Polyvieux: Resident Evil

Christian erinnert sich freudig erregt an den früheren Grusel:

Was könnte die Eindringlichkeit eines Horrorspiels besser illustrieren als folgendes Bild: Drei adoleszente Jungs sitzen gebannt vor einem nicht unbedingt großen Fernseher, starren noch gebannter auf das Geflimmere vor ihnen, während sich ihnen die Nackenhaare aufstellen und Fingernägel zwischen den Zähnen ihrer Besitzer nur so knacken? Da sitzen sie also, drei gestandene Kerle (denken sie jedenfalls), im zarten Alter von 21 Jahren, von denen einer das Joypad der PSX in den krampfenden, schwitzenden Händen hält und Leon Kennedy durch die miefigen Wände des verlassenen Polizeireviers von Raccoon City navigiert, während die beiden anderen ihm – starr vor Angst ob der Dinge, die hinter der nächste Ecke lauern könnten – über die Schulter schauen und hin und wieder mit Ratschlägen um sich werfen.

Ächzende Türen, knarzendes Gebälk, schreckliche Schreie und unheimliches Wispern, gepaart mit einem ungewöhnlichen Blick auf die Geschehnisse und einem schummrigen Licht, das die eigene Phantasie zu Höhenflügen antreibt und sie Monströsitäten imaginieren läßt, die einen ebenso großen Schrecken verbreiten wie das Geschehen am Bildschirm. Da! Plötzlich brechen Hände durch ein Fenster, greifen nach uns, wollen uns zu sich ins Dunkel reißen! Erschrockene Gesichter, ein spitzer Schrei gellt durch den Raum, die Pausentaste wird gedrückt. Gestresste Mimiken, tiefes Luftholen, das Joypad wird an den nächsten weitergereicht. Kurze Pause, ein letztes Verschnaufen und auf zum nächsten Raum. Aah, welche Wohltat, die beruhigenden Klänge eines Klaviers lullen uns ein, symbolisieren eine Sicherheit, die es so überhaupt nicht geben dürfte. Und da steht sie auch schon, die rostige alte Schreibmaschine, der so lang herbeigesehnte Savepoint. Hoffentlich haben wir noch ein Farbband im Inventar. Ja, gerettet. Vorerst. Denn soviel liegt noch vor uns. Und auch soviel Vergangenes will noch ans Licht geholt werden.

Resident Evil 2 bildet schon früh in der Geschichte der Serie einen Scheitelpunkt, an dem Handlungsstränge, Schicksale und Geschichten in viele Splitter zerfallen und gleichzeitig viele Teile zu einem großen Ganzen zusammengeführt werden. Kaum ein anderer Titel hat bis zu diesem Zeitpunkt Gewalt so unmittelbar präsentiert und mit dem Zuschauer gespielt. Ein großer Teil des zutiefst empfundenen Horrors hat nicht auf dem Bildschirm stattgefunden. Damit waren die beiden ersten Erzählungen der Resident Evil-Reihe Vorreiter für ein ganzes Genre, die mit der Silent Hill-Reihe würdige Erben gefunden hat, die ihren Teil dazu beitrugen, subtilen, makabren, verstörenden und stellenweise äußerst brutalen Horror auf den Konsolen dieser Welt zu etablieren.

Gleichzeitig steht der bereits kurz nach Erscheinen indizierte 2. Teil der Reihe für den Anfang vom Ende einer zu diesem Zeitpunkt eigentlich erst richtig ins Rollen kommenden Geschichte von Sequels, Prequels, Remixes und Online-Experimenten, welche zwar weiterhin zur Erfolgsgeschichte Resident Evil beitragen, der Serie als solches allerdings wenig zuträglich sind, weshalb sie sich deshalb im Jahr 2005 komplett neu erfinden muss, um mit neueren, spielerisch innovativeren Titeln des Genres, wie Obscure oder Forbidden Siren, mithalten zu können.

Herausgekommen ist ein weiterer Meilenstein der Spielgeschichte, der im März 2009 seine direkte Fortsetzung erfahren wird. Leider waren auch diesmal andere Studios wieder einen Tick schneller und haben gezeigt, wo im neuen Jahrtausend der Gruselhammer hängt. Ob Resident Evil 5 die hochgesteckten Erwartungen wird erfüllen können, bleibt noch abzuwarten.
Für die drei jungen Männer von damals wird es aber vermutlich nie wieder ein derart intensives Spielerlebnis geben wie damals, mit dem Schrecken in Raccoon City.

 

SpielerEins grummelt:

Ein trashiges Introvideo, hakelige Steuerung, unfaire Kamerawinkel, mehr Ladezeit als Gameplay … hat mich schon nach ner halben Stunde nicht mehr interessiert, ich hatte zu viel Spaß beim Angsthaben. Der Hai! Die Schlange! Und immer viel zu wenig Munition! Arrgghhh!

 

Dem SeniorGamer blieb der Spaß verwehrt:

Resident Evil … habe ich zuerst in Form dieses B-Movies mit Madame Jovovich kennengelernt. Sprich, ich kann hier nicht so wirklich mitreden.

 

Nille erschrickt schon bei der bloßen Erwähnung der Filme:

Ach du Elend! Die Resident Evil-Filme sind das, was bei normalen Filmen die Outtakes der Deleted Scenes wären.

 

SpielerZwei wurde erst spät bekehrt:

Ich kann bis zum 4. Teil auf dem GameCube eigentlich nichts Nettes über die Resi-Spiele sagen: Steuerung doof, Kamera doof, Rätsel doof, Spiele doof. Es ist mir ein völliges Rätsel, wie die Serie (inklusive aller SpinOffs) in den Anfängen stilprägend für ein ganzes Genre (Survival-Horror) werden konnte. Ein Genre übrigens, welches mir deshalb auch, die Silent Hill Spiele natürlich mal ausgenommen, total am Arsch vorbei ging.

Mit Teil 4 (2005) änderte sich allerdings alles: Resident Evil 4 war im Vergleich zu seinen Vorgängern ein gänzlich anderes Spiel. Und dadurch ein richtig gutes Spiel! Von daher bin ich auch sehr auf den 5. Teil gespannt, da dieser den von Resi 4 eingeschlagenen Weg fortsetzt. In Ermangelung einer PS360 bleibt allerdings das Bangen, ob die PC-Version ähnlich schlecht umgesetzt wird wie die des 4. Teils…

Und noch ein kurzes Statement zu den oft geschmähten Filmen: Der erste Resident Evil ist ein prima Genre-Film und gehört eindeutig zu den besseren Game-Verfilmungen! Sein einziger wirklicher Fehler war das Bestreben des Produzenten (Eichinger), eine 16er-Freigabe zu bekommen, was leider zu einem, zumindest für Zombie-Film-Verhältnisse, recht blutleeren Film führte. Aber selbst die Fortsetzungen haben innerhalb des Zombie-Genres noch durchaus einen gewissen Schauwert!

 

SpielerEins hat doch noch mehr zu sagen:

Resi 4 fand ich über weite Strecken auch nett, aber für mich war es im Grunde gar kein echtes Resident Evil mehr sondern „nur“ ein nett gemachter Konsolen-Shooter, der jedoch die typische Resident-Evil-Atmosphäre komplett vermissen lies. Denn so doof die starren Kamera-Winkel der klassischen Teile auf den ersten Blick auch waren, sie erzeugten gerade durch die oft auch bizarren Blickwinkel den typischen Horror, der sich auch in Filmen des Genres dadurch einstellt, das man eben NICHT alles sehen kann was man sehen möchte bzw. auf jeden Fall alle Dinge sieht, die man sehen soll… das Zittern vor der nächsten Ecke… das Ding HINTER dir…

Der Fokus direkt auf das „Grauen“ – das ging in Teil 4 im Grunde nur duch Cut-Scenes, denn was bringt es, wenn z.B. hinter dir plötzlich ein Riesenmonster durch die Wand bricht, du aber im Semi-First Person Mode grad ganz woanders hinschaust?

Zu den Filmen: Alles mit Milla find ich super. Ich mach einfach den Ton aus, wie bei Baywatch =)

 

Auch Christian legt nochmal nach:

Mein Lieblingsteil der Serie, den ich in diesem Formulierungszusammenhang nicht nennen darf, weil er indiziert ist, war atmosphärisch absolut packend und brillierte darüber hinaus durch die überaus gute Idee, nicht nur die Kampagne wahlweise mit Chris oder Jill spielen zu können, sondern nach dem Durchspielen mit einem der beiden beim Neustart mit dem zweiten Charakter völlig neue Wege, Aufgaben, eine weitere Storyline und einen komplett anderen Endgegner anzubieten. Räume, die zwei Schlüssel benötigten, von denen beim einmaligen Spielen aber nur einer zu finden war, wurden plötzlich betretbar, scheinbar gleiche Wege wurden plötzlich unpassierbar und auf völlig neue Bereiche von Raccoon City umgelenkt… Genial.

 

Nille meint:

Vielleicht ist meine Einstellung zu Resident Evil etwas kleinkariert, aber einen der neueren Teile der Serie würde ich nicht einmal mit der Kneifzange anfassen. Resident Evil ohne Kamerapositionen from outer space, Schreibmaschinen als Speicherpunkte, das Mischen verschiedener Kräuter und Animationen sich öffnender Türen, die eine gefühlte Ewigkeit dauern, kann und will ich mir überhaupt nicht vorstellen. Das letzte Mal, daß ich eines der Spiele durchgespielt habe, liegt mittlerweile ein ganzes Jahrzehnt zurück. Damals wohnte ich noch bei Mutti und wenn ich einmal sturmfreie Bude hatte, war dies ein paradiesischer Zustand: Endlich konnte man mit Freunden, Bier und einer 500 Gramm-Chips-Tonne die ganze Nacht lang Videos auf der Riesenglotze ansehen und eben auch ungestört und ohne anderweitige Beleuchtung im Raum Horrorspiele spielen. Genau so wie ich heute kein Freund von viel Alkohol und fettriefendem Knabberzeug mehr bin, verzehre ich mich auch nicht mehr danach, mich von billigen Tricks, wie durch vernagelte Fenster brechende Zombie-Arme, erschrecken zu lassen. Zudem würde es mich heutzutage einigermaßen beleidigen, würde mir ein Gamedesigner ein Produkt mit grauenhaft hölzener Sprachausgabe und fürchterlich kreischenden Frauenzimmern vorsetzen – Wenn ich nur an Sherry „Sheeeeeeerry“ Birkin denke, läuft mir ein eiskalter Schauer über den Rücken. Es existieren jedoch auch einige Elemente aus Resident Evil, die ich in modernen Spielen zunehmend vermisse: Außer in klassischen Adventures gibt es heute in vielen Spielen kaum noch abwechslungsreiche Möglichkeiten der Beschäftigung, es gibt keine Statuen mehr, die man verschieben müßte, keine Türschlüssel, versteckt in einer Nische im Kamin oder hinter einem Bild, oder Tentakel, denen man mit Chemikalien im Gieß-Wasser zu Leibe rücken müßte. Bis also ein RE-Titel erscheint, der wieder auf für die Playstation-Generation charakteristische Eigenschaften setzt, bleibt mein Interesse für Resident Evil eher niedrig.

 

Holger konnte nie viel mit Resident Evil anfangen:

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, sind derlei Spiele nichts für mich. Deswegen ist es bei mir auch bei RE1 geblieben. Ich habe es zwar durchgespielt (eine Frage der Ehre), aber mehr musste ich mir dann doch nicht antun. Auch die Silent Hills dieser Welt habe ich aus Rücksichtnahme auf mein Nervensystem links liegen lassen. Bis auf Resident Evil: Umbrella Chronicles, was aber mit der eigentlichen Spielmechanik nichts mehr zu tun hatte.

 

Grobi hat zwar immer noch keinen Avatar, aber dafür eine Meinung:

Also erstmal, was Milla Jovovich angeht: bei „Das fünfte Element“ kann man den Ton doch eingeschaltet lassen, oder? Mächtiger Badabum! Die „Resident Evil“-Filme – von denen ich nur die ersten beiden Teile kenne – sind besser, als man es von Spieleverfilmungen erwarten könnte, aber im Grunde ist es trotz des Zombie-Bonus auch nur belangloser „Geguckt-Vergessen“-Ramsch. Heike „Braiiins!!“ Makatsch ist allerdings ein Highlight.

Mein Verhältnis zur Spielserie ist dagegen weniger eindeutig zu beschreiben. Ich bin erst relativ spät dazu gekommen, mein erstes Resident Evil war der Teil mit der Arktis, der zuerst für die Dreamcast erschienen ist. Und es brachte alle wichtigen Zutaten mit, um mich zu vergraulen. Die behäbige Steuerung und das dünne Gameplay, welches sich durch inflationäres Item-Gehole und Item-in-komische-Förmchen-Gesetze „auszeichnet“, zeitlich extrem gestreckt durch sinnloses Hin- und Hergerenne, eingebettet in kiloweise asiatische Quatschideen bei Rätsel-, Monster- und Storydesign. Besonders gegruselt habe ich mich ebenfalls nicht – cheap shocks funktionieren halt nur einmal – ausser vor dieser „Resident Evil“-eigenen unglaublichen Sperrigkeit, die den Spielfluss in einem großen Fass voller Baldrian ertränkt. Der für Reflexe und Motorik zuständige Teil meines Hirns reagiert beim Spielgenuß vor Langeweile entweder – im schlimmsten Fall – mit furchtbarem Krampf oder – im besten Fall – mit Schlaf. Meine Finger wollen Action, aber die Steuerung ist träge wie Asphalt im Winter. Deswegen hetze ich auch immer im Dauersprint durch die Bildschirme. Wobei sogar der Sprint mich zum Gähnen anregt.

„Resident Evil: Veronika, der Lenz ist da“ habe ich trotzdem(!) durchgespielt, durch meinen Quereinstieg habe ich allerdings nur wenig gerafft. Ich weiß bis heute nicht, wieso ich „Zero“ und das Remake des ersten Teils für den Gamecube besitze. Naja gut, ich fahre halt auf Zombies ab. Und ich wollte wissen, wie das ganze Spektakel eigentlich anfing. Und vor allem das Remake bot eine gute Möglichkeit, ein Stück Videospielegeschichte relativ günstig nachzuerleben. Der Forscherdrang des Historikers halt. Und Zombies. Hatte ich erwähnt, dass ich auf Zombies stehe? Na, jedenfalls ist das Beste, was ich über das Remake und seinen Vorgänger sagen kann: es sieht phantastisch aus! Die meisten der vorgerenderten Bildschirme muten dank der extremen Liebe zum Detail und den teilweise irren Kamerawinkel wie kleine Kunstwerke an. Im Ernst, alleine durch das Betrachten der Grafiken (zusammen mit der effektiven Geräuschkulissse) hat mich sowas wie Atmosphäre erreicht und mich zum Weiterspielen motiviert. Trotz der bereits erwähnten Vielzahl an stachligen Hindernissen. Das ist schon eine lobende Erwähnung wert, denn jeden anderen Titel mit diesen fiesen Designschnitzern hätte ich tief, tiefer, am tiefsten in die nächste Tonne getreten.

„Resident Evil 4“ bringt immer noch diese queren japanischen Balast mit – siehe oben, bei Story, Charakteren und Rätseln – ist aber ein famoses Actionfeuerwerk und meiner bescheidenen Meinung nach der absolut passende finale Punkt, nein, Ausrufezeichen am Ende der Cube-Spielografie. Ich liebe es! Obwohl ich Ashley, der Präsidenten-Tochter, für ihr höchst nerviges „Leeeooon, Help!“ den Hintern versohlen möchte.

Ach Gott, ich freu mich wie Bolle auf den fünften Teil! Hatte ich eigentlich erwähnt, wie sehr ich Geschichten mit Untoten favorisiere?

 

SpielerZwei meint:

Grobi spicht mir wieder mal aus der Seele: „Sperrig“ war das Wort, das mir nicht einfiel! Die Teile vor Resi 4 waren von ihrem gesamten Wesen her irgendwie sperrig. Ich konnte sie daher auch beim besten Willen nicht mögen, so sehr ich es auch versucht habe.

Übrigens: Mir ist in letzter Zeit vermehrt aufgefallen, dass Du ziemlich auf lebende Tote stehst, Grobi. Geh mal zum Arzt. Du brauchst Hilfe.

 

Daniel unterbricht kurz seine Arbeiten an einem güldenen Schrein:

Ich habe genau zwei Teile von Resident Evil gespielt. Den einen, über den man nicht reden darf und der mir in meinen jungen Jahren sehr viel Angst gemacht hat und Resident Evil 4, die Neuausrichtung, die Revolution, der Messias, das Meisterwerk. Man muss nur den Namen aussprechen und schon erhellen sich Gesichter aus der ganzen Welt. Ein güldener Glanz erscheint in ihren Augen und sie beginnen zu grinsen und vielleicht läuft auch ein kleiner Sabberfaden aus ihrem Mundwinkel.

Zum Glück müssen Videospiele ja hauptsächlich spielerisch fesseln. Würde es nach Logik, Sinn und Verstand gehen, dann wäre die Resident Evil Reihe und auch ihr Höhepunkt Teil 4 nicht dort oben im Olymp. Mal ehrlich, Story, Dialoge, Rätsel und Setting schreien einem mit voller Inbrunst ins Gesicht: “Ja, wir kommen aus einem schlechte B-Movie, aber du kannst Zombies erschießen und es herrscht eine gruselige Atmosphäre und du hast zu wenig Munition und das macht es eben spannend und die Vorgänge an diesem Ort sind sehr rätselhaft und oh mein Gott, hinter dir ist ein Zombie. Schieß ihm in den Kopf, schieß ihm in den Kopf.”

 

SpielerEins merkt an:

Schön und gut, aber wenn ich das Game in der ersten Szene in der Hütte richtig verstanden habe: „He’s not a zombie.“

 

Daniel entgegnet:

Niemand mag Klugscheißer.;)

Ja, ja, dann halt „Parasiten“, die Menschen in zombie-ähnliche Wesen verwandeln, die rumstolpern, schreien und Äxte werfen.

 

Grobi wirft sich dazwischen:

Ach, das sind doch alles unwichtige Details. Bei Danny Boyle war „Rage“ ja auch nur die Ausrede dafür, den Viechern das Rennen beizubringen. Die Hüttenverteidigungsszene mit Luis aus RE 4 ist doch ganz klassischer Zombiebelagerungsstoff. Und darauf kommt’s an.

 

SpielerEins überlegt:

Also wenn das in Teil 5 auch wieder keine Zombies sind, kann ich im Grunde auch nochmal Black Hawk Down spielen oder wie?

 

SpielerZwei mischt sich nochmal ein:

In Black Hawk Down greift Dich aber niemand mit einer Mistgabel an!

 

Christian merkt an:

Also das wiederum wäre für mich eher ein Vorteil von Black Hawk Down.

 

SpielerDrei hat das letzte Wort:

Das Folgende wird diejenigen unter euch, die immer noch einen guten Geschmack von mir erwarten, in den Grundfesten dieser Erwartung erschüttern, aber ich habe die Resident Evil-Teile hauptsächlich wegen der Story gespielt. Ja. Ich weiß. Wobei… Nee. Nochmal. Ich hab Resident Evil 1 wegen der Story gespielt. Also, eigentlich wegen des Vorspanns. Nicht wegen des großartigen Geposes (Albert Wesker! Barry Burton!), sondern wegen des Bravoteams. Die Jungs und Mädels, die von den Hundezombies angegriffen werden und ins Haus fliehen, die man ursprünglich retten soll.

Ich habe viele Schwächen, was Spiele angeht (Ausscheidungsturniere! Westernsetting! Gewalt!), und eine ist Kurzcharakterisierungen. Kennt ihr bestimmt, früher oft in Handbüchern, gerne bei japanischen Spielen, so Auflistungen von total redundanten Informationen (Alter, Hobbies, die stets informative Blutgruppe) über teils ziemlich unwichtige Figuren. Ebendies fand sich im Handbuch von RE1, eine Auflistung des Bravoteams, Name, Job, sowas halt. Ich wusste nun, wer eigentlich gerade da vom ersten Zombie angeknuspert wurde, und hoffte ständig, wenigstens einen „meiner“ Truppe lebendig zu finden. Meiner späteren Schreckhaftigkeit zum Trotz fand ich die RE-Serie (und mal ehrlich, der Name passt schon so lange nicht mehr, und Biohazard dafür umso mehr) nie sonderlich gruselig, das winzige Inventar und die begrenzten Speicherbänder waren auch nicht gerade spielerfreundlich und die echt unpraktischen Türöffnungsmechanismen waren im ersten Teil ob des Settings ja noch nachvollziehbar, wirkten dann bei Teil 2 und 3 aber schon arg an den Haaren herbeigezogen. Aber die Tagebucheinträge und Dokumente, die Stück für Stück Licht in die Geschichte brachten, hielten mich dann doch bei Laune.

An Teil 2 erinnere ich mich nicht mehr wirklich doll, Nummer Drei machte mir der olle Nemesis madig, weil ich es nicht ausstehen kann, wenn ich ständig gejagt werde, an das GC-Remake von 1 habe ich mich nicht rangetraut (wieder aufstehende, rennende Zombies? Nee, danke! *bibber*), RE Zero hat mein Interesse nur durch den ersten Abschnitt halten können, was aber ausreichte, um eins der bizarrsten Crossovers der Videospielgeschichte zu erkennen (Paper Mario: Die Legende vom Äonentor kopiert in Kapitel 6 komplett das Szenario des RE0-Vorspanns. Echt!), und die Chronicles, die Post-Playstation 1-Lightgundinger und so hab ich gar nicht mehr gespielt.

Dann kam RE4, bombardierte mich mit Figuren, die ich überhaupt nicht mehr auf dem Zettel hatte (Ada Wong? Wesker ist ein wasauchimmer? Und wer war ich nochmal?) sowie einem Sammelsurium neuer, kurzlebigerer Gestalten (der Rasputinlookalike, der Mininapoleon, der böse Zwilling von G.I. Joe sowie SpielerEins Lieblingsfreund, der allgegenwärtige Hello-Stranger), von denen einer gar mein Herz eroberte. Ich mag schonmal erwähnt haben, dass ich es schätze, wenn ein Spiel es schafft, Sympathie in mir zu wecken, und es zeigte sich, dass ein vollmunitionierter Kampfhubschreiber einen direkten Weg in mein Herz darstellt. Ach Mike, wir kannten uns nur kurz, aber ich werd‘ dich nicht vergessen.

Ja, natürlich mochte ich Resident Evil 4 nicht nur deswegen. Ich genoss auch all die üblen Sterbeanimationen, ein paar der Endgegner, die hitzonespezifischen Reaktionen der Dorfbewohner und… Ja, tschuldigung, ich habe halt ein schlichtes Gemüt und bin leicht zu erheitern. Mit Zombieherz schlägt zwar jetzt für ein anderes Spiel (in dem es übrigens einen Laden namens „Jill’s Sandwiches“ gibt, haha! Verstehste?), und gruselig wars auch nicht so richtig, wenn man mal von den Regenerators absieht, dafür herrschte meist zu viel Helligkeit und Cheesyness (Huh, psalmodierende Kuttenträger! Waah, Ritterrüstungen!), aber spektakulär wars auf jeden Fall, und spaßig obendrein. 95%. Ach nee. Falsche Seite.


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12 Kommentare

  1. Aulbath - 22.01.2009 23:47

    „Alone in the Dark würdige Erben gefunden hat“

    Alone in the Dark / 1992
    Resident Evil / 1996

    Ahem.

  2. SpielerZwei - 22.01.2009 23:55

    Ha Ha! ;D
    Schade, dass mir das nicht aufgefallen ist. Ich zieh die Leute gerne jahrelang mit solchen Sachen auf. Nerd-Mobbing.

  3. Aulbath - 23.01.2009 00:01

    To add insult to injury, bei Erscheinen von RE war schon die komplette AitD Trilogie erhältlich!

  4. Christian - 23.01.2009 00:54

    Ach Du Scheiße. Was hat mich denn da geritten? Da sollte Silent Hill stehen, dessen erster Teil meines Wissens knapp ein Jahr nach nach dem bösen zweiten RE erschienen ist. Das kommt davon, wenn man die ganze Zeit überlegt, wie man Vergleiche AitD noch sinnvoll einflechten könnte.
    Warum fällt einem sowas beim Korrekturlesen nie auf?
    Ist gefixt.

  5. Christian - 23.01.2009 01:16

    By the way: zehn gestandene Nerds haben bereits vor Wochen drübergelesen und keiner hat was gemerkt. Peinlich ;)

  6. Fetzig - 23.01.2009 12:38

    dafür steht jetzt zweimal silent hill dort:

    „Damit waren die beiden ersten Erzählungen der Resident Evil-Reihe Vorreiter für ein ganzes Genre, das mit den Anfängen von Silent Hill und Silent Hill würdige Erben gefunden hat, die ihren Teil dazu beitrugen, subtilen, makabren, verstörenden und stellenweise äußerst brutalen Horror auf den Konsolen dieser Welt zu etablieren.“

    ;D

  7. Fetzig - 23.01.2009 12:38

    alone in the dark war übrigens der kracher schlechthin. ich habe alle drei teile (damals noch auf meinem 386er) durchgespielt. 8)

  8. ElmexUbi - 23.01.2009 17:17

    und wie gut der film erst war……:P

  9. MK - 24.01.2009 10:54

    Ich halt’s da weitesgehend mit Player 2: Vor RE4 war alles mehr oder minder unspielbar, SH war RE haushoch überlegen. Das eine war ein Van-Damme-Film, das andere Lynch – Welten, sag ich nur. Der vierte Teil war auf dem GameCube äußerst famos, wurde, wie Okami, durch die Wii-Fassung sogar noch weiter verbessert, das sollte man noch erwähnen. Und da wird immer moniert, dass es keine guten Shooter auf der Wii gibt …

  10. Cody - 24.01.2009 11:38

    grummmel…in Resi5 fahren die „infizierten“ sogar als Motorradgang durch die Gegend-für mich im Grunde schon eine Art Persiflage die man sich als „Fan“ der alten Teile nicht wirklich geben muß.Auf mich wirkt das Ganze so als hätten die Entwickler einfach die „Neuerungen“ der am meissten gehypten AAA Titel zusammengepappt (man nehmne das Cover-System aus GoW, packe das Buddy Feature aus Army of two dazu, ein paar schmucke Wellblechhütten und Schwarze wie in Black Hawk oder Farcry2 etc.) und schon hat man einen tollen „Action shooter“-aber ein Resident Evil im klassischen Sinn ist das natürlich nicht mehr.

  11. Kazoom - 28.01.2009 14:51

    Wenn es wenigstens ein Cover-System wie in GoW geben würde, dann könnte man das Ganze als nettes Action-Geballer abtun. Fazit nach der Demo: Null Horror und eine Steuerung, die einem sogar den Spass an der Action nimmt.

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