Screenshot – Prince of Persia: Die vergessene Zeit

Prinzenrolle

Avatar – NilleNille: Außer „R.U.S.E.“ durften SpielerDrei und ich uns auch für eine gute Stunde mit dem neuesten Spiel aus der “Prince of Persia”-Reihe, “Die vergessene Zeit”, beschäftigen. Das Spiel schließt wohl direkt an das im Jahr 2003 veröffentlichte “The Sands of Time” an, neben dem Original-DOS-Spiel der einzige Titel, den ich gespielt habe, im Sylvester-Urlaub in Dänemark. Wie man sich denken kann, ist meine Erinnerung daran ziemlich nebulös. Wie schon damals war ich auch beim aktuellen “Prince of Persia” heilfroh, den Xbox-Controller erst einmal SpielerDrei überlassen zu können, der sich sogleich einer Horde aufmüpfiger Skelette annahm. Bietet sich mir in einem Game die Gelegenheit, Kämpfen aus dem Wege zu gehen, ergreife ich diese generell gern und so freute ich mich, zu erfahren, daß es in “Die vergessene Zeit” möglich sein wird, diversen Kämpfen auszuweichen.

Für mich machten schon immer die akrobatischen Sprungpassagen, das kunstvolle Schwingen rund um die vielen Reckstangen und Laufen entlang der Wände tiefer Fallgruben den eigentlichen Reiz der “Prince of Persia”-Spiele aus und nicht die, zugegeben, sehr imposanten Schwertkämpfe. Bei beiden Teilaufgaben bereitete mir die Steuerung keine Probleme, obwohl mich ständig das Gefühl beschlich, meine Hände würden jeden Augenblick in das Kontrollschema eines meiner liebsten Xbox-Spiele, “Mirror’s Edge”, zurück fallen. Wie in Electronic Arts’ First Person Runner schätzte ich auch in “Prince of Persia” stets, dass die Level-Architektur selbst als Rätsel fungierte – von daher hätten sich die Entwickler die Schalter- und Zahnrad-Rätsel meiner Meinung nach auch getrost sparen können.

Dass die Macht des Prinzen über die Zeit sich nun auch auf Elemente wie Wasser und Wind erstreckt, halte ich jedoch für äußerst begrüßenswert. Es gibt einem zum Beispiel die Möglichkeit, für kurze Zeit das Wasser einzufrieren und Fontänen, die sich aus Wänden und Decken ergießen, als Säulen und Stangen zweckzuentfremden. Allerdings hege ich die Befürchtung, dass es, wie schon in “Sands of Time”, dazu kommen könnte, dass ich in eine Situation gerate, in der mir für eine bestimmte Sprung-Kombination zu wenig Lebensenergie bleiben könnte. Da gilt es wohl, bei der Auswahl des Schwierigkeitsgrades, der nicht nur Einfluß auf die Kämpfe, sondern nun auch auf die Sprungpassagenarchitektur haben soll, nicht zu ehrgeizig zu werden. Aber bis dahin werden ja noch ein paar Wochen vergehen.

Ginge es nach mir, hätte man auch noch mindestens eine Konsolengeneration mit einer weiteren Neuauflage des Abenteuers mit dem Scheich-Sprößling hätte warten können. Denn immer noch habe ich das Gefühl, daß ein Großteil der Charaktere dier aktuellen Spiele-Generation tief im Uncanny Valley geboren worden sind. Bis auf die Figuren, entwickelt von Valve Software, sehen für mich alle anderen aus, als hätten man ihnen eine fingerdicke Gummimaske über das Gesicht gestülpt und sie sich zwei Mal täglich einer Botox-Behandlung unterziehen lassen. Und irgendwie hege ich auch die Hoffnung, daß die Steuerung derartiger Spiele bis dahin insofern weiterentwickelt wird, daß der eine oder andere Knopf eingespart werden könnte und überhaupt alles etwas dynamischer, aber dennoch genau so herausfordernd abläuft.

Schade ist übrigens auch, dass es in “Die vergessene Zeit” nicht mehr “The dagger is empty!” heißt, wenn man die Zeit einmal zu oft zurück gedreht hat. Das nämlich hat sich nach einer sehr beschwipsten Sylvesternacht 2003 zum Running Gag entwickelt.

Screenshot – Prince of Persia: Die vergessene Zeit

Avatar – SpielerDreiSpielerDrei: Bezüglich der Story gibt es eindeutig übersichtlichere Serien als den “Prince of Persia”-Franchise. Also, da war der erste Prinz, der es in den ersten beiden Teilen von Jordan Mechner mit dem bösen Wisir Jaffar aufnehmen musste. Und dann stand hier noch ganz viel mehr bezüglich meinen verzweifelten Versuchen, die Storylines und Prinzen aufzudröseln, aber dann fand ich diesen Wikipedia-Artikel, und da spar ich mir dann doch die Arbeit. Wisset einfach, dass das neue “Prince of Persia” zwischen “Sands of Time” und “Warrior Within” stattfindet, also nichts mehr mit dem Reboot-Prinzen on 2008 zu tun hat. Ich bin nicht viel qualifizierter über den Prinz zu sprechen als über “R.U.S.E.”, da ich nur Teil 1, 2 und ein bißchen “Sands of Time” gespielt hab, aber ich gebe mein Bestes.

Die erste Neuerung, die mit Absicht gleich zu Beginn des Demolevels präsentiert wurde, ist die erhöhte Anzahl gleichzeitiger Gegner auf dem Screen. Gefühlt zwischen 15 und 20 Sandmonsterzombiewasauchimmers ließen sich da mit relativ wenig Aufwand wieder in die Bewegungslosigkeit schnetzeln, und gleich fiel die erste Dissonanz auf – denn so nett auch die Sprung- und Ausweichanimationen sind, und so häufig auch umgebungsbasierte Minicutscenes spektakuläres Gegnerableben dokumentieren, erinnert die grundlegende Angriffsanimation mehr an Big-Jim-/Fisto-Armaction. Außerdem finde ich das Gesichtsdesign des Prinzen diesmal erschreckend unsympathisch, aber das ist wohl Geschmackssache – immmerhin ist er nicht mehr emo.

Im Vergleich zu Assassin’s Creed 2, mit dem “Prince of Persia” nicht nur den akrobatischen Protagonisten, sondern auch die Engine gemeinsam hat (nein, ist trotzdem nicht open world), geht das zelebrierte Freerunning hier nicht so leicht von der Hand – das geforderte Timing und die nötige Levelübersicht bereiteten so manchen Pressekollegen Probleme. Aber ich sehe das als was Gutes: Da der Fokus trotz der Gefechte immer noch klar auf den Sprungeinlagen liegt, sollten diese auch nicht zu einfach sein – dennoch bezweifle ich, ob “Die vergessene Zeit” die selben Frustmomente wie ein N+ oder ein Mirror’s Edge bereithält – das weiterhin nutzbare Zeitrückspulelement sollte dem entgegenwirken.

Die Levelarchitektur kommt mit ihren Fahnenmasten, an den Wänden lang fahrenden Kreissägen und herabhängenden Säulen angenehm vertraut vor, und so man sich erstmal wieder in die “Prince of Persia”-Physik reingedacht hat (Absprungswinkel nach Wallruns etc.), ist der zu nehmende Weg auch wesentlich klarer erkennbar.

Ein Wort noch zum Titel – ich hatte mich ja während der Präsentation schon gefragt, wie sie den englischen Titel “The Forgotten Sands” denn ins Deutsche übersetzen wollen – ich bin gar nicht sicher, ob Sand überhaupt ne zählbare Menge ist im Deutschen. Okay, das Lexikon sagt Sände, aber erstens gibts für mich als Nichtgeologen nur Sand und mehr Sand, und zweitens klingt Sande so poetisch. Ist ja auch egal, weil sie es sich einfach gemacht und Zeit statt Sand genommen haben.

Trotz der Elementfähigkeiten (von denen ich stark vermute, dass es sich größtenteils lediglich um Spezialangriffe handelt) unterscheidet sich “Die vergessene Zeit” jetzt nicht so großartig von den Vorgängern. Aber das war auch nicht das Ziel. Die “Sands of Time”-Trilogie ist jetzt fünf bis sieben Jahre alt, fand auf der letzten Hardwaregeneration statt und fand trotz Erfolg wenig Nachahmer. Für die, denen der 2008-Prinz zu einfach war, für die, die das Gameplay der “Sands of Time”-Teile mochten, aber Spiele grundsätzlich nicht zweimal spielen, und schlußendlich für den ganzen Haufen Menschen, die aufgrund ihres Alters oder des erst kürzlich erwachten Spaß am Hobby erst mit dieser Generation mit Spielen angefangen haben, gibt es sicherlich schlechtere Alternativen als eine relativ straighte Fortsetzung einer erfolgreichen Serie.


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9 Kommentare

  1. jorl - 28.04.2010 11:56

    Ich persönlich finde die Idee den neuen Teil zwischen SoT und WW spielen zu lassen nicht gut – obwohl es sicher verkaufsfördernt ist im Hinblick auf den Bekanntheitsgrad dieses Teils der Serie und den neuen Film.
    Aber was wollen sie mir denn hier für eine Geschichte erzählen? Das kann nur unerheblich oder doof werden, denn ich weiß ja schon was in WW passiert. Bekomme ich also nun die Verwandlung in den düster-grüblerischen Prinzen ala Star Wars präsentiert? Ach nö, lass mal.
    Als begeisterter Spieler aller POP-Teile (Handhelds ausgenommen) werde ich es mir sicher wieder zulegen, auch wenn mir ein Fortführen des letzten Prinzen oder noch besser – wieder etwas ganz anderes – lieber gewesen wäre.

  2. Jingleball - 28.04.2010 23:33

    Ich weiß auch noch nicht so genau, ob ich mich auf diesen Teil freuen soll. Dieser Zeitwechsel ist irgendwie vollkommen gagga und den letzten Teil fand ich bis auf das Ende auch nicht wirklich toll. ‚Two Trones‘ war auch nicht so meins. Spielen werden ich es auf jeden Fall, da ich im Allgemeinen die Reihe mag und hoffe, dass die Serie sich nochmal aufrappeln kann. Aber die Erwartungen sind erstmal gering.

  3. Felix - 29.04.2010 15:04

    ach, ich wollte ja eigentlich auch zu dem ubisoft-event in hamburg. hab‘ dann leider keinen urlaub von meinem echten arbeitgeber bekommen. wie war denn das catering?

  4. Kalle - 29.04.2010 16:23

    Mir ist zu Ohren gekommen, daß das neue PoP wohl eher so eine Art God of War in schlecht wird.

    Ich hab nach dem ersten Teil der SoT Reihe Schluß gemacht, weil mir im 2. zu viel gekämpft wurde und die Atmosphäre das märchenhaft-orientalische vermissen liess.

  5. GM_Tom - 29.04.2010 21:25

    Kollege von mir hat es schon ausführlicher gespielt und ist nicht sonderlich begeistert – dem spiel fehlt wohl scheinbar vor allem die herausforderung, es sei einfach sehr einfach und auch sonst etwas uninspiriert. Was Action-Adventures angeht ist die SoT-Trilogie immernoch mein Favorit, aber seitdem ist der Prinz einfach nich mehr das, was er mal war :/

  6. SpielerDrei - 29.04.2010 22:45

    @Felix: Leckere Brote, Softdrinks und Nudeln, ungekostet. Schade dass du nicht da warst, mein Ego hätte einen Polyneuxkenner gebrauchen können ;)

    @Kalle: Zumindest in dem einen Level, den wir spielen konnten, konnte ich keine Kratosähnlichkeit feststellen. Ja, es gibt Kämpfe gegen Gegnermassen und auch wohl angeblich größere Gegner, aber der Fokus liegt immer noch weitaus mehr auf den Sprungpassagen.

  7. Tellurian - 30.04.2010 12:24

    Dieses Spiel wäre deutlich interessanter, käme es nicht im völlig überfrachteten Mai. Aber gut, Ubi möchte den Film als Sprungbrett nutzen, auch wenn das hier kein „Spiel zum Film (zum Spiel)“ wird.
    In den Trailern sah’s schon sehr nach „Zack Snyder’s God of Persia“ aus. Liegt vermutlich an der „Zack-Snyder-Zeitlupe“ die schon God of War hatte.
    Spielerisch erwarte ich eigentlich vor allem anspruchsvolle Level. Sands of Time war ja mehr Akrobatikpuzzle als irgendwas.

  8. SpielerDrei - 01.05.2010 16:01

    Nee, das war wirklich eine Sylvesternacht/urlaub. Mit 24h-Programm: Lock Up, Over the Top, Rocky 1-5, Rambo 1-4, Demolition Man, Copland und Stop oder meine Mami schießt.

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