Polyvieux: ICO & Shadow of the Colossus

altManu macht den Anfang: Shadow of the Colossus ist eines dieser Spiele, über die schon alles gesagt wurde, über die man aber auch gleichzeitig nicht aufhören kann zu reden. Weil sie einfach so einzigartig sind. Ich würde Shadow of the Colossus als größten gemeinsamen Nenner der aufgeklärten Core-Spieler bezeichnen – darauf können sich dann doch irgendwie fast alle einigen. Spätestens bei der Frage, welches Spiel Emotionen wie kein anderes transportiert oder sich als Kunst bezeichnen lassen würde, landet man fast immer bei Shadow of the Colossus. Es ist aber auch so wunderbar melanchonisch. Welches Spiel sonst strahlt schon diese Traurigkeit und Leere aus, wie diese völlig verlassene und trostlose Landschaft des verbotenen Landes.

Doch vor allem fasziniert an diesem Spiel, dass man keinen strahlenden Helden spielt, sondern einen verzweifelten, nur nach einem Ausweg sehenden, schwer verliebten und des Herzens gebrochenen Jüngling, dem jedes Mittel recht zu sein scheint, seine Liebe von den Toten auferstehen zu lassen. Die dazu notwendige Jagd nach den 16 Kollossen belastet uns als Spieler mit Schuld und einer Bürde, der man sich nicht entziehen kann, weil das Spiel durch die dezente Enthaltung einer Narrative uns keine Motivation an die Hand gibt, warum es denn legitim sei, diese beeindruckend schönen Ungetümer zu erlegen. Die riesigen Wesen haben keine Vorgeschichte, die es rechtfertigen würde, sie kaltblütig zu töten. Es gibt keinen Grund, ihnen böse Motive zu unterstellen – und das wichtigste: sie haben uns oder der Hauptfigur nichts getan. Doch „Wander“, unser Protagonist, lässt uns keine Wahl als Spieler, Fragen können wir keine Stellen und es werden auch keine beantwortet.

altPascal lehnt ab: Ich hasse Shadow of the Colossus. Abgrundtief. Das Spiel kann da nicht so viel dafür, eher die Umstände, unter denen ich es spielte. Ich hatte früher keine Playstation, zwischen SNES und Xbox besaß ich rein gar nichts. Als ich dann irgendwann Geld in größeren Mengen verdiente, hab ich mir eine Playstation 2 gekauft um zwei Spiele zu spielen. Shadow of the Colossus und Metal Gear Solid. Mit beiden hatte ich ähnliche Probleme. Ich mag die Idee von Shadow of the Colossus, ich mag sie wirklich sehr. Und ich bin da rein gerannt mit dem absoluten Willen, das Spiel zu lieben, man kann mir also nicht vorwerfen, ich hätte es nicht gewollt. Und dann ist es einfach so… so… aaaaalt! Das Spiel steht mir dabei im Wege, das Spiel zu lieben. Das Spielprinzip ist echt aus der Hölle und würde ein Entwickler nach heutigen Maßstäben mit so etwas ankommen, wir lachten ihn aus. Und die kaputte Steuerung tut ihr Übriges. Echt mal, Leute.

altStiftnuersel muss passen: Da bin ich ja froh, es nie gespielt zu haben! Ich hatte erst eine PS2, da gab es bereits die PS3! Warum ich mir zu dieser Zeit eine PS2 gekauft habe? Weil sie billig war und man sich etwa fünf von ihnen hätte kaufen können und noch immer weniger bezahlt hätte als für den Nachfolger. Jedenfalls spielte ich damals nicht nur PS2, sondern auch mit dem Gedanken, mir Shadow of the Colossus zu kaufen, tat es dann aber doch nicht. Weil es zu teuer war. Ja, ich bin hin und wieder recht geizig. Aber darum geht es hier ja gar nicht. Mittlerweile gibt es ein HD-Remake. Aber das werde ich vermutlich auch nicht anrühren. Ich habe so viel Gutes über das Spiel gehört, dass ich diese positive Blase nicht zum Platzen bringen will, indem ich mich wie mein Vorredner mit einer schlechten Steuerung herumärgern muss. Da lasse ich doch lieber weiterhin die Vorstellung in mir leben, dass Shadow of the Colossus total gut ist und lese nie wieder Pascals Meinung zu dem Spiel. Ha! Oder sind hier andere der gleichen Meinung?

altDoreen widerspricht: Nein, sind sie nicht, also ich zumindest. Keine Ahnung wie man drauf kommt, dass das Spielprinzip aus der Hölle sein sollte. Mein erster Spieldurchgang durch Shadow of the Colossus auf der PS2 dauerte gerade mal ganze zwei Abende. Ich konzentrierte mich damals eigentlich fast ausschließlich auf das Erlegen der Kolosse. Das man Eidechsen suchen und Früchte sammeln konnte, bekam ich tatsächlich erst in der HD-Version mit. Ich ritt quasi halbblind auf meinem Pferd durchs Land, immer diesem Schwertstrahl nach, nur um den nächsten Riesen zu finden.

Ich kann mich noch genau an die Begegnung mit dem ersten Koloss erinnern. Ich saß mit einem Freund damals vor dem TV und als der Koloss seinen Blick in unsere Richtung schwenkte, waren wir schon ziemlich beeindruckt. Diese überdimensionale Größe von Figuren fand ich in Videospielen ja schon immer total geil. Je größer der Kontrast, desto besser. Und ja, die oft erwähnte melancholische Stimmung und die etwas traurige Erscheinung mancher Kolosse habe ich auch wahrgenommen. Aber ich habe festgestellt, dass dieses Empfinden über die letzten Jahre etwas zurückgegangen ist als ich kürzlich die Neuauflage spielte. Es ist immernoch atmosphärisch, immernoch schön, aber ein klein wenig verändert. Oder nein, ich denke eher, dass ich mich verändert habe und nicht das Spiel. Denn bis auf eine kleine optische Aufwertung hat sich da nicht viel getan.

Und lieber Stiftnürsel, man sollte sich kein Spiel durch eine vielleicht schlechte Steuerung und eine vielleicht miese Kamera entgehen lassen, alles halb so wild und überhaupt viel zu viel Technikgemecker. Ich persönlich kann das bei Shadow of the Colossus und auch bei ICO komplett ausblenden, weil es da um so viel mehr geht.

Ach ja und wo wir schonmal bei ICO sind. Da geht es um Freundschaft, vielleicht um noch mehr. Hier geschieht der tiefste Fall, den ich bisher in einem Spiel mit angesehen habe, der Moment hat mich sehr berührt. Und dieses Ende… muss man erlebt haben. Echt jetzt!

altPascal ist einsam: Niemand mag mich verstehen. Abgesehen von dem ganzen, coolen Kram, den ihr hier so aufzählt ist es halt leider ein tendenziell schlechtes Spiel. Tatsächlich hat mir das Rumreiten mehr Spaß gemacht als die Kolosse, weil ich da wenigstens nicht viel Spiel im Spiel hatte, sondern nur diese oft genannte Kunst. Aber entschuldigt, sogar ein World of Warcraft hat spannendere und durchdachtere Bosskämpfe. Oder hab ich wieder nur die langweiligen gespielt?

altChris stellt klar: Der vorletzte Satz enthält fälschlicherweise ein „sogar“. Nicht nur, dass man die Bosskämpfe in World of Warcraft und Shadow of the Colossus kaum miteinander vergleichen kann, weil die Spiele völlig unterschiedliche Spielsysteme und Zielsetzungen – Spaß und Gemeinschaftserlebnis hier, Melancholie und Einsamkeit dort – und deshalb auch unterschiedliche Anforderungen an Bosskämpfe haben. Noch dazu hat World of Warcraft die Messlatte bei den Bossen in den letzten Jahren doch verdammt hoch gelegt. Das ist nicht der Mindestanspruch an Bossdesign, den bitte jedes halbwegs gelungene Spiel übertrifft. Nur wenige Spiele sind in dieser Hinsicht besser.

Shadow of the Colossus habe ich bei einem Freund kennengelernt, der damals im Gegensatz zu mir über eine PS2 und einen Beamer verfügte. Wir haben das Spiel an wenigen Abenden im nicht vorhandenen Multiplayermodus durchgespielt, sind die Kolosse immer abwechselnd angegangen, haben uns Tipps gegeben. Die HD-Fassung des Spiels kommt an meine Erinnerungen an jene Abende nicht heran. Das metergroße Bild in der typischen Unschärfe der Standardauflösung, die für mich immer zur Ästhetik des Spiels dazugehörte, fehlt mir, während das hochaufgelöste Bild der Neuauflage mich permanent anschreit: „Guck mal, hier! Texturen! Einzelne Polygone!“ Über den zweiten Koloss bin ich diesmal nicht hinausgekommen, auch weil mich die Steuerung, die damals von mancher Seite noch dafür gelobt wurde, dass sie indirekt ist, dass man spürbar nicht das Pferd steuert, sondern den Jungen, der auf dem Rücken des Pferdes sitzt, weil mich diese Steuerung, die ich damals so akzeptiert habe, wie sie war, heute ungeheuer nervt. Warum kann der Gaul nicht einfach machen, was ich will?

Stellt sich die Frage, ob ich inzwischen so abgestumpft bin, dass ich den Zauber von Shadow of the Colossus heute einfach nicht mehr wahrnehme, oder ob das Spiel in Wirklichkeit nie so gut war, wie es mir in meiner Erinnerung immer noch erscheint. Vielleicht ist es auch einfach nur ein Spiel, das seine Zeit hatte.

altDaniel blickt zurück: Damals – ich habe in meinem persönlichen Archiv gewühlt und herausgefunden, dass ich schon drei Tage nach dem Europarelease einen Artikel zu Shadow of the Colossus geschrieben habe und genau einen Tag später meine Führerscheinprüfung erfolgreich ablegte, was sich lustigerweise in meinem Gedächtnis eingebrannt hat – spielte ich Shadow of the Colossus auf der PS2, ebenso wie Doreen, mehr oder weniger in einem Rutsch runter. Dass man Eidechsen einsammeln konnte, um seine Ausdauer zu erhöhen, merkte ich nicht, ich nutzte nicht mal irgendeinen der verstreuten Tempel zum Speichern. Ein Koloss wurde erledigt, ich speicherte, dann ging es ab zum nächsten und das Prozedere wiederholte sich. Ja, die Steuerung, und hierbei gerade die Kamera, war nicht immer mein Freund, aber WOW!, was war das für ein tolles Spielerlebnis. Zunächst das einsame Wandern durch die karge aber faszinierende Welt und dann die Kämpfe gegen Gegner, die man zu dieser Zeit in solcher Größe und Pracht noch nicht oft gesehen hatte. Für mich als Melancholiker des 21. Jahrhunderts war das genau die richtige Mischung.

Jetzt habe ich das HD-Remake gespielt und war ähnlich entzückt, wobei gerade die Fehler in der eigentlichen Spielmechanik, also den 16 Bosskämpfen, stärker genervt haben als noch vor ein paar Jahren. Die erste Hälfte der Kolosse erledigte ich mehr oder weniger in einem Handstreich, weil ich noch grob wusste, was zu tun war. Je länger ich aber spielte und je komplizierter die Kämpfe wurden, umso genervter war ich von Steuerung und Gegnerdesign. Warum muss ich manchmal dreimal auf die selbe Art an einem Koloss emporklettern und immer wieder auf dieselben Schwachstellen einprügeln? Ich habe die Lösung doch gefunden, weiß, wann ich wo wie hinspringen muss, aber aus unerklärlichen Gründen muss ich es meistens mehrmals beweisen. Gerade zum Ende hin werden die Kämpfe so zu einer zähen Fleißaufgabe.

Das soll vielleicht so sein und ist eine supergute Metapher für irgendwas, aber gerade dieser Aspekt hat mich am Spiel nie so wirklich interessiert. Shadow of the Colossus ist für mich kein Erzählspiel, sondern ein Gefühlsspiel. Ich muss nicht alles verstehen, was passiert, aber ich fühle meine emotionalen Nervenenden angenehm gekitzelt. Beim HD-Durchgang habe ich schließlich sogar alle Zwischensequenzen bis auf die Allerletzte weggedrückt. Für mich sah das Spiel dank hochauflösender Texturen und besserer Framerate genau so aus, wie ich es in meinem Gedächtnis abgespeichert hatte. Das HD-Remake hat mir also über meine Vergangenheitsverblendung hinweggeholfen.

Bleibt noch ICO, welches mich nie so fesseln konnte wie Shadow of the Colossus. Meine Erinnerung suggeriert mir auch bei ICO ein ganz angenehmes Spielerlebnis in der PS2-Ära, aber nach 40 Minuten mit dem HD-Remake glaube ich nicht, dass ich es noch einmal starten werde. Meine Freundin saß währenddessen neben mir und sagte schließlich: „Das Mädel nervt mich jetzt schon. Passiert da auch nochmal so etwas Aufregendes wie mit den großen Monstern?“

Wahrscheinlich war es ein Fehler von mir, mit Shadow of the Colossus anzufangen und später erst ICO nachzuholen. Im Schatten der Riesen wirkte das Spiel zu unrecht etwas klein und das hat sich auch mit den HD-Versionen nicht verändert. Bleibt noch die irrationale Hoffnung, dass wir mit Last Guardian irgendwann einmal eine gute Mischung aus den beiden Erstlingen von Team ICO bekommen: große Monster, eine Freundschaft und mehr Spielelemente als das Erklimmen von wandelnden Gebäuden.

altSpielerZwei kommt mit Stil: Da ich mich seinerzeit schon recht ausführlich zu Shadow of the Colossus geäußert habe und ich ICO nach wenigen Stunden völlig entnervt abbrechen musste, weil das Eskortieren von NPC’s eine Spielmechanik ist, die grundsätzlich nicht mit meiner Vorstellung von Spielspaß kompatibel ist, möchte ich das Augenmerk mal weg von Gameplay und Steuerung hin zum gemeinsamen Stil beider Spiele lenken: Die Spiele von Team ICO leben meiner Meinung nach komplett von den fantastischen Spielwelten, die einen umgeben. Dabei ist es gar nicht mal der Grafikstil an sich, der sie so besonders macht, obwohl er unbestreitbar sehr speziell und prägnant ist, sondern die Art und Weise, wie die Welten gestrickt sind. Man befindet sich in beiden Spielen in Welten, die ihre Schönheit und Faszination primär daraus beziehen, dass sie „post-irgendwas“ sind. Es sind verwaiste Ruinen, die zu ihrer Blütezeit noch viel schöner gewesen sein müssen als sie sich dem Spieler aktuell präsentieren. Offensichtlich ist lange bevor der Spieler diese Welten besucht, etwas fundamentales, vielleicht sogar apokalyptisches geschehen, was dazu geführt hat, dass ihre ehemaligen Bewohner verschwunden und die einstmals prachtvollen Gebäude verfallen sind. Aber dadurch, dass die Natur die einsamen Ruinen teilweise zurückeroberte, hat sich eine ganz neue Art von Schönheit entwickelt, die der ursprünglichen in nichts nachsteht, ja, sie vielleicht sogar übertrifft.

Diese Art der Ästhetik hat Team ICO natürlich nicht erfunden, wenngleich sie sie wie kaum jemand anderer erzählerisch und atmosphärisch nutzen. So findet man beispielsweise auch im Will Smith-Vehikel I Am Legend diese Art der Schönheit, nur dass man sie hier leider nicht entsprechend ausschöpft und sich lieber auf konventionelle Erzählstrukturen verläßt. Ein positives Beispiel wäre hingegen Enslaved: Ein völlig anders gelagertes Spiel, anderer Grafikstil etc., aber ästhetisch-atmosphärisch vielleicht der Titel, der den Werken von Team ICO in den letzten Jahren am nächsten gekommen ist.

Was ICO und Shadow of the Colossus aber zusätzlich besonders macht, ist der Kniff, dem Spieler nicht ein Mal ansatzweise Erklärungen zu liefern. Die Welt ist für den Spieler einfach als gegeben hinzunehmen, was natürlich erst recht zu ihrer Faszination beiträgt, da man sich um so angestrengter Gedanken über sie macht. Vielleicht ist das ja auch des Pudels Kern, wenn die Kollegen, die sowohl die Originale, als auch kürzlich die HD-Remakes gespielt haben, sagen, dass sie die Spiele beim zweiten Mal nicht mehr ganz so stark geflasht haben: Wenn man diese Welten nicht mehr zum ersten Mal erkundet, eventuell seitdem auch noch viel darüber gelesen bzw. gesprochen hat, kann sich einfach nicht mehr der jungfräuliche „Wow!“-Effekt einstellen, der die erste Erfahrung so prägend machte. Das ist keine Frage der Bildschirmauflösung oder der Framerate. Man kann das „erste Mal“ einfach nicht reproduzieren.

Mich würde ja mal interessieren, wer von Euch tatsächlich Spaß am Gameplay von ICO hatte? Spielerisch finde ich es nämlich noch viel angreifbarer als Shadow of the Colossus. Bei Shadow of the Colossus ist das eigentliche Gameplay zwar auch sehr rudimentär, macht aber trotzdem Spaß, weil es, abgesehen von der Kamera aus der Hölle, ganz gut umgesetzt ist. ICO hingegen nervt doch einfach nur maßlos. Man versteht als Spieler zwar, was sich die Entwickler dabei gedacht haben und findet es daher auch prinzipiell gut, aber praktisch ist das Gameplay doch total dämlich umgesetzt. Zudem ist die Steuerung noch deutlich widerspenstiger als bei Shadow of the Colossus. Mal abgesehen vom tollen Style, der beindruckenden Atmosphäre und der cleveren Intention, ist ICO als Spiel doch eigentlich die totale Grütze, oder nicht?!

altDoreen widerspricht erneut: Du findest in ICO einige der wichtigsten Aspekte eines Videospiels gut und sagst dann aber, dass Spiel sei eigentlich Grütze? Ob ich jetzt allein – oder manchmal auch zu zweit – beispielsweise in Prince of Persia meinen Weg bahne oder eben in ICO zeitweise allein oder zu zweit, ist ja doch sehr ähnlich. Beim CellShading-Pinz ist die zweite Person ja noch im Kampf involviert. Das eine soll also Grütze sein und das andere nicht? Hmm, nö, sehe ich irgendwie nicht. Und jetzt soll mir bitte niemand erzählen, zwischen den Spielen liegen Welten. Majin and the Foresaken Kingdom war ja auch ähnlich aufgebaut, ein Team-Spiel, in dem man sich den Weg zusammen erpuzzeln muss. War in einigen Aspekten nicht schlecht, aber leider einfach zu plump. Da ist ICO von seiner Atmosphäre her ’ne ganz andere Liga. Das einzige, was ich ICO ankreiden muss, sind die nervigen Kämpfe gegen die Schattenwesen.

Und Yorda ist eben Yorda: Zerbrechlich, verletzlich, wirr, schwach, traurig. Hätten sie da eine Lara Croft hingestellt, wäre es ein ganz anderes Spiel geworden. Die Hilflosigkeit des Mädchens wird schon gut rübergebracht finde ich. Und das ganze Sezieren bezüglich der Steuerung und Kamera ist mir ehrlich gesagt furzegal. Wenn ich danach gehen würde, hätte ich kaum noch Spaß an Videospielen – was aber nicht heissen soll, dass ich nicht auch mal meckere. Ich würde aber nie ein Spiel wegen solchem Blödsinn sausen lassen. Mir tut es ja fast etwas weh, dass bei euch ICO zu Hause rumliegt, ihr aber nie das Ende gesehen habt.

altDaniel legt nach: Bei ICO ist die Frage wichtig, was man persönlich als gutes Videospiel empfindet oder wodrauf man besonderen Wert legt. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich habe es auf der PS2 durchgespielt und fand es gut und vor allen Dingen anders, was beim ersten Spielen einen gewissen Reiz ausmacht. Aber als Spiel ist es durch die schon angesprochenen nervigen Schattenkämpfe und den wichtigen Aspekt, dass man sich ständig um Yorda kümmern muss, nicht immer ein großer Spaß. Das sind natürlich teilweise bewusste Entscheidungen der Entwickler, aber sie können die Tätigkeit des Spielens sehr schnell frustig werden lassen. Deswegen werde ich wahrscheinlich auch keinen ganzen zweiten Durchlauf mit dem HD-Remake machen, aber dadurch ist ICO aus meiner Sicht kein schlechtes Videospiel.

altDoreen vermutet: Was ich erstaunlich finde, ist, das gerade dieses „sich-kümmern-müssen“ für mich den Hauptreiz des Spiels ausmacht. Vielleicht ist es bei Frauen der Mutterinstinkt, der da durch kommt. Bei euch müsste es eigentlich einen Samariter-Effekt oder sowas geben.

altSpielerZwei mags bequem: Ich beziehe mich bei meiner Kritik an ICO auf a) eine Spielmechanik, die ich schon immer hasste (das Babysitten eines NPC’s), und b) die technischen Mängel bei der Steuerung, die einfach nur ein störrisches Biest ist, das einem die ohnehin schon nervige Aufgabe nur unnötig erschwert. Gerade b) ist vermutlich mein Hauptproblem, wie ich auch wieder bei Skyward Sword gemerkt habe. Ich kann über so ziemlich alle Defizite eines Spiels hinwegsehen, wenn mich dafür andere Aspekte überzeugen. Nur beim Interface bin ich sehr eigen, weil die Usability meine aktive Verbindung zum Spiel ist. Wenn die nicht ausreichend funktioniert, rückt der Rest in den Hintergrund, egal wie gut er sein mag. ICO ist für mich ein Aston Martin, bei dem man das Lenkrad geklaut hat – ich kann ihn mir immer noch ansehen und schön finden, als Fahrzeug ist er aber nicht mehr zu gebrauchen.

Mir ist aber klar, dass Du das anders siehst, Doreen. Immerhin magst du auch andere sperrige Spiele, wie z.B. Deadly Premonition, zu dem ich mich nicht durchringen konnte, weil ich davon überzeugt bin, dass mich seine Macken zu sehr nerven würden. Der angesprochene Samariter-Effekt funktioniert bei mir überhaupt nicht. Ich finde es auch immer zum Kotzen, wenn der Held in Action-Filmen am Ende noch irgendwelche Kinder retten muss, wenn er eigentlich schon alles im Sack hat. Einzige Ausnahme: Aliens. Weil Cameron es hinbekommen hat, dass Newt als Charakter nicht wie sonst üblich nervt.

altDoreen schließt ab: Deadly Premonition liebe ich, aber auch hier musste ich mich erst an die Steuerung gewöhnen. Das Autofahren war eine Katastrophe, aber das Spiel war einfach in anderen Belangen so ausgezeichnet, da sollte und durfte es einfach daran nicht scheitern. Aber es stimmt schon, mir tut eine schlechte Steuerung oder Kamera meist nur sekundär weh. Sehr störend finde ich z.B. eine überladene Steuerung, wenn Tasten doppelt belegt sind usw., da werde ich total wahnsinnig. Ich mag es dann doch eher schlicht.

„Schlicht“ ist denke ich auch ein gutes Stichwort, um zum Ende zu kommen. ICO und Shadow of the Colossus haben sich ja seinerzeit nicht wirklich gut verkauft und waren dennoch auf ihre Art sehr erfolgreich. ICO schnitt glaube ich noch etwas schlechter ab als die Jagd auf die schönen Riesen. Ich vermute das liegt daran, dass beide Spiele extrem auf das Wesentliche reduziert sind. In ICO wird beispielsweise komplett auf Musik verzichtet (außer in den Credits) und in Shadow of the Colossus liegt das Hauptaugenmerk bei den Kolossen. So wirklich massentauglich ist keines von beiden, sie sind wohl eher etwas für die reifere Spielerfraktion.

Das faszinierendste an den beiden Perlen ist wohl aber, dass jeder Spieler etwas über sie sagen kann, auch wenn er sie vielleicht nie gespielt hat. Denn von ihnen gehört hat wohl jeder schon einmal.


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23 Kommentare

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