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Mehr Limp Bizkit als Dredg

Ich bin ja ziemlich spät zu „Mass Effect“ gekommen. Nachdem das Spiel als Nice Price dann doch noch seinen Weg in meine Konsole fand, habe ich sehr schnell festgestellt, dass ich selten zuvor ein Spiel gesehen habe, in welchem so ein wunderbares Drehbuch, mit großartig ausgearbeiteter Welt mit derart beschissenen Design-Entscheidungen kombiniert worden ist. Die Controllerbelegung ist stellenweise Folter, das GUI in so ziemlich jedem Aspekt einfach nur schlecht und die Copy-Paste-Level für die Nebenmissionen eine einzige freche Beleidigung. Der große rote Haupthandlungsfaden hat mich allerdings – mit Verlaub – derart weggeblasen wie schon lange nicht mehr. Natürlich liegt hier eine ganz deutliche Anwendung des Prinzips „besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht“ zu Grunde, aber so ein Autorenteam muss auch erst mal in der Lage sein, aus bereits bekannten Versatzstücken ein neues, schönes, „großes Ganzes“ zu basteln. Ich habe sehr schnell meine vielen Hüte vor dem Titel und seiner Inszenierung gezogen und hatte den Nachfolger bereits bestellt, als ich noch mitten in der Hauptstory steckte.

Zwischen Teil 1 und Teil 2 stecken gut zwei Jahre – für Shepard ja auch – für mich dagegen nur die paar Minuten Installation auf der Xbox. Zu Beginn empfand ich den Kontrast zwischen Vorgänger und Nachfolger daher als groß, heftig und unmittelbar. Meine ersten, ungefilterten Gedanken nach der Schiesserei gegen die allerersten Robotergegner in der Cerberus-Basis, die für so lange Zeit Shepards Krankenlager war, waren tendentiell negativ. Weil mein Unterbewusstein auf dem Bildschirm vage vertraute Muster und Figuren erkannte und dementsprechend über 30 Stunden lang eingeübte Signale meine Nervenbahnen entlang Richtung Unterarme schickte, musste ich meine Finger dazu zwingen, die Steuerung etwas vorsichtiger anzugehen und das Ganze als etwas zu nehmen, was es für mich in diesen leicht geschockten Augenblicken war: ein ganz anderes Spiel.

Jetzt stecke ich schon wieder viele Stunden kopfüber im Nachfolger und meine anfängliche leichte Skepsis ist erneut großer Begeisterung gewichen. Die zweite Einschätzung hat sich dagegen nicht geändert: „Mass Effect 2“ ist ein ganz anderes Spiel. Da lehne ich mich aus dem Fenster: Es hat sich –im Großen und Ganzen – zum Besseren gewandelt. Um gleich mal auf des Pudels Kern meiner Entzückung über den ersten Teil zu kommen. Die da wären: Story und Charaktere. Auch hier hat es eine Veränderung gegeben. Der Unterschied lässt sich vielleicht mit „weniger Frank Herbert, mehr Jerry Bruckheimer“ umschreiben. Wäre ich jetzt gallig, könnte ich natürlich den „dumbed down„-Begriff aus der Mottenkiste holen. Hmm. Jaa. Hmm. Okay. Klar. „Massenkompatibel“ und so, da muss man natürlich ein paar Kanten abschleifen. Die Crew scheint auch mehr aus einer Bastardmelange zwischen „Star Wars“ und „Fluch der Karibik“ hervorgegangen zu sein. Alles ist eine Idee farbiger, lauter, schriller, tatöwierter. Mehr Limp Bizkit als Dredg. Scheisse, ich verliere mich in bildhaften Vergleichen, aber ihr versteht sicher, was ich meine? Ich muss in dem Punkt einfach Balkan Toni zustimmen, der sagt, es handele sich bei der Mannschaft in Teil zwei mehr um die „Mötley Crew eines Piratenfilms„. Nagel auf den Kopf getroffen, Tonez. Hand in Hand dazu geht die Veränderung des Grafikstils. Technischerseits gab es einen gehörigen Sprung nach vorne, mehr Polygone, mehr Animationen, mehr Partikeleffektshaderchromleisten-Voodoo, der sich auf Nvidia-Marketingfolien gut machen würde. Allerdings ist die geradlinige, durch Blautöne geprägte und unterkühlte Darstellung der Zukunft mehr einer hyperbunten Fantasywelt gewichen. Und wo ich gerade eben noch von Massengeschmack sprach: Den versuchen die Entwickler vermutlich, durch einen gewissen Grad an „The Sims“-isierung weiter zu erreichen. Eines dieser Dinge, die man meinetwegen nicht hätte kopieren sollen, ist die Möglichkeit, Shepards Kabine mit allerlei Tinneff einrichten zu können. Obwohl ich häufiger als ich zugeben möchte, die Farben meiner Panzerung angepasst habe. Nach dem Motto: „Zum heutigen Gemetzel gehe ich lieber in schwarz-rot“. Hm, ob das tiefenpsychologisch irgendwie mit Koalitionsstreitigkeiten zu tun hat? Mal Herrn Freud anrufen.

Achtung, jetzt kommt ein wichtige Plattitüde, die immer wieder gerne genommen wird und bei vielen Gelegenheiten angebracht ist: Dabei ist den Entwicklern, aus meiner Sicht, die schwierige Gratwanderung gelunden. Aus fundamental kapitalistischen Motiven musste die Serie etwas von ihrer abweisenden Hard-SF-Ästhetik ablassen. Im Grunde waren die Angelpunkte des ersten Drehbuchs ja schon aus längst etablierten und altbekannten Tschingderrassabumm-Bauklötzen zusammengedrechselt. Trotzdem gelang es damals, auch die großen, durchdringenden Themen des Lebens anzusprechen –durch den Kniff, den Spieler selbst eine schwerwiegende Entscheidung treffen zu lassen, für die es keine offensichtliche oder perfekte Lösung gab. Dies förderte die emotionale Verankerung in das Spiel natürlich ungemein. Und soweit ich das mit meinem Dutzend Spielstunden einschätzen kann, ist dies auch im zweiten Teil recht gut gelungen – wenn auch die Entscheidungen in den meisten Fällen nicht mehr so extrem weitreichende und unterschiedliche Alternativen anbieten, wie zum Beispiel die zwischen vollständigem Genozid oder dem Überleben einer ganzen Rasse. Die klassische Science Fiction(-Literatur) hat ja gerne gewaltige und übergroße Themen angerissen und Teil 1 hat diese Tradition aufgenommen. Wenn ich diesen Begriff der Größe auf die Veränderung eben dieses Punktes anwenden darf, dann ist ME2 nur der kleine, dicke Bruder mit der geschmacklos bunten, kurzen Hose. Aber bin ich darüber enttäuscht? Marginal. Der Reiz, sich ständig mit übermenschlichen Themen rumschlagen zu müssen, kann sich auch in einem Abnutzungseffekt verlieren. Natürlich zwickt mich die allgemeine Hollywood-isierung, oder besser: Es zwickt mich, dass die schon vorher vorhanden Trigger für meine innere Pubertät so sehr verstärkt in den Vordergrund geklatscht werden. Aber wenn ich zwei Schritte zurücktrete und das Gesamtwerk „Mass Effect 2“ auf mich wirken lasse, bin ich bereit, diesen Preis zu bezahlen. Auch, weil das Spiel jetzt nicht mehr auf verkappt intellektuell macht.

Ja, ein großer Teil meiner unverholenen Begeisterung geht auf das Konto des neuen Actionteils. Klar, es gibt auch noch ein paar wenige – pardon – Labermissionen, die der Auflockerung des Schemas dienen, aber im Grunde ist doch rhythmisches Ballern der wahre Kern der Spielserie – nicht das so gerne rausgekehrte „role-playing“. Seht den Tatsachen ins abstoßende Vorcha-Gesicht, selbst „Mass Effect 1“ spielte sich nicht wie „Baldur’s Gate“, sondern wie ein beliebiger 3rd Person Shooter – aber streicht die „Beliebigkeit“ und ersetzt es durch „mit wesentlich besseren Autoren und daher auch kein Stück peinlich“. Die große Stärke und die Stützpfeiler des Niveaus, auf dem sich die Serie, wie schon erwähnt, auch noch im mittleren Teil der Trilogie bewegt. Darüber hinaus hat Bioware seine 3rd-Person-Action-Anteile nun endlich richtig im Griff, sie sind knackig und auf den Punkt konzentriert und funktionieren SO viel besser als im Vorgänger, wo man sich mit ihnen über weite Strecken nicht vergnügen, sondern herumschlagen musste. Irgendwie wurde ich beim Ballern in ME1 das Gefühl nicht los, dass mit dem Actionteil nur der Rohbau abgeliefert worden ist und die restlichen 80% Qualität noch auf irgendeiner Entwicklerfestplatte rumliegen. Im zweiten Teil empfinde ich die Schießereien dagegen als genußvolles Highlight. Wenige, aber klar abgegrenzte Gegnertypen, Waffen und Biotikfähigkeiten. Hübsche Levels, ein funktionierendes Coversystem. Feine Soundeffekte. Unaufdringliche, aber passende Hintergrundmusik. Schöne Dramaturgie. Ja, die Feuergefechte sind jetzt die wahren Schmuckstücke von „Mass Effect 2“. Sicherlich gibt es bei anderen Familien schönere, größere oder glänzendere Juwelen dieser Art – aber auch hier gilt: eingebettet in ein so großes, passendes Ganzes sind sie da nicht. Das gilt auch für die neuen Sidequests. Endlich rennt mein Shepard nicht mehr durch copypastete Dungeons voller Klongegner, sondern durch liebevoll entwickelte und individuelle Szenarien mit packenden Shootouts und feinen Zwischensequenzen. Und, naja, voller Klongegner. Was ich übrigens im Bezug auf die Actionszenen nicht verstehe: Wie um alles in der Welt hat man es geschafft, das gesamte Universum innerhalb von nur zwei Spieljahren zu einem vollständigen und nachhaltigen Wechsel auf ein gänzlich neues Munitionskonzept zu bewegen?

Ebenso merkwürdig finde ich, dass, trotz des regelmäßig alle paar Äonen wiederkehrenden, galaxieweiten Armageddon, immer noch Ressourcen auf den Planeten existieren. Dachte eigentlich, ein paar 10.000 Jahre wären aus geologischer Perspektive nur ein Wimpernschlag. Aber ich bin ja nur ein gewöhnlicher Erdling, was sollte ich darüber urteilen? Viel mehr bringt mich das Thema Ressourcen schnurstracks zu einer Hassliebe aus dem ersten Teil, den Erkundungsfahrten auf prozedural erstellten Planetenoberflächen. Obwohl mich das neue Scannerinterface auf seine seltsam stupide Weise (und auch dank seines merkwürdig befriedigenden sensorischen Feedbacks) in einen Zustand der meditativen Zufriedenheit zwingt, vermisse ich das Gefühl von uferloser Weite, die die durchweg langweiligen Mako-Missionen erzeugt haben. Ausserdem war da noch das Addon „Kollisionskurs“… Wann komme ich schonmal in die Gelegenheit, auf einem Asteroiden herumzufahren, während dieser gerade auf einen Planeten stürzt? Nerdporno! In der Ur-Schachtel steckt definitiv eine gewaltige Menge Weltraum, in der Fortsetzungs-Amaray nur noch eine Aneinanderreihung von Abenteuern – Galaxiekarte hin oder her. Auch hier verbirgt sich die Frage, was genau die Völker des Universums zu solch umwälzenden technologischen Fortentwicklungen wie dem Rohstoffscanner getrieben hat. Ich kann mit meinem Raumschiff durch die Gegend düsen und mit einem halben Dutzend auf die Oberfläche geschossener Scanner den Großteil der Ressourcen abgrasen. Da darf man gespannt sein, wie der Nachschubhunger in ME3 gestillt werden soll.

Bleiben mir nur noch ein paar Worte zum „Rollenspiel“. Klar, mit reinem Durchzählen fördert man einen gehörigen Unterschied zwischen der Anzahl Talente aus dem ersten und zweiten Teil zu Tage und somit liegt die beliebte Schlußfolgerung in Richtung „vereinfachtes Spielprinzip“ nahe. Aber effektiv waren die Talentpunkte im Vorgänger für mich primär hellblaue Quadrate, die ich ausmalen musste, während die Talentpunkte im Nachfolger primär orangefarbene Rechtecke sind, die ausgefüllt werden wollen. Nur halt weniger davon. Mit genügend Spucke und Beobachtungsgabe lässt sich zwischen den einzelnen Talentstufen – sind ja nur noch vier – dieses Mal wenigstens ein klitzekleiner Unterschied hinsichtlich der Auswirkungen entdecken. Alles wird ein bißchen stärker oder hält etwas länger (gilt auch für die Waffenupgrades oder die Rüstungen) und sicherlich tritt mein Shepard in der Endausbaustufe dem Newbie-Shepard ordentlich ins Sitzfleisch. Aber effektiv… im Spiel… also, meine Landungscrew und ich benutzen die Biotikkräfte reichlich, aber ein wirklich relevanter Unterschied ist mir da nicht aufgefallen. Wenigstens wird die (vermeintliche) Vereinfachung des Skillsystems von einer tatsächlichen Verbesserung des Inventarsystems begleitet. Will sagen: Endlich bin ich dieses stinkende Usability-Verbrechen aus ME1 los. Ey, Bioware! Echt mal, was sollte der Mist? Hab‘ ich euch was getan, oder warum wolltet ihr mir unbedingt Schmerzen zufügen? Gott sei Dank ist das jetzt vorbei und die absolut bekloppte Anzahl an unterschiedlichen, aber trotzdem total generischen Ausrüstungsgegendständen wurde sinnvoll und rigoros zusammengestrichen. Seid mal ehrlich, damals kamen die Inventargegenstände doch aus dem gleichen Automaten, der auch die Planetenoberflächen generiert hat. Und um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, war das völlig verkackte und höchst unübersichtliche Inventarsystem damit mir nichts, dir nichts überflüssig geworden. Und wo wir gerade beim Entfernen von Ballast sind: Endlich schleppe ich auch nicht mehr solche ordinären Riesenmassen an Geld mit mir herum; soviel, dass ich mich eigentlich dafür entschuldigen müsste. Soviel, dass es als eigentlich begrenzende Spielressource keine Rolle mehr gespielt hat.

Ha. „Keine Rolle mehr spielen“. „Rollenspiel“.  Ha, get it? Puh, langsam sollte ich aufhören, jetzt drängen allmählich die blöden Witze nach draussen. Zwei Punkte muss ich allerdings noch loswerden. Erstens: Für „Mass Effect 2“ wurde eine großartige deutsche Synchronisation produziert. Die umso großartiger wirkt, wenn man die des Vorgängers kennt.

Zweitens: Ladezeiten. LA-DE-ZEI-TEN! Sie von den blöden Liften weg hin zu generisch animierten Bildchen zu verlagern, macht sie nicht weniger unerträglich. Bioware, ich frage euch nochmal: Wieso wollt ihr mir körperlichen Schaden zufügen?


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23 Kommentare

  1. Thomas - 01.08.2010 14:48

    Großartige Synchro? Ich kenne nur die Anfangsszene aus einem Video auf Deutsch, fand das aber wirklich, wirklich schlecht. Microsoft beauftragt anscheinend immer wieder dasselbe unfähige Studio, siehe auch Halo.

    Die Ladezeiten bei ME2 fand ich nach Installation gar nicht so schlimm, zumal die Ladebildschirme immer damit zu tun haben, wo man gerade ist. Ein netter kleiner Touch.

    Ansonsten kann ich dem Artikel nur zustimmen. ME1 und ME2 sind großartige Spiele, wobei ME2 das „rundere“ und unholprigere Erlebnis ist. Das Inventarsystem in Teil 1 war wirklich der Negativhit, die immer gleich aussehenden Basen auf den Planeten ebenfalls. Der Mako nervte tierisch, aber irgendwann hatte man den Bogen heraus. ME2 läuft vor allem in den Shootersequenzen viel flüssiger in der Bildrate, das schont die Augen.

    Das neue Munitionssystem basiert auf Geth-Technologie, das wird doch irgendwo erklärt. Die Dinger sind halt SO gut, dass JEDER darauf umgestiegen ist. Wo soll man denn sonst vernünftige Munition bekommen, wenn nicht von umgefallenen Gegnern? ;-)

  2. Ranor - 01.08.2010 19:48

    Ich gehöre zu den drei Leuten auf diesem Planeten, die ME 2 für deutlich schlechter als Teil 1 halten. Spielerisch ist das Dings seinem Vorgänger zwar überlegen weil es sich nicht so „stocksteif“ spielt, aber das Charakter- und Weltdesign, die Atmosphäre und vor allem die klischeetriefende (Illusive Man my ass…) Story sind wesentlich schwächer.

  3. Flo - 01.08.2010 19:51

    Die deutsche Synchro kann wirklich nur dann als gut bezeichnen (auf „großartig“ will ich mich gar nicht erst einlassen), wenn man Tali, Mordin und Co. noch nie im Original gehört hat. Imo liegt hier, wie eigentlich bei jeder mir bekannten deutschen Synchro, ein _riesiger_ Qualitätsunterschied vor.

    Wer sich dieses stete Trauerspiel, trotz ausreichender Englischkenntnisse, immer wieder antut, ist in meinen Augen ein gehöriges Stückchen doof. So! ;)

  4. mkraxx - 01.08.2010 21:44

    Oh mein Gott…schon wieder ein Artikel über ME 1 & 2 – die Biester verfolgen mich und sind einfach nicht totzukriegen…

    Hey, ICH mochte den Mako (das Rumdüsen mit ihm ist, gegen das Scannen der Planetenoberflächen, höhere Mathematik im Vergleich zu den Grundrechnungsarten) und ICH mochte auch das Inventarsystem aus ME1 (masochistisch, ich weiss…) obwohl ich mit dem aus ME2 auch keine Probleme hatte…

    Zur deutschen Synchro kann ich echt nichts sagen, spielt das irgendwer auf Deutsch???

    Und ich bleibe dabei: die Hauptstoryline von ME2 ist einfach nur schlecht, warte mal, bis du den letzten Endgegner siehst…

    Und Schluss…

  5. grobi - 01.08.2010 23:30

    Im Internet etwas über Übersetzungen oder Synchros zu schreiben, ist wie in eine Schlangengrube zu greifen. Das Gegenteil von Forrest Gump`s Schachtel Pralinen, denn man weiss genau, was man kriegt: einen Shitstorm. Egal, in welche Richtung die eigene Meinung tendiert. Ja, im Gegensatz zu solchen Totalkatastrophen wie z.B. „Half Life 2“ halte ich die deutsche Tonspur für: großartig. Ja, ich kenne das Original auszugsweise aus Trailern, Video, etcpp. Ja, Miranda macht mich im O-Ton Wuschig und mit der deutschen Stimme nicht. Ja, der O-Ton ist meinetwegen immer besser (wenn man mal von Bud Spencer-Filmen absieht…). Es gibt aber noch andere Gründe, warum man zu einer deutschen Version greifen könnte. Believe it or not: Preis. Oder auch Wiederverkaufsmöglichkeit. Schonmal versucht, ne UK-Version (ohne Altersfreigabe) über die üblichen Plattformen online weiterzuverticken? Den mal angekündigten DLC mit einer englischen Tonspur hat es dann leider nie gegeben. Flo, vielleicht kannst du dein „doof“ noch mal überdenken, bis dahin verstehe ich es gerne als aus dramaturgischen Gründen verwendete Zuspitzung und nicht als Beleidigung.

    @Thomas: danke für den Hinweis zur Muni. Ist mir wohl entgangen. Die schlampige Übersetzung aber auch…

    @Ranor: Die Autoren von Mass Effect 1 haben auch bis zur Schulter in der Klischeekiste gewühlt. Es war nur stellenweise eine andere Klischeekiste. Ich finde sogar die Idee, in der Gegend rumzureisen und mir meine Crew aufgrund der Liste des Kettenrauchers zusammenzustellen, ziemlich gut. Ja klar, der und seine Organisation sind eine gigantische deus ex machina, der holt mich nach 5 Minuten Spielzeit aus dem Reich der Toten zurück. Wenn ich da noch abgeschaltet habe, dann kann ich auch bitte für den Rest der Story dranbleiben. Und einen Urdnot Wrex schreibt man so schnell nicht nochmal. Wie ich schrieb, sind die Kanten abgeschliffen und alles ist gefälliger. Eben auch die eigentlichen Spielmechaniken, die ich für entsprechend deutlich besser als im Vorgänger halte. Nun ärgere ich mich über den „Fluch der Karibik“-Faktor dieses mal eher leise, da ich auch die guten Seiten sehe. Ihr regt euch über meine Synchro-Lob auf, aber mit Verlaub, wer dem Interface des ersten Teils auch nur ein gutes Haar lässt, fühlt keine Schmerzen mehr.
    Intellektuelle Nahrung hole ich mir nebenbei nun wirklich nicht an der XBox. Enter „Spiele sind Kunst / müssen erwachsen werden“-Debatte. Fuck, das hab ich nicht gewollt. Kommende „Modern Warfares“ oder „Medal of Honors“ fasse ich trotzdem nicht an.

    @mkraxx: Der Mako ist im Kern ’ne riesige Idee, aber vollkommen schlampig umgesetzt. Bis auf die paar Story-Schlauchlevel. Aber die sind halt auch nur Schlauchlevel – und Schläuche auf einer Planetenoberfläche doch eine ziemlich erbärmliche Idee.

  6. Sumse - 02.08.2010 00:01

    Die meisten deutschen Syncs sind gar nicht so übel wie die Mehrheit sie immer darstellt.
    Früher (90er), da gab es noch wirklich üble Sprachausgabe von irgendwelchen hoffnungslosen Amateuren gesprochen. Da kann man dann auch von grottenschlechter Sync sprechen, aber was viele hier für eine Theatralik gegenüber aktuellen zumeist ordentlichen Sprechern und Übersetzungen betreiben, ist schon etwas arg übertrieben.

  7. Manu - 02.08.2010 01:27

    Also Boris steht zu seinem Malzbier.

  8. Missingno. - 02.08.2010 02:09

    Schonmal versucht, ne UK-Version (ohne Altersfreigabe) über die üblichen Plattformen online weiterzuverticken?

    Amazon Marketplace. ‚Nuff said.

  9. Manu - 02.08.2010 10:39

    Was Grobi sagt, das Thema ist immer extrem emotional aufgeladen. Die einen fühlen sich persönlich angegriffen, weil sie eventuell selber nicht gut englisch sprechen und von den OV-Fans als minderwertig dargestellt werden, die anderen können nicht verstehen, wie man sich freiwillig NICHT das Original anschauen kann. Im Gegensatz zum Kino haben wir ja das große Glück als Gamer, dass bei den meisten Spielen die Sprache frei wählbar ist und daher beide Seiten glücklich sind.

    Richtig ärgerlich finde ich es jedoch, wenn wie bei ME2 diese Auswahl nicht auf der Disc ist, dann auch noch der Download der Sprachspur groß angekündigt wurde und dann aber nie kommt. Und dann wundern die Herren sich, dass immer mehr aus UK importieren? Idiotenpack.

  10. Manu - 02.08.2010 10:42

    @Sumse: Leider gibt es die auch heute noch, siehe Sam&Max von Telltale Games. Die Synchro der Season 2 ist so dermaßen lieblos umgesetzt, die deutschen Sprecher hören sich an, als lesen die nur stur den Text runter, ohne je die Animationen dazu gesehen zu haben. Da passt einfach gar nichts. Und DAS finde ich dann eine Frechheit gegenüber den kreativen Köpfen hinter dem Original-Spiel, wenn sich ein deutsches Studio anmaßt, diese Arbeit so zu nichte zu machen.

  11. grobi - 02.08.2010 10:46

    @Missingno: naja, wenn man das Teil nur anbieten möchte, statt zeitnah zu einem halbwegs okayen Preis garantiert zu verkaufen, mag der Marketplace ja gehen.

    Aber okay, ich kann’s ja mal ausprobieren.

  12. Tom - 02.08.2010 11:31

    Sumse:

    Die meisten deutschen Syncs sind gar nicht so übel …

    Du hast wohl nie irgendein Halo gespielt. LOLZ

    Die Halo-Synchros dürften auch unter dem „Runterlesen“-Problem leiden. Es gibt hier wahrscheinlich keinen richtigen Synchronregisseur, der die Hintergrundgeschichte kennt, außerdem bekommen die armen Deutschen diesen auch gar nicht erst geliefert, sondern nur 100 Seiten mit einzelnen Zeilen. Dass Deutschland sehr gut synchronisieren kann sieht man doch an den zig Tausend Filmen, aber einen Film guckt man einmal und hat ihn dann verstanden, während bei Spielen die ganzen verschiedenen Wahlmöglichkeiten abgedeckt werden müssen und die Szenen oft nicht im Zusammenhang angesehen werden können. Und dann hat man am Ende sowas wie Halo (mal abgesehen davon, dass offensichtlich auch nicht soviel Synchro-Budget zur Verfügung steht wie für einen mittelmäßigen Hollywood-Film).

    Und ja, das „Ende“ von ME2 ist echt der Hit, wobei mich die Story-Wendung (Collectors) echt überrascht hat. Der Endgegner ist allerdings ein großes LOL, wobei die IDEE an sich schon irgendwie krass ist. Aber das Ganze hinkt auf weniger als einem halben Bein und die Unlogik jammert schon selbst über sich.

    Und wieso ist der Preis ein Kaufargument für die deutsche Version? Nirgends gibt’s doch die Spiele billiger als im UK.

    Ach ja, Cosplay gesehen? http://www.youtube.com/watch?v=ATj3tIqSj5g#t=0m20s

  13. Manu - 02.08.2010 13:20

    ELTON spricht den Master Chief, tiefer wird es nie mehr sinken können, außer Mario Barth sagt „DAT IST MEIN SPARTAN!“ in Reach.

  14. Missingno. - 02.08.2010 17:33

    @grobi
    Bei der Bucht darf ich nicht mehr verkaufen, weil mein Bewertungsprofil privat ist. Seitdem nutze ich Amazon Marketplace. Mein Zeug (Rock Band Instrumente, Xbox 360 Premium, Nintendo DS Lite) bin ich immer sehr schnell losgeworden (meistens innerhalb von 1-2 Tagen). Es ist natürlich so, dass nicht unbedingt nach zu „alten“ Sachen gesucht wird. Aber gerade bei „erwachsenen“ Spielen, die man auf ebay nicht verticken darf, könnte Amazon Marketplace eine gute Alternative sein. Denn bei Amazon selbst bezahlt man 5 Euro Strafgebühr und muss das Päckchen auch noch persönlich in Empfang nehmen, was im Fall von Marketplace wegfällt (bzw. nur 3 Euro Porto statt 5 Euro). Nur die Gebühren von Amazon sind imo etwas hoch, aber ich weiß ja nicht, wie viel ebay inzwischen abzockt.

  15. ezzemm - 03.08.2010 11:26

    Mit ein paar Tricks kann man die deutsche PC-Version mit engl. Ton und dt. Untertiteln spielen. IMHO die beste Option wenn man die originalen Sprecher haben will, aber trotz kleinerer Englischschwächen alles verstehen will.

  16. huggo - 04.08.2010 03:48

    hey ranor,
    ich bin der zweite von den 3 leuten der welt die mass effect deutlich besser fanden als den zweiten teil. lass uns gemeinsam den dritten mann suchen

  17. xxilef - 05.08.2010 02:18

    Ich wäre dann wohl der Dritte ;-)
    Schon allein deswegen, weil ME im Gegensatz zu ME2 eine Story hat.

  18. 3ba - 05.08.2010 11:36

    Ich spiele games nicht wegen der Story. Und ME2 die Story abzuerkennen finde ich auch gewagt. Vielleicht war die Story nicht ganz so episch wie im 1. Teil, dafür war ja alles andere besser…

  19. Manu - 05.08.2010 12:09

    Kurzer Hinweis an die Avatar-losen Kommentatoren: Polyneux erkennt euren „Gravatar“ – Wenn ihr euch also bei http://en.gravatar.com/ kostenlos einen einrichtet, wird der hier automatisch angezeigt und ihr bekommt ein Gesicht hier im Kommentarbereich.

    Zum Thema:
    Ich finde ME2 großartig, genau WEIL die Story Charakter-driven ist. Ich finde die Idee der Loyality-Missions genial und ich verspreche euch, der Showdown in ME3 wird dadurch, dass wir uns jetzt so innig mit den Charakteren beschäftigt haben, um so epischer.

  20. Missingno. - 05.08.2010 12:27

    Als ich das letzte Mal einen Gravatar(-Account) anlegen wollte, habe ich nach dem tausendsten vergebenen Benutzernamen aufgegeben. Mal abgesehen davon, dass es mich eher nervt, mich bei allen möglichen und unmöglichen Seiten zu registrieren und die Accountleichen-Anzahl in die Höhe zu schrauben. ;)

  21. grobi - 05.08.2010 13:35

    @Storydiskussion:
    Ich sehe da ja zwei Ausprägungen. ME1 hatte einen stärkeren roten Faden, die Jagd nach Saren war ja der klassische Storymissions-Pfad, der von Nebenquests flankiert wurde. Bei ME2 fehlt das, ich kann mich im Spiel ja schon ziemlich früh entscheiden, jetzt mal durchs Portal zu hüpfen und die Endmissionen zu triggern. Dafür kann ich mir meine Geschichte selbst zusammen zimmern, indem ich entscheide, welche Charaktere ich mitnehme und welche ich „loyal werden lasse“. Zwangsläufig fühlen die meisten „Profispieler“ sich wohl gezwungen, ohnehin alle Missionen zu erledigen, es gibt ja kein Zeitlimit, dass einem Entscheidungen aufzwingen würde. Dadurch ist das Gewebe des roten Fadens nicht so sichtbar oder stringent, die Stories sind Inseln statt miteinander verwoben, darunter leidet auch das klassische Geschichtenerzählen. Das ist wohl Fakt, da kann man nicht groß drumherum diskutieren. Aber es ist sehr wohl diskutierbar, für wie groß man das Drama hier hält. Ich bin da bei Manu und behaupte, das ist erstens in Teilen ein Problem des Mittelteils einer Trilogie und zweitens wird es sich in ME3 für mich sehr gelohnt haben, jede Charaktermission erfüllt zu haben. Für mich ist der Glanzpunkt aus Teil eins nicht die (imho ebenfalls sehr klischeehafte) Jagd nach Saren, sondern die Tragödie der Kroganer, für die Urdnot Wrex als so eine Art Sprachrohr ins Spiel gesetzt wurde. Das ganze (in meinem Fall) Mitgefühl für sein Volk projeziert der Spieler auf die Figur Wrex und dieser Effekt wird durch die Zuspitzung/Entscheidungssituation in einer späteren Storymission wunderbar gehebelt. Großes Kino!
    Die andere Ausprägung ist das Setting und das allgemeine „Feeling“, aber darüber habe ich mich ja bereits im Text ausgelassen.

    @Missingno: okay, Marketplace habe ich bisher ignoriert. Aber dann weiss ich ja jetzt, wo ich meine englischen Battlestar Galactica-Staffelboxen unterbringen kann…

  22. Spieler Drei - 05.08.2010 14:31

    Es machte mich bei beiden Spielen, vorrangig jedoch bei ME2, etwas unglücklich, dass man, so man seine Figur durchgängig als Paragon spielt, von der ganzen Dramatik reichlich wenig mitbekommt. Gut, Kaidan musste sich opfern, aber er war eh mit Abstand die langweiligste Figur. Ansonsten konnte man (fast?) jeden Konflikt, sei es Ashley/Wrex, Miranda/Jack oder einer der zahlreichen kleineren, problemlos und gewaltfrei lösen, ohne eine Seite zu verärgern. Ich finde es rückblickend sehr schade, dass ich mir selber die Dramatik der letzten Mission versaut habe, indem ich die Loyaltyquests mitgenommen und mein Schiff gepimpt habe, denn ein Selbstmordkommando, dass alle überleben,ist irgendwie falsch benannt.

  23. Blkan Tonez - 14.08.2010 02:47

    Artikel: Grobi speaks with a straight tongue!

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