Spricht man Draugen eigentlich wie Drogen?

Laut Ausspracheregeln leider nicht, da das Spiel norwegisch und nicht französisch ist. Aber vielleicht war Edward trotzdem auf welchen, als er seinen Skandinavien-Trip plante. Eigentlich kommt der Protagonist ja aus Massachusetts, aber seine Schwester ist mitten in Norwegen verschwunden und seit Wochen hat niemand von ihr gehört. Natürlich ist er ihr spontan um die halbe Welt hinterher gereist, um nach ihr zu suchen. Warum er dafür die 17-jährige Lissie mitgebracht hat, ist nicht so richtig klar, auch nicht wer sie überhaupt ist. Ich mein, es sind die 1920er und eine Europareise war für junge Damen sicher ziemlich schick, aber so richtig damenhaft kommt sie nun auch nicht rüber. Dafür wie eine sehr überzeugende Teenagerin…
Aber zurück zur Insel. Auf der sitzen wir nämlich erst mal fest, nachdem prompt in der ersten Nacht unser Boot verschwunden ist. Wieso ist die eigentlich komplett verlassen? Offenbar sind alle Bewohner zusammen mit Edwards Schwester verschwunden, die zufälligerweise genau aussieht wie Phryne Fisher aus Miss Fisher‘s Murder Mysteries. Würde sich jetzt ein Loch in der Erde auftun, damit die Detektivin schnell aus Australien auf unsere Insel kommen könnte, wär das Rätsel sicher schnell gelöst. Aber leider hat Red Thread Games die Rechte für das Crossover wohl nicht bekommen.

Schade eigentlich, denn das hätte das Spiel wohl um einiges interessanter gemacht. Dass es nicht wirklich Rätsel beinhaltet, ist bei einem solchen Exploration Game geschenkt, da es ja darum geht eine gewisse Geschichte in der entsprechenden Stimmung zu erleben. Der Fokus liegt darauf, die persönlichen Schicksale der Inselbewohner – natürlich ganz besonders das von Betty – zu ergründen, welche vor allem durch liegengelassene Schriftstücke oder Fotos dokumentiert wurden. Auch die wunderschöne Landschaft kann sehr detailliert erkundet werden. An verschiedenen Stellen kann Edward sich auch einfach mal hinsetzen, um die umwerfend schöne Umgebung zu genießen, die er auch direkt kunstvoll in sein Notizbuch zeichnet. Schon allein für diese Optik und die daraus resultierende neue Hintergrundbild-Sammlung lohnt sich der Kauf vermutlich schon.

Es ist also nicht so, als wäre ich wirklich enttäuscht zurückgelassen worden, aber irgendwie fehlte mir am Ende doch ein kleines Fünkchen an Besonderem, das die Storyfäden zusammenführt. Die ganzen Schnipsel, die ich beim Durchsuchen aller Häuser und Lesen von Tagebüchern und Briefen erfahren habe – der geheimnisvolle Mordfall, das plötzliche Verschwinden aller Leute inklusive der Schwester des Protagonisten – wurden sehr groß eingeführt. Aber auch wenn die Auflösung dann nicht unbefriedigend daherkommt, war sie doch etwas unspektakulärer, als ich über den Spielverlauf hinweg erhofft hätte. Ich kann nur hoffen, dass die im Abspann angekündigte Fortsetzung das besser löst, ohne dabei die wundervolle Ästhetik eines norwegischen Fjords einzubüßen.


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