Wenn gut, dann gut. Wenn nicht gut, dann auch gut.

Rage 2 ist gut. Auch wenn diverse Videospieljockel etwas anderes behaupten, das Spiel ist gut. Schießen gut, Laufen gut, Fahren auch gut. Story und Dialoge vielleicht nicht so gut, okay. Aber sonst gut. „Peng peng“ macht die Pistole, „Katschunk!“ macht die Schrotflinte. Die Energiewaffen machen „Ziuuuuuuuu“ und so weiter, Granaten und Raketen „Kabumm!“. Alles ganz schön gut. Aber was haben wir erwartet? Dass das alles nicht gut ist? Nein, das erwarten wir schon lange nicht mehr. Wenn ein Spiel erscheint, das überhaupt nicht gut ist, dann gucken wir ungläubig und lachen vielleicht ein bisschen oder spotten gleich direkt volle Kanne drauf los. Wir sind verblüfft, unser Mind ist geboggled, das gibt es doch wohl nicht, ein wirklich richtig schlechtes Spiel, hahaha!

Rage 2 ist gut, aber spielt das überhaupt eine Rolle? Wie viele gute Spiele erscheinen im Monat, im Jahr, über die Dauer so einer Konsolengeneration, hm? Die Antwort: Ziemlich viele. Kann keiner spielen, will keiner spielen, weil Lebenszeit ist endlich und es wäre doch schade, wenn wir auf dem Sterbebett plötzlich mit der Erkenntnis konfrontiert würden, zu viel Zeit vor dem Bildschirm mit lediglich GUTEN Videospielen verbracht zu haben. Nein, sagt sich die im Sterben liegende, nein, ich habe ausschließlich SEHR gute Spiele gespielt! Nur das Beste war mir gut genug, ich kann in Frieden gehen! Denn so sind die Menschen, sie rechtfertigen sich die ganze Zeit, selbst kurz vorm Ende der ihren.

Rage 2 ist gut und, so viel muss hier erwähnt werden, ganz bestimmt auch besser als sein Vorgänger. Der war nicht ganz genau das Gleiche, also seiner Fortsetzung schon sehr viel ähnlicher als viele jetzt behaupten, aber doch auch irgendwie ein bisschen anders. Im Prinzip war es Geballer an isolierten Orten in der mehr oder weniger offenen Welt, dazwischen Autofahren. Nichts anderes macht Rage 2, mit einer größeren Welt, mit ein bisschen mehr Abwechslung und natürlich Crafting, o Crafting, dazu etwas zahlreicheren Schießereien abseits der Levels und absolut null komma null Ladezeiten zwischendrin. Aber abgesehen davon ist es schon das Gleiche. Grundsätzlich. Und das erste Rage war natürlich auch schon gut, doch Rage 2 ist besser. Sehr viel besser? Nicht unbedingt. Aber ein ganzes Stück.

Denn Rage 2 ist gut, meine sehr verehrte_n Leser_innen, daran kann und darf nicht ernsthaft gezweifelt werden. Wer doch zweifelt, irrt. Oder vielleicht wird dieses Spiel als weniger gut wahrgenommen, weil wir schon so viel Gleichwertiges oder gar Besseres gesehen haben? Möglich! Geshooted wird viel in Videospielhausen, Geopenworlded erst recht, das kann ich euch sagen. Allein in diesem Jahr erschienen bereits Crackdown 3, Far Cry: New Dawn, Anthem, Metro Exodus, The Division 2, Days Gone und jetzt eben Rage 2. Ziemlich viel Geballer, ziemlich viel Open World für ein Jahr, und es ist erst knapp die Hälfte rum. Selbstverständlich ähneln diese Spiele sich untereinander nicht zwingend wie ein Ei dem anderen, aber Hand aufs Herz: Wenn ich fünfzig Stunden Far Cry: New Dawn gespielt habe, brauche ich dann noch dreißig Stunden Rage 2? Wohl kaum!

Rage 2 ist zwar gut, aber gut reicht manchmal nicht. Spieler_innen die sich das ganze Jahr durch offene Welten schießen, schnetzeln oder schleichen, entwickeln einen gewissen Anspruch, denen ist gut irgendwann nicht mehr gut genug. Dass ich insgesamt mit wenig zufrieden bin, sieht man schon an der von mir verwendeten Alliteration im vorangegangenen Satz. Und meine Genügsamkeit beschränkt sich nicht nur auf das Gebiet der Sprache, auch meine Videospielvorlieben sind schlicht. Und so geschah es, dass ich sehr viel Spaß hatte mit dem lediglich guten Rage 2. Denn während jede Sau schon seit Jahren wie verrückt in offenen Welten ballert, lasse ich das in der Regel. Wenn ich dann doch mal zu so einer Open-World-Knallerei greife, dann kann ich mit relativ wenig ziemlich viel Spaß haben, denn ich erwarte ja nichts.

Und Rage 2, das ganz schön gut ist, hat meine insgesamt niedrigen Erwartungen selbstverständlich haushoch übertroffen. Denn dafür musste es nicht viel tun. Avalanche beherrscht Open World, id beherrscht Shooter, zusammen ergibt sich eine erquickliche Mixtur, die mir Freude bereitet. Solltet ihr eine andere Einstellung zu dieser Art von Spiel haben, höhere Ansprüche hegen oder insgesamt auf meine Meinung zu Videospielen pfeifen, dann fragt euch erstmal selbstkritisch, warum ihr diesen Text überhaupt bis hier gelesen habt. Anschließend guckt vielleicht doch in die Artikel der anderen Videospieljockel, die Rage 2 nicht ganz so gut fanden. Mir sind die ja alle zu abgebrüht, denen reichen einfach gute Spiele nicht mehr. Das ist schade, aber man wird halt so mit der Zeit.

 

Wenn gut, dann gut. Jetzt noch besser.


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1 Kommentar

  1. Missingno. - 24.05.2019 17:18

    Good.

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