Dummheit oder perfider Plan?

Es gibt einen guten Grund, warum ich mich bei diesem Generationswechsel, wenn überhaupt, eher für eine PS4 entscheiden werde. Und ich meine nicht die offensichtlichen Gründe, die in den letzten Monaten zu Genüge allerorten durchexerziert wurden. Natürlich will ich keine DRM-Gängelung. Ich will auch kein Zwangs-Kinect 2.0, dessen Hampel- und Sprachsteuerung mir ohnehin am Arsch vorbei geht und bei dem niemand so genau weiß, was Microsoft mit den damit sammelbaren Informationen noch so vor hat. Ich will ebenso wenig eine Set-Top-Box-All-In-One-Wollmilchsau, bei der das Gaming konzeptionell offenbar nur eine Funktion von vielen zu sein scheint. Und am allerwenigsten will ich eine Konsole von einem Hersteller, der ganz offensichtlich wirklich dachte, dass er seinen Kunden diesen ganzen unverschämten Scheiß einfach aufdrücken kann, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen. Das anschließende panische Zurückrudern in nahezu allen oben genannten Punkten, als nicht der von MS erwartete Jubel, sondern ein Shitstorm sonders gleichen über sie hereinbrach, macht die Sache nämlich kein Stück besser, sondern in gewisser Hinsicht nur noch schockierender. Die haben doch allen Ernstes gedacht, die Leute schlucken das einfach so! Das muss man sich mal vorstellen…!

Aber wie gesagt, um all diese Gründe geht es mir hier gar nicht. Bevor ich zum eigentlichen Punkt komme, noch einmal kurz meine persönliche Ausgangssituation:

Ich bin in erster Linie PC-Gamer. Immer gewesen. Konsolen sind für mich nur Zusatzplattformen. Und die Zusatzplattform, die mir bei dieser Ausgangssituation den größten Mehrwert bietet, habe ich schon lange: Eine Wii U. Für die gewohnt großartigen Exklusivtitel von Nintendo, die man auf keiner anderen Plattform bekommt. Wenn ich mir dazu noch eine weitere Konsole kaufe, dann muss mir diese ebenfalls einen gewissen Mehrwert bieten, den ich anderswo nicht bekommen kann. In der letzten Generation war das die Xbox 360. Eine tolle Maschine, keine Frage. Die Entscheidung gegen eine PS3 war aber nur knapp, ja fast willkürlich. Beide Konsolen haben jeweils ihre Exklusivtitel gehabt, die mich durchaus interessiert hätten. Die PS3 hat mich aber letztlich wegen ihres versauten Starts und der unattraktiveren Konsolenumgebung (Menüführung, PSN-Probleme, Update-Overkill und dergleichen) abgeturnt.

Warum nun aber die klare Absage meinerseits an die Xbox One? Ganz einfach: Ich ziehe als „hauptamtlicher“ PC-Spieler nun endlich die Konsequenzen daraus, dass Microsoft den PC kontinuierlich torpediert und ausbremst, seit sie im Konsolengeschäft sind.

Da ist zunächst die lange Liste von Xbox-Exklusivtiteln, die sich Microsoft auf Kosten der PC-Spieler gekauft hat (und „gekauft“ meine ich hier wortwörtlich…). Als prominenteste Beispiele seien hier Halo und Alan Wake genannt, aber auch Gears of War und die damit verbundene Vernachlässigung des PCs durch Epic, taten dem PC-Gaming richtig weh. Hinzu kommt die direkte Verarschung der PC-Spieler, die Microsoft seit Jahren mit Games for Windows bzw. Games for Windows Live betreibt. Da wird seit vielen Jahren immer wieder vollmundig verkündet, man wolle dies tun und jenes machen, und am Ende kommt immer nur heiße Luft und ein System dabei heraus, das so absurd und umständlich ist, dass es jeder PC-Spieler einfach nur hassen muss. Wenn GfWL in absehbarer Zeit ganz eingestampft wird, wird ihm wohl niemand auch nur eine Träne nachweinen. Die dann nicht mehr zugänglichen Spiele und Savegames dürften Microsofts ohnehin angeschlagenes Image bei den PC-Spielern allerdings nicht wirklich verbessern…

Am Ende bleibt eigentlich nur die Frage, ob Microsoft den PC als Spieleplattform mit voller Absicht sabotiert, um die Konsolensparte zu stärken, oder ob all dies nur aus kompletter Unfähigkeit und Dummheit heraus geschieht. Letzteres ist bei einem solchen Weltkonzern eigentlich nur schwer vorstellbar, weil das ganze Spielchen nun schon seit sehr vielen Jahre und unter den verschiedensten Verantwortlichen unbeirrt weiterläuft. Andererseits ist aber auch die Annahme, Microsoft mache dies mit voller Absicht, nur schwer vorzustellen, denn die Stärkung der Xbox-Sparte auf Kosten des PC-Gamings ist ein Schuss ins eigene Knie. Dadurch dass man das Feld inzwischen fast vollständig Valve überlassen hat, welche nun sogar mit ihrem eigenen Steam-OS auf Linux-Basis in den Startlöchern stehen, kann man sich bald jede Form von Games-Unterstützung in Windows schenken, weil die Spieletauglichkeit dieses Betriebssystems ohnehin bald niemanden mehr interessieren wird. Aber davon abgesehen war die Rolle von Windows als Spieleplattform auch traditionell immer einer der großen Trümpfe, die Microsoft gegenüber Apple in der Hand hielt. Diesen Trumpf nicht konsequent zu pflegen und auszubauen, sondern ihn im Laufe der letzten Jahre eigenhändig immer weiter zu entwerten, könnte sich für Microsoft langfristig als fatal herausstellen. Und zwar für alle Konzernsparten, nicht nur für Windows…


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