Diese Spielwelt ist so leer und einsam

Ein Grill ist ein Grill, egal wo er auch steht.
Wenn es um die kleine schwedische Provinz von Generation Zero geht, dann sowieso. Denn es scheint dort nur drei Fertigbauhausmodelle zu geben, die dem gesamten Landstrich den Anschein von Zivilisation geben sollen, und in denen ich immer wieder auf dieselben Assets stoße. Der Grill hat sich in mein Gedächtnis, Verzeihung, „gebrannt“. Vielleicht wäre der Eindruck einer lebendigen Welt mit Einwohnern einfacher entstanden.

Auch hübsch, auch doof: Fallout 76.

Denn wie schon Fallout 76 verzichtet auch Avalanches kooperativer Open World-Shooter komplett auf Nichtspielercharaktere und ‚füllt‘ seine Welt ausschließlich mit feindlichen Robotern, Tagebucheinträgen und Audionachrichten. Und wie auch in Fallout 76 soll die hübsche Spielwelt damit zur Leinwand für die Fantasie der Spielenden dienen, alles zu tun, was sie wollen und was die Spielmechanik zulässt. Neben Schießen ist das nur leider nichts. Ob ich das allein, zu zweit oder zu viert tue, ist eigentlich auch schon egal, denn außer für einen besonders gut platzierten Schuss zu schleichen oder es zu lassen haben wir kaum Möglichkeiten, taktische Entscheidungen zu treffen. Ich könnte ein Radio auf den Boden stellen, um mit plärrendem 80er-Synchpop Roboter anzulocken, damit ich woanders besser schleichen kann. Oder ich lege einen Benzinkanister vor mich, den ich zuvor durch das Inventarmanagement aus der Hölle in die Hand genommen habe. Den kann ich dann explodieren lassen, um Gegner zu zerstören – oder anzulocken, damit ich woanders *gähn* – ‚tschuldigung, sorry – besser schleichen kann.
(Nein, mit dem Grill kann man leider nicht interagieren. Find‘ ich auch schade.)

Die Raufasertapete des schwedischen Preppers.

Und das ist mir alles so egal, schließlich gibt es kein weiteres Ziel als das nächste kleine Dörfchen leer zu schießen, damit ich dort die drei gleichen Häuser mit den gleichen Munitionskisten wie in den 17 Dörfern davor ausrauben kann. Die hübscheste Weide – und davon hat Generation Zero tatsächlich einige – ist für einige Sekunden atemberaubend schön, aber dann stoße ich auch wieder auf das eine von den beiden Garagenmodellen, das sich nichtmal öffnen lässt. So wird die Leinwand zur Raufasertapete, und nur die berndigsten Brote können mit der Spaß haben. Für die hübscheste Baumrinde in Videospielen hat Generation Zero zwar ganz klar sein Krönchen verdient, aber vielleicht gehe ich dafür auch einfach mal vor die Tür. Es ist Grillsaison. Die Realität sieht vielleicht nicht besser aus als Avalanches Rohrkrepierer, aber sie riecht wenigstens geiler.


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1 Kommentar

  1. Missingno. - 16.05.2019 09:30

    Ohne grillen ist ein Grill nichts!

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