Crème de la Game v.09a_final2

Zum Abschluß unseres Jahresrückblicks im Schnelldurchlauf noch die Meinungen von Grobi, Holger und Enk zum Spielejahr 2009:

HolgerHolger: Wie immer bei diesen Jahresrückblicken fragt man sich, was man das letzte Jahr so gespielt hat. Ob man da überhaupt 5 Titel zusammenbekommt? Wenn man sich dann die Spiele im Regal oder unterm Sofa mal so anschaut, merkt man erst, wieviel Zeit man im vergangenen Jahr „verschwendet“ hat. Hier also meine Top 5 Zeitvernichter 2009 (Reihenfolge impliziert keine Wertung):

Ketsui Death Label
(NDS): Nichts besonderes, ein eher durchschnittliches Bullet Hell. Aber das für Handheld. Endlich auch unterwegs auf hohem Niveau jammern und fluchen.

Street Fighter 4
(360): Sehnlichst erwartet und nicht enttäuscht worden. Alleine das rechtfertigt schon eine Aufnahme in meine Liste. Das können viele auch anders. Hat ne Zeit auch sehr viel Spass gemacht, wobei ich gedacht hätte, dass diese Zeit etwas länger anhält, als es letztendlich der Fall war. Lag wohl an der mangelnden Verbreitung in meinem Freundeskreis und meinem limitierten Skill, mit dem es online ab einem bestimmten Rang derbe auf den Sack gab. Bin anscheinend nicht mehr schnell genug (und habe auch nicht mehr den Biss, es zu werden), aber dafür kann ja das Spiel nichts. Wofür es allerdings was kann, sind die riesigen Extremitäten der Kämpfer. Ein Schelm übrigens, wer bei der anstehenden Veröffentlichung von Super SF4 an Abzocke denkt..

EDF 2017
(360): Was soll ich hierzu sagen? Ja, ich weiss, dass die Kollegen S1 und S3 dieses Spiel bereits 2008 in ihren Listen hatten. Und ja, ich weiss ebenfalls, dass es da genau genommen bereits zu spät war, da es bereits 2007 rausgekommen ist. Trotzdem ist das hier eine persönliche Best-Of und da gehört das Spiel einfach rein. Wer es immer noch nicht gespielt hat, sollte sich erstens was schämen und kann sich zweitens hier informieren warum.

Bayonetta
(360): Wenn ich schon ein Spiel drin habe, das viel zu alt ist, dann zum Ausgleich auch eins, das eigentlich erst 2010 rauskommen sollte. Jeder Interessierte konnte das herrlich übertriebene Hack&Slay-Fest schon im letzten Jahr erstehen, weswegen es in dieser Liste durchaus seine Berechtigung hat. Hat einen Heidenspaß gemacht, warum erfahrt Ihr demnächst in einem separaten Text.

House of the Dead: Overkill
(Wii): Ich mag Rail-Shooter, ich mag Zombies, ich mag die Ästhetik der Grindhouse Filme. Nuff said.

 

EnkEnk: Ich habe viel zu wenig im letzten Jahr gespielt, um fünf Highlights benennen zu können. Daher greife ich nur zwei Spiele heraus, die sehr deutlich zeigen, mit welchen komplett unterschiedlichen Strategien man ein fesselndes Spiel herausbringen kann:

Call of Duty Modern Warfare 2
: Mit Millionenaufwand produziert und vermutlich noch größeren Marketingsummen in den Markt gepresst, zeigt MW2 absolut beeindruckend, was technisch heute möglich ist: Grafisch eine Offenbarung, mit einem hollywoodreifen Soundtrack von Hans Zimmer, spielerisch leicht verdauliches Fast Food, das dabei erstaunlich abwechslungsreiche Level auf dem Speiseplan hatte. Und die rasante Verfolgungsjagd mit dem Snowmobil durch verschneite Wälder war einfach so fantastisch inszeniert, dass ich das dümmliche hurrapatriotische Drumherum der Story einfach mal ignoriert habe.

Auf der anderen Seite: Plants vs. Zombies: Ein schlichtes Casual Game mit einfacher Spielmechanik, simpler aber putziger Grafik, liebevoll gemacht, technisch unaufwändig aber sauber programmiert. PvZ hat mit Sicherheit nur einen Bruchteil der Entwicklungkosten von MW2 benötigt, damit aber einen höheren Motivationsfaktor erreicht und mich länger vor den Bildschirm gebannt als das MW2-Pixelfeuerwerk.

 

GrobiGrobi: In der Retrospektive fällt mir erst auf, was für ein überaus dürres Spielejahr 2009 für mich gewesen ist. Habe ich eigentlich irgendwas gespielt? Ich meine, jetzt ausser dem guten alten Windelwechseln gegen die Zeit (mit einem Arm auf den Rücken gebunden)? Ach, ich übertreibe. Natürlich habe ich gespielt. Nur sehr, sehr wenig verschiedenes, denn der Löwenanteil meiner ohnehin brutal geschrumpften Freizeit wurde von einem Spielemoloch verschlungen. Aus eigener Erfahrung eine anständige Top 5 zusammenzustellen, wird mir quasi unmöglich sein. Ich probier´s trotzdem…

Fallout 3: Jawohl, meine Damen und Herren. Dieses Spiel ist schon Ende 2008 erschienen, konnte meine bescheidene XBox allerdings erst im darauf folgenden Frühjahr heimsuchen. Die Zusatzpakete sind dagegen 2009 erschienen, das scheint mir Legitimation genug, sie in diese Liste aufzunehmen. Von den Addons habe ich „Operation Anchorage“ (ein misslungener Versuch, Militärshooter zu kopieren), „The Pitt“ (großartiges Setting, aber lächerlicher Umfang) und das levelbegrenzungsanhebende „Broken Steel“ (wenn ein Addon, dann dieses) gespielt. Nach mehr stand mir nicht der Sinn. Auch wenn die Redneckzombienummer „Point Lookout“ genau meinen Geschmack trifft („Overkill“, siehe unten…), hatte ich auch allmählich die Nase ein bisschen voll. Ich bin kein WoW-Typ, für meinen Geschmack muss so ein Spiel auch irgendwann mal vorbei sein. Genauso wie „Mothership Zeta“. Aliens? Also bitte, das ist doch arg absurd. Mir ist bewusst, dass der Begriff „absurd“ mit der Fallout-Spielwelt eine fruchtbare Liasion eingeht. Und genau deswegen brauche ich doch nicht noch eine Entführung auf ein Alienmutterschiff!

Welches Merkmal fällt mir zu diesem Spiel ein? Eindeutig der hypnotische Rhythmus zwischen Kämpfen und Erkunden, zwei Drittel der mich so erfolgreich in Beschlag nehmenden Civilization-Formel. Homer Simpson würde sagen: „Hmmmm, Erkunden“, aber ich schweife wieder ab. Zu entdecken gab es eine verfallene Welt voller Wohlstandstempel und anderer Architekturerzeugnisse im postnuklearen Ruinenzustand. Ruinen sind ja derzeit ein bißchen in, ist bestimmt so ein von zunehmender Zukunftsangst hervorgerufenes massenpsychologisches Phänomen, siehe auch den Zombie-Hype oder brandaktuell die Furcht vor der Winterkatastrophe. Egal. Sogar manche NPCs und ihre Geschichten hatten Charme, mit netten Storys und mancherorts auch ausgefallenen Quests jenseits vom standardisierten Leg-um-und-bring-mit. Ganz so wie man es von einer Fließbandproduktion eigentlich nicht erwarten kann. Ich habe mich – wie SpielerZwei das weiland schon selbst angedeutet hat – auch erstmal ausschließlich mit Nebenquests aufgehalten. Die sind ja Legion und vor allem so viel gewitzter als die Storymissionen.

Die Kämpfe habe ich übrigens nur per Vats absolviert – und nein, mir wurde das selbst bei der eintausendsten Molerat nicht langweilig. Der Shootermodus funktioniert für mich schlicht nicht. Okay, das Levelsystem ist alles andere als perfekt, vor allem wegen der Perks. Wir reden hier nicht von Designschnitzern im Oblivion-Ausmaß, aber speziell die Perks so ab Level 25 aufwärts sind nur noch aberwitzig. Trotzdem war mein Charakter vorher schon mit der richtigen Ausrüstungsmischung übermächtig. Supermutant Behemoths stellten kein wirklich großes Problem dar, wenn ich ihnen leichtfüssig ein, zwei Fat Mans vor den Latz geknallt habe. Okay, ich HÄTTE den Schwierigkeitsgrad erhöhen können, aber 2009 bin ich zum Weichspül-Feierabendzocker mutiert. Mit Erreichen von Level 30 während der Schlußmission von „Broken Steel“ war übrigens schlagartig die Luft raus, ich habe dann noch die finale Mission beendet, anschließend aufgehört und „Fallout 3“ seit dem nie wieder gestartet. Im Grunde meines Herzens bin ich also auch nur ein Levelgrinder… aber ich kann jetzt erst mal kein Rollenspiel mehr sehen. Haut mir ab mit „Dragon Age“.

House of the Dead – Overkill: Ich habe zu „Fallout“ schon übermässig viele Worte verloren. Das hier geht viel kürzer. Die benötigten Zutaten: Dieses Spiel, ein gut aufgelegter Kumpel, kaltes Bier. Diese untereinander mischen, scharf anbraten und dann den vorher zubereiteten Teig aus Zombie und Railshooter hinzugeben. Unter Umrühren kurz aufkochen lassen und servieren. Das Ergebnis: ein gelungener Zockerabend voller überbordener Gewalt und guter Laune.

Grand Theft AutoThe Lost and the Damned und The Ballad of Gay Tony: Das Hauptspiel brachte uns den kriminellen Veteranen aus dem bürgerkriegsgeschüttelten Osteuropa, Addon 1 versetzte uns auf den Motorradsitz inmitten einer Rockergang und im letzten Zusatzpaket ist „Gay Tony“ der Geschäftspartner des vom Spieler gesteuerten dominikanischen Tanzclubsicherheitsmannes. Drei völlig unterschiedliche Perspektiven auf die vor Details überreife Digitalisierung des „Big Apple“. Drei gänzlich verschiedene Mikrokosmen mit ihren eigenen queren Charakteren untermalt mit passender Musik. Ach, „Grand Theft Auto“. Man liebt es oder man hasst es. Meine Meinung dazu steht fest.

Scribblenauts: Ein unausgegorenes Konzept, ein spielmechanisches Ultraleichtgewicht. Teilweise frustrierend schwer, teilweise lächerlich leicht. Aber was beschwere ich mich? Es liegt ja an meinem flachen Intellekt, wenn ich nicht auf die Lösung komme. Man kann es nicht einen Abend lang spielen, aber 10 Minuten vermag es mit albernem Amüsement zu füllen. Es ist krampfhaft und bedingungslos anders und dafür liebe ich es. Und es ist niedlich. Ein Attribut, das vom restlichen hier genannten Spielereigen eher nicht berücksichtigt wird.

Und worauf freue ich mich in diesem Jahr? Tja, das ist beschämend, aber das sind derzeit ausschließlich Fortsetzungen:

Dead Rising 2: Endlich mal wieder ein simples gewalttätiges Spiel hoffentlich ohne aus Rechtfertigungszwang entstandenem peinlichen Alibi. Und bloß nicht was labern von wegen „erwachsenen Inhalten“, nur weil Titten und Hirnmasse gezeigt werden. Es sind Zombies. Und um die zu bekämpfen, benötige ich keine Wohlfühl-Heldengeschichte oder eine aus den Fingern gesaugte moralisch einwandfreie Begründung, sondern eine Schrotflinte mit Kaliber 12. Von der Bildzeitung geächtetes Rummetzeln ohne unangenehme Wischiwaschi-Begründung à la „Rette die Prinzessin / Welt / Atombombe vor den bärtigen andersreligiösen Terroristen / Hardcorekommunistenrussen / menschengrillenden Orks“ kann sooo erfrischend sein!

Mafia 2: Ein GTA ohne Spiel, dafür mit Handlung. „Mafia“ war für mich der interaktive Spielfilm schlechthin. Und so verschwenderisch in seiner Ausstattung. Ich meine, hey, da wurde eine offene Stadt gebaut und dann nur ein Bruchteil davon wirklich spielerisch verwendet. Aber vielleicht ist das auch nicht verschwenderisch, sondern ehrlich. Immerhin wurde in „Mafia“ nicht an jeder Strassenecke ein beknacktes Minispiel platziert, nur um mit dem „Sandbox“-Sticker Werbung machen zu können. Nimm das, GTA. Und komm zu Papa, „Mafia 2“. Versuche bitte, nicht peinlich zu sein. Aber das hat dein Vorgänger ja schon geschaft.

Deus Ex 3: Der Enkel soll richten, was der Sohn verkackt hat. Wehe, das geht schief! WEHE!

Dann zeig mal was du draufhast, 2010!


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1 Kommentar

  1. Missingno. - 16.01.2010 14:59

    Okay, okay, okay. Ich kauf‘ ja schon Plants vs. Zombies, FFS! Ich hoffe, ihr seid jetzt glücklich und bekommt euren Werbeanteil.

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