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Ist es zu hart …

Es gilt als eines der schwereren RPGs unserer Zeit, was unzweifelhaft zutrifft. Das wahrscheinlich meistgenutzte Adjektiv in englischsprachigen Reviews dürfte „unforgiving“ sein. Was allerdings nicht zutrifft ist, dass es übertrieben schwer oder sogar unfair ist. Ich vermute, mit der Zeit hat eine Legendenbildung stattgefunden und wenn man mit dieser Erwartung an das Spiel herangeht, wird man vielleicht sogar enttäuscht sein, denn sooo schwer ist es nun mal nicht.

Aber fangen wir von vorne an. Als ich das Spiel zum ersten mal gestartet habe, war ich aufgeregt wie schon lange nicht mehr. Als erstes fällt einem die wunderbar düstere Atmosphäre auf, die Geschichte ist zwar ziemlich generisch, aber mir war von Anfang an klar, dass ich Demon’s Souls nicht wegen der Hintergrundgeschichte spielen würde. Nachdem man seine Charakterklasse ausgesucht hat, beginnt das Tutorial. Dieses bringt einem zuerst einmal ein zentrales Spielelement näher: den eigenen Tod. Das Tutorial erwartet, dass man stirbt. Es wird vorausgesetzt, um weiterspielen zu können*.

Nach dem Tod finde ich mich in Seelenform im zentralen Hub des Spiels wieder, dem Nexus. Hier kann man handeln, Ausrüstung reparieren und upgraden, sich aufstufen und wenn man möchte auch die einzige Quest des Spiels annehmen, muss man aber nicht. Dann geht es los, Welt 1-1 ist noch vorgegeben, danach sollte man allerdings nicht den Fehler machen und linear vorgehen. Das Spiel möchte nicht von 1-1 über 1-2 bis 5-3 durchgespielt werden, der Spieler ist angehalten, sich einen eigenen Weg zu suchen. Manche sind leichter, manche sind schwerer.

Zuerst gilt es aber, sich in 1-1 seine Körperform zurück zu erobern. Hierfür benötigt man die Seele eines höheren Dämons. In der derzeitigen Seelenform bin ich verletzlich, ich habe nur 50% meiner Leben und das Gefühl, den auf mich lauernden Gefahren schutzlos ausgeliefert zu sein. Und in diesem Zustand muss ich mich mit dem ersten Endgegner anlegen und diesen besiegen. So beginnt man mit dem langsamen vortasten in das erste Level. Gerade mit dem Vorwissen, dass DS so unglaublich schwer sein soll, herrscht eine gewisse Angespanntheit. Aber nichts ist, die ersten Gegner fallen wie die Fliegen. Wichtig ist, immer die Ausdaueranzeige im Auge zu behalten, diese ist wichtiger als der Lebensbalken. Sie wird benötigt, um zu rennen, anzugreifen und um gegnerische Schläge abzublocken. Sollte man also zu aggressiv spielen und zuschlagen, bis die Ausdauer weg ist, kommen die nun folgenden gegnerischen Angriffe voll durch den eigenen Block durch und schon bin ich zum ersten mal gestorben. Lektion gelernt. So funktioniert DS, es ist ein erbitterter Lehrer, für Fehlverhalten muss man teuer bezahlen. Denn in diesem Spiel heisst tot auch wirklich tot. Kein Respawn in unmittelbarerer Umgebung, kein Ducken, bis sich die Leben wieder aufgefüllt haben. Ich stehe wieder Anfang des Levels. Alle Seelen, die ich bis jetzt aufgesammelt habe, sind weg. Und Seelen sind die einzige Währung im Spiel. Man benötigt sie um sich Zaubersprüche oder Ausrüstung zu kaufen aber auch um seinen Charakter aufzustufen. Wenn man seine Leiche erreicht, erhält man seine Seelen zurück. Sollte man hingegen auf dem Weg zu seiner Leiche wieder das Zeitliche segnen (die Gegner respawnen natürlich), so sind alle bis dato gesammelten Seelen weg.

Also vorsichtig jetzt. Schliesslich habe ich meine Leiche erreicht und dringe immer tiefer ins Level vor, bis ich auf einen neuen Gegnertyp treffe: ein Ritter mit blauen Augen. Vorsichtig annähern und – tot. Wow, der hat nur zwei Schläge gebraucht. Also wieder zur selben Stelle vorkämpfen und lernen, mit diesem neuen Gegnertyp umzugehen. Wenig später treffe ich in einem Seitenweg seinen Bruder mit roten Augen – tot. Er braucht nur ein Mal mit seinem Speer zu treffen. Natürlich kann ich auch hier versuchen, ihn beim nächsten Mal zu besiegen. Ich kann aber auch einfach beim nächsten Mal nicht in den Seitenweg reingehen..

Wo wir gerade von Feigheit vor dem Feind sprechen: irgendwann steht man vor einen langen Brücke. Ein riesiger Drache deckt diese in gewissen Abständen mit Feuer ein. Ich stehe wie festgenagelt vor der Brücke und traue mich nicht loszulaufen. Ich bin doch schon so weit! Nebenan sehe ich den Drachenhort, die Schätze kann man schon aus der Ferne erkennen. Nur reicht die Zeit, die der Drache auf der Brücke verbringt, um den Schatz zu heben? In jedem anderen Spiel würde man es einfach ausprobieren, stirbt man halt. Nicht so in DS, die Furcht vorm Bildschirmtod nimmt fast schon irrationale Züge an (leider nimmt dies im Laufe des Spiels stark ab). Zudem warnt ein Blutfleck eines Mitstreiters aus einer parallelen Dimension auf dem Boden eindringlich vor dem Weitergehen. Man ist zwar grundsätzlich alleine unterwegs, allerdings sieht man immer wieder Schemen von anderen Kämpfern an einem vorbeilaufen. Diese können zum Beispiel Nachrichten hinterlassen („Achtung, Falle weiter vorne!“) oder hinterlassen bei ihrem Tod einen Blutfleck, der bei Berührung die letzten 10 Sekunden im Leben des fremden Recken wiedergibt. In diesem Fall hat er versucht, den Drachenschatz zu looten und ist dabei gestorben. Nein, in Anbetracht des Spielfortschritts im Level ist das Risiko gerade nach dieser Warnung zu hoch und ich beschliesse weiterzugehen. Also doch die Brücke. Der Drache hat inzwischen alle Gegner auf ihr zu Asche verwandelt. Jetzt kommt es auf Geschwindigkeit an. Also wird die Rüstung abgelegt, sie behindert einen nur und wird das Drachenfeuer sowieso nicht aufhalten können. Überhaupt, wie soll ich diese Brücke überleben? Gibt es nicht vielleicht doch einen anderen Weg? Besser das bisher erkundete Level noch mal absuchen, vielleicht habe ich ja eine alternative Route übersehen. Nachdem ich festgestellt habe, dass es keine andere Möglichkeit gibt, muss ich mich wohl oder übel dem Drache stellen. Also nicht dem Kampf, sondern dem Wettrennen. Und tatsächlich, ich habe es geschafft! Der Endgegner kann nicht mehr weit weg sein. Was den Drache anbelangt – man sieht sich immer zweimal. Beim nächsten Mal werde ich stärker sein und dann wird nicht mehr weggelaufen. Der Endgegner stellt dann auch keine große Herausforderung mehr dar und nach dem Sieg erhalte ich meine Körperform wieder. Erst jetzt habe ich wieder volle Leben und kann mich im Nexus mit den gesammelten Seelen aufstufen oder neue Ausrüstung kaufen.

So habe ich den ersten Level in DS erlebt. Ein Titel, der den Spieler fesselt und in die Welt eintauchen lässt, wie kaum ein anderer. Anfangs ist jeder Blick um eine Ecke eine Überwindung, man spielt in ständiger Anspannung mit stets aktivem Fluchtinstinkt. Wenn ich die Nachricht eines Mitspielers lese, die lautet „Ich will nach Hause!“, dann kann ich das nachvollziehen. Leider nutzt sich dieses Gefühl im Laufe des Spiels immer weiter ab, das Sterben wird zur Routine. Und die verlorenen Seelen fallen auch nicht wirklich ins Gewicht, wenn man herausgefunden hat, dass es zwei, drei Stellen gibt, wo man sehr effektiv Seelen farmen kann. Und farmen sollte man. Als Anfänger wird man DS ohne farmen wahrscheinlich nicht beenden können (Profis hingegen spielen schon mal gerne auf Level 1 durch).

altWas DS neben der Schwierigkeit und dem unversöhnlichen Spielkonzept so besonders macht, sind die bis dato einzigartigen Online-Features. Die Blutflecken und Nachrichten habe ich bereits erwähnt, das Herzstück des vernetzten Spiels ist das Prinzip der Phantome. Wenn der Spieler sich in Körperform durch die Level bewegt, können andere Spieler aus der Paralleldimension in seine Spielwelt eindringen. Ein Freund erscheint als blaues Phantom und kann einem zum Beispiel bei Endgegnern helfen, diesen muss man allerdings extra einladen. Das schwarze Phantom, der Feind, kommt ohne Einladung. Es ist nur zu einem Zweck in die Welt eingedrungen, um dich zu töten. Man wird aber gewarnt und kann versuchen, blaue Phantome in seine Welt zu beschwören, bevor der schwarze Feind einen gefunden hat. Dieses Feature macht das gesamte Spielerlebnis noch intensiver, als das erste Mal die Warnung „XYZ ist in ihre Welt eingedrungen“ aufgepoppt ist, hätte ich mich fast nass gemacht. Aber auch das nutzt sich natürlich ab (Tipp: wer seine Ruhe haben will, sollte ausschließlich in Seelenform spielen). Die außerordentlichste, noch nie da gewesene Online-Implementierung will ich hier nicht spoilern. Nur so viel: der absolute Wahnsinn! Diejenigen unter euch, die das Spiel kennen, werden wissen was ich meine, diejenigen, die es noch spielen wollen, werden es nach Welt 3 erfahren.

DS bietet mit den verschiedenen Charakterklassen und Ausrüstungen die Möglichkeit, dass sich jeder einen Charakter baut, der seiner Spielweise am nächsten kommt. Vom dick gepanzerten (lauten) Ritter mit Lanze und Turmschild bis zum fast ungepanzerten (leisen) Ninja ist alles spielbar (Gegner hören den Spieler nämlich kommen). Bemerkenswert hierbei ist die Balance, es gibt keine Überklasse, den Überbuild oder herausragende Items, die nur von einer bestimmten Klasse getragen werden können. Ein weiterer Grund für die Abwesenheit eines überlegenen Builds ist ganz einfach der Fakt, dass das Können des Spielers weitaus ausschlaggebender ist als sämtliche Ausrüstung. Es existieren keine Werte für Treffer- oder Ausweichchance, diese werden nur durch den Spieler repräsentiert. Wenn man stirbt, dann weiß man warum. Weil man Scheisse gebaut hat. Simple as that. Ach, ich könnte hier noch seitenlang referieren und mich über die Spezialevents oder die Prinzipien der Welt-Tendenz und Charakter-Tendenz auslassen, aber irgendwann muss ja mal Schluss sein. Eins vielleicht noch: der Wiederspielwert ist umgemein hoch, zum einen bedingt durch die vielen möglichen Herangehensweisen, zum anderen ist das „New Game +“ Feature ein zenrales Spielelement. Viele Ausrüstungsgegenstände oder Zauber kann man erst beim erneuten Durchspielen erhalten. Dies geht so weit, dass für das Erreichen aller Trophies ein 4faches Durchspielen mit einem Charakter nötig ist. Und dass bei jedem Mal die Schwierigkeit nochmal ordentlich anzieht, dürfte nach den vorherigen Ausführungen klar sein, nicht umsonst heisst es beim ersten NG+: ‚The true Demon’s Souls starts here‘.

Ein bisschen Negatives habe ich trotzdem noch zu berichten, man will ja schliesslich glaubwürdig erscheinen. Eins vorab: das Spiel ist fair, wenn man stirbt ist es zu 98% auch die eigene Schuld. In seltenen Fällen gibt es allerdings Probleme mit dem Lock-on, manchmal verliert man diesen und dreht so beim Rückwärtsgehen dem Gegner den Rücken zu, was je nach Stärke des Gegenübers zum vorzeitigen Ableben führen kann. Außerdem bleiben von Klippen stürzende Gegner manchmal eingelockt, wenn man darauf nicht achtet und drückt ein weiteres mal den Angriffsbutton, so springt man dem fallenden, noch eingelockten Gegner hinterher. Ein weiterer Kritikpunkt sind die Endgegner. Nicht falsch verstehen, sie sind abwechslungsreich und fast alle sehr beeindruckend, spielen durchaus in der „God of War-Liga“. Allerdings scheinen recht viele von ihnen geglitcht zu sein, man kann sie einfach aus der Ferne mit dem Bogen bekämpfen, ohne dass sie sich wehren. Nimmt ihnen natürlich Bedrohlichkeit und dem Spiel den Anspruch. Schade irgendwie, aber man kann sich gegenüber ja auch ehrlich sein und sie trotzdem „normal“ angehen. Wenn man unbedingt das Sterben noch ein bisschen üben will.

* Es soll möglich sein, den Vanguard zu besiegen und das Tutorial ohne Tod hinter sich zu bringen. Wie ist mir allerdings schleierhaft.

Anmerkung: Wer noch vorhat, DS zu spielen, sollte sich beeilen, die Server sind Stand heute nur bis Oktober 2011 online. Für alle, denen DS noch zu einfach war, kommt bald Dark Souls. Zitat des Entwicklers Hidetaka Miyazaki: „The way I put it to my team is that we are trying to make the most difficult game it is possible to make, which at the same time can be conquered by those who persevere.“

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13 Kommentare

  1. Ben - 26.03.2011 09:47

    In einem halben Jahr die Server abschalten? Das sind dann diese Momente bei denen man wieder einen gesunden Hass gegen das ganze proprietäre Mistzeug entwickelt.
    Demons Souls (die Abkürzung „DS“ im Text zu verwenden fand ich übrigens etwas unglücklich, gehört für mich automatisch zu Nintendo ;) ) wäre der wichtigste Grund gewesen, sich im nächsten Jahr mal eine PS3 anzuschaffen.

  2. SpielerDrei - 26.03.2011 21:35

    Funktioniert dann das ganze Spiel nicht mehr oder nur dieses Multiplayereingreifgedöns?

  3. Holger - 26.03.2011 23:04

    Naja, er hat gesagt, dass die Server wahrscheinlich im Herbst abgeschaltet werden, hat sich aber nicht festgelegt. Eigentlich war ja schon Frühjahr diesen Jahres Deadline. In Stein gemeißelt scheint da also nichts zu sein.

    Und S3: das Spiel hat einen offline-Modus, geht also. Nur auf das Multiplayereingreifgedöns müsstest du halt verzichten. Würde ich aber mitnehmen, weil es wirklich einen Mehrwert bringt.

  4. SpielerDrei - 26.03.2011 23:15

    Ach, ich bin glaub ich ganz froh, wenn mir da keiner in meinem Spiel rumeiert. Ich bin doch so unsozial.

    Und irgendwie bezweifle ich, dass ich vor Herbst ne PS3 hab.

  5. Holger - 27.03.2011 04:32

    Ich doch auch. Spiel in Seelenform, dann hast du Ruhe. Du hast die Nachrichten und die Blutflecken, das Invaden nicht. Ausserdem kannst du, wenn du stirbst, die Welttendenz weiss halten. Dir entgeht echt was, glaub mir. Welt 3 bietet ein online-Feature, das du so noch nie in einem Spiel gesehen hast.

  6. Manu - 27.03.2011 11:02

    Argh, Holger! Jetzt werde ich aber langsam echt neugierig, was das ominöse Onine-Feature betrifft… Muss ich mir das Spiel wohl doch noch besorgen? DAMN YOU!

  7. SpielerDrei - 27.03.2011 12:07

    SPENDENAUFRUF!

  8. Aulbath - 27.03.2011 18:15

    SPOILERZ GALORE Ich vermute Holger meint das hier: http://demonssouls.wikidot.com/walk3-3-boss

  9. cmi - 28.03.2011 15:40

    geiler scheiß. aber konsolenexklusiv = tja, viel spaß damit. :(

  10. Orcbandit - 28.03.2011 23:47

    Es soll möglich sein, den Vanguard zu besiegen und das Tutorial ohne Tod hinter sich zu bringen. Wie ist mir allerdings schleierhaft.

    Rüstung ausziehen, Rennen, Rollen. Dafür gibt es dann ganz nettes Loot für den Einstieg und eine Begegnung mit einem zukünftigen Endgegner. Mit dem Royal/Mage ist es aber ziemlich ätzend, habs bisher nur mit den Melee Klassen gepackt.

  11. Fetzig - 14.04.2011 14:32

    Aufgrund dieses Artikels habe ich mir das Spiel gleich mal gekauft und nun liegt es bei mir zuhause vor dem Fernseher. Mein Fehler bei der Sache: ich habe letzte Woche angefangen Dragon Age 1 zu spielen… das frisst gerade meine Zeit…

  12. Holger - 14.04.2011 16:45

    Aufgrund dieses Artikels habe ich mir das Spiel gleich mal gekauft

    Gut der Mann! Aber mal im Ernst: kost ja nichts mehr und die 15 Euro sind mal echt gut investiert.

    SPOILERZ GALORE Ich vermute Holger meint das hier:

    Jap. Meint er.

  13. Josh - 20.06.2015 00:58

    4 Jahre später nach dark souls 1 und 2 …. hab ich mir auch mal demons soul geholt…

    Server sind online und hab mehr Spieler „Kontakt“ als in ds1 !

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