There is no I in Team

Sonic the Hedgehog, Segas Maskottchen und Antwort auf Super Mario, hat mir noch nie etwas gegeben. Dabei habe ich gar nichts gegen ihn persönlich, der ist bestimmt richtig nett, wenn man ihn erst einmal besser kennt, aber seine Spiele haben mich nie wirklich abgeholt. Ja, sogar die von vielen geliebten alten 2D-Jump’n’Runs gehen mir am Hintern vorbei.

Die einzige Ausnahme sind die Kart-Spiele von SUMO Digital. Sonic & Sega All-Stars Racing (2010) war in meinen Augen der erste Mario Kart-Klon, der dem Original tatsächlich das Wasser reichen konnte; es war nicht besser, aber immerhin auf Augenhöhe. Zwei Jahre später passierte es dann: Sonic & All-Stars Racing Transformed überflügelte sogar die Mutter aller Kart-Racer, die mich mit den beiden letzten Teilen (Mario Kart Wii (2008) und Mario Kart 7 (2011)) auch nicht mehr komplett überzeugen konnte. Zwar konnte Mario Kart 8 dann 2014 wieder Boden in meiner Gunst gutmachen, aber bis heute spiele ich auf der WiiU immer noch lieber das zweite Sonic Racing als das letzte Mario Kart. Transformed platzte förmlich vor lauter toller Ideen und abwechslungsreichem Inhalt und verwob das Ganze mit ausgezeichnetem Kart-Handling und toller audio-visueller Präsentation.

Nach sieben Jahren liefert SUMO Digital nun den dritten Teil der Reihe und nimmt ihm so ziemlich alles, was Transformed so toll machte. Nein, ich rede nicht von den ganzen anderen Sega-Figuren, den All-Stars, die nun nicht mehr dabei sind. Die sind mir ähnlich egal, wie Sonic selbst, auch wenn sie sicherlich viel zum Abwechslungsreichtum der Strecken, Karts und Power-Ups der ersten beiden Teile beigetragen haben. Der eigentlich Fan-Service-Aspekt der Sega-All-Stars war bei mir persönlich immer schon Perlen vor die Sau. Ich meine vielmehr all das, was Transformed spielerisch so reizvoll machte: Die sich verändernden Strecken, die Mischung aus Kart-, Boot- und Flugzeug-Rennen sowie die überaus unterhaltsame Einzelspieler-Kampagne. Aber auch in Sachen Streckendesign, grafischer Präsentation und Soundtrack backt Team Sonic Racing kleinere Brötchen als sein Vorgänger.

Stattdessen setzen die Entwickler den Schwerpunkt bei Team Sonic Racing auf das „Team“ im Namen: Neben dem Grand Prix Standard, bei dem jeder gegen jeden fährt, gibt es, quasi als Haupt-Modus, den Grand Prix Team. Hier fahren vier Teams aus jeweils drei Fahrern gegeneinander. Das Team ist angehalten, so gut wie möglich zusammenzuarbeiten, um zu siegen. Durch diverse Aktionen, wie das Austauschen der erhaltenen Strecken-Items untereinander, Windschatten-Turbos und dergleichen wird langsam ein mächtiger Megaturbo aufgeladen, den dann alle drei Fahrer gleichzeitig erhalten und welcher das Feld mindestens so sehr durcheinander wirbelt, wie Marios blauer Panzer oder der Kugelwilli. Das funktioniert auch alles ganz klasse und grenzt TSR spielerisch stärker gegenüber der MK-Reihe ab, als es die beiden Vorgänger taten. Speziell im Online-Modus, wenn 12 echte Fahrer in vier Teams gegeneinander antreten, bietet das Spiel ein deutlich anspruchsvolleres und kompetitiveres Gameplay als die MK-Konkurrenz.

Das Problem: Der Team-Modus als Hauptfokus, insbesondere online, interessiert mich persönlich nicht besonders. Ich bin eher der Couch-Coop-Typ, der sich aber auch über eine gelungene Einzelspieler-Kampagne freut, in der man alle Fahrer und Karts freischaltet. Im lokalen Mehrspieler-Modus fanden mein Sohn und ich die Team-Mechaniken durchaus gelungen, aber nicht so fesselnd und sensationell, dass wir nicht auch genauso oft den „normalen“ Grand Prix gespielt haben, der ebenfalls solide Kart-Unterhaltung bietet. Nur als Gesamtpaket ist TSR leider nicht so gut wie Sonic & All-Stars Racing Transformed oder Mario Kart 8 (Deluxe). Insbesondere beim Design der 21 Strecken, da waren mein Sohn und ich uns einig, zeigen sich Schwächen: Nur wenige Tracks sind wirklich erinnerungswürdig, aber dafür leiden einige unter unnötiger Komplexität und mangelnder Übersichtlichkeit. Aber auch die Musik und andere Aspekte der Präsentation bleiben hinter den genannten Konkurrenz-Spielen zurück.

Der schwächste Modus von Team Sonic Racing ist die Einzelspieler-Kampagne, um die leider auch kein Weg herum führt, da man ja schließlich den gesamten Team-Rooster freispielen will: In fürchterlich dämlichen Zwischensequenzen labern die insgesamt 15 Fahrer so dermaßen bräsiges und schlecht eingesprochenes Zeug runter, dass man nach kurzer Zeit nur noch schnell den Skip-Button drückt. Daher habe ich auch nicht die geringste Ahnung, was Dr. Eggman und all die anderen Typen aus dem Sonic-Kosmos in der Hintergrundgeschichte eigentlich umtreibt. Sorry, aber das Ganze wird dermaßen infantil präsentiert, dass ich mich frage, wer da überhaupt jenseits des Grundschulalters angesprochen werden soll…

Trotz aller Kritik ist Team Sonic Racing im Kern ein wirklich solides Kart-Spiel mit einem interessanten Fokus auf die Team-Mechanik, der es von der Konkurrenz klar abgrenzt. Wer keine Nintendo-Konsole besitzt und zudem Bock auf kompetitive Online-Team-Rennen hat, wird hier sicher nicht enttäuscht. Wenn man allerdings schon im Besitz von Mario Kart 8 (Deluxe) und/oder Sonic & All-Stars Racing Transformed ist und diese Spiele zudem lieber allein oder lokal mit Freunden zockt, dann ist Team Sonic Racing als Spiel aber leider irgendwie überflüssig…


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