
Dann ist da aber auch noch das Spielerische, und hier trennen sich Diablo und ich voneinander. Ich habe keinen der beiden Teile zu Ende gespielt, weil spätestens im Dritten Akt das immer gleiche Gegner anklicken und Lebenstränke schlürfen zu heftigen Gähnattacken meinerseits führte. Der Sammelaspekt alleine konnte mich nicht genug antreiben und ohne ihn bleibt vom Spiel nicht mehr viel übrig. Trotzdem habe ich in den letzten Jahren immer mal wieder mit dem zweiten Teil begonnen, neue Charakterklassen ausprobiert und einfach so ein paar Stunden totgeschlagen. Mit dieser Spielserie lässt sich ohne weiteres ein ganzes Wochenende totschlagen, ohne dass man dies wirklich gemerkt hätte.

Nille nölt:

Wie konntet ihr mir das nur antun?
Ich dachte, ich wäre langsam über die Item-Sammel-Sucht hinweg. Aber Neux, da muss nur einmal das Stichwort Diablo fallen, schon rotiert keine fünf Minuten später die Diablo II-CD im Laufwerk. So sehr ich auch dafür empfänglich bin, genau so sehr verabscheue ich es auch, mich zum Sklaven eines Spiels machen zu lassen. Dieses Himmel-und-Hölle-Spiel, ständig mit neuen, ein Quäntchen besseren Gegenständen belohnt zu werden, die jedoch, nachdem man das nächste Level erreicht, sofort wieder obsolet werden. Und erst die Schmach, wenn man eine wirklich gute Waffe oder Rüstung durch einen dummen Fehler verliert – das halte ich für ganz schlechte Manieren gegenüber den Spielerinnen und Spielern und meine, mich zu erinnern, daß es im ersten Diablo-Teil ganz anders ablief. Bei den Worten: „Stay a while, and listen!“, nahm ich mir gern die Zeit, um alle Monologe anzuhören und die Dungeons bis in die letzte Ecke zu erforschen.
Aber das war auch zu einer ganz anderen Zeit, da meine Vorstellung von Photorealismus exakt dem Aussehen von Diablo entsprach, „3D“ hörte sich ungefähr so futuristisch an wie „Hoverboard“. Ganz allein in einem düsteren Zimmer zu sitzen und Diablo zu spielen, ließ mich ein ums andere Mal den blanken Horror erleben, wenn ein Computer-Gegner unerwartet um eine Ecke schlich, ohne, wie heute üblich, seine Ankunft fünf Minuten vorher durch lautes Gerede oder andere Geräusche anzukündigen. Heute besteht das Grauen in Diablo nur noch darin, ständig unliebsame Mitspieler, die einem mit ihren Mitteilungen auf den Wecker gehen, zu /ignorieren.

SpielerDrei gesteht:

Ich denke, dass manche Spiele universell Anklang finden,egal wann sie wie von wem gespielt werden. Aber diese sind rar gesät. Die überwältigende Mehrheit braucht eine gewisse Zeit, bestimmte Modi oder auch die richtige Einstellung. Ich befürchte, mit Diablo alles falsch gemacht zu haben.

Meine drei Fehler:

Ich hab Diablo nur einmal durchgespielt. Auf Mittel. Mit der Jägerin. Auf Deutsch, was damals oftmals für Erheiterung ob der exakten Übersetzungen führte.

SpielerVier unterbricht:

Baumkopf Holzfaust, anyone?

SpielerDrei:

Keine Hardcore-Ironman-Hell-Erlebnisse, keine zusammengesammelten Sets (sofern es die im ersten Teil schon gab), keine Wertschätzung ob der Itemfülle. Ich schiebe das auf meine Pen-and-Paper-RPG-Sozialisierung, die im krassen Gegensatz zur geforderten Roguelikewertschätzung steht.

Ich hab nie im Battle.net gespielt. Zu der Zeit war Internet für mich noch immer langsam und teuer, und da ich eh relativ unsozial bin, hat sich das nie ergeben. Dieses klatschende Geräusch, was da gerade aus euren Boxen kommt, entstammt den Millionen MP-Diablo-Fans, die gerade die Hände überm Kopf zusammenschlagen ob meiner konsequenten Nichtbeachtung des Main Selling Points.

Ich hab Diablo 2 viel zu spät (an-)gespielt, nämlich erst vor ein paar Monaten. Die Grafik stört mich nicht weiter, aber da jetzt schon Diablo 3 angekündigt wurde, mache ich mir da nicht mehr die Mühe.

Obwohl – eigentlich ist das ganze Untergenre nichts für mich. Ich steh’ halt mehr auf traditionellere Rollenspiele, mit Party, vielen Gesprächen, und idealerweise rundenbasiertem Kampf. Ich bin ein großer Gegner von Zufallsloot, ich hasse das Gefühl, die meiste Zeit im Kampf damit zu verbringen, meinen Health- und Manavorrat per Potions und Spells zu regulieren, nur unterbrochen von meinen zwei bis drei momentan effektivsten Angriffen. Am meisten störten mich allerdings in der Diablohochzeit die Massen von Fans, die sich über die effektivste Skilltreenutzung austauschten. Aber primär deswegen, weil ich Spiele immer noch gerne als Herausforderung ansehe und daher natürlich nicht nachvollziehen kann, wieso man den einzigen Punkt im Spiel, der nicht übers Rückenmark läuft, zwingend überspringen will.

Aber sonst: Geile Spiele. Nur halt nicht für mich gemacht.

SpielerVier meint:

Kurz nach der Veröffentlichung von Diablo war ich bei einem Freund zu Besuch, der besagtes Spiel zufällig gerade auf seinem Rechner mit geradezu sagenhaften 166 MHz laufen hatte. Ich glaube, Diablo hatte mich schon nach dem Intro mit dem augenauspickenden Raben in der Tasche…


Das Resultat dieser verhängnisvollen – man kann es nicht anders sagen – Schicksalsfügung war ebenso grotesk wie weitreichend: Nachdem mich mein Freund mit einer dezenten Bemerkung freundlich darauf hinwies, dass ich nunmehr seit zwei Stunden ununterbrochen zocke und die ganze Tastatur bereits vollgesabbert sei und er ja eigentlich auch gerne mal ein bisschen Diablo ausprobieren würde, natürlich nur, wenn ich es ihm an seinem eigenen PC mit seinem eigenen Spiel durch meine mit herkömmlichen Gnadenvorstellungen nicht mehr messbaren Güte erlauben würde… Okay, so schlimm war es dann doch nicht.
Aber immerhin schlimm genug, um mich am gleichen Abend wie von unsichtbaren Puppenfäden in den nächsten Games-Laden zu lenken und leise kichernd ein eigenes Diablo-Exemplar zu erstehen…
Von da an begann für mich ein neues Leben: Tagsüber führte ich ein scheinbar normales Leben, abends jedoch scheuchte ich meine Jägerin durch Verliese, lies sie höllische Bestien auf blutigste Art und Weise aus dem Verkehr ziehen, sammelte wie wahnsinnig neue, mächtige Gegenstände und berauschte mich zwischen diesen Orgien an den wohlklingenden Gitarrenklängen in Tristram. Eine tolle Zeit.

Als dann Diablo 2 erschien, ging die ganze Chose wieder von vorne los: Diesmal gleich am Erscheinungstag mit Augen, in denen der Wahnsinn unzähliger durchzockter Nächte aufblitzte, zu Media Markt geeilt (diesmal mit einem anderen Kumpel) und die erstaunlich schwere Packung voller Erwartungen („Boah, watten da allet drin?“) irgendwie nach Hause befördert.
Doch nun folgte eine unheilvolle Schmach, die mich mein gesamtes weiteres Leben belasten sollte: In meiner grenzenlosen Naivität lies ich mich zu dem bedeutungsschwangeren Ausruf verleiten, dass ich die Verpackung früher als mein Begleiter öffnen könne…
Während also mein PC mit unbeschwerter Gemütlichkeit vor sich hin bootete, lieferten wir uns ein Duell biblischen Ausmaßes, das die Geschichte der gesamten Menschheit für immer verändern sollte: Unzählige verkrampfte Finger zerrten mit einer unbändigen Wut an der verdammten Cellophanhülle, rissen Stücke heraus, die achtlos auf dem Boden liegengelassen wurden, man demotivierte den Gegner durch verbale Fausthiebe, kurz: Es herrschte Krieg. Ein Krieg, den ich schmachvoll verlor.
Dazu kam die weitere Enttäuschung, dass sich auch in meiner Packung nur ein schäbiger Papp-Barbar verbarg…
Wie dem auch sei, jetzt fing die schöne Zeit an, wo ich einen Nekromanten nach dem anderen in den Sand skillte, wieder von vorne anfing, weil ich merkte, dass ich spätestens ab dem dritten Akt nichts mehr reißen konnte, installierte einen neuen Patch, der das ganze Spiel umkrempelte, fing also wieder von vorne an, usw. Hach, wunderbar! Ich hatte viel Spaß damals.

Leider macht Diablo 2 einige Dinge schlechter als sein Vorgänger: Bei Diablo 1 gab es noch ein richtiges Dungeon-Crawl-Feeling; nur ich, meine blutverschmierte Waffe und haufenweise fiese Dämonen im dunklen Kämmerchen. Zwischendurch gehe ich zurück ins Dorf, lasse meine Wunden versorgen, decke mich mit neuer Ausrüstung ein – und weiter geht’s im Text. Die Welt von Diablo 1 war einfach düsterer, rauer und ungezähmter.
Diablo 2 war mir irgendwie viel zu offen, zu weitläufig, zu unpersönlich, zu glatt. Es kommen einem irrsinnige Mengen an Monstern entgegen, die völlig ohne Sinn und Verstand und vor allem ohne wirkliche Taktik abgearbeitet werden. Man klickt einfach drauflos, metzelt dutzende von Minions und wenn zwischendurch ein Bossmonster eins auf die Mütze bekommt – na auch gut. In Diablo 1 kam es mir vor, so komisch es auch klingen mag, dass die Monster mehr Charakter besaßen. Ich hatte damals noch wirklich das Gefühl, gerade an einem echten Kampf teilgenommen zu haben und mit meinem Leben davongekommen zu sein. Vielleicht auch einfach jugendlich-naive Begeisterungsfähigkeit? Wer weiß…

Jedenfalls spiele ich ungefähr einmal im Jahr Diablo 2 inklusive Add-On durch, was auch daran liegt, dass es erstaunlicherweise kein Konkurrenztitel geschafft hat, auch nur annähernd eine ähnliche Begeisterung in mir zu entfachen.
Ach ja: Diablo 1 habe ich ausschließlich im Einzelspielermodus gespielt; Diablo 2 habe ich vor Urzeiten mal im Battle.net für etwa eine Viertelstunde ausprobiert und war danach so was von befremdet, schockiert, angepisst und verwundert, dass ich es seit damals mit größter Sorgfalt vermeide, auf diesen verdammten Battle.net-Knopf im Hauptmenü zu klicken. Aber es gibt ja zum Glück immer noch den Netzwerkmodus…

Holger meint:

Den ersten Teil habe ich zwar auch gespielt, aber aus irgendwelchen Gründen hat der mich nie gepackt. Im Gegensatz dazu hat es kein anderes Spiel geschafft, mich so lange bei der Stange zu halten wie Diablo 2. Schätzungsweise habe ich in den vergangenen Jahren mit locker 40 verschiedenen Charakteren „Hölle“ abgeschlossen.

Anfangs hat einen die Geschichte bei der Stange gehalten, spätestens nach einmaligem Durchspielen auf „Normal“ kann das aber nicht mehr gelten. Jetzt ging es darum, seinen Charakter immer weiter zu bringen. Durch die stetig steigende Herausforderung war durch Verskillungen oder schlechtes Equipment irgendwann immer Ende. Den ersten Paladin habe ich bestimmt 10 mal angefangen, bis ich durch war. Jetzt mussten natürlich auch die anderen Klassen ausprobiert werden. Und als man diese hatte, kam schon der nächste Patch von Blizzard, der das Spiel neu gebalanced und die verschiedenen Fähigkeiten abgeschwächt bzw. verstärkt hat. So konnte es passieren, dass Builds, die gestern noch die stärksten im Spiel waren, nach einem Patch nicht mehr spielbar sind (ich erinnere nur an die Nova-Sorc) oder andersherum reine Fun-Builds auf einmal zum Besten im Realm wurden (the infamous Hammerdin).

So kam es bei mir mit der Zeit zu einer professionalisierten Herangehensweise an das Spiel, durch Chats mit Koreanern und rege Teilnahme an der Community beherrschte ich irgendwann die Diablo 2 zugrundeliegenden Mechanismen wie spielinterne Berechnungsformeln für z. B. Angriffsgeschwindigkeit, Blockchancen, Itemfind uns so weiter. Auch die Builds wurden immer spezialisierter und ausgefeilter. Gegen Ende meiner Karriere hatte ich zum Beispiel eine auf Blitzangriffe ausgebaute Zauberin für die Schlüsselsuche oder Andariel-Runs, eine Eis-Hexe für Mephisto-Runs, einen Smite-Paladin für die Begegnung mit Uber-Diablo oder die drei Übel in Tristram und so weiter. Alle – natürlich – nahezu perfekt ausgerüstet. Und auch hier hat Blizzard mit der Einführung der Ladder und Resets derselben wieder dafür gesorgt, dass man, wenn man wollte, immer wieder von vorne anfangen konnte.

Nicht zu vergessen die Erweiterung „Lord of Destruction“, die dem Spiel zwei weitere Klassen und Extra-Inhalt beschert hat. Diese andauernde Weiterentwicklung durch den Hersteller und die ständige Umgestaltung der Spielmechanik machen Diablo2 in meinen Augen bis heute einzigartig. Und das für ein Spiel, in dem das Onlinespielen mit keinerlei Kosten für die Kunden verbunden ist. Ein direkter Mehrwert für die stetige Weiterentwicklung war gar nicht gegeben, im Gegensatz zu Titeln wie WoW, wo es durchaus Sinn macht, die Spieler durch Updates so lange wie möglich dabei zu halten, um monatlich Beiträge zu kassieren. Muss man sich mal vor Augen halten, manche Patches lieferten nicht nur das erwähnte Feintuning, sondern mit dem Worldevent und den drei Uber-Übeln waren das teilweise kleine Addons, die es umsonst dazu gab.

Ich habe es bereits angesprochen, weiterer zentraler Grund fuer das andauernde Weiterspielen war natuerlich auch die Itemjagd. Das stupide Grinden. Durch die Patches wurden immer neue Items, Sets und Runenwörter ins Spiel gebracht, man hatte also nie die optimale Ausrüstung. Ich will nicht wissen, wie oft ich in den vergangenen Jahren „Du kommst zu spät, meine Brüder sind dir entkommen.“ gehört habe (diesen Satz sagt Mephisto, während man gegen ihn antritt). Mehrere tausendmal kommt aber denke ich mal hin. Darf man gar nicht dran denken, was ich da eine Zeit gelassen habe.

Christian prollt:
Also Jungs, ohne mir jetzt all Euer Geschwafel durchgelesen zu haben, das bestimmt so geht: „Bla Blup, voll geiles Spiel Alter, blup bla bla bla, Sammelwut, blubber, sabbel, määääh, kann nicht mehr aufhören, laberrabarber schwafel schwafel…“… Warum GENAU sollte ich als absoluter Action-RPG-Sammelsuriums-Scheißdreckspiel-Verächter mir nun ausgerechnet einen Datenträger voller Kacke ins PC-Laufwerk schieben und mir diesen großen Haufen Müll auf die Festplatte schaufeln??? Nicht, dass ich jemals auch nur eine einzige Sekunde von Diablo – ganz gleich welcher Teil – live und in Farbe, womöglich sogar noch bewegt, gesehen hätte…

Daniel:

Ich glaube langsam der Christian mag gar keine Videospiele.

Christian:

Nee, mal ehrlich: Ich werde dieses Gejubele rund um Diablo nie verstehen. Was ist dabei, milliausend und abermiliausend Items sammeln zu „dürfen“? Was gibt Euch das? Ich verstehe es einfach nicht. Nein, nein und nochmals nein!

Nille folgert:

Gerade das ist es doch: Man verbindet die Lust am Spiel und die Lust, gequält zu werden… Gib’s mir, Diablo!

SpielerVier:

Die Suche nach tollen Gegenständen war nicht mein Hauptmotivationsgrund, sondern viel mehr das Gefühl, eine „Etage“ restlos von Dämonen gesäubert zu haben, nach dem Motto: „So, diese Ebene wäre dann auch erledigt bzw. sämtliche in ihr gewesenen Monster. Jetzt ist Tristram wieder ein Stück sicherer, und ich räum’ im nächsten Stockwerk auf“. Ein Gefühl, das ich in Diablo 2 aufgrund des dämlichen Speicher-Systems nie wieder verspüren durfte…

SpielerDrei (nachdenklich):

Was ich mich gerade frage:

Was hatten die Diablos, das all die ähnlichen Spiele, die folgten, nicht hatten? Warum wurden Mythos, Fate, Dungeon Siege, Titan Quest und wie sie alle heißen nicht solche Knaller, dass sie Jahre später noch von solch einer Masse gespielt werden? Es kann doch nicht nur an Blizzards vorbildlichem Support liegen, oder? Ist es das Balancing? Nostalgie, weil es für so viele das erste Spiel dieser Art war? Sagt mal!

Nille:

Hmm, vielleicht, weil man sich nach etlichen dort verbrachten Stunden so geborgen in der Welt von Diablo fühlt. Oooder weil man nicht in noch einem Spiel dieser Machart versacken will..

Daniel:

Ich denke es liegt an Blizzard und ihrem Gespür für den perfekten Spielfluss. Ich kenne jetzt nur Dungeon Siege und Titan Quest, aber die haben sich beide viel behäbiger und klobiger gespielt als Diablo.
Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es ebenfalls das Blizzard/battle.net-Syndrom. In meiner Schulzeit wurden die Diablo-Klone als Raubkopien auf dem Schulhof weitergegeben, aber bei den Spielen von Blizzard konnte man sich sicher sein, dass für das Geld etwas geboten wird und der eigene CD Key war für das battle.net unerlässlich.

SpielerZwei vermutet:

Warum die Klone nicht an Diablo heranreichen, obwohl ich persönlich ja fand, dass Titan Quest nahe dran war, ist schwer in Worte zu fassen. Es ist wohl das „gewisse Etwas“, das manche Spiele besitzen und andere nicht, weil ein gutes Spiel oft mehr als die Summe der einzelnen Teile ist. Eine eindeutige Benennung von Zutat X und Element Y bringt da keine befriedigende Erklärung…

SpielerVier meckert:

Mich störte vor allem, dass mir fast keiner der spielbaren Charaktere wirklich zugesagt hat. In Diablo 2 spiele ich halt immer den Necromancer und gut ist. Der ist einfach perfekt für mich. Aber in Spielen wie Sacred & Co. waren die Helden sowas wie eierlegende Wollmilchsäue, die hier ein bisschen was beherrschten, gleichzeitig aber auch etwas völlig anderes, usw. Da fand ich die verfügbaren Helden in D2 einfach klassischer. Ich bin doch halt nun mal so furchtbar konservativ…

Holger:

Wenn ich heute mal spiele, steht wieder mehr das gemütliche Spiel im Vordergrund (ich schaue mir sogar ab und zu die Videos an). Als Reminiszenz sozusagen. Zu Hochzeiten habe ich einen Charakter in einer guten Party innerhalb von wenigen Stunden auf Level 60 geprügelt, das brauche ich heute nicht mehr. Wenn ich übrigens heute sage, dann meint das in letzter Zeit, das Spiel habe ich dieses Jahr nur einmal für ein paar Stunden zum Ladderreset angeworfen. Wobei… ein, zwei Builds oder Teams wuerden mich schon noch reizen…

SpielerVier schreit:

Ihr Schweine! Jetzt bin ich wieder Diablo-süchtig!

SpielerEins (ganz vertieft):

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