Kurz, aber dafür dünn

Ein Gladius ist ein kurzes Schwert, das zur Grundausstattung römischer Legionäre gehörte. Was das mit Warhammer 40.000 zu tun hat? Ich kann es mir nur so erklären, dass damit auf die Penisgröße anabolikageschwollener Space Marines angespielt werden soll.
Vielleicht ist es aber auch nur darauf zurückzuführen, dass sich das Warhammer 40.000-Universum sowieso sinn- und grenzenlos am römischen Imperium bedient. Schließlich wird jeder Dudebro um 300% cooler, wenn er sich mit dem lateinischen Namen eines militärischen Rangs schmückt, egal ob er mit einem Bolzenschießer hantiert oder mit seinem eigenen Gemächt in Muttis Keller.

Wie an all der Pimmelwitzelei vielleicht ersichtlich wird, habe ich mir Warhammer 40.000: Gladius – Relics of War nicht zugelegt, weil ich ein so großer Games Workshop-Fan bin. Wie am bescheuerten, unmerkbar langen Namen des Spiels klar werden dürfte, auch nicht, weil es mir durch hohe Qualität und einen packenden Klappentext auf Steam ins Auge sprang. Nein, ich habe WarhGladius angefragt, weil ich in den letzten Jahren großen Gefallen an 4X-Spielen gefunden habe. So großen Gefallen, dass das Bedürfnis nach Rundenstrategie meinen Drang, Echtzeitstrategiespiele zu spielen, quasi gänzlich ausgelöscht hat. 4X, das steht oft ausschließlich synonym für Sid Meier’s Civilization, heißt aber ganz allgemein: Explore, Expand, Exploit, Exterminate. Spiele wie das genannte Civilization, Endless Legend oder Oriental Empires legen oft unterschiedlich viel Fokus auf die vier Ikse, und nicht selten dienen drei davon nur der Unterfütterung des einen, großen. Im Falle von Gladius könnte man getrost auf die ersten drei verzichten, denn das Strategiespiel dreht sich einzig und allein ums exterminieren. Und jetzt, wo ich das schreibe, stelle ich fest, dass mir Gladius viel besser gefallen würde, könnte ich eine der Fraktionen per Mod durch eine Kompanie Daleks ersetzen.

Die besten intergalaktischen Eroberer.

Ich werde mich hier nicht entblöden und versuchen, die Story von Gladius zu erklären. Erstens kann mir niemand erzählen, dass ein Universum, in dem Männer mit Schulterplatten groß wie Kuhschädel „Für den Gottkaiser!“ grunzen, irgendeine nennenswerte Geschichte liefern kann. Zweitens interessiert sich auch das Spiel nicht dafür. Denn bis auf die Info, dass die Space Marines, Necrons oder welche der bisher vier Fraktionen ich auch auswähle, durch einen bedauerlichen Zufall auf dem Planeten namens Gladius (Aha!) gelandet sind und nun pyramidenförmige Relics of War (A-HA!) sammeln müssen, erfahre ich nichts. Ist auch egal, denn eigentlich hat mir das Spiel nie mehr versprochen, als ich bekomme: Minimalen Basenbau und maximale Kriegsführung. Als Space Marine habe ich etwa nur eine einzige „Stadt“, die ohne jegliche zivile Elemente eher einer Waffenfabrik gleicht. Diese kann zwar umliegende Hexfelder annektieren, Gebietserweiterung erfolgt jedoch eher über aus dem Orbit herabgelassene, phallische Kanonentürme, die ich überall in Sichtweite meiner Einheiten positionieren kann. Necrons dagegen, die Untotenfraktion von Warhammer 40.000, die aber natürlich aus Metall sind, weil in der Zukunft alles verchromt sein muss, können neue Städte nur auf unterirdischen Schrotthalden, ähm, Friedhöfen gründen. Abgesehen von diesen, im Prinzip durchaus interessanten Unterschieden spielt sich jede Runde Gladius absolut gleich. Es gibt keinerlei Diplomatie-, Handels- oder Aufbaufunktionen im Spiel. Sobald ich die entsprechenden Fabriken in einer Basis platziert habe, ejakuliere ich anschließend Infanterie, Panzer und Heldeneinheiten, um damit alle Gegner auf der Karte zu überrennen. Armeesysteme wie mehrfach belegbare Hexfelder oder zu Einheitengruppen hinzufügbare Heldenanführer gibt es nicht. Der einzig taktische Schachzug, den das Spiel zulässt, ist das Flankieren von Gegnern. Ob ich mit einem bulligen Space Marine oder zwei klapprigen Zauberskeletten zuschlage, ist im Prinzip belanglos. Immerhin unterscheidet das Spiel zwischen Nah- und Fernkampfattacken, gegen die verschiedene Einheiten unterschiedlich gepanzert sind. Wenn mir das also Freude bereitet, kann ich wenigstens auswendig lernen, ob man Ork-Plünderer besser zerhackt oder mit glühenden Nieten penetriert. Wirklichen Spaß macht das Kämpfen in Gladius aber nicht, und ich fürchte, auch weitere Patches werden dem Spiel nicht den Durchbruch verschaffen, den es bräuchte. Denn während Updates problemlos die Balance der Einheiten verfeinern und vielleicht sogar die ein oder andere neue Mechanik einbauen könnten, werden sie wohl kaum die grundlegenden kriegerischen Systeme verbessern können. Das ganze Spiel wirkt nicht wie eine Interpretation des 4X-Genres aus Warhammer-Perspektive, sondern wie eine Dekonstruktion von Civilization V auf nicht mehr als den Krieg. Civilization hat genug anderes zu bieten, sodass ich ihm ein seichtes Kampfsystem verzeihe. Aber wer mir verspricht, dass ich mit einer – durchaus hübsch animierten – Armee aus Weltraum-Schwarzeneggern das All erobern kann, der muss mir mehr bieten. Per Rechtsklick eine winzige Truppe aus fünf oder sechs Einheiten zu einer „Belagerung“ zu schicken weckt bei mir zumindest keine Assoziation mit großen Schlachten und mächtigen Imperien. Deshalb bekommt Warhammer 40.000: Gladius – Relics of War von mir einen caesarischen Daumen nach unten.


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